Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 37 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- Seite 522 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277729-2277765--03949-2284512- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
S22 „Zu laug Hot ihr sich geplogl unter dem ciscncu rnoskowiti scheu Joch. Wie Freind kumm.n nur zu eich, die barbarische fremde Regierung ist aus? Die gleiche Recht vor Irden soll weren gebaut auf feste Fundamenten. ... Hot mscht auch 1905 der Zar zugesagt die gleiche Recht vor Jiden . . .? Gedenkt Kischincw, Homel, Byalistok, Siedletz und viel hunderter andere blutige Pogromes! Gedenkt dem Beilis-Prozetz un die Arbeit ruu die barbarische Regierung, zu verbreiten dem schrecklichen Ligen von Llutgebrauch bei die Jiden! Asau hot der Zar gehalten ein uwnnrchisch Wort, was er hot gegeben, elendig in die Klemm. Er ist jetzt wieder in die Klemm! — Ot. dos ist die Siboh (Vergeltung) von seine Versprechungen. Eier heiliger Chauw (Pflicht) ist a jetzt, zusammen zu nehmen alle Kräften, mitzuarbeiten, bei die Befreiung . . Und so weiter. Unterzeichnet: „Tie obere Leitung von die verbindet deitsche un österreichisch-ungarische Arrnees". So also hat Herr Ludendorsf zum Sturz des Zaren beizutragen gesucht. Und welche „sichere Quellenschrift" beweist, daß Wilhelm II. den Thron verloren hat, nicht weil Ludendorff eine unglückliche Strategie und Politik führte, sondern weil der Kaiser nicht Freimaurer war? Eine solche „Quellenschrift" ist im August 1896 veröffentlicht worden. Damals waren wüste Angriffe gegen die Logen im „Adelsblatt" erfolgt, woraus sich der damalige Protektor der altpreußischen Großlogen christlicher Observanz, Prinz Friedrich Leopold, an seinen Vetter und Schwager, den Kaiser, wandte, über die „unsinnigen Mitteilungen" Beschwerde erhob und „in der heutigen Zeit die inländischen Logen für besondere Pslegestätten der Religiosität und des Patriotismus" erklärte, woraus Wilhelm II. am 22. Juli 1896 an seinen Kabinettschef v. Lucanus ein Schreiben erließ, und rückhaltlos „Allerhöchst sein Bedauern" über die „ungerechtfertigten Angriffe und Verdächtigungen" der Freimaurerei von seiten des Adelsblattes aussprach. Bei der Leitung der Adelsgenossenschaft habe er geeignete Schritte zur Abstellung solcher Mißstände getan. Und zum Tank dafür sollen die Freimaurer ihren kaiserlichen Verteidiger des Thrones beraubt haben? Doch Ludendorsf sagt cs, und er ist „zu gewissenhaft,.um auch nur eine einzige Behauptung aufzustellen, die nicht durch sichere Quellenschriften belegt ist". Schritt Wilhelm II. gegen die Angriffe auf die Freimaurerei ein, so wird Herr Ludendorsf freilich nur die Achsel zucken. Pslegestätten der Religiosität und des Patriotismus? Menschliche Vervollkommnung das Ziel des Ordens? „Es glaubt ja doch niemand daran, bis auf einige Deutsche", antwortet er; „sie gehören zu der bekannten Sorte von Menschen, die nicht alle werden". Und wenn Friedrich der Große, Lessing, Goethe, Herder, Blücher, Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrich und die „so eigenartig um das Leben gekommenen und beerdigten Männer Mozart und Schiller (!)", sagt Ludendorff, als Zeugen für die Freimaurer angerufen werden, so sei das Betrug. Hatte „ein einziger dieser Edlen" vor seinem Eintritt die Eeheimniye des Bundes gewußt, so könnte sich die Freimaurerei mit ihm brüsten; „so aber sind sie arme Betrogene und ziehen andere in das gleiche Unheil nach", sagt Herr Ludendorsf. „Arme Betrogene", von jener Sorte Menschen, die nicht alle werden! Und das schreibt ein Monarchist von Monarchen, ein Hohenzollern-Freund von den gekrönteir Hohenzollern, die von Friedrich dem Großen bis einschließlich Friedrich III. allesamt Freimaurer gewesen sind gleich Dutzenden anderer Könige und Staatsoberhäupter von Gottes Gnaden und Hunderten Prinzen und Würdenträgern. Als der Philosoph von Sanssouci „das maurerische Licht erblickt" hatte, war er freilich noch Kronprinz. Aber als König führte er selbst den Hammer, und er war schon ein Greis, als er am 7. Februar 1778 einer Großloge schrieb, er werde „immer mit Vergnügen am Glück und an der Wohlfahrt einer Gesellschaft teilnehmen, die so wie diese ihren Ruhm in die unermüdliche und ununterbrochene Verbreitung aller der Tugenden setzt, die den rechtschaffenen Mann und wahren Patrioten bilden". Armer Betrogener! Einer von denen, die nicht alle werden! Er, der gewiß kein blinder Judenfreuud war, hatte keine Ahnung, daß er in den Logen „deutschblütige" Christen zu. „künstlichen Juden" abrichtete und „abgestempelte", wie Herr Ludendorsf haarklein nachweist! Und ein Jahrhundert später, am I. Dezember 1887, schrieb Wilhelm l. an die