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Central-Verein-Zeitung · 1927-07-22 · 29 (22.7.1927) · p. Seite 416

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
29 (22.7.1927)
Date
1927-07-22
Page
Seite 416 (sequence 8)
Language
German
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416 »DVSSSSSSSSSSTSSSSVSSSSTSS»S«SVVS»SVSS» ßtoS'wi ■ W#d|M - M Mi Wm,m § (bei Fiumc) gelegen am Meer (9 üd{t cand). o NiÄsNe WKr — Etgmrr WM. 8 ModernN einasrrchtet -- Rpp2rt-mrrrtS - Zimmer mit Dad - f£ie§eul>e3 :? föHeS unb warme) Waffer. Alle MeLizrrralbllder inw MeerbLt-er'. FaspaLe Zimrner mit La^gien oder >crcaffc aufs Meer. Tiälküche nach ärztlicher *\ Vorschrift. Pensionspreise tnfl. Zimmer von Lire. 40,— bis 70.—. y Ausführliche Prospekte an; Verlangen. G Bei Anfragen bitte sich ans das Blatt zn berufen! SDGDGSDSLSSSGDOSDDGSS0L-GDDDSB persönlich in ihrem innersten, unbewußten Wesen ergriffen in atemloser Stille, denn es klang ihnen ihr eigenes zeitlich vergangener-, jedoch keineswegs gestorbenes, sondern höchst lebendiges Wesen aus dieser Musik heraus, die. wie selten, sich so als eine Volk s um s t f erwies. Ter dröhnende Beifall nach jedem einzelnen Stück galt in Dankbarkeit urd;t mir den^ verdienstvollen, arbeitsiamen Veranstaltern, den Chören und Solisten, sondern er galt zugleich dem Genius des eigenen Stammes, der sich hier, unberührt von Außen- und Jnnenstreit. leise leuchtend, friedlich erwärmend und tief ergreifend durch Erinnerung und Gläubigkeit dokumentierte. - Ter erste Abend siel dem unter der Leitung Joseph Zieglers stehenden Münchener Jüdischen Gesangverein und dem Geiger Aischa Elmau zu. Tie Münchener Sänger brachten Werke von E. -51 i r f cfj n c r und L ö w e n ft a m m . außerdem, eine klangschöne, wirkungsvolle Arbeit Joseph Zieglers, die bei dem Ausschreiben des Allgemeinen Deutschen Kantoren-Verbandes Preisgekrönt worden ist. Mischa Elman Paßte sich dem Charakter des Abends durch die Transskription einer alten Melodie „Eli, Eli" und durch ein Werk Ernest Blochs an. Ter lwn Joseph Ziegler gewandt geführte Chor fand die herzliche Anerkennung der großen Hörerschaft, enthusiastisch begrüßt wurde nach allen Nummern Mischa Elmau. Nachdem am nächsten Vormittag der Oberkantor Gmanuel Kirschner aus München über die „Historische E n t w i ck l u n g des Dyn - a g og en g e s a ng e s" reiche und senelnde, von Oberkantor K. B. Levy (Frankfurt) ergänzte Anfschlüffe vermittelt hatte, hörte man am Abend die frommen Weifen des kirchlichen Ritus, Psalme, Klage- und Segensgefünge, Chöre und Vorsänger. Eine weihevolle, bis zum Ende des langen Programms anhaltende Stimmung der Frömmigkeit lagerte über den Tausenden von Zuhörern. Sie ging vom Podium ans, und die Nüchternheit des Saales versank und der Orient stieg aus. Höchstes Verdienst erwarben sich die Ansführenden, die einzeln zu. würdigen, zu weit ginge. Das Ganze war das schöne Ziel. Tie fromme Hingabe des unter Tr. Ehrenreichs Leitung singen-, den Chores der Konservativen Gemeinde am Börneplatz, die vereinigten Chöre der beiden liberalen Gemeinden in der Allerheiligenrrnd Köm Meiner Straße unter den Händen ihrer beiden Tirigenten Artur Holde und Frank Rofthschild gaben die bewegte, snschmiegerrde und oft sehr komplizierte Basis ab, aus der sich die prbelnden, klagenden, die