Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 31-32 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 443 (sequence 11)
- Language
- German
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443 Pioniere der Afrika- und Äsienforschung Emln Pascha Ttlmard Kandt Hermann Burchardt Eduard Glaser (ermordet 1392) (gest 1918) (ermordet 1909) (gest 1908) - ■ * * “ ." ' - 7^7 ' i ■ . ' , \ " . / ”; ■K-. ■ . . V -ft? ' ' . V 4; ." : :" C - ch ' , . p ' ik . . j ' 1 1 - si. ,/v. j . >.. : ■ -X ’v'' ' \ r" - - | . / . , '•;!; . .. Vi \X -.4 •••— Wie auf allen Gebieten der Kultur, haben sich auch, was fast unbekannt, deutsche Männer jüdischer Abstammung als Forschungsreisende und Entdecker hervorragend betätigt. Der vielgenannte Emin Pascha, dessen Reisen im. dunkelsten Afrika volkstümlich sind, war der Sohn jüdischer Eltern; er hiess Eduard Schnitzer und stammte aus Gleiwitz. Richard Kandt, der infolge einer Gasvergiftung während des Krieges starb, hat die Ergebnisse seiner „Empfindsamen Reisen zu den Quellen des Nils'c in seinem, auch mit ungnvöhnlich journalistischer Begabung geschriebenen ,.Cuput N i l il‘ (5. Auflage, Verlag Dietrich Reimer, Berlin) niedergelegt. Hermann Burchardt drang in wiederholten Reisen in das Innere der arabischen Halbinsel. Er wurde dort von Eingeborenen ermordet. Seine einzig dastehende Photographiensammlung besitzt das Seminar für Orientalische Sprachen in Berlin. Eduard Glasers Ziel war die Erkundung Südarabiens und seiner Bewohner. Es gelang ihm, für das Verständnis Südarabiens in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung grundlegende Inschriften zu entdecken. und Sprichwörter, wie §iofc§p0]t; arm wie Hiob; daZ ist mir zu hoch (Hiob 42, 3)"). In das Rotwälsch und die Studentensprache drangen ^hebräische Brocken ein, wie Asche (oscher) —_ (Mb; Kaffer (Kafran) — Bauer, kaputt (Kappara) dahin, kläffen (Keleb) — bellen, kohlen (kol) — schwätzen, molunt (male) — betrunken, Moos (maoth) Geld, Tächtelmüchtel aus Täuschelnmäuschelu (maschal). Moses und die Propheten. Daß, wie -in Handschuchs heim bei Heidelberg, mitunter in die Mundart der Christen besonders zahlreiche jüdische Splitter eingesprengt sind, wie auch im Mittelalter gelegentlich der „jüdische Sit" (die jüdische Tracht) von manchen Christen nachgeahmt wurde, steht den Tatsachen gegenüber, daß Alexander v. Humboldt seinen Bekannten, wenn sie ein reines Teutsch hören wollten, den Besuch der Predigten von Michael Sachs empfahl. Laß auch hebräische Namen als Taufnamen in Aufnahme kamen, - wie Josef, David, Ernanuel, Joachim, Thomas, Hans (Jochanan), Anna (Channa). Elisabeth, Susanna u. a.. überrascht weniger, als daß Wahrworte des nachbiblischen jüdischen Schrifttums von den Deutschen übernommen wurden, wie: Im Hause des Gehenkten spricht man nicht vom Strick (Talmud Lada mezia 57 b), Narren wachsen unbegopen (Beresch. rabba 45), Gedanken sind zollfrei (LckdduZcb. 