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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · p. Seite 359

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
Seite 359 (sequence 7)
Language
German
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Von Jakob Seifensieder (fiümberg) and Mob Seifenfleöer (Nürnberg) schreibt: In den letzten Jahren hat man in verschiedenen deutschen Landesteilen begonnen, jüdische Altertümer zu sammeln und der Oeffentlichkeit in besonderen „Jüdischen Museen¬ oder in einzelnen Abteilungen allgemeiner Sammlungen zugänglich zu machen. So begrüßenswert diese Bestrebungen auch sind, so besteht doch die Gefahr, daß hier allzu viel des Guten geschieht und durch eine Vielheit solcher Gründungen das Interesse und die verfügbaren Mittel allzusehr zersplittert werden. Hat man doch im letzten Jahre bereits in kleinen Landstädtchen jüdische Ortsmuseen cmfgetan, wo die ausgestellten Gegenstände gewiß wohlverwahrt, aber auch der Forschung und der verständnisvollen Besichtigung durch einen größeren Besucherkreis entzogen sein dürften. Diesem Gründungseifer sollte unbedingt Einhalt getan und das Jnterefle und das zu Gebote stehende Material nur für wenige zentral gelegene größere Sammlungen in Anspruch genommen werden. Vor allem müßte dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg eine Auswahl solcher Altertümer geschenk- oder leihweise zur Verfügung gestellt werden, die für das Leben und Schaffen der Juden auf deutschem Boden kennzeichnend und bedeutungsvoll sind, weil auch sie unser uraltes Verbundensein mit der deutschen Muttererde und unsere vielseitigen Beziehungen zu unseren christlichen Volksgenossen und damit unser Heimatsrecht bezeugen. Darum habe ich bereits im Jahre 1912 in der früheren Monatsschrift des Centralvereins „Im Deutschen Reichmeine Stimme für Angliederung einer derartigen Sammlung an das Germanische Museum erhoben und die nötigen Vorbereitungen in die Hand genommen. In dankenswerter Weise hat damals das Direktorium des Museums sich bereit erklärt, die schon im Besitz des Museums befindlichen Schätze mit den neu hinzukommenden zu vereinigen und in einem besonderen Raum der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Direktorium Zeigte auch sonst für die Verwirklichung der Idee die größte Teilnahme. „Die Anregung/ schrieb es damals, „das Germanische Museum beim Sammeln kunstob« kulturgeschichtlich wertvoller Altertümer zu unterstützen und finanziell zu entlasten, können wir nur auf daS wärmste begrüßen. Ist doch die gesamte Entwicklung der Anstalt von der Idee getragen, daß die einzelnen Kreise, Stände und Berufe unseres Volkes hier Mitarbeiten, für ihre Vertretung im Nationalmuseum selbst mitsorgen sollen. So wünschen wir dem neuen Unternehmen das beste Gelingen/ Der hierauf an die bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten Deutschlands versandte Ausruf, der von den Führern der Nürnberger Israelitischen Kultusgemeinde unterzeichnet war, fand allenthalben freudigen Widerhall und Zustimmung. Von den Unterzeichnern desselben nenne ich hier des Raummangels wegen nur die Herren Professor Dr. A. V er l i n e r, der sich bereiterklärte, „bei der Herstellung einer juäLrea nach Handschriften und Druckwerken nach Kräften mitzuwirken-, Geheimrat Hermann Cohen. Dozent Dr. Elbogen, Geheimen Justizrat Dr. E. Fuchs. Aron Hirsch, Justizrat Dr. Maximilian Horwitz. Geheimen Justizrat Timendorfer, ‘ »sämtlich tu Berlin, ferner Professor Dr. G o l d st e i n (Darmstadt). Staatsrat Dr. Cohn (Dessau), Konsul Arnhold (Dresden), Justizrat Dr. Blau (Frankfurt) und viele andere. So war alles aufs schönste in die Wege geleitet, Beiträge waren bereits eingelausen, die dem Germanischen Museum überwiesen wurden, größere Summen waren in Aussicht gestellt, da kam der Krieg und vereitelte wie so vieles andere Schöne auch die Ernchtung des Deutsch-jüdischen Museums. Aber „aufgeschobendarf mcht „aufgehobensein. DaS Deutsch-jüdische Museum ntuß Tatsache werden, denn es soll und wird beredter und eindringlicher, als Worte es vermögen, dem Beschauer künden, daß wrr all die Jahrhunderte hindurch ein wertvoller Zweig an der mächtigen deutschen Eiche gewesen sind, und es auch Ln Zukunft bleiben wollen. Und diese kleine, aber auserlesene Sammlung sei nicht Eigentum einer einzelnen Gemeinde oder Landschaft, sondern ^hre und Stolz aller deutschen Juden, ähnlich wie das Germanische Nationalmusemn Eigentum aller Deutschen ist. Die Deutschen jüdischen Glaubens aber, die dieses Museum schaffen werden, tragen dadurch nicht nur zum Verständnis und zur besseren Würdigung des deutschen Judentums in der Vergangenheit bei, sondern auch zum weiteren Ausbau des Germanischen Museums, Professor Sr.-Jng. tfifred Breite (JJreslsu). dieses vaterländischen Kleinods. Möge darum das Deutsch-jüdische Museum in nicht zu ferner Zeit Gestalt und Bedeutung gewinnen, gegenwärtigen und zukünftigen Geschlechtern zur Lehr", dem deutschen Judentum aber zur Ehr"! Prof. Dr.-Ing. Klfreö Grotte lSreslau) schreibt: Der Gedanke, eine zentrale Sammelstelle für jüdische Altertümer zu schassen, erscheint unbedingt anerkennenswert, aber schwer durchführbar und auch nicht ohne weiteres empfehlenswert. Ich fürchte, wenn das auch noch so reichhaltige Material dem Germanischen Museum angegliedert wird, daß es in der überwältigenden Fülle der dort aufgespeicherten Kunstschätze verschwinden und somit nicht genügend beachtet werden dürste. Was wirklich nottut, ist die Schaffung jüdischer Museen in den großen deutschen Zentren des Judentums. Hier sollten aber die Sammlungen nicht wie zumeist bisher in den jüdischen Gemeindehäusern (wie in Berlin), sondern in den öffentlichen Museen Aufstellung finden, die sich ebenso wie das Germanische gern zur Einrichtung solcher Sonderabteilung bereiterklären dürften. Dadurch würden diese Sammlungen übersichtlicher und leichter zugänglich werden und damit ihren apologetischen Zweck — um diesen handelt es sich doch auch — aufs beste erfüllen können. Denn wie ich selbst auf der Jahrtausendausstellung in Köln beobachten konnte, ist das Interesse unserer christlichen Mitbürger an diesen Altertümern, die für sie Neuland bedeuten, ungewöhnlich groß. Auch sucht man solche Altertümer nicht in Nürnberg, vielmehr an Orten, an denen sich besonders eine jahrhundertalte jüdische Tradition erhalten hat. Es wäre ferner zu beachten, daß alte, künstlerisch hervorragende Nitualgegenstande in den meisten Synagogen noch in Gebrauch sind und somit höchstens als Leihgaben für örtliche Museen in Frage kommen können. Wertvoller erscheint mir, wenn ab und zu die besten Stücke aus solchen Provinzialmuseen sodann zu Sonderausstellungen vereinigt würden, wie dies Frauberger 1908 in Düsseldorf und Dr. Kober in Köln taten. Durch sie wird die sehr anerkennenswerte Idee Jakob Seifensieders, jüdische Kunstbetätigung weiten Kreisen vor Augen zu führen, aufs beste verwirklicht werden können. Indessen soll damit der Gedanke, ein Zentrum zur Sammlung jüdischer Altertümer zu schaffen, nicht ganz verworfen werden. Aber wird der große internationale und deutsche Fremdenstrom, der alljährlich Nürnberg durchflutet, solche Altertürner gerade in dieser Stadt suchen? Dieser Fremdenstrom ergießt sich ja auch über Frankfurt, jener Stadt, die kaum wie eine zweite im Reiche in der Geschichte des deutschen Judentums eine besondere Rolle spielt und ähnlich wie Prag jedem Deutschen und Ausländer als uraltes geistiges Zentrum der Judenheit bekannt ist. Hier könnte das Zentralmuseum an ein schon seit über 20 Jahren bestehendes angeschlossen werden, das in einem besonderen Hause untergebracht ist, in den ehemals R o t h s ch i l d s ch e n Räumen, die die beste Folie für eine solche Sammlung bereits darstellen. Frankfurt .als Zentrum erscheint mir natürlicher und darum auch richtiger. Hier hat auch die „Gesellschaft zur Forschung und Erhaltung jüdischer Kunstdenkmälerihren Sitz; sie ist die Zentrale für ernste wissenschaftliche Forschung und verfügt bereits heute über eine ausgezeichnete Sammlung und Bücherei. Sie auszubauen, wäre ungleich wichtiger, um der Gefahr einer noch größeren Zersplitterung auf diesem Gebiete, über die Herr Seifensieder mit Recht klagt, zeitig begegnen zu können. Erhöhung der StaatSdeihLlse für die preußisch-jüdischen Gemeinden. Am 25. Mai erledigte der Preußische Landtag in dritter Lesung den Haushalt für 1927. Hierbei wurde auch die Staatsbeihilfe für die Synagogengemeinden verabschiedet. Es wurde die Position „Bedürfniszuschüsse an Synagogengemeinden zur Besoldung ihrer Rabbiner und zur Versorgung ihrer Nuhestandsrabbiner und der Hinterbliebenen ihrer Rabbinerwie im Vorjahre mit 200 000 Mark bewilligt. Dagegen wurde die Position „Beihilse an leistungsschwache Synagogengenieinden behufs Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Sorge für den Religionsunterrichtvon25v 000 Mark auf 400000 Mark erhöht, so daß die Gesamtbewilligung für die Synagogengemeinden im Etat 1927 sich auf 600000Markbeläuft.

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