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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · p. Seite 358

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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35$ . Die Vorstellung über den jüdischen Reichtum erfahrt immer wieder neue Berichtigungen. Morus hat in seinem Buch „I ü di - fche Weltsrnauz?" früher schon eingehende Darlegungen hierüber gemacht. Neuerdings hat der amerikanische Berichterstatter des ,Serliner Tageblatt", Tr. Max Jordan, auf Grund amerikanischer Statistiken eine Darstellung der reichsten Männer der Welt gegeben. Der Antisemit Henry Ford führt mit einem geschätzten Vermögen von 1260MO000 Dollar die Liste. Erst an fvollster Stelle kommt der erste Jude, Alfred Loewen stein in rüsiel, mit 100609000 Dollar, und dann beginnt wieder die Reihe der Nichtjuden. Wie unangenehm den Antisemiten ubcrfjnupt sachliche Auseinandersetzungen find, beweist der „Völkische Beobachter", der auf memen Aufsatz „58er beherrscht die Wirtschaft?" in Nr. 12 der „C. V.-Zertung" eingeht. Meine Behauptung, die Privatwirtschaft in Deutschland, also auch die jüdische, sei zurückgegaugen, widerlegt er mit dem Hinwers aus die Privatisierung der Eisenbahn und der Reichsbank. Es ist aber doch nicht zu leugnen, daß diese formelle Privatisierung, die nicht als Folge der privaten Machtsteigerung, sondern als Folge des Versailler Vertrages durchgeführt sluß in irgendeiner Form gewachsen ist. Zum Beweis für die Herrschaft des jüdischen Bankkapitals über die deutsche Industrie weist die Zeitung auf die Falle wie Krupp, Stinnes, Daimler-Benz, ufa hin. Was soll das heißen? Wird^ es der Dar mit a d ter und Nationalbank verübelt, daß sie den Mut gehabt hat. eine Obligationsanleihe für die Kruppwerke zu emittieren in einem Augenblick, in dem über diese Jndustriegesell- K nicht gerade besonders günstige Stimmen laut wurden und [ ein wichtiges deutsckM Industrieunternehmen flottgemacht hat? Wird dieser Bank und ihrem Geschäftsinhaber I a k o b G o l dschmidt vorgeworfen, daß er beim Zusammenbruch des Stinues- Konzerns durch Führung des Stillhaltekonsortiums die schlimmsten Folgen für diesen weitgespannten Wirtschaftskomplex verhindert hat? Was aus dem Stinnes-Konzern ohne diesen planmäßigen Berürch geworden wäre, ist nicht vorzustellen. Sicherlich wäre der stumpf (die Hugs-Stinnes-G. m. b. H.) nicht in der Lage gewesen, nach Jahresfrist sich in Amerika den Betrag von 25 Millionen Dollar auf dem Emisstonswege zu borgen. Und was bedeutet der tinweis aus die Via? Will man es den Juden vorwerfen, daß der ugenberg-Konzern die Erbschaft der Deutschen Bank angetreten hat? Die Entgegnung Des „Völkischen Beobachters" ist symptomatisch. Sie widerlegt nicht, sondern nennt ganz wahllos Namen und deutet an. Es ist unsere alte Erfahrung: wenn wir in einem ausführlichen Vortrag die Behauptung widerlegen, daß die Juden die deutsche Wirtschaft beherrschen, dann fragen die Antisemiten nach der zerstörenden judrschM Geistigkeit oder nach dem Talmud. Dr. Norbert Einstein. Hute Ware, nicht die Religion! Eine Anssprache im Münchener Stadtrat. Im HauPtauSschuß des Münchener StadtrateS lern eS bei der Besprechung über die Vergebung einiger Aufträge von tlten der Stadt zu einer bemerkenswerten Aussprache. Der völkische Ladtrat Fiedler hatte gegen die Vergebung aus dem Grunde 'protestiert, weil man eine Anzahl jüdischer Firmen berücksichtigt Labe, „nachdem wir genug deutsche Firmen haben". Ihm antworteten p-fort der zweite Bürgerineister Münchens, Dr. K ü f n e r, und SLadtrat Dr. Jodlbauer (Bayr. Volksp.). Dr. Küfner führte aus: . . Der Jude Zahlt bei uns so gut seine Steuern wie jeder arwere. Ladtrