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Central-Verein-Zeitung · 1927-08-05 · 31-32 (5.8.1927) · p. Seite 438

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
31-32 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 438 (sequence 6)
Language
German
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43$ nämlich erprobendes und sonderndes Element, dessen' gerade der Produktive heute nicht mehr.entraten kann. r Dies, alles wird nun freilich den zahlreichen, deutschen Juden,^ die sich der positiven Arbeit an unserer Kultur ' st i l l und fleißig eingefügt haben, nicht gerecht; noch weniger jenen,bedeutenden Einzelpotenzen, die vollwertige Träger deutschen Geistes sind und deren Wesen sich meinem Gefühl nach energisch ^dagegen sträubt, mit anderen als gemeindeutsä-en Maßstäben ' aemesien 'zu werden. Ich komme nicht darüber hinweg, daß in dieser ganzen Sache nur das praktische Problem wichtig ist, das Problem, die von der Geschichte gestellte' Aufgabe der deutsch-jüdischen Symbiose auf menschenwürdige Weise zu Lösen. Selbst wenn ich die Frage nach dein jüdischen Beitrag zur deutschen. Kultur völlig negativ beantworten müßte, die Ausgabe bliebe unverändert die gleiche und dürste niemals gelöst werden auf dem Wege der Opferung eines Sündenbocks. Hat Marx etwas gelehrt, was heute viele für schädlich halten: wer nimmt denn uns, dem deutschen Gesamtvolk, die Verantwortung ^sür den Marxismus ab, der doch nun von seiner millionenfachen, einwandfrei „deutschblütigeltt Anhängerschaft getragen wird? Keine Wanze gedeiht da, wo sie nicht Boden findet. Alles, was die Judenhasser, gewissen Juden glauben vor- Wersen zu können, fällt auf uns selbst -zurück.^' Ter Einfluß der deutschen Juden auf die deutsche Kultur mag beschafsen sein, wie er will: das deutsche Volk muß ihn mit seinen guten mid'seinen schlechten Qualitäten sich selber zurechnen und dann sehen, wie es" mit beiden vorwärtskommt. Und ich glaube, daß gerade diese Antwort dem' geheimen Sinn Ihrer Fragestellung entspricht. Tenn Ihre Fragestellung h'osst ersichtlich (und berechtigterweise) auf ein M a t e r i a l, . mit dem sich die Ge. s i n n u n g eines friedlich-bürgerlichen Zusammenlebens aller Deutschen propagieren läßt. 'Ich antworte Ihnen nichf'wit M a t e r i a l, sondern direkt mit der Gesinnung, auf die Sie gleich allen redlichen und anständigen Deutschen abzielen; und damit chabe ich meiner lieberzeugung nach das Rechte getan. VonDr.VüulAimr, §r. Friedrich N.Mrl, Dr. Arthur Hellitzer, Dr. D. MmuMLeiger, Dr. Max Grunkvalö. - Re Mölken BemsruMN mit ht HMAn Kultur. Bon StaDLrabbiner Tr. Paul Rreger (Stuttgart). Nach dem bekannten Schreiben Kaiser K o n ft a n t i n s vom 11. Dezember 321 gehörten die deutschen! Juden dem Stande der Grundbesitzer (possessoi^s) an, denen die Pflichten der städtischen Aemter oblagen. - Sie lebten also in geschlossenen städtischen Siedlungen in Deutschland, die erst viel später den Charakter einer Zwangssiedlung (des Ghettos) angenommen haben. In diesen städtischen Siedlungen bildete sich der jüdische Kausmannstyp aus. In einer bayerischen Zoll- Verordnung aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts werden die „gesetzlichen Kanfteute, das heißt die Juden und die übrigen -ßaufleute" erwähnt, also die Juden als die gesetzlich anerkannten Kaufleute bezeichnet. Ebenso nennt Otto 1. 965 in seinem Privileg für Magdeburg „die Juden oder die anderen hier ansässigen Kaufleute", so daß auch hier die Juden mit den privilegierten Kausleuten gleichgestellt erscheinen. In der Bestätigung dieser Urkunde durch Otto II. tvivb diese Fassung sogar in „Kaufteute oder hier wohnhafte Inders abgeändert, ein Zeugnis, daß die städtischen Juden in Deutschland damals die anerkannten Vertreter des Kaufmannstandes gewesen sind. Reben diesen Stadtjuden gab es aber B a u e r n j u d e n, deren Beruf der Acker- und Weinbau war. Noch im 11. Jahrhundert waren die größten jüdischen Gelehrten in der Champagne Weinbauern (Berliner in Je.sehurun