Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 31-32 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 465 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2277379-2277729-2277760--03887-2284445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
465 fdyem Sinne. Nebcrall in. der vergangenen Judcnheit wurde die Kunst h-erangezogen, um in Haus und Synagoge zur Bcvklärung aller sichtbaren Kullussormen beizut-ragen, um in den engen Häusern' der Ghetti der Bedrücktheit des äußeren Lebens mit einem Strahl von mwergängkicher künstlerischer- Schönheit entgegenznlouchtcn. Es mag kein Zufall sein, daß m den oft fmtm zwei Meter breiten Stuben der alten Judengaffe zu Frankfurt am Ätain es Brauch mar, die Wände in ihrem ganzen Umfang mit landschaftlich-dekorativen Gemälden zu schmücken und so sich mit künstlerischen Mitteln über die Dumpfheit und Enge hinmegzuiehen. Aber die Ghettobewohner allüberall, im westlichen Europa in spätmittelalterlicher Zeit bis zur Schwelle der Emanzipation meifi Händler, von der Ausübung jeglichen Handwerkes durch Landesgesetze ferngehalten, waren sie nicht alle -llünstler?, Tektonen des Geistes, die weitcrbauten an dem gewaltigen Schöpfungsbau. ihrer Geisteslehre, indem sie seine Struktur durchdachten und deren Erkenntnis Weitergaben späteren Geschlechtern. Alles universale, folgerichtige Denken — aber auch alle gläubige Hingabe an reine Geistigkeit ist ein künstlerischer Ausbau innerer Kräfte und Formen. Künstlerisch schaffen, heißt mit menschlichen Geisteskräften sich dein unerreichbaren Weltschöpfungswerk nähern, ein Zusammen fliesten mit der ewig schöpferischen Ratur selbst. Wer das Physische und geistige Gefüge dieser Gotlcswclt zu erkennen sich bemüht, dem wird sich eine „künstlerische" zentrale Harmonie offenbaren: cchad — allumfassende Einheit. Hieraus ergibt sich ein Wegweiser für jüdische Kunst und jüdische Künstler unserer eigenen Zeit. Jüdische Kunst, soweit deren Werke im engen Zusammenhänge mit dem jüdischen Gotteshaus und seiner Ausschmückung, mit den ritualen Geräten dortselbst und im Familienhause mit der Ausschmückung jüdischer religiöser und profaner Bücher stehen, oder wenn ans freiem künstlerischen Schaffen Werke hervorgehen, deren Grundlage unmittelbar in der jüdischen Gedankenwelt wurzelt und deren Form eigenartig und persönlich empfunden ist. Dazu ist es gar nicht" erforderlich, daß dabei die so oft mißverstandene und dem ruhigen, stetigen Schassen hinderliche Jagd nach der neuesten Etilmode mstgemacht wird. Große Gebiete dieser Gedankenwelt stehen für die Umformung in sichtbare Kunst noch offen. Hier können noch jahrhundertelang die jüdischen Künstler der Judenheit aller Länder und der ganzen Kulturwelt hervorragende Offenbarungen eines universalen Kunstgeistes schenken, die formenden Elemente aber werden innigen Zusammenhang haben mit der Kultur der Heimat, in der sie geborgen werden. Eine spezifisch jüdische Formen spräche wird auf dem Gebiete derbild enden Kunst nicht zu erreichen sein; es wird nuch kein sogenannter jüdischer t i l entstehen. Damit darf aber allen Künstlern jüdischer Abstammung und jüdischen Glaubens nicht ~3%jl4/0te -uJ-le, <xyt 5^<3^Xte4/i/ sasa*? ckjeA, AA+ IrCtyLpJALzA1^.. ‘V&VjOjtÄAfr OIp-otfuAtlV. die absolute Eignung zur bildenden Kunst abgesprochen werden. Allen Gegnern kann eine stattliche Reihe jüdischer Künstler.von hervorragendem Range aus allen Zweigen der bildenden Kunst vorgefteüt werden, auf die ihre Heimatländer stolz sind. Blanche davon waren und sind bahnbrechend und führend. Indisches Empfinden ist Innerlichkeit und Erkennen der Wahrheit aus eigener Kraftz im Spiegel des Göttlichen. Zusammensarumg aller seelisch-schöpferischen Kräfte in das Geheimnis künstlerischen Schaffens, gepaart mit Einheitlichkeit der Gestaltung. Hier bestehen also keine sich einander ausschließenden Gegensätze zwischen jüdischem und künstlerischem Geiste. Tie aber „jüdische" Künstler genannt werden, sollten nicht bloß in der Kunst allein das Vollendetste leisten, sondern zugleich dem Glauben ihrer Däter treu anhängen, so daß sie als Künstler und als Juden vor aller Welt bestehen können. Ter jüdische Künstler soll seine Kunst, sein Leben und seine Religion zu einer harmonischen Einheit ans eigenem Willen gestalten, dann werden seine Werke, was sie auch darstellen mögen, in aller Welt dauernden Wert besitzen und „Licht senden in die Tiefe des menschlichen Herzens". Quellen der Abbilonngen: Siegel und Unterschrift des Gründers der Haaseschen Lederfabrik Jakob Fabrsch (S. 441) ist entnommen der Denkschrift „Lederfabrik F. Haase 1766—1916" von E. Zivier, Ecksteins Biographischer Verlag, Berlin; <5. 27. Bildnis von giain P a f ch a, mit freundlicher Genehmigung des Verlages aus „Im dunkelsten Afrika" von Lenin M. Stanley, F. A. Brockhaus, Leipzig 1890; 1. Band, 2. Aufl., 6. 18. Bildnis von Richard Kandt, mit freundlicher Genehmigung des Verlages aus „Caput Niii" von Richard Kandt, Dietrich Reimer, Berlin 1921, 5. Aufl., <5. 1. Bildnis von Hermann. Burchardt aus „Aus dem Jemen" von E. Mittwoch, Festgabe der Deutschen Morgenländischcn Gesellschaft für den 4. Deutschen Oricntalistentag, Tafel 1. Bildnis von Eduard Glaser aus „Eduard Glasers Forschungsreisen in Eüdarabien" von Otto Weber in „Dev Alte Orient" X„ 2, I. C. Hinrichssche Buchh. Leipzig 1892, Titelbild. Der Minnesänger Süßkind von Tri m der g, mit freundlicher Genehmigung des Verlages aus „Das Judentum" von Georg Liebe, Eugen Diederichs, Leipzig 1903, o. 8 9. Bildnis von Moses Mendelssohn, ans „Berühmte ifraelitische Männer und Frauen" von A. Kohut, A. H. Payne, Leipzig-R., Bd. II, E. 221. Heines Originalhandfchrift der Loreley, aus „Geschichte der Deutschen Literatur" von Ed. Engel, Höldcr-Pichlcr-Tempsky A.-G„ <5. Freu tag, G. m. b. H., Wien-Leipzig, 1922, 2. Band, 36.—36. Ausl., S. 168. (f'orts. 5. 465.) H£?M85CiC