49 b und Omer liascliikcha 26). Jeder ist sich selbst der Nächste (Sanh. 9 b), einem Lügner glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht (Sanb. 89 b), schmiede das Eisen, so lange es heiß ist (Aboth d. R. Nathan 17), unter Blinden ist der Einäugige-König (Rer. r. 30), Not kennt kein Gebot (Erub. 27 a), des einen Not, des andern Brot (Rer. r. 38), Gleich und Gleich gesellt sich gern (Baba R. 92 b) u. a. Diese Vertrautheit der Deutschen mit der Bibel und eine Vorliebe für sie, die sich auch in zahlreichen Vertonungen der Psalmen kundgibt, erklärt es, daß Luthers Bibelübersetzung in Deutschland eine ganz andere Aufnahme fand als Bibelübersetzungen in romanischen Ländern, daß, durch Strömungen, wie den Pietismus, *) Ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod; rede, Herr, dein Knecht hört. (1. Sam. 3, 9); Kopfhänger (Ies. 58,5); Korachs- Rotte; sich ins Fäustchen lachen (Sirach 12, 19); Lästermaul (Spr. Cal. 4, 24); Aegyptische Finsternis; Babylonische Verwirrung: Stein des Anstoßes (Ies. 8, 14, 10, 8); die Tage, von denen wir sagen: sie gefallen uns nicht (Noh. 12, 1); Den Seinen gibt's der Herr im Schlafe (Pf. 127,2); Recht muß Recht bleiben (Pf. 94, 15); Philister über dir! (Nicht. 4, 16); Krcthi und Plethi (2. Sam. 8, IS); lieber ein Ende mit Schrecken (Schill, nach Psalm 73, 19); Mann u'.'d Frau sind eins (1. Mose 2,24); nichts Neues unter der Sonne (Koh. 1, 9); Barer der Armen (Hiob 29, 16); wie den Augapfel behüten (5. Mose 32, 10!; ein Dorn im _ _ (Ezech. 3. 19): Finger- |ctg Gottes (2. Mose 8,19)); Fleischtöpfe Aegyptens (2. Mose 16,3); Furcht oes Herrn (Psalm 111,10); mit Füßen treten (Jos. 10,24); cang und gäbe (1. Mose 23, 26); wer anderen eine Grube gräbt (Spr. Sal." 26, 27); sich Mlrch tun (Kohcl. 3, 12); das Herz ausschiittcn (1. Sam. 1, 15); auf Herz und Nceren prüfen (Pf. 7, 10); himmelschreiend (1. Mose 4); Adrabams Schoß; Abrahams Daum (Gewitterwolke); um ein Linsengericht; Lockoogel (Ier * ^5* b^l. 1,10); Menetekel, Moloch, Mohrenwäsche (3er. 12,23) der Rest ist für d:e Gottlosen (Psalm 75, 9); non plus, ultra. (H-ob 38, 11) Prediger in der Wüste (nach Ies. 40,3); ein zweiter Salomo; den Scheide brref schreiben (o. Mose 24,1); vom Scheitel bis zur Sohle (5. Mose 28,35) 6prcu vor dem Winde (Psalm 1, 4); Hexensabbat; Tanz ums goldene Kalo; mein Denjamln; mein Sohn Abraham; Uriasbrief; in den. letzten Mgen likgen (2 Makk. 3,31); Zeichen und Wunder (2. Mose 7.3); Gutes 3i?|Co äiiantcl der Liebe (Spr. Sal. 10,12); halt™ n* Irw unter den Töchtern des Landes Amschau fe*?**^1’*?34;; Storche werden „Mönche" genannt (chassida — Storch), brauchen (von deraL — segnen) in Westfalen u. v. a. gefördert, die deutsche Sprache mit biblischen Reminiszenzen ganz durchsetzt wurde und bis in die klassische Zeit hinein die deutsche Literatur eine Fülle biblischer Zitate aufweist. Aber auch t a l m u d i s ch e Weisheit, durch Uebersetzungen, wie von Herder u. a., vermittelt oder aus dem Bolksmunde geschöpft, begegnet uns auch im späteren deutschen Schrifttum. Manches daraus ist auf diesem Wege zu einem gesiügelten Worte der Temscherr geworden. So bei Logau: Sich selbst besiegen ist der schönste Sieg (Talmud: Aboth 4, 2), bei Goethe: Tie Kunst ist lang und kurz ist unser Leben (Aboth 2, 21), Einmal ein Lumpenhund, er bleibt's in Ewigkeit (Erub. 19 a), bei Schiller: Ehret die Frauen (Baba mez. 59), Tes Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder (Schabb. 