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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-16 · 37 (16.9.1927) · p. Seite 524

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
37 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
Seite 524 (sequence 4)
Language
German
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524. Deutscher gegen die 3cT)nJ’.tMing jü’jifcfjct Friedhöfe Protest erhoben. In der „C. V. - Zeitung" Nr. 2o wurden cu§t tiefem _fcou tdjitt Vaterlandsliebe getragenen Aufr-rs einige Sähe zitiert. Herr Alfred Notb hat daraus am 25. Juli m einein Aufsatz „Eine offene Antwort" Michels Notruf, der ihm als Sonderdruck zugegangen war, mit den üblichen Schlagwerten völkischer Journalistik zu entkräften versucht. Er ist allerdings dabei dom Jrruun zum Opfer gefallen, Wilhelm Michel sei ein „Deckname, hinter dem sich ein listiger Söldling des Autia.rrti-Vcreins vorbirgt. Stil. Gcdaukengang und Ausdrucks-wAss verraten eine Lenkweise, die als ausnehmend jüdisch anzu sprechen ist, ein deutscher Verfasser hätte gewiß nicht nötig, seinen wirtlichen Namen zu verbergen, insofern cr für eine gerechte Sache im Dienste der Wahrheit ftritie. Aber gerade die Uobertreibungen dos Aussatzes und die osfensichtlich gar nicht verfolgte Absicht der Tcutscheuhetze stoßen den unverdorbenen Leser ab". Herr Alfred Roth mutzte nun die bittere Enttäuschung erleben, daß Wilhelm Michel ihm selbst mitteilte, sein Name sei kein Deckname, er selbst kein Jude und sein Notruf dem Hevzen eben eines echten Deutschem entsprungen, das sich gegen das Un deutsche, ja das „extrem W i d e r d e u t sche" der Friedhossschändungen auflehnte. Diesen Brief bezeichnet Herr Alfred Roth in der „Reichssturmsahne" vom 5. September, wie es ja bei seiner Denkweise selbstverständlich ist, als ein „Rechtsertigungsschreibeu", und er billigt auch dem Verfasser zu, datz dieser immerhin „den guten Willen <]t> habt habe, dem deutschen Rainen zu dienen", aber: „Was wir Deutsche einander zu sagen haben, das brauchen wir nicht durch die Vermittlung der Juden zu tun.". Er rückt dann eindeutig von den Gräberschaudern ab und versteigt sich nun zu der Ungeheuerlichkeit: „Aber ich bin noch nicht davon überzeugt, daß die Täter überall Anhänger der völkischen Sache gewesen sind. Jcr, ich scheue mich nicht, den Verdacht ausznsprcchcn, daß es s'rcb mancherorts urn ückauste Mietlinge handeln kann; denn was bietet Iudn eine wirkungsvollere Möglichkeit, keiner Entrüstung über deutschvölkische Verworfenheit freien Lauf zu lassen, als Bortommniffe solcher Art? Und die Totenehrung bei den Juden und semitischen Völkern überhaupt ist ja doch nicht so groß, datz es gewissen Elementen unter ihnen schwer fallen könnte, an entartete Subjekte solche Aufträge zu erteilen. Wessen Juden in der Aufstachelung der Leidenschaften fähig sind, wenn sie damit -ihren Zwecken nützen können, darüber bedarf es sicher keiner weiteren Auseinandersetzungen. Der VanzetLi-Numrncl, der Ratbenau-Rummcl oder auch die Wiener Vorgänge sind eindrucksvolle Benpüle dafür. Ich behaupte dabei nicht, datz die eigentlichen Täter so gekauft worden seien, aber wie solche Dinge .gedreht' werden können-, das wissen Sie so gut wie ich." Derartige Ausführungen wären allerdings geeignet, uns „die Rede zu verschlagen", wie das „Deutsche Tageblatt" sich so schon ausdrückt, wenn wir nicht so fest durchdrungen von der Ueberzeugung unseres guten Rechtes wären. Unnötig, sich mit den einzelnen Anschuldigungen auseinanderzusetzen. Daß Vauzeiti nicht Jude, daß Nathenau ein Opfer völkischer Hetze, datz die Wiener Revolution keine „Juderunache" war, ist oft genug gesagt worden. Die Lästerungen unserer Religion von völkischer Seite sind wir leider gewöhnt; aber gegenüber denjenigen Anschuldigungen, daß die Juden direkt oder indirekt sich Leute dingen, um ihre eigenen Friedhöfe zu zerstören, kann man den Verfasser nur noch als das bezeichnen, womit er einige Zeilen später die Friedhofsschändungen überhaupt zu entschuldigen meint, nämlich: als pathologisch. Wir würden uns auch mit Herrn