versonnenen und die zerkmrschten Stimmen der vortrefflichen Dorfanger Groß. N an m o w - F l ei sch m a n n, Saretz! i und Scheuer m a n n silbern schwingend oder tief nachhallend erhoben. Ter verschiedenartige Charakter sowohl der Stimme als der Technik bereicherten aufs interessanteste das schon an sich farbige Bild der Zeiten und Themen, die an uns vorüberzogen. Ihre gemeinsamen Gesäuge symbolisierten gewissermaßen den individuellen Reichtum, den das in sich troll aller Divergenzen in Tradition und Gefühl geschlossene Judentum 'nicht nur birgt, sondern durch persönliche Aunasftmg, eigenes Nachdenken und somit ^elbstverantwortung geradezu Pflegt. In jedem weit über das Ästhetische hinausgehendeu Sinn eine anregende, auch die vielen herbeigeeilten Fremden hoch befriedigende Veranstaltung. Der dritte Aberrd machte uns nun mit dem jüdischen Volkskred bekannt. Hier bot sich gewiß viel wertvolles und gewiß unverbildetes Material, um der Frage nach einer jüdischen Musik näherzukommen. Der Ausführung dieses so interessanten, nur zu langen Programms, das wesentlich — wie auch am vorherigen Abend — an einem unverständlichen Mangel der Tertbeilage litt, dienten als Solisten Nahet E r m o l n i t o f \ (Berlin) und Ober kan tor I. Älter (Hannover). Ein begeistertes und dankbares Publikum füllte den großen Saat bis aus den letzten Platz, selbst bis aufs Podium hinaus, rrud erzwang mehrere Zugaben. Am Flügel faßen Tr. Willy Salomon, in vorbildlicher Weise begleitend, ebenso Heinrich Schallt, der außerdem eine Anzahl der Lieder mit großem Stilgcsschl bearbeitet hatte. ^uüen auf öer Wanderschaft/ Von Dr. Joseph Lehmarm. Wenn wir auch den persönlichen Standpunkt des Versasiers Joseph Roth*), der aus seiner jüdisch-nationalen Einstellung kein Hehl macht, nicht teilen, so folgen . wir doch seinen Ausführungen mit größtem Jnteresie, da wir . fühlen, daß uns hier eine Schilderung und Charakterisierung des Oftjudentmns gegeben ist, die, aus wirklichem Erleben hervorgegangen, Licht und Schatten wahrhaftig zu verteilen sucht. Daß diese Schilderung mit glutvollem Herzen, mit heißem Atem gegeben ist, nimmt ihr nichts von ihrer .Klarheit und erhöht den Reiz des Büchleins ebensosehr wie die oft hochpoetisch nnmutenden Schilderungen des inneren Lebens, besonders auch der religiösen Feiern int ostiüdischen Städtchen. Sehr fein beobachtet ist die seelische Einstellung dieses in seine umschränkte, umgrenzte und doch grenzenlose, himmelweite Welt eingeschlojsencn, eingesponneneu Ghettojuden im ostjüdischen Städtchen. „So groß die Not ist, die Zukunft bringt die herrlichste Erlösung. Die scheinbare Feigheit der Inden, der auf den Steinwurf des spielenden Knaben nicht reagiert und den schmähenden Zuruf nicht hören will, ist in Wahrheit der Stolz eines, der weiß, daß er einmal siegen wird." „Was ist der reiche Herr, was ein General gegen ein Wort Gottes? . . . Was weiß dieser Herr von dem wahren Änn des Lebens? Er mag die Gesetze des Landes kennen, merkwürdige Gegenstände erfinden — was ist das alles gegen ein kleines Zeichen m der Heiligen Schrift?" Sehr interessant und ein Zeichen stir die Objektivität des Verfassers ist die Schilderung der Beziehung dieser Juden zum Zionismus. „Von den Menschen kann ihm. nichts wirklich Gutes kommen. Um Palästina kämpft er nicht. Er haßt den