Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 35 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- Seite 501 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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SOI <£*«& (J^/'i Wrelien ölt his Zvhe In der „G. V.-Zeitmig" vom 15. Juli haben wir bereits mitgetcilt, daß Henry Ford sich mit dem Präsidenten des ^mc-rlenn jewi-sll Cormniüoe in Verbindung gesetzt harte, um von ihm zu erfahren, auf welche Weise er das von ihm den Juden zugefugte Unrecht wieder gnnnachen könne. Wir sind heute in der Lage, das Schreiben wiederzugebeu, das Henry Ford an Lollis Marshall, als den Vertreter der amerikanischen Judenheit, gerichtet hat. Lollis Marsyatt hat aus wiederholte Bitten seinen Briefwechsel mit Henry Ford in einer kleinen Schrift niedergelegt, die er uns zum Abdruck zur Verfügung stellt. Wir entnehmen ihr das nachstehende Schreiben*) Heilry Fords, das, wie dieser im Schlußsatz bemerkt, „seiner eigenen Initiative und nur dem Jutereffe von Recht und Gerechtigkeit entsprungen" ist. Henry Ford schreibt an Lorris Marshall: „Vor einiger Zeit habe ich der Serie von Artikeln über die Juden Beachtung geschenkt, die feit 1920 im „Dearborn Judeperldeut" erschienen sind. Einige dieser Artikel wurden in dein Vlrch „Ter internationale Jude" abgedruckt. Obwohl beide Veröfseutlichungen mein Eigentum sind, so ist es doch wohl selbstverständlich, daß esmir bei der Fülle meiner Arbeit unmöglich ist, ihrer Leitling persönliche Aufmerksamkeit zu schenken oder niich über ihren Inhalt zu informieren. Es war daher unumgänglich notwendig, die Leitung dieser Veröffentlichungen Persönlichkeiten zu übertragen, die verantwortlich für sie waren, und denen ich voll unb gang vertrante. Zn meinem großen Bedauern habe ich erfahren, daß die Jllden im allgemeinen, und besonders die dieses Landes (Amerikas), nicht nur diese Publikationen ms Förderung des Antisemitismus ailsehcn, sondern and) in ich als ihren Feind betrachten. Vertrante Freunde, mit denen ich mich unlängst unterhielt, haben lnir in aller Aufrichtigkeit die Dersicherllng gegeben, daß nach ihrer Ansicht die Art der Beschuldigungen und Unterstellungen, die gegen die Juden einzeln und kollektiv in vielen der Artikel, die periodisch im „Tearborn Independent" imb in dem erwähnten Buche erschienen, erhoben wurden, die begründete Empörung aller Juden gegen mich rechtfertigt. Däes hat mich dazu veranlaßt, meine Persönliche Ansmerksamkeit auf diesen Gegenstand zu richten, um die Genauigkeit des Inhaltes der Artikel nachzuprüfen. Ich bekenne, d-aß ich mich nach dieser Ueberwachung tief beschämt fühle, daß diese Zeitung, die ausbauend und nicht zerstörend sein sollte, sich dazu hergegeben hat, über die sogenannten „Weisen von Zion", die, wie ich einsehe, grobe Falschuugen sind, Lügen zu verbreiten, nachzuwcisen, daß die Inden sich verschworen hätten, das Kapital und die Industrie der Welt zu kontrollieren, und ihnen schwerste Verstöße gegen die Rasse, öffentliche Ordnung und Moral zur Last zu legen. Hatte ich die allgemeine Natur dieser Artikel durchschaut, *ganz abgesehen von Einzelheiten und diesen Schmähungen, ich hätte ihre Verbreitung — ohne mich einen Augenblick zu besinnen — verboten. *) Von uns aus dem Englischen übersetzt. Die Echriftltg. denn ich bin vollkommen überzeugt von dem Wert der Judenheit als Ganzem, von dem, was sie und ihre Vorfahren für Zivilisation. Wohlstand und für die Entwicklung von Handel und Industrie getan hat, von ihrer Massigkeit und Sorgfalt, ihrem