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Central-Verein-Zeitung · 1927-08-05 · 31-32 (5.8.1927) · p. Seite 463

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
31-32 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 463 (sequence 31)
Language
German
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4ö3 katholischen Ecclesia — und daß diese zwei Figuren zu den erlauchtesten Taten der mittelalterlichen Kathedralplastik gehören. Endlich muß man beschwerten Herzens jener Figur der „Synagoge" gedenken, die, vom Meister Konrad Witz im sünfzehnten Jahrhundert gemalt, in der Baseler Galerie hängt. Das Mittelalter kennt kein Bild, das inniger rührt. . . . unö in -er -eucschen baukunst. Bon Architekt Profesior Dr.-Jng. Grotte. „Es hkbt keine Macht der Welt, die der Kunst gegenüber folgerichtiger, aber auch feindlicher ausgetreten n>äre, als eben ote Synagoge. Pei ihr ist die Kuustfeindlichkeit nicht Askese, sondern ein aus der Tiefe nationalen Wesens entsprossener, aus kirchlicher Lehre hervordringender Abscheu, der [evt zweieinhalb Jahrtausenden auf dem ganzen Volke lastet. — Wer im mosaischen Sinne fromm ist, der hat die K u n st zu hassen." Dieses geradezu vernichtende Urteil über die Stellung des Judentums zur bildenden Kunst ist nicht etwa, wie man glauben könnte, einem Heßartikel in irgendeiner sich wissenschaftlich gebärdenden völkischen Zeitschrift entnommen, es ist vielmehr ein Zitat aus dem vielbändigen, zur Jahrhundertrvende. entstandenen Werke über die Baukunst („Handbuck) der Architektur", Band „Kirchen", Seite 138). Und der Verfasser? So sprich! der allen gebildeten Kreisen wohlbekannte Nestor unserer kunstgeschichtlichen Forschungen, der Geheime Hofrat Professor Dr. Cornelius G u r l i t t (Dresden). Es ist bezeichnend — und Gurlitt dürfte mit dieser Anschauung, die auf völliger Verkennung jüdischer Mentalität beruht, durchaus nicht allein dastehen —, wie vollkommen mißverstanden das kategorische: „Du foüft; dir kein Bildnis machen . . / des zweiten mosaischen Gebotes noch heute aufgesaßt wird. — Wie aber steht das Judentum wirklich zur bildenden Kunst? Haben wirklich die ungezählten Mäcene jüdischen Glaubens, die durch Förderung angehender Künstler der deutschen Kunst unschätzbare Treuste erwiesen haben, diesen „Abscheu" verspürt? Und wie verhalt es sich mit den großen Künstlern, die selbst Führer dieser Kunst wurden und von denen gerade in diesen Tagen der Reichspräsident zu deren einem sagen konnte, daß er ein Werk geschaffen hätte, „das in der Geschichte der Kunst von bleibender Bedeutung ist"? Ja, mehr als das. „Neue Wege haben Sie getan, einer ganzen Zeit die malerische Form gegeben." Es wäre aber verfehlt, wollte man^M a x Liebermann als den weißen Raben hinstellen, ihm eine Sonderstellung im Verhältnis der deutschen Juden zur Kunst anweisen. Auch sonst hat das deutsche Judentum Führer in der Kunst aufzuweisen, durch sie den Beweis erbringend, daß wenige Jahrzehnte nach der Emanzipation ausreicksten, um den künstlerischen Keim, der in der Seele des Ehettojudentums schlummerte, zu glänzender Entfaltung zu bringen. Zu diesen Führern auf künstlerischem Gebiete gehörten aber auch Meister der Baukunst. Ihr Name mag weniger volkstümlich sein. Und eben darum sei hier auf sie verwiesen. Ihre Werke haben keinen Museumswert, wir sehen sie täglich auf Straßen, Plätzen; sie gehören sozusagen schon ins Gebiet des Selbstverständlichen. Darum verlieren sie in unseren Augen mit Unrecht an Wert. Waren diese Männer alle „Führer"? Haben sie der deutschen Kunst neue Wege gewiesen? Nicht alle. Man hat den jüdischen Mnstlern vielfach den Vorwurf gemacht, sie seien keine Führer gewesen, es fehle ihnen an „Produktivität". Aber war denn deutle Kunst zu allen Zeiten produktiv? Sind nicht ihre besten Werke dort zu suchen, wo fremde Ideen, von ihr ausgegrifsen, zur höchsten Vollendung gelangten? Von Italien stammt der Backsteinbau; aus Frankreich die Gochik. Deutschen Künstlern war cZ Vorbehalten, diese fremden Bauideen zur grandioseren Blüte zu vringen. lind was schufen deutsche Meister aus den barocken Formen der welpa)en Jesuiten! Und wenn in all den Jahrhunderten das '^czeptwe, Reproduktive in der deutschen Kunst vorherrscht, choar es jüdischen