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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-09 · 36 (9.9.1927) · p. Seite 515

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
36 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
Seite 515 (sequence 7)
Language
German
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515 Wohin mit Den jitölHen MrliimM Zn Nr- 25 der „E. V.-Zeitung" vom 24. Juni 1927 hatte Herr Zacob Seifensieder (Nürnberg), eine alte Anregung wieder ausnehmend, zur Angliederung eines deutschjüdischen Museums an das Germanische Museum in Nürnberg aufgerusen. Professor Tr. Alfred Grotte (Breslau) nahm zu dieser Anregung Stellung. Er erkannte zwar die Notwendigkeit, eine zentrale Sammelstelle für deutschjüdische Altertümer zu schaffen, an, hielt aber eine Angliederung an das Nürnberger Museum nicht für zweckdienlich. Im folgenden nehmen Herr S. Kirchftcin (Berlin) und Dr. zur. Karl Ladenburg (Mainz) zu diesem Problem Stellung. Herr S. Nirchstein (öerlin) schreibt: Herr Jacob Seifensieder (Nürnberg) hat die von mir feit 30 Jahren betriebene Propaganda, ein jüdisches Museum zu errichten, erneut ausgenommen; allerdings in sehr beschränkter Form, wenn es sich nur darum handeln soll, deutschjüdische Altertümer museal zu sammeln. Ein jüdisches Museum ist eine Notwendigkeit, um den späteren Generationen ein Bild des Kulturlebens der Juden zu zeigen, sowohl derjenigen Objekte, die dem jüdischen Kultus gedient haben, wie auch aller derer, die in Haus und Familie, öffentlich und privat das Leben der Juden formten. Ta nun diese Ritualien, Drucke, Bilder, Kunstwerke, kunstgewerbliche Gegenstände, Urkunden usw. nicht nur von deutschen Juden, sondern von Juden überhaupt beschaffen und gebraucht werden, so hat nicht ein deutschjüdisches Museum, sondern „u u r ein jüdisches u s e n m" Eristenzbercchtigung. Eine solche Sammlung dem Germanischen Museum anzugliedern, ist unmöglich, denn das Germanische Museum in Nürnberg dient bcnt Kult- und Kulturleben der Germanen, und nur, mcim die Erzeugnisse jüdischen Erlebens eingeordnet werden sollen in die Erzeugnisse, die im Germanischen Musemn Ausstellung finden, als ein Teil künstlerischer, kunstgewerblicher und kultureller Arbeiten der bestimmten Zeiten in Tentschlaud, könnte eine solche Einordnung Berechtigung haben. Soll aber nur -Kult- und Kulturleben der Juden dargestellt werden, so ist dies nur in einem jüdischen Museum, welches nur diesem Zwecke dient, möglich. Nur dann kann die Forderung, die Herr Jacob Seisensieder an den Schluß seiner Ausführungen setzt. Gestalt gewinnen: „Gegenwärtigen und zuküns- Geschlechtern zur Lehr' und dem Judentum — ~ nicht nur dem deutschen Judentum — zur Ehr'." Was nun den Ort eines solchen jüdischen Museums anbetrisst, so kann ich mich nur den Ausführungen von Herrn'Professor Alfred Grotte anschließen, daß wohl in erster Reihe nur Frankfurt am Main in Frage kommen könnte; denn in dieser Stadt, die im Leben der Juden seit Jahrhunderten eine große Rolle spielt, würde ein solches Museum eine ungleich größere Besucherzahl aufweisen und wissenschajtlich anders ausgeschöpft werden können als in Nürnberg. Außer diesem Platz käme meiner Ansicht nach nur Berlin in Frage, weil hier schon durch die von Wolf (Dresden) errichtete Stiftung einer jüdischen Sammlung ein Grundstock vorhanden wäre. Dr. Rarl Laöenburg lMainZ) schreibt: Professor Dr. Grotte (Breslau)- verwirft meines Erachtens mii Recht den Gedanken des -Herrn Seifensieder (Nürnberg), in Nürnberg ein jüdisches Z en t r a lm nseitttt zu errichten. Er geht davon aus. daß das jüdische Material in der überwältigenden Fülle der im Germanischen Museum aufgespeicherten Kunstschätze verschnnnden und nicht die genügende Beachtung finden dürste. Er fordert die Schaffung jüdischer Museen in den großen