II. 1915 S. 129; Theschubotli geone zarlas a. v. St.). Drei Mainzer Juden werden von den Kreuzfahrern bei der Weinlese erschlagen („Jahrbuch für jüdische Volkskunde" 1923, S. 398). Daß der Acker- und Weinbau bis zum 12. Jahrhundert das HaupLgewerbeder deutschen Juden gewesen, ist den Worten des Elieser ben Nathan ans Mainz zu entnehmen: „Heute, wo die Juden keine Aecker und Weinberge mehr haben dürfen, um davon zu leben, ist das Geldverleihen für ihren Lebensunterhalt notwendig geworden/ Juden als Weingartner werden 1116 in Mainz, 1184 und 1206 in Würzburg, 1312 in Frankfurt a. M., 1332 am Bodensee, 1354 in der Gegend von Wien, 1381 in Weinheim usw. genannt. Die deutschen Juden haben also den Weinbau Jahrhunderte lang trotz der kanonischen Verbote betrieben. Aber auch für andere Teile Deutschlands, zum Beispiel für Schlesien, ist die ursprüngliche ackerbauliche.Tätigkeit der Inden urkundlich nachweisbar. So wird am 12. März 1126 den Juden, „wo immer sie in der Kasteltanei in Beuthen den Pflug führen", die Zahlung des Zehnten geboten (Biermann). Wie die deutschen Juden äußerlich aussahen, ist aus Bildern, im Bilderschmuck alter, hebräischer Handschriften, zu erkennen. Ihre Kleidung entsprackdurchaus der ihrer christlichen Mitbürger, bis die Beschlüsse des Laterankonzils vom 30. November 1215 eine eigene Judentracht forderten. Ter Heliand, der zur Zeit Ludwigs des Frommen geschaffen wurde, schildert die Juden als Reckenvolk, gegen das Jesus von der Nordburg Galiläa zum Krieg auszieht. Juden wie H o z o l a s am Hofe des Bischofs von C l e r m o n t im Jahre 472, P r i s k u s im Hofstaatdes Mer o w i n g e r Chilperichs, der als „Haus- -und Tischgenosse seines Königs" bezeichnet wird, der Jude Isaak am Hole Karls des Großen 'sind ebenso wie Mose der Alte ben K a l o n y m o s, den Karl I., Erzbischof von Main; (856 bis 863) nach Mainz gebracht hat, sicher keine Ghettogestalten' gewesen. .. ' . Es ist selbstverständlich, daß diese Juden von jeher die Landessprache als Muttersprache gebraucht haben. Tatsächlich^ läßt sich der Gebrauch der deutschen Sprache als Muttersprache der Juden für ein volles Jahrtausend, das heißt .solange es eine deutsche Schriftsprache gibt, Nachweisen. Bischof Agobard von Lyon klagtin seiner Beschwerde an _König Ludwig den Frommen um 827, daß seine Diözesanen die Synagogen besuchen und behaupten, dort beffere Predigten zu hören als in den Kirchen. Also müssen schon seit dem Anfang des 9. Jahrhunderts die jüdischen Rabbiner in der Landessprache gepredigt haben. Die Juden haben aber die deutsche. Sprache auch außer Deutschlands mit rührender Treue unv-Zähigkeit beibehalten. Lo ist das Deutsche noch heute'für zehn Millionen Juden, also für zwei Drittel aller Juden der Erde, die Muttersprache, obwohl nur eine halbe Million Juden. in Deutschland lebt. Sie hät geradezu bei den Juden des Ostens die Bedeutung einer heiligen Sprache, so daß gelehrte Rabbiner sie für gleichwertig der hebräischen Sprache erklärt haben. Der polnische Rabbiner Meyer Katz schreibt in seinem 1687 in Amsterdam gedruckten Gutachten: . „Es bürgert sich unter unseren Brüdern in Litauen der. Brauch ein, russisch zu sprechen; wenn Gott gibt, daß die Erde voll der Erkenntnis sein wird (im messianischen Zeitalter), werden alle eine Sprache, nämlich delltsch reden (Rechtsgutachten Geburat Anaschim Suppl. 21b)." . ... -- Edihf des Käisefo Konstantin in Konstanfinopel an die Juden Köln* anno 321 n.Chc Codicb Theodosidni TitYIII De Jucfde*^ ÖOlfl CONSTANTtNUS X deCURIONIßUS AQRlppiNICNSIBUS. CUNCTIS ORÖlNlßUS qericRAU uqe coriceöimus IUÖA603 VOCARe AÖ CUR1AOD VJCRUOn UT AL1QUIÖ ipSIS AÖ 50LAT!UCT) PR1ST1MA6 OBSCRVATIONIS RCUNQUATUR. Bf NOS VCL TCRMOS pRimixqio peRpen paticour null 15 NOCHl NATION 1 BUS OCCUpARJ. Die älteste urkundliche Erwähnung der Kölner Juden vom Jahre 321 beweist, wie lange sie schon damals in Köln eine Gemeinde bilden, also in Deutschland heimatberechtigt sind.

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