Wohlwollen und selbstlosen Jutereffe für die Allgemeinheit. Natürlich sind sie immer das schwarze Schaf, da sie immer zwischen Menschen aller Nassen leben, Menschen aller Glaubensbekenntnisse und Nationalitäten, die zum Teil auch Verbrecher sind. Es ist aber falsch, ein Bolk nach einigen wenigen zu beurteilen, und daher verurteile ich vorbehaltlos alle verallgemeinernden Verleumdungen und Angriffe. Tiejeuigeu, die mich kennen, körmcn bezeugen, daß es nicht meine Arr fy't, jemanden zu verdächtigen und zu beleidigen, und daß es immer mein Bestreben ist, mich von Vorurteilen sreizuhalten. Ich gestehe daher auch offen, daß ich tief erschüttert war, als ich mein Studium der Jahrgänge des „D. I." und des Buches „Ter internationale Jude" beendet hatte. Ich halte es für meine Pflicht, als Ehrenmann das Unrecht wieder gutzumachen, das ich an den Juden als meinen Mitmenschen und Brüdern begangen habe, indem ich sie um Entschuldigung für den Schmerz bitte, den ich ihnen ohne Absicht bereitet habe, indem ich die Lügen nach Kräften widerrufe, die ich'durch diese Veröffentlichungen verbreitet habe, und indem ich ihnen die uneingeschränkte Versicherung gebe, daß ich ihnen in Freundschaft und mit gutem Willen gegenüberstehen werde. Es ist hiernach unnötig, noch zu betonen, 'daß die Schriften, die hier und im Ausland verbreitet worden sind, ans dem Verkehr gezogen werden sollen, daß ich auf jedem möglichen Wege bekanntmachen werde/daß sie meine schärfste Mißbilligung haben, und daß von jetzt an der „D. I." unter Gesichtspunkten geleitet werden wird, daß solche Artikel über die Juden nie mehr in seinen Spalten erscheinen können. Lassen Sie mich noch zum Schluß betonen, daß diese Feststellung meiner eigenen Initiative und nur dem Interesse von Recht und Gerechtigkeit entsprungen 'ist, sowie meiner Ueberzeugung von dem, was mir als Mann und Staatsbürger heilige Pflicht ist." Ueber die Aufnahme der Fordschen Erklärung hi Amerika teilt uns Louis Marshall das Folgende mit: „Nichtjuden aller Lager und jeder religiösen Eiustellrnrg, besonders Geistliche jeden Glaubens, haben diesen Vorfall als schritt zur Gesundung betrachtet, als geeignet, eine neue Zeit der Freundschaft und des guten Willens eiuzuleiten und das Ende von ungesunden Vorurteilen und Unduldsamkeit darzustellen. ' Glückwünsche kamen hierzu aus dem ganzen Laude. Tie Haltung der amerikanischen Presse ist während dieser unschönen Zeit höchst anständig gewesen. Sie weigerte sich standhaft, die schamlosen Angriffe-auf die Juden weiterzuverbreiten. Niemand ließ sich dazu verführen, diesen un* geh euren Verleumdungen den geringsten Glauben zu schenken, und nun, da ihre Haltlosigkeit dargetan ist 'und Ford um Verzeihung gebeten hat, hat sie einstimmig die Juden als vollwertige Mitbürger anerkannt und die Darstellung Fords als einen Beweis für die Schlechtigkeit und die 'höchste Sinnlosigkeit des Antisemitismus bezeichnet." (Fortsetzung von Seite 500) rang ftattgesunden hat; es erklärt sich dies daraus, daß weder eine energisll-e Crerrzübenvachung stattfinden konnte, noch bis dahin eine geordnete Verwaltung die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen in der Lage war; aus der Tatsache, daß jahrelang über die Grenzziehung Unsicherheit bestand, und daß während der BAatzungszcit ein Hinüberwechseln über die Grenze ohne schwere Folgen, möglich war, ergab sich eine Art von Gewöhnung der östlichen Bevölkerung daran/ daß sie unerlaubt mich weiterhin über die Grenze zu kommen versuchte, und, wo ihr Hindernisse