Künstlern vorzuwerfen, wenn sie die gleichen Bahnen wandelten? Zu diesen Reproduktiven gehörten auch die deutschen Künstler des Ghetto. Ihre Leistungen find um so höher einzuschätzon, als ihnen die führende Hand des Meisters, als ihnen jech.oede Tradition mangelte. Ein Grabstein auf dem Prager Judensr.edhof berichtet von Juda G o t d s ch m i d t, der die Pinkas-Si-naarae^daielbst umbaute und im Jahre 1625 starb. Bon I a c o b S ch l e s i n g e r aus Breslau, dem Erbauer des 1689 abgebrannten Prager jüdischen Rathauses, erzählen die Gedenktafeln der dortigen Maurerzunft. Ihre Werke bestehen noch heute. — Aber schon die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts weist Namen von deutschen Baukünstlern auf, die dem Judentum angehörten und deren Werken noch heute die Anerkennung nicht versagt werden kann. So Edwin Oppler (geboren 1831 in Bels?, den Erbauer der das Stadtbild beeinflussenden Synagogen zu Breslau und Hannover, den Schöpfer von Schloß Nolandseck, der auch das Palais des Prinzen von Solm-Braunseld sowie den Umbau des Schlosses Marienburg, beide bei Hannover, aussührte. Dppler war Vertreter des Eklektizismus wie alle Architekten jener Zeit, dennoch diesen auf neue Bauprogramme anwendend und sonach bedingt-produktiv. Hierher gehört auch Hofrat Karl König aus Wien, der geistvolle Künstler und Professor an der Technischen Hochschule, der die bedeutendsten Baukünstler des heutigen Wien zu seinen Jüngern zählen konnte. Die Synthese aus französischer Renaissance und Wiener Barock kennzeichnet seine Werke, die zum Vesten gehören, was Wien an neuerer Baukunstausweist. Eklektiker war auch Dt a x Fleischer, der erste Gehilfe von Altmeister Friedrich Schmidt beim Bau des Wiener Rathauses, und 'Schöpfer moderner gothischer Synagogen, ebenso Richard W o l f f e n st e i n , der gemeinsam mit Crämer in 35 Jahren in und um Berlin architektonische Werke in großer Zahl schuf. Fünf Warenhäuser, ebensoviele Synagogen (Berlin: Lützow- und Lindenstraße, Königsberg, Posen und Dessau) sowie zahlreiche Dillen entstammen der Hand dieses seinen Künstlers. Aber zum Schluß — last not least — sei eines Künstlers Erwähnung getan, der-neue, eigene Wege gehend, ein unbestrittener Führer deutscher Baukunst wurde: Alfred Messel.. Mit 2s Jahren Träger des Schinkel-Preises, beschloß er seine unvergleichliche Laufbahn als Mitglied der Königlichen Akademie des Bau- Wesens, auf ihren Spuren Werke von höchstem Kunstwert hinterlayend. Arbeiterhäuser, Geschäfts- und Industriebauten bis zum Thronsaal des Palazzo Cafarelli, dem römischen Bot'chafterpalais, schuf er mit der sicheren Hand des gottbegnadeten Künstlers. Seine Bauten für Wertheim und die A. E. G. schufen ihm Weltruhm, sein System des modernen Warenhauses wies diesem neuen Bauprogramme neue Wege. Ein Künstler vom Range Liebermanns und Klingers — war er zum Führer der deutschen Kunst geworden. Der retrospektive Charakter dieser kurzen Betrachtungen verbietet die Erwähnung zeitgenössischer Baukünstler, die, mitten im Schaffen stehend, dereinst den hier angeführten Männern stolz sich anreihen werden. Auch unter ihnen bemerken wir feinfühlende Künstler, die an der Entwicklung der deutschen Baukunst lebhaft Anteil haben und dabei sind, ihr neue Wege zu weisen, spätere Zeiten mögen diese würdigen. Aber schon heute kann der Beweis als erbracht angesehen werden, daß das Judentum unseres Vaterlandes, das von diesem so viel Kultur empfangen, auch seinerseits aus dem Gebiete der Kunst den Tribut zu deutscher Kultur geleistet hat. \j'i. v, '' _... * «L— _—— sind infolge ihrer starken Widerstandskraft imstande, die Senkung des Fussgewölhes aufzuhaiten und eine weitere Veränderung der Fu& 1LT A M knocken J & -Jag elastische Fussstützen sind 8i verhindern* as> - fit Jahrzehnten aSs sicherste Heilbehelfe in der ganzen Weit erprobt und fis-sc*™ - Tausende von Dankschreiben bestätigt, erfol?, wie auren , erfolgreichste Var* Wendung bei Senk* und esohlfüssen, Hnick* und ß&reizfässen. So ©xakt können Dr. ScholPs FusseinlagendemFussgewölb© y angepasst werden. Kostenlose Untersuchung durch unsere Aerzte und Fuss-SpeziaJisten. /O 0 «r “1 6ecn*&ncki- 186*?!/'■ RA AlIein^VeFiXciuf.für Qro&'Berlin!

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