Alfred Roth nicht so ausführlich beschäftigen, wenn nicht diese neue Brunnenvergiftung schon wieder bis in die kleinsten Provinzblätter dränge. In dem „Täglichen Anzeiger", vereinigt mit dem „Holzmindener Kreisblatt, ^tadtoldendorfer Tageblatt", also einem offiziellen Organ, lesen wir in der Rubrik „Eingesandt", für die die Redaktion, wie ausdrücklich vermerkt ist, nur die pretzgesetzliche Verantwortung tragt, eine Erklärung der „Bezirksleitung der N. S. D. A. P., Bezirk Oberweser" auf einen offenen Brief des braunschweigischen Abgeordneten v. Frankenberg gegen die Nationalsozialisten wegen der Friedhossschändungen: „In einer Nummer der .Oberweser-Vv-lkszeitung' läßt sich ein Zeitgenosse v. Frankenberg, Mitglied des Hohen Hauses in Braunschweig, gegen die Nationalsozialisten in offenem Brief aus. Man muß bei diesem Schreiben unbedingt den Eindruck gewinnen, als eb dieser Zeitgenosse im Trüben zu fischen verbucht, denn seine Märchen von Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen durch Nationalsozialisten in Köln sind bereits durch die Entlassung der 17 festgcuonnnenen Nationalsozialisten widerlegt, und cs liegt bereits zutage, datz die Schändungen durch Juden oder Iudcngcnosscn selbst gemacht worden find, um den Nationalsozialisten eins auszuwischcn." Nun liegt es sogar schon „zutage", daß Juden oder Judengenossen die Kölner Judengräber zerstört haben! Die 17 Nationalsozialisten in Köln sind entlassen, 311m Teil aber wieder festgenommen worden. Tie Untersuchungen gehen dort noch weiter und werden hoffentlich ergeben, welches die wahren Täter sind. Zu unserer Freude erfahren wir, daß auch der Belgarder Töter in dem Bierkutscher Willy Rohling am 8. September bereits gefaßt wurde. Er ist Mitglied des Belgarder Stahlhelms. Auch die Verhandlung gegen ihn wird ja zeigen, ob er „ein Mietllng der Juden" war. Gerade die „(f. V. - Zeitung" hat immer wiederholt, wie unbedingt wichtig es ist. die Verbrecher, die die Ruhe der Toten — sei es jüdischer oder nicht jüdischer — stören, aufzunnden. Wir können auch heute nur diesen Wunsch aufs stärkste wiederholen: denn nur durch Tatsachen kann man derartig verbohrten Gegnern Herkommen. l>r. M‘. E» was sagt §orö öazul Fritsch bietet Fords Buch weiter an! Durch die gesamte Presse der Welt ging der Brief Henry Fords, durch den cr alle feine bisher gegen die Juden ausgesprochenen Verdächtigungen für Lügen erklärte und reumütig die Juden um Vergebung bat. Theodor Fritsch, dein, deutschen Verleger von „Fords ^Internationalen Juden", bleibt es Vorbehalten, aus dieser für ihn beschämenden Situation im eigentlichen Sinne des Wortes Kapital, und zwar „arisches", zu schlagen. Das „Buchhändler-Börsenblatt" vom 29. August 1927 veröffentlicht folgende Anzeige: Henry Ford zieht sein Buch nicht zuvück! Nach wie vor ist zu haben: Ter internationale Jude. 87. bis 191. Tausend. Preis geheftet 3 M., Halbleinen 4,2b Al., auf holzsr. Papier in Ganzleinen 6,— Al. Hoho Rabatte! Günstigste Zahlungsbedingungen! Alle Pressenachrichten über Zurückziehung des Werkes entsprechen nicht der Wahrheit: Hammer-Verlag, Leipzig. Wir wiederholen hier, was Ford über den „Wert" feines Buches in dem Brief an Lom's Marshall sagt: „Ich gestehe daher auch offen, twß ich tief erschüttert war, als ich mein Studium. der Jahrgänge des „Tearborn Independent" und des Buches „Ter internationale Jude" beendet hatte. Ich lackte cs für meine Pflicht, als Ehrenmann das Unrecht wieder gutzumachcu, das ich an den Juden als meinen Mitmenschen und Brüdern begangen habe, indem ich sie um Entschuldigung für den Schmerz bitte, den ich ihnen -ohne Absicht bereitet habe, indem ich die Lügen nach Kräften widerrufe, die ich durch diese Veröffentlichungen verbreitet habe, und indem ich ihnen die uneingeschränkte Versicherung gebe, daß ich Ihnen in Freundschaft und mit gutem Willen .gegenüberstehen werde. Es ist hiernach unnötig', noch zu betonen, daß die Schriften, die hier und im Ausland verbreitet worden sind, aus dem Verkehr gezogen werden sollen, daß ich auf jedem möglichen Wege bekanntmach.n werde, daß