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Central-Verein-Zeitung · 1927-08-05 · 31-32 (5.8.1927) · p. Seite 441

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
31-32 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 441 (sequence 9)
Language
German
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441 Don österreichischen Judenfamilien nennen wir nur dieieniaen, deren Sprossen sich auch über Deutschland vetbreiteten. Joachim Edler von Popper, 1720-1795 den Vorsabr des Ingenieurs. Erfinders und genialen Schriftstellers Popper - Lynkeus. die bis 1650 zurückreichenden Jomtob- Bonvi, aus Prag nach Dresden und Mainz sich ausbreitend. Die Löwenstein-Porta, abstammend von Basch-Dassevi. dem Freunde Wallensteins. dem ersten deutschen Juden, der den Adel erhielt, die Nachkommen von Leopold Wols-Eise»- stadt und Rosa Wolf geborene Spitzer, deren Familien- Mit besonderem Dank empfing ich Ihre freundlichen Zeilen vom 8. d. M. und Ihre ehrenvolle Einladung zur Mitarbeit an der Sondernummer Ihres Blattes. Ich bin leider erst vor kurzem von einer Beise um die Erde zurückgekommen und stecke zurzeit in einem derartigen Wust von Arbeit, dass ich Ihrer Anregung für den Augenblick nicht Folge leisten kann. Ich bedaure das lebhaft und hoffe, in einer nicht ferne liegenden Zeit, wenn ich mich etwas freier gearbeitet habe, Ihnen einmal einen Beitrag senden zu können. Jedenfalls würde ich Ihnen dankbar sein, wenn Sie Veranlassung nehmen wollten, mir Ihre Sondernummer zugängig zu machen. Dass Ihre Satzungen meine volle Zustimmung haben, und dass ich mich für die endliche Anbahnung eines beider Teile würdigen Verhältnisses zwischen unseren jüdischen und nichtjüdischen deutschen Mitbürgern auf das lebhafteste interessiere, ist Ihnen ja bekannt. Mit ausgezeichneter Hochachtung Walter Bloem. geschichte der Wiener Eroßkaufmann Ernst Wolf in einem j Buche von vorbildlicher Exaktheit und Schönheit der Ausstattung beschrieb, die Wiener Finanzaristokraten v. Wertheinrer, die vom Rhein stammten und für die Volkswirtschaft ihrer neuen Heimat bedeutsam wurden (Tr. Max Erunwald hat neuerdings in den „Mitteilungen" ihre Genealogie geschrieben). — Ebenfalls in jüngster Zeit entstand das ausgezeichnete Buch von Eottlieb Stein über seinen Vorfahr Nissen Benesch TchiDlow, 1727—1805, zu besten Familie die Organisatoren der Braunkohtenindustrie, die P e t s ch e k s, gehören, das Stammbuch der Guggenheim, die seit 1640 ununterbrochen in Worms sitzen, der Markrerch in Ostfriesland, jetzt in Bremen führende Kommunal- und Gemeinde- Politiker, von Isaak Nathan Markreich, der etwa 1750 in Leer geboren wurde. — Eine hübsche Chronik besitzt die Familie Herz-Weilbnrg, die ebenso wie die Guggenheims seit Jahrhunderten ein Wappen führt und ihren Ursprung ableitet von Herz Feist (1710—1746) und Träutchen geborene Loeb. Die ausgedehnteste aller gedruckten jüdischen Teszendenzen ist unzweifelhaft der „Sarrrsott-SLarnirrbanm" mit etwa 2600 Nachfahren des Markus G u m p e l M o s e s F u l d a, der 1697 nach Wolsenbüttel zog. Sein Enkel Philipp Samson, Finanzberater seines Fürsten, begründete 1786 die noch blühende Samson schule. Wenn wir in diesem Buche eine sehr große Zahl von Mitgliedern des Adels, Offizieren und hohen Staatsbeamten finden, so waren die reichen Stiftungen, die jedem zustanden, der seine Abstammung von Philipp Samson beweisen konnte, für diese nicht mehr zum Judentum gehörigen Abkömmlinge wohl ein Motiv, dem j Kuratorium regelmäßig die Ab- und Zugänge des Perfonal- - standes zu melden. Neben diesen Tafeln und Chroniken besitzt unser Archiv, das doch erst seit vier Jahren besteht, zahlreiche Bürgerbriefe, Heimatscheine, Heiratsverträge, zum Teil recht alte. Zum Schluffe meiner Aufzählung, die noch nicht einmal unsere Urkunden erschöpfen will, sei auf die ältesten uns bekannten Stammtafeln hingewiesen: diejenige der Fannlie Mainz, seit 1390 in Frankfurt a. Main nachwersbar. Die Lnrie, gleichbedeutend mit Luria, Lurje, deren Geschichte, von Anton Lnrie 1923 Znsammengcstellt, im ManneSstamme bis ans Aharon Lnrie, "Zys und in weiblicher Linie bis 1359 Znrttckgcht. bchlreßlrch die Rindstopf, seit 1498 in Frankfurt a. M. < ansässig! ©o Jefjcn die „fremdstämmigen Eindringlinge" aus, denen man rhr Heimatsrecht auf deutscher Erde zu bestreiten gewagt hat! ° Oberfchlesien. Von Dr. I). Braunschweiger (Oppeln). Es ist nicht Zufall, daß die Gegenden Deutschlands, die zuerst durch die römischen Truppen mit Kultur durchsetzt wurden, auch zugleich den fruchtbaren Boden für das Wachstum der ersten jüdischen Gemeinden abgaben. Gewiß ist ein großer Unterschied zwischen dem Westen Deutschlands. wo bereits im vierten Jahrhundert urkundlich nachgewiesene jüdische Gemeinden aufblühen konnten und wo unter den Karolingern das geistige und kulturelle Leben auch unter den Juden ein goldenes Zeitalter erlebte, und dem oberschlesischen Osten, von dem nocl) ein Goethe sagen konnte, daß er fern einer jeden Kultur sei. Aber gerade in der auch heute noch vielfach verkannten Ostmark Oberschlesiens ist deutlich zu erkennen, wie tief miteinander verwurzelt in den jüdischen Gemeinden deutscher Sinn und deutsch eKu^tur ruhen. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß in all den Städten, die in den letzten Jahrzehnten in Oberschlesien ihr mehrfaches Jahrhundertjubiläum begehen konnten, mündliche und schriftliche lieber lieserung Rühmliches von den dortigen Judengemeinden aus alter Zeit zu berichten wußten, so aus Oberglogau, Zülz und anderen. Schon die älteste Urkunde aus dem Jahre 1126 berichtet bemerkenswerterweife, daß die Juden dort, wo sie zuerst erwähnt werden, als Ackerbauer und Landwirte ihr Brot suchten, während sie sicher schon in den vorangegangenen Jahrhunderten als wichtige Faktoren für die Vermittlung des Handels zwischen Osten und Westen zu gelten haben. Diese Tatsache ist um so wichtiger, als sie von einer Zeit erzählt, in der die deutsche Besiedlung des bisher slawischen Ostens noch kaum begonnen hatte. Verfolgungen und andere Ursachen hatten die Juden dann zeitweise aus Oberfchlesien weggeführt. aber im 16. Jahrhundert wurde durch die nach Oberschlesien einwandernden Juden all das Gewerbe dort eingeführt, das sie bisher anderwärts betrieben hatten. So wußten sie sich nützlich zu machen als Inhaber von Brennereien, Salzsiedereien, Ziegeleien und Eisenhämmern, und selbst Pottasche und Schießpulver wurde von ihnen hergestellt. So beziehen sie in den Diensten des oberschlesischen Adels, der sie als fleißiges und betriebsames Element auf seinen Gütern willig ausnahm, die Dörfer Oberschlesiens. Tie im ganzen Lande Zerstreuten versuchte man sogar im Jahre 1691 durch ebnen Juden Salomon Mandel nicht nur in Oberfchlesien, sondern in ganz Schlesien unter einem Juden- Primas und Landesrabbiner zu einigen: ein Versuch, der Leider nicht gelang. Als Friedrich der Große durch die^schlesischen Kriege Oberfchlesien dem brandenburgisch-preußischen Staate angtiederte, war er mit den dort angetrofsenen Judenverhältnipen nicht einverstanden. Seinen sozialen Anschauungen gemäß war jeder Ltand für eine Berufsart bestimmt, und seiner Ansicht nach die Juden nur für den Handel. Im Jahre 1779 sollten die Juden dieser Ansicht entsprechend bis auf wenige Ausnahmen die Törfer^verla^en und nur in den Städten Handel betreiben. Tie Berhaltnipe waren stärker als der Wille eines Menschen, und war es auch der eines so mächtigen Fürsten. Im Gegenteil — Friedrich der Große erkannte, daß bei der Hebung des wirtschaftlichen Lebens nach dem Siebenjährigen Kriege und der Begründung vieler Industrien, eine Bevölkerungsschicht wie die Juden nicht außer acht gelaffen werden konnte. Namentlich bei der Begründung und Förderung der Lederindustrie erteilte die königlich preußische Breslauer Kriegs- und Domänenkammer manchem Juden die Konzession, worüber die Jubelschrift der Lederfabrik Hause in Rybnik (verfaßt von Dr. Zivier, 1916) wertvolles Material mitteilt. Diese Beteiligung der Juden am Wirtschaftsleben Oberschlesiens, das ja bis in die Gegenwart neben der Landwirtschaft hauptsächlich auf die Industrie eingestellt ist, zeigt sich in erhöhtem Maße dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wo die Beteiligung jüdischer Industrieller an Siegel und Unterschrift des Gründers der Haaseschen Lederfabrik Jakob Fabisch (l 766—81) unter dem Vertrag mit der Stadt Rybnik.

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