deutschen Zentren des Judentums, und zwar als Sonderabteilimg der in den Städten bestehenden öffentlichen Museen. Dieser einzig richtige Gedanke ist bereits in Mainz verwirklicht; der im Herbst des Jahres 1925 hier gegründete Verein zur Pflege jüdischer Altertümer hak durch ehrenamtliche Tätigkeit einzelner Geineindemitglieder eine ^Sammlung, eingerichtet, die sich des Besuches aller Kreise der Mainzer Bevölkerung erfreut. Tie Ueberführung der Sammlung, die die kunst- und kulturgeschichtlichen Werte der Mainzer Gemeinde wie die der näheren Umgebung zu erfassen sucht, in das städtische Museum ht geplant und kann nur wegen des bestehenden Raummangels'noch mcht durchgcsührt werden. Für eine weitere Ordnung der deutschen jüdischen Kunst- und Kulturdenkmäler in der Art, wie cs hier in Mainz geschehen, in anderen deutschen Gauen, bin ich bereits früher an anderer Stelle eingetreten. Tie Zusammenstellung aller wichtigen, über ganz Deutschland Zerstreuten Gegenstände an einen Ort wird einmal daran scheitern, da^, wie Professor Grotte schon ansührte, alte, künstlerisch hervorragende^ Ritualgegenstände in den meisten Synagogen noch in Gebrauch sind und somit höchstens als Leihgabe für ^örtliche Museen in t^rage kommen. Ferner aber dürfte ihre dauernde Ueberführung. auch wenn sie nicht mehr in Gebrauch sind, an dem Widerstand der Eigentümer scheitern, und mit Recht: Die Liebe mid 'Anhänglichkeit einer jeden Gemeinde an die ihnen von den Vorfahren überlieferten ^Mlistände, der Wirnsch, die ihr teuer und ehrfurchtsvoll erscheinenden,Tinge sich und ihren Nachkommen in ihrem Kreise zu erhalten, muß sich dagegen sträuben. Mandarf meines Erachtens verarüge Altertümer nur dann an eine andere Stätte verpflanzen, wenn sie sich nn ihrem Fund- und Standort nicht des nötiget! Schutzes und der sachkundigen Behandlttng erfreuen, wie dies sehr oft aus dem Lande der Fall ist. Um die Werte der (wenigstens hier in Rhein- Hessen) immer mehr im Aussterben begriffenen Landgemeinden in Obhut .zu bringen und sie vor unberufenen Händen zu schützen, werden Kreis- oder P r o v i n z i a l m n f c c n sogar zur unbedingten Notwendigkeit. Bor allein^ die berechtigten Forderungen der lokalen Geschichts- und Kunstwrschung, die in den für jüdische Zwecke geschaffenen Gegenständen sehr oft wertvolles Material für die heimische Forschung findet und verarbeitet, sprechen gegen den Plan des Herrn Seifensieder. Tie Lücke eines Sammetmuseums, das sicher ruachwoller als viele Einzelmuseen die deutschjüdische Kultur veranschaulichen würde, ist meines Erachtens durch eiu von berufener Hand^ zu schassendes illustriertes Sammelwerk auszusüllen, chür das _ ich in einem früheren Aufsatz den Titel „Tie deutschjüdischen Kunst- und Geschichtsdenlmäler" vorgeschlagen habe. Um dieses Buch, das der Wissenschaft und der Apologetik in gleicher Weise zu dienen geeigne. ist, herausbringen zu können, bedarf es zunächst der Vorarbeit in den einzelnen Gemeinden Deutschlands, die am besten durch lokale ^Vereine und Sammlungen geleistet wird. Wenn durch ne das gesamte Material ersaßt und gesichtet wird, kann man später ßiid)_ daran denken, durch die Ausstellung der wichtigsten Tinge in Kopien ein Zentralmuseum zu schassen. .... . *• Sollte man soweit sein, so muß dieses Zentralmuseum nach Mainz. Nicht nur meine Gefühle als Mainzer, sondern o b j e k - tive Gründe bestimmen diesen Ruf. Mainz ist der des römisch-» germanischen Zentralmuseums, so daß auch hier die Anglwderungsmöglichkeit an ein vaterländisches Museum, gegeben ist. chMainz, das altehrwürdige Mag’enza, ist die älteste Stätte jüdischer Siedlung im Deutschen Reich, ^die Stätte glorreichster jüdischer Vergangenheit. Hier und die zahlreichen Festgedichte entstanden, die heute noch an Feier- und Gedenktagen die Inden der ganzen Welt erheben und erbauen. Hier