Rostocker Loge, die Freimaurerei sei „vorzugsweise geeignet, nicht allein alle ihre Mitglieder zn wahrer Religiosität, zu freudiger und opferwilliger Erfüllung der ihnen in ihrer Familie, ihrem Beruf und sonstigen öffentlichen Wirkungskreisen obliegenden Pflichten zu erziehen und durch fortschreitende Selbstveredelung wahrhaft zu beglücken, sondern auch zum Wohle der gesamten Menschheit mit segensreichem Erfolg tätig zu sein". Armer Betrogener! Uno Kaiser Friedrich hatte in der Straßburger Loge die „ewigen Wahrheiten der Freimaurerei" gepriesen: „Zwei Grundsätze bezeichnen vor allem unser Streben: Gewissensfreiheit und Duldung. An ihnen Lassen Sie uns festhalten mit unserer ganzen Kraft. Nicht nur loben wollen wir diese Tugenden, sondern sie auch fleißig üben." Abermals ein „armer Betrogener", einer von denen, die nicht alle werden. Und Goethe, der sogar Gedichte für die Loge machte, ein blindes Huhn! Und Blücher, der jahrelang Stuhlmeister war, und Gneiscnau, der mit ihn: am 2. Mai 1813 einer Logerlarbeit beiwohnte, und Scharnhorst, der ebenfalls dabei war irnd dem die Loge „Scharnhorst zum deutschen Glauben" ihren Namen verdankt, und Ktopstock, der Sänger des Deutschtums, und Hippel, der Verfasser des Ausrufs „An mein Volk", und Fichte, der die Reden au die deutsche Nation gehalten hatte, der Freiherr vom Stein und Theodor v. Echoen und Hermann v. Doyen und Tauentzien und Kleist v. Rollendorff, was waren sie? Arme Betrogene, die nicht wußten, daß sie zu „künstlichen Inden" abgestempelt waren, der jüdischen Weltregierung dienten, das jüdische Weltreich vorbereiteten! Es mußte erst Herr Erich Ludendorsf kommen, um den Nachfahren jener Armenien Star zu stechen, die Geheimnisse zu enthüllen und die Freimaurerei endlich und endgültig zn vernichten. Um aber ganze Arbeit zu machen, spannt er dabei Juden und — Jesuiten, die er neben der New-Porter Großloge und dem Orden Bne- Briß für den Eintritt Amerikas in den Krieg verantwortlich macht, unlöslich zusammen. Manchmal weiß man beim Lesen nicht recht, wen er zuerst vernichten möchte, die Anbeter Jehowas oder die Jünger Loyolas. _ Was er über die Bne-Briß, die Kabbala, den Talmud „enthüllt", kann heute übergangen werden. Die Juden dürfen diesesrnal getrost bei der Abwehr die Hauptarbeit denen überlassen, die ihnen die Ausnahme in ihren Lund versagen: den „christlichen" Großtogen. Die große Nationalmutterloge „Zu den drei Weltkugeln" hat auch nicht gesäumt, alsbald ihre „tiefste Entrüstung" über „diese Schmähschrift" öffentlich auszusprechen, die Unterstellung, die deutsche Freimaurerei habe die französische Revolution unterstützt, als unsinnig zurückzuweisen und eine ausführliche Widerlegung der aue „beklagenswerter Unkenntnis" stammenden Anwürfe anzukündigen. Ja, selbst unter den rabiatesten Hakenkrenzlern ist bittere Fehde über die „Enthüllung" ausgebrochen. Der „Hammer" - F r i t s ch fällt über den General her, weit er zwar mit ihm im Kamps gegen die Freimaurerei einig, aber über deren Entstehung ganz uneinig ist. Herr Hennig wieder sekundiert Herrn Ludendorsf, der sich die Zusendung des „Hammer" in sein Haus verbittet, was hinwieder selbst des Herrn Claß' „Deutsche Zeitung" als „ungerecht, ja empörend" bezeichnet. Es ist ergötzlich, diesem Satyrspiet zur Tragödie des Weltkrieges .zuzusehen, auch zn lesen, wie Ludendorff den Kaiser abkanzelt, der gar kein Recht gehabt habe, von dem ihm geleisteten Treueid zu entbinden, und Herrn Stresemann der Wett als Freimaurer präsentiert, ergo als „künstlichen Juden". „Im Volk beginnt der Haß gegen die Freimaurerei anzuschwellen; die Gefahr besteht, daß der Zorn des Volkes sich wahllos gegen sie entlädt", sagt Herr Ludendorsf. Hat er dllrch seine Schrift vielleicht gar Stresemann schützen wollen? Und von Hindenburg kein Wort? Es scheint nicht. Aber an der Spitze der Stellen, an die Herr Ludendorsf seine ^christ geschickt hat als „Prüfstein der sreimaurerischen Einflüsse in Deutschland", steht: der Reichspräsident. Es sei gestattet, zu wiederholen, was die „E. V. - Zeitung" am 25. Februar 1927 mitgeteilt hat. Die altpreußischen Logen hatten am 14. Juli 1926 Audienz bei Hindenburg, um Angriffe, die gegen sie von deutschvölkischer Seite erhoben wurden, zurückznweisen. Der Reichspräsident erklärte, daß er gern die Versicherung deutscher und vaterländischer Gesinnung entgegcnnehme. und berief sich auf die Tradition seiner eigenen Familie, da seine beiden Großväter zur Zeit der Freiheitskriege Freimaurer gewesen seien. . .. Demnächst erscheint in unserem Verlage: Dr. Alfred Wiener: Iw Sehe Vorbestellungen nimmt schon jetzt entge gen: philo Verleg und Buthtmnälung- G. ttt. b. %. Dönhoff 3594* BERLIN S}\ 68 Undenstrasse iS,