Zionisten, der mit den lächerlichen europäischen Mitteln ein Judentum aufrichten will, das keines mehr wäre, weit es nicht den Messias erwartet hat. . . . Zwischen dieser Orthodoxie und einem Zionismus, der am Sabbat Wege baut, kann es keine Versöhnung geben. Einem ostjüdischen Chasjid und Orthodoxen ist ein Christ, näher als ein Zionist." Sehr beachtenswert sind die Ausführungen des Verfaffers über die Ghasfidim, „die innerhalb des Judentmns eine sehr merkwürdige Stellung einuehmcn". „Sie find für den Westeuropäer ebenso ferne und rätselhaft wie etwa die Bewohner des Himalaja. Am Hofe eines Wunderrabbis ereignet sich ebensoviel Interessantes wie bei den indischen Fakiren." Ter Verfasser gibt bei aller Kritik eine warme, liebevolle Darstellung dieser chassidischen Welt, ein Ghetto im Ghetto, und der Wunderrabbi, gläubig in sich und an sich glaubend und von glaubenden Gläubigen umringt, ist mehr ein Helfender und Seaenbringender als ein betrogener Betrüger. Mit wahrer Andacht schildert der Verfasser den Jom Kippur im jüdischen Städtchen. Wir möchten am liebsten dieses ganze Kapitel wiederholen, Jtirc wenige Sähe müssen zrrr Charakteristerung genügen. „Tie Gayen sind plötzlich dunkel, wert aus allen Fenstern der Kerzenglanz bricht, die Läden eilig und in furchtsamer Hast geschlogen werden — und gleich so unbeschreiblich dicht, daß man glaubt, sie würden erst am jüngsten Tag wieder geöffnet. Es ist ein allgenieiner Abschied von allem Weltlichen: vom Geschäft, twn der Freude, von der Natur, und vom Epen. . . . Alle Väter segnen jetzt ihre Kinder. Alle Frauen weinen jetzt vor den silbernen Leuchtern. Alle Freunde umarmen einander. Alle Feinde bitten einander um Vergebung. Ter Chor der Engel bläst znm Gerichtstag... . Aus tausend Fenstern bricht das schreiende Gebet, unterbrochen von stillen, weichen, jenseitigen Melodien. . . . Ganze Hauser sind erfüllt von weißen Sterbehemden, von Lebenden, die nicht hier sind, von Toten, die lebendig werden . . / Und nicht minder anschaulich ist die Schilderung eines Begräbnisses wie die Feier eines Freudenfestes. Wir schauen tief in die Herzen und Seelen dieser Menschen, die uns nah und doch so fern, so unendlich fern. Wertvoll ist auch, was der Verfasier über die einzelnen Berufe zu sagen weiß. besonders auch über die Eigenart des ostjüdffchen Proletariats, das so ganz anders ist als das, ,ävas der Spießer Bolschewik nennt". .T?er arme Jude ist der konservativste Mensch unter allen Armen der Welt. Er ist geradezu eine Garantie für die Erhaltung der alten Gesellschaftsordnung/ „Religion und Sitte verbieten Ausruhr. Empörung und sogar offenen Neid." „Es ist nur ein Irrtum der Antisemiten, zu glauben, die Jrrden wären radikale Revolutionäre. Ten bürgerlichen und halbprolckarischen Inden ist ein jüdischer Revolutionär ein Greuel." Ileberraschend ist die Bemerkung des Verfassers über d re B lu t - Mischung unter den Ostjuden, über die Häufigkeit der Ilebertritte slawischer Bauern zum Judentum, obwohl das offizielle Judentum sich dagegen wehrt. „Ohne Zweifel ist in den Ostjuden viel mehr slawisches Blut, als etwa in den deutschen Juden germanisches." Einen breiten Raum gewährt der Verfasser den roesilichen *) Verlag „Die Schmiede". Pnns 1,M Mar?. PT Q U j) K g; 1

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