152 a). In müßiger Weile schafft der böse Geist (Kethubb. Misclina V), Ter Wein erfindet nichts, er schwatzt's mir au§ (Emb. 65), Allmächtig ist das Geld, auch Mohren kann cs bleichen (Kidd. 71 a: „kessef w’taher mamserim“), Des Menschen Wille ist sein Himmelreich (j. Peah 1, 1), bei Cham ij s o : Schlemiht, der Mann ohne Schatten u. v. a. Auch der deutsche Bauernkalender zeugt von engen Beziehungen, in denen, besonders auf dem Lande, Christ und Jude miteinander verkehrten und die daran erinnern, daß Juden im frühen deutschen Mittelalter Ackerbau betrieben, in Schlesien z. B. die Lehrer darin waren. In manchen Gegenden heißt der Schabbath B’chukkothai. „der kalte Schabbessi Von ihm sagt man: „Bevor de Jode nich flocht hawe, wards Wetter nich better*4, vom Jomkippur, dem Versöhnungstage: „Wann't up den Juden earen ,langen Dag* gued Wear is, dann bliwt et den ganssen hearwest gued" u. a. Des Juden Schicksal und Eigenart spiegelt sich wieder in Worten, wie: „Lieber Jude sein, als das tun", ..Es schmeckt wie ein toter Jude" (elend), „Ein Jude, der nicht spart!'. „Weun^der Christ baut'» Haus und der Jude gibt'n Tochter aus. da müssen beide aussin Buch heraus" (sie haben sich ausgegeben und sind dadurch kreditunfähig geworden) u. a. Ein weireres Gebiet des deutschen Volkslebens, auf dem jüdischer Einfluß zutage tritt, ist die d e u t s ch e V o l k s d i ch t u n g. Eiin^ Märchen, Sagen und Lieder behandeln Juden, so (bei Grimm IV, 95) „Der reiche Jude in Hamburg" (Teireira swie Pintv von Amsterdam und später Rothschild), einer von den Inden, die für dis deutsche Finanzwirtschaft bedeutsam wurden), „Ter Jud' im Dorn'. „Tie klare Sonne bringl's an den ^ag". „Ter ewiae Jude". Andere dürsten durch jüdische Uebersetzer aus dem Arabischen^ zu den Deut" scheu gekommen sein, manche weisen jüdische Motive ans. wie Grimm 1, 168: die Sage vom Sambation, II, 33 (nicht ich hüb'8 gesagt; die Anzeige vom Tode Jehuda hanassis), III, 208 (v>erau§- wachsen der Hand aus dem Grabe, wie beim Grabe Absaloms); I Nr. 77 (die drei Fische, vgl. Talmud Berakh. 61); die Weiber von Weinsberg (Hohelied 12, 1>; der Ring des PolykrateS (Schabbath 119). ^alomon u. Morolf u. a. m. Eine der bedeutendsten Kunstdichtungen des deutschen Mittelalters, der Parsival ' beruht auf der Gr als sage, die in vielen Einzelheiten auf ludgchen Ursprung hinweist. ..Oral" ist noch immer am wahrschein. Uch;ten vom hebräischen goral —Los herzuleiten, das Vorbild der Gralsrunde ist 2. Mose 24, 12, die Helden erinnern an die Garde Sulomos Eooheslicd 3, 7 u. 8), die 40tägige Wanderung durch schützende Wolkenan die 40jährige Wüstenwanderung Israels, dev Monsalvaefche an den Zijon. auf dem Salomo residierte der Edelftenl vom Himmel gesandt, Talmud. Schabb. 59 b usw. Auch Tannist ein Nachkomme des Stabs Ahrons. Die älteste Redaktion von „Kaiser und Abt' ist jüdischen Ursprungs.