was der von der ganzen Welt anerkannte Maharil/denen 500. Todestag in diesem Jahre hier würdig begannen werden wird, seine heute noch richtunggebendenEntscheidunaen. Hier lebte der berühmte Getttzestehrer und Festdichter Rabbi E l a s a r bar N athan (Rabon). Hier ist die Watte, an der noch heute Grabdenkmäler der von Karl dem. Großen nach Deutschland verpflanzten Kolonidenfamilie. die Steine der ehrwürdigen, von ganz Israel als Lehrer anerkannten Rabbi r-nnott Hagadol, des Lehrers Raschis, und Rabbi G e r s ch o a d e r Leuchte der Diaspora, sich befinden. Hier, _ bei dem Tenkmalsfricdhoß ist der naturaegebcne Ort für das später zu errichtende Zentralmuseum. Doch bis dahin ist noch viel organisawrische Arbeit Zu schassen.' _ v Gründe man zunächst provinzielle Sammlungen und cmen Spitzenverbaud oder Ausschuß unter Führung des Centralvereins! Ein Schulprogramm aus öem Jahre 1805. Aus Anlaß des 400jährigen Jubiläums de? Wormser Gvmnafiums <10. bis 12. -September) berichtet von S. Rothschild (Worms). Im Jahre 1912 fand 100jährige Jubiläum des hiesigen Musik- Vereins (gemischter EhoB statt. Ich war vom Vorstande beauftragt, dis Festschrift zu schreiben. Bei diesen Studien fand ich zu meiner freudigen Ileberraschung das ^chulprogramm des Jahres 1S05,_ in dem Chmnasiakdirettor Schneidler die Frage der „Vermischung von Kindern aller R e l i g i o n s p a r t e i e n i n 3 d) :i t e n“ in ausführlicher Weise brwncltt. Er geht dWwi auf die Bedeutung dieses gemeinsamen Unterrichts für die i üd i s che n ^chüler ein und führt aus: „Au lauge hat in manchen Ländern ein blindes Vorurteil die zahlreichen Bekenner dess.tben nicht nur von den bürgerlichen Vorteilen ausgeschlossen, sondern sogar ihre Menschenrechte mit Füßen getreten. Selbst in Staaten.' deren Verfassung ihnen beides in vollem 'Maße zuerkennt, blickt der große Haine, mitunter auch der sich besser Denkende, verachtend auf sie, als aus Wesen niedriger Art herab, erlaubt sich ^pott, Mutwillen und Mißhandlungen aller Art m'gen sie und oerweigcrt ihnen nicht fetten in NottäUcn diejenigen Hilfeleistungen, die der gukgeartete Mensch jedem seiner Brüder, ohne Rücksicht auf ^tand und Religion, in solchen Lagen gerne leistet. Wenn dies Verfahren gegen den einzelnen schon ungerecht ist. gesetzt auch, daß er -durch seinen Unwert oder sein eigenes Betragen Veranlassung dazu, gegeben hätte, so ist es noch unverantwortlicher. wenn cs, bloß der Religion wegen, ein ganzes Volk trifft, das tragen seiner ehemaligen glänzenden Rolle (Volk Gottes hieß es bei den Theologen und Nichttheolcgcn vorzugsroeise vor allen Völkern^ loegen seiner Geistesanlagen, wegen der vortrefflichen Männer von Kopf und Eharakter, die cs von jeher in seinem Schoße erzeugte und die auch jetzt gewiß nicht ganz unter ihm fehlen, und schon nxgcn seiner bedrängten Lage cher Achtung als Schmach verdiente. Forscht man nach dem Grunde dieses Vorurteils, so wird man freilich finden, daß eine gewisse Versunkenheit des Löbens und der Gesinnungen bA beut größeren, ärmeren Teile unter ihnen cs oft veranlaßt oder wenigstens unterhält; aber kein Unbefangener wird auch leugnen, daß die große Verschiedenheit in a: brache, Gebräuchen, Lebensart, die Absonderung von den anderen Religionsverwandten, unter welchen sie leben, und der Mangel an näherer Bekanntschaft mit ihnen, die zu E-MMWNMMS M MOWWEm Staatlich anerkannte Realschule tmt Schüterchelm F~" " 1 Gesunde Waldtage. Oleuzeitlich auSgestaNcte Räume. Lustige. r"*‘“-^ L_ - helle Arbeits- und Schtasümrncr für Nciue Grupvcn. Kleine - 1 j blassen (10 bis HO Lchütcr), Uutecud)t im Freien. Pflege der; ] Musikunter besonderer lünsilerischcrLeUung. Ständige ör-nliche : j Ueberwachung. Anträgen au Sludieuoirekwr ^2Si^SBBBBg5SSaffiBB5BBSaaBSE5B8eaggK^smgB5BSESSg

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