in den Weg traten, diese zum Teil bitte!) Bestechung auszuramnen sich nicht scheuten- Es ist aber eine erhebliche Uebcrtreibung. daß dieser sogenannte Menschenschrnuggel einen erschütternden Umfang angenommen habe. Nach sicheren Unterlagen wird cs sich im ganzen um höchstens 1000 Personen handeln. . . Ein besonderer Abschnitt des Reiseberichts beschäftigt sich mit den Verhältniffen im Regierungsbezirk Breslau, bzw. in der Stadt Breslau. Auch hier ist die Leichtfertigkeit bei Ilebcrnahme unkontrollierter Behauptungen nicht zu verkennen, trotzdem der Bericht auch an dieser Stelle den Anschein erwecken will, als ob seine Informationen aus amtlichen Quellen stammten. Er sagt: „Im ganzem Bezirk wurden in den letzten Monaten allein 100 Schmuggler sestgesteltt, und in Breslau scibsr in den ersten zehn Monaten (UM weitere 11 ostindische Menxlvr.scbimrggler. die wegen 'Paßvergehens feftgenant men wurden. In der Siegel greift die jüdische Arbcilersürsorge in den Fällen der Festnahme derartiger Leute mit Geld und Awoälten ein, um ihren Glaubenszenvssen zu helfen." .So viele Behaliptungen, so viele Unrichtigkeiten. Abgesehen davon, daß der Berichterstatter das Kunststück macht, Festnahme wegen Paßvergchens in Festnahme wegen Menschenschmuggels nmzubiegen, treffen unserer Kenntnis nach auch die beigebrachten Zahlen nicht zu. Wie wir aus Zu der lässiger Quelle wissen, ent- Hallen die Listen des früher bei der Regierung in Breslau bestandenen G r e n z k o m m i s s a r i a t s für e l n e n sehr langen Z e i t r a u m zirka 2 50 N a m e n, unter denen wohl 75 von Juden sein mögen. Von diesen Juden ist aber nur einer wegen Beihilfe zum Grenzübertritt (also Menschenschmuggel) verurteilt. Alle anderen Angaben des Herrn Kundt sind falsch. Woher er seine Zahlen bezogen hat, wird spater noch festgestellt werden muffen. Tie Behauptungen über die jüdische Arbeiterfürsorge in Breslau können an Fehlerhaftigkeit ebenfalls kaum überboten werden. Durch einfache Anfrage beim Oberpräsidentcn oder beim Polizeipräsidenten in Breslau hätte der Berichterstatter ohne weiteres feststellen können, daß es gerade die jüdische Arbciterfürsorge ist, die die Behörden bei Regelung der Rückwanderung ostjüdischer Flüchtlinge nach Polen in außerordentlicher Weise unterstützt, und daß auch nicht der Schatten eines Beweises dafür gegeben ist, daß sie „derartigen Leuten" mit Geld und Anwälten zur Seite steht; es soll gar nicht bestritten werden, daß die Arbeitcrfürsorgestelle in Breslau Auswanderern vielfach Rechtschilfe leistet, jedoch tut sie es in aller Oefsentlichkeit und mit dem absoluten Wiffcn sämtlicher Behörden, die sich bisher nur in Worten höchster A n e r k e n n n n g ü b e r die Jüdische Arbeiterfürsorgestelle geäußert haben. Dokumentarischer Beweis auch hierüber, sogar aus der Zeit der Meuscheuschmuggelprozesse kann erbracht wertem S. A.-R. # Den: Deutschen Nationalkomitee gehören, wie bereits erwähnt wurde, auch jüdische Organisationen an — nicht der Gentralverem. Daß diese nicht sofort Widerspruch erhoben haben, beweist keineswegs, daß sie ihn als den Tatsachen entsprechend hingenommen hätten. Er war ihnen vertraulich zugegaugem und sie glaubten daher, mit Recht oder Unrecht bleibe dahingestellt, dagegen in der Oefsentlichkeit nicht protestieren zu sollen. Die Veröffentlichung in London hat die Vertraulichkeit gebrochen, die beteiligten jüdischen Kreise ins Unrecht gesetzt. Das ändert aber nichts daran, daß für den Bericht allein Herrn Kundt, als Verfasser, die Verantwortung trifft.