sie meine schärfste Mißbilligung haben. ..." Bei dieser klaren Sachlage können wir nur das eine sagen: Schade um jeden Pfennig, den ein Unwissender für das Fordschc Machwerk ausgibt, das der Verfasser selbst als Lug und Trug erklärt. — Uns aber sei die Frage an Henry Ford erlaubt: Geschieht dies Angebot mit seiner Einwilligung? Vereinigung „Totsnkopf". Tie Breslauer Ravarrhelven zu sechs Mourne» Gefängnis verurteilt. Am 8. September beschäftigte sich das Große Schöffengericht beim Amtsgericht Breslau mit der Verhandlung gegen die Angehörigen der Vereinigung „Toten ko Pf", die am 4. Januar d. I. mehrere jüdische Bürger -der Stadt Breslau angefatlen, beschimpft und mißhandelt hatten. Tie Vereinigung „Totenkopf" ist einer jener Bünde, die, wie ein Vertreter der Lefchädigken richtig bemerkte, auf künftige Pogrome dressiert werden und in jener Nacht des Ueberfatls eine Probe ihrer zu erwartenden Leistungen oblegen wollten. Das geistige Oberchaupt der Vereinigung ist ein Major a. D. Wilhelm Wcstphal, der sich als Unterführer und Turnwart bezeichnet. Als nomineller Vorsitzender fungiert ein Heizungsmonteur Georg Korne k: dun Vorstände gehören weiter an ein Brunueutechuikcr Alfred Eisler, ein M i t t e l s ch n l l e h r e r Ernst Woidschützle und ein Steuerbeamter Paul Deichsel. Das Turchschuittsalter der Mitglieder der Bereinigung beträgt etwa zwanzig Jahre. Es sind hauptsächlich Handwerker, die in den Ideen der Nationalsozialistischen Partei „erzogen" werden. Drei von ihnen standen auf der Anklagebank, nämlich der Schlosser Hans B i s k u p ej, der Bäcker Walter Riegcr und der Handlungsangestellte Johann v e r l i ch. Tie "Anklage ging auf gefährliche Körperverletzung und Beleidigung. Die Vernehmung der Angeklagten ergab ein klägliches Resultat. Trotz der Ermahnung des Vorsitzenden, die Wahrheit zu sagen, da genug Zeugen vorhanden seien, behaupteten alle, von nichts zu wissen oder gar selber angegriffen worden zu sein. Ter Angeklagte Sperüch hatte, wie ihm der Vorsitzende vorhielt, ursprünglich bei. der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt, in welchem er erklärte, daß er sich zuerst habe hcrausschwindelu wollen, aber fetzt die Wahrheit sagen werde. Er hatte darin offen zugegeben, daß die Bl i t g l i e d e r der Vereinigung nach einem staitgefnudcnen Bierabend darauf ausgegangen sind, j ü d i s ch e Bürger, d i e ihnen gerade e n t g e g e n kä in e n , an- 3 u c c ui c l n u n d zu schlagen, und zwar besonders unter d c m Einfluß einer Rede des M a j 0 r s Weftv h a!. der ihnen gepredigt hatte, datz a m Ungl ü ck Deutschlands nur d i e I u d e n schuld feien. Das alles aber hatte ^Verlieh dann widerrufen. Jetzt behauptete cr wie die anderen, von nichts zu wissen. Die Polizei habe von ihm das Geständnis erpreßt. Ein Zeuge bekundete, daß eine ganze Horde Totenkopflento die K a i s e r - W i l h e l in - t r a ß e in ihrer ganzen Breite abgesperrt und jeden verprügelt habe, der ihnen als Jude verdächtig erschien. Ein. Mitglüd bee Vereinigung „Totcnkvpf" erzählte, daß schon während des vvraugegaugenen -Bierabends verschiedene ausgerufen hätten: „Schlagt die Juden tot, hängt sie auf!" T ie Vernehmung der beiden Be re in süss ter K 0 r n c k und Wcstphal ergab, daß die „Braunen", zum großen Teil arbeitslose Elemente, stark betrunken waren. Nach Schluß der Beweisaufnahme erklärte der Staatsanwalt, daß er die Anklage auf schweren L a n d s r i e d c n s b r u ch ausdebne. T ie Vertreter der Nebenkläger unterstützten diesen Antrag. Rechtsanwalt Foerdcr wies darauf hin. daß die g c i st i g c u Täter leider nicht auf der Anklagebank säßen, sondern sich rechtzeitig beiseite gedrückt und die verführten jungen Leute ihrem Schicksal überlass.n hätten, nachdem sie diese in die nötige Gewaltsiimmung versetzt hätten. Nach fast oiustüudiger Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil dahin, daß die Angeklagten z u j e f e ch s M 0 n a t c n G es unguis Wegen schwere u L a n d f r i e d e n s b r u ch e s verurteilt würden.

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