Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 26 (1.7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 374 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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374 restlos klargestellt, worin der Typ eines wurzellosen jüdischen Großstädters. besteht.); 3. daß dennoch das Verbleiben des jüdischen Kleinstädters in der Kleinstadt und auf dem Lande, sein Fernbleiben von der Großstadt nicht dem Antisemitismus den Garaus bereiten wird; 4. daß wir Juden dennoch in der Kleinstadt sowohl als in der Großstadt unablässig im Kampfe gegen jeden Angriff der Judenfeinde bleiben müssen, und die heilige Pflicht haben, alle Verbände, Vereine und Gemeinschaften, die für uns und mit uns diesen Kampf führen, nach Kräften zu unterstützen; 5. daß wir aber auch mit Georg Hermann von jedem aufrechten Juden fordern müssen — ohneuns um das Urteil unserer Gegner zu kümmern oder nach ihrer Anerkennung zugeizen —, in Wort und Schrift, in Handel und Wandel alles zu vermeiden, was uns zu einem insularen Dasein in der Volksgemeinschaft führen kann. Die wertvolle Aussprache wird fortgesetzt und zum. Schluß wird, wie erwähnt, Gerrg Hermann selbst noch Ablauf und Ergebnis aller Ausführungen würdigen. Die Länderregkerungen gegen die FriedHofsschZnöungen. Die Wirkung der <5* B.- Matznahmen. Die „C. V.-Zeitung" hat in ihrer Nr. 23 berichtet, daß der Centralverein durch seine Hauptgeschäftsstelle in Berlin und durch seine Landesverbände an die zuständigen Ministerien der deutschen Länder mit einer Eingabe herangetreten ist, in der . die Aufmerksamkeit der Behörden auf die ständig sich wiederholenden Friedhofsschändungen hingelenkt und verstärkte amtliche Beachtung für diese Vorkommnisse erbeten wurde, die das deutsche Ansehen aufs höchste schädigen und die Moral vor allem der Heranwachsenden Jugend untergraben. Es sind bisher folgende Antworten auf die Eingaben des E. V. eingegangen: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Badisches Ministerium des Kultus und Unterrichts, Oldenburgisches Ministerium des Innern, Preußisches Ministerinm des Innern, Waldecksches Ministerium, Mecklenburg-Schwerinsches Justizministerium. Das bayerischeMinisterium desJnnern hat folgende Verfügung an die ihm unterstellten Behörden erlassen: Nr. 2019da6. Staatsministerium des Innern. An die Regierungen. Betreff: Beschädigungen von Grabdenkmälern auf Friedhöfen. München, 23. Juni 1927. Wiederholt wurden irr den letzten Jahren auf israelitischen Friedhöfen Grabdenkmäler umgestttrzt, beschädigt oder beschmutzt wobei es nur in wenigen Fällen gelungen ist, die Täter zu ermitteln. Die Polizeibehörden werden angewiesen, solche rohe Straftaten stets mit Nachdruck zu verfolgen und die mit der Ermittlung der Tater in solchen Fällen betrauten Organe zn möglichst eingehender Erforschung des Tatbestandes anzuhalten, damit durch eine entsprechende Sühne solcher Taten künftigen Vergehen in dieser Hinsicht möglichst vorgebengt wird. gez. Stütze!. Die Antwort des Preußischen Ministeriums des Innern an den C. V. hat folgenden Wortlaut: Der Preußische Minister desJnnern. Berlin NW 7, 14. Juni 1927. Die Eingabe vom 30. Mai 1927 habe ich zum Anlaß genommen, die Nachgeordneten Behörden aus die bedauerlichen Ausschreitungen und ihre nachdrückliche Bekämpfung hinzuwcisen. Im Aufträge: gez. Dr. Klausner. Es ist wohl nicht ganz unberechtigt,' das Nachlassen der fast periodisch wiederkehrenden Friedhofs schändungen in der letzten Zeit mit der verstärkten Wachsamkeit der zuständigen Polizeiinftanzen in Zusammenhang zu bringen. Die Enthüllung öes berliner Gefattenenehrenmals. Am Montag, dem 27.' Juni dieses Jahres, wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee das Ehrenmal eingewei'ht, das die Jüdische Gemeinde in Berlin den im Weltkriege gefallenen 12 000 deutschen Juden errichtet hat. 3500 Helden sind davon Angehörige der Berliner Gemeinde. Das von Negierungsbaumeister Alexander Beer geschaffene Denkmal hat die Form eines massigen Altars. Er bildet, auf einer terrassenförmigen Erhöhung angelegt, den Abschluß des Ehrenselbes, aus dem 365 Frontkämpfer und ein im Kampf um die oberschlesische Heimat von den Polen erschossener deutsch-jüdischer Pfadfinder zur letzten Ruhe gebettet sind. Die Enthüllungsfeier vollzog sich in stattlichem und würdigem Nahmen. Der Neichsbund jüdischer Frontsoldaten, der berufenste Teilnehmer an dieser Feier, war mit einer eindrucksvollen Zahl seiner Berliner Mitglieder, geführt vom Bundesvorsitzenden, Dr. Leo L ö w e n st e i n, und dem Vorsitzenden der Berliner Ortsgruppe, Dr. S. London, erschienen. Ter Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war durch den 1. Vorsitzenden, Justizrat Dr. B r o d n i h, sowie durch Sanitätsrat Dr. Leo Caro vom Landesverband Groß- Berlin vertreten. Eine große Anzahl von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden, des Heeres und der Marine, der öffentlichen Körperschaften und Verbände sowie die Geistlichen der christlichen Konfessionen waren anwesend. Vom Neichswehrministerium sah man Fregattenkapitän Matthiae, von der Heeresleitung, vom Wehrkreiskommando und vom Gruppenkommando waren Abordnungen entsandt. Von der Kommandantur Berlin bemerkte man Generalmajor Severin und Major v. Krenski. Ebenso waren das preußische Innenministerium, das Ministerium für Wissenschaft und Volksbildung vertreten. Namens des Reichstagspräsioiums nahm Geheimrat Dr. Nießer, namens des Landtagspräsidiums Dr. Wremer, namens der Stadt Berlin Stadtrat N eimann, namens des Polizeipräsidiums Polizcivizepräsident Dr. Weiß und Polizeioberst H e i m a n n s b e r g an der Feierlichkeit teil. Auch das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, der Volksbund für Kriegsgräberfürsorge, der Kyffhäuserbund und verschiedene Kriegervereine seien erwähnt. Die Feier wurde eingeleitet durch einen Trauermarsch des Musilkorps der Kommandantur Berlin und durch Gesang der vereinigten Synagogenchöre. Eemeinderabbiner Dr. Leo Baeck weihte das Denkmal. In seiner feierlichen Rede hob er hervor, daß dieser Stein, „im Haus des Lebens", an der Stätte des Friedens errichtet sei, daß er keine Anklage erheben solle, weder für noch gegen irgend jemanden, sondern daß er Zeugnis oblegen solle für die Opferbereitschast und den Heldenmut derer, die, getreu ihrer Pflicht, dem Vaterland ihr Leben dargebracht hätten. In vielen Ländern habe man dem „Unbekannten Soldaten" ein Denkmal errichtet. Mit bitterer Trauer erfülle uns deutsche Juden der Gedanke, daß dieser Stein auch ein Monument des unbekannten Soldaten genannt werden müsse, da im Herzen vieler Deutscher das Gedächtnis an die jüdischen Gefallenen erloschen sei. Kammergerichtsrat Wolfs, der erste Vorsitzende der Berliner Gemeinde, gelobte, daß der unauslöschliche Dank der jüdisäjen Gemeinde den Helden sicher sei, die Seite an Seite mit den Kameraden unseres unbesiegten, tapferen, der Uebermacht der Feinde erlegenen Heeres die Heimat geschützt haben. Wenn Deutschland nach den Jahren der Erniedrigung sich auf der Bahn des Wiederaufstieges befände, danke cs das ihrer Treue. So lebe in uns die Hoffnung, daß ihr Opfertod nicht vergeblich gewesen sei. I)r. med. S. London. Vorsitzender der Ortsgruppe Berlin des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, nannte das T-enkmal ein Zeichen der Kameradschaft, allen Gefallenen der deutschen Armee gewidmet; ein mahnendes Zeichen zur Einigkeit und zum Frieden. Er überbrachte die Grüße der alten Kampfgenossen, die einen besonderen Schild an den Gedenkstein als Treugelöbnis und Zeichen unauslöschlicher Dankbarkeit befestigt hätten. Leise erklangen dann die schlichten, erschütternden Töne des Liedes vom „Guten Kameraden", dre Fahnen senkten sich, die Schlager klirrten . . . Die erhebende Feier war beendet. O. Auf Befehl der . . . Als sich der Tag zum zehnten Male jährte, da die Vereinigten Staaten von Nordamerika in den Krieg eintraten, befragte die New- Yorker Tageszeitung „W o r 1 d' führende Männer der ganzen Welt um ihre Ansicht über diesen Schritt' Amerikas. Daraus hat General Ludendorff folgende Aeußerung getan: „Das amerikanische Volk ist nicht in den Krieg eingetrcten, sondern wurde durch Wilson aufBefehl der Inden, Freimaurer und Jesuiten mittels einer Lügenpropaganda auf den Leim gelockt und wie ein Vieh zur Schlachtbank getrieben. . . .* Wenn Ludendorff hinzusügt, seiner Rede Sinn werde in Amerika unverstanden bleiben, so werden wohl auch in Deutschland nur wenige den Sinn dieses Orakels anerkennen und bestätigen. — Man stelle sich aber vor, ein deutschjudischer Schriftsteller würde es wagen, über General Ludendorff in der Auslandspresse derartige Beschimpfungen zu veröffentlichen, wie es der General mit Teilen des deutschen Docks zu tun für taktvoll hält. Was dann die Presse der radikalen Rechten wohl schreiben würde. . . .