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Central-Verein-Zeitung · 1927-08-19 · 33 (19.8.1927) · p. Seite 481

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
33 (19.8.1927)
Date
1927-08-19
Page
Seite 481 (sequence 5)
Language
German
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4SI Die jüdische Be in den dmischM i ii p- Tie Ergebnisse über die Neligionsgliederung der deutschen Bevölkerung auf Grund der V o l k s z ä h l u n g v o m 16. I u n i 19 25*) liegen nunmehr von sämtlichen Freistaaten vor, und im Anschluß an unsere Veröffentlichung über Preußen (Nr. 24 der „C. B.- Aachen, Krefeld, Mülheim a. d. R. und Münster eine Abnahme, und zwar von 1243 Personen, zeigen, während die Gesamtzunahme in den übrigen Großstädten 45 576 Personen beträgt. Im Vergleich zu 1910 wohnen deshalb r u n d 4 4 0 0 0 I u d e n m e h r in Großstädten: da das Plus der jüdischen Einwohner sich im ganzen auf rund 37 000 beläuft, haben das flache Land und die Mittel- und kleineren Städte 7 00 0 jüdische E i n w o h n e r gegen den Bestand von 1910 verloren. In Sachsen haben die Juden stch um 32,2 v. H. vermehrt, aber auch wie in Preußen sind an dieser Zunahme ausschließlich die Einwohnerzahl Darunter Juden kornmen Juden Nr. Freistaat 1910 1925 1910 1925 1910 1225 1. Preußen. 35000 830 33 120 173 366876 403969 1,05 W 2. Balze rn . 6 832 237 7 379594 55117 49 145 0,80 6,67 3. Sachsen ...... 4 SOG 661 4 992 320 17537 83 252 0,4 0,4 4. Württemberg .... 2 437 574 2 580 235 11982 10 827 0,49 0,42 5. Baden .. 2 142 833 2 312 462 25 896 84 064 1,21 1,04 6. Thüringen . . . . , 1510 538 1609300 3 820 3603 0,25 0,24 7. Hessen. 1232051 1347 279 24063 80 401 1,83 1,52 8. Hamburg. 1 s>iätN4 1 152 523 19 472 19 904 1,92 1,73 9. Mecklenburg-Schwerin « 639958 674045 1413 1225 0,22 0,18 10. Oldenburg ..... 433042 545172 1525 1 513 0,31 0,28 11. Braunschweig . . . , 494 339 501875 1757 1753 0,4 0,35 12. Anhalt . 331123 351045 1333 1140 0,42 0,32 13. Bremen ...... 299 526 338 816 1843 1508 0,6 0,4 14. Lippe.. . 150 937 163643 786 607 0,52 0,37 15. Lübeck.. 116 599 127 971 623 629 0,54 0,49 16. Mecklenburg-^tretitz . . 106 442 110269 254 182 0,24 0,16 17. Waldeck ...... 52 353 55 816 501 477 0,95 0,8 18. Schaumburg-Lipve . . 46652 43 046 230 180 0,49 0,37 zusammen: Deutschland 57 793 3*39 62 410 619 535 122 564 379 0,95 0,9 Zeitung") wollen wir eine Zusammenstellung -er jüdischen Bevölkerungsanteile in den Ländern bringen. Nach der B o I k s z ä h l u n g v o n 1910 betrug die Bevölkerung Deutschlands fast 65 Millionen Einwohner, von denen 61502 1 auf Juden entfielen. Danach stellte stch der Prozentsatz der Juden aus 0,95 Prozent der Gesamtbeoölkerung. In dem verkleinerten Deutschland nach dem Kriege ergab stch nach der^ Volkszählung von 1910 eine jüdische Bevölkerung von 535 122, dieselbe ist wohl hauptsächlich infolge Rückrvandernng aus den abgetretenen Gebieten bis zum Jahre 1925 auf 569 379 gestiegen, aber ihr prozentualer Anteil ist im Vergleich zur Vorkriegszeit von 0,9 5 auf 0,9 gefallen. Nicht nur relativ, auch absolut zeigen in 14 deutschen Ländern die Juden einen Rückgang. Bis auf Preußen, Sachsen, Bremen und Lübeck sind Verluste in den jüdischen Bevötkerungsanteileu zu verzeichnen, und gleiches würde für Preußen und Sachsen zutrefsen, wenn man die Großstadtbevölkeruug von der des gesamten Landes trennt. Tie Verschiebungen in den jüdischen Anteilen seit 1910 treten in den Ländern noch stärker hervor als im Reich. In Preußen entfällt der Zuwachs der jüdischen Einwohner aus die Großstädte, von denen nur Königsberg, Stettin, Halle a.d.S., *) Das „Statistische Jahrbuch für das T-eulsche Reich', besten 45. Jahrgang vor kurzem in stark erweitertem Ilmfang erschienen ist (Lerlag von Reimar Habbing, Berlin, 1926), gibt zwar nur wenig statistisches Material über die Fragen des deutschen Judentums, aber auch die wenigen Tabellen geben manche intercstanten Austcklüste. Tiefe Dürftigkeit des sonst ausgezeichneten Jahrbuchs mögen wir beklagen, aber wir mästen doch anerkennen, dag man die Frage nach der Religionszugehörigkeit, die früher fast zur Schnüffelei snsartete, vielfach austzeschaltet hat. Großstädte Chemnitz, Leipzig und Dresden beteiligt, doch zum Unterschiede von Preußen dürften hier Einwanderungen von Ost- und österreichischen Juden eine große Rolle spielen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist mit 0,4 v. H. gleichgeblieben. Bemerkenswert ist der Rückgang der Juden in Bremen. Ihre Zahl ist um 18 2 v. H., von 1343 auf 1503 gefallen. - Verhältnismäßig am wenigsten Juden wohnen in den beiden Mecklenburg — aus 1000 Einwohner fallen noch nicht zwei Juden — und in Thüringen, drei Freistaaten, die schon 1910 wenig jüdische Einwohner hatten und trotzdem 1925 hinter den Ergebnissen von 1910 zurückgeblieben sind. In Hamburg und Lübeck haben sich die Juden aus der Höhe von 1905 gehalten, wiewohl die Gesamtbevölkerung beträchtlichere Zunahme aufweisen. In den 45 deutschen Großstädten hat sich die Gesamtbevölkerung um über 1 Million Einwohner, bei den Juden aber um 52 000 vermehrt: während die Zunahme bei der Gesamteinwohnerschast seit 1910 7,73 Prozent beträgt, beläuft stch das Plus bei den Inden auf über 16 Prozent, ein Zeichen, in welch stärkerem Maße sich die Konzentrierung der Juden in die Großstädte als bei der Gesamtbevölkerung fortsetzt. Gegenül>er den Schätzungen von völkischer Seite — hat doch erst der bekannte Richard Kuritze in seinem Blättchen verkündet, daß über 1 Million Juden in Deutschland wohnen — bleiben die amtlichen Ergebnisse ganz erheblich zurück. Trotz Rückwanderung ans den abgetretenen Gebieten sind in ganz Deutschland nur 564 379 Juden gezählt worden, — und fast nur in den Großstädten ist ihre Zahl gewachsen. Dx. Julius Rothholz. Die Aernfrage. Ein Schlußwort von Dr. AlsreD Wiener. Als vor einer Reihe von Wochen das deutsche „Pro-Palästina- Komitee" zu Ehren Professor Weizmanus im Berliner Herrenhause eine Kundgebung abhielt, wurden in diesen Blättern (Nr. 27 vom 8. Juli) aus den Reden des Abends gewipe Aeußerungen der bekannten Politikerin Frau v. K a r d o r s f - O h c i in b beleuchtet, die nicht in eitler geschlossenen, innerjüdischen Versammlung, sondern in großer öffentlicher, auch von Nichtjuden besuchten Kundgebung gefallen sind. In Anknüpfung an eines Vorredners Aeußerung hatte die Redncrin vom „Spießer" gesprochen, d c m Veracht u u g gebühre, w ei l er u t d) t den M u t h a be, für eine große Idee (den nationaljüdischen Palästinaaufbau) e i n z u t r e t e n. Die Heimatbewegung, so fuhr sie fort, die Idee der Erinnerung an die Ahnen der jüdischen Zllation hatre diese Aufgabe geschaffen. Gerade die Juden müßten es empfinden, das; sie heimatlos sind. Wenn es auch se l bst v e r st ü u d l i ch sei, daß jede g e r e ch t d e n k e n d e Nation den Juden erneu Platz biete, so habe doch der Jude die Pflicht. s r ch seine Heimat wird e r a u f z u b a u e n. — So und nicht anders lauten, heute etwas ausführlicher wiedergegeben, die von Zwei geschulten, voneinander u n a b h ä n g i g e n Ohrenzeugen sofort schriftlich niedergelegten WortederRednerin. Welche Worte waren geeigneter als diese, uns im Kern zu treffen, unsere Zugehörigkeit zum deutschen Volke, unser Heimatsrecht auf deutschem Boden zu erschüttern! Ist es nicht ein ernstes Zeichen der Gegenwart, daß in einer öffentlichen jüdischen Veranstaltung eine wohlmeinende nichtjüdische Politikerin als wahre jüdische Heimat nur Palästina ansprechen kann, und daß sie uns jüdischen Deutschen in Deutschland, unserem Heimatlande, lediglich ein Gastrecht und dies aus Gerechtigkeitsgründen gewährt? Darüber soll Ulis, meint die jüdische „Rundschau", die neuerdings von dem Führer der zionistischen Weltorganisation vertretene, aus der 9ut der Zeit geborene Theorie trösten, nach der „zwar einzelne Juden, ja sogar jüdische Gruppen ihre Heimat und ihr Vaterland haben, das jüdische Volk als Kollektwnm, das Judentum als solches aber heimatlos ist". Kann solche Wandlung, die sich auch die ..Jüdische Rundschau" zu eigen gemacht hat, auch nur begrüßt lverden, ist sie auch als guter Beweis dafür anzusehen, wie stark die zionistische Gedankenführung unter dem Druck der Nachkriegswirklichkeiten im Flusse ist und wie der Zionist von 1910 und der von 1927, besonders in Deutschland, im Innern anders geworden ist — Weizmanns Einschränkung kann die eindeutigen Anschauungen der Frau v. Kardorfi keineswegs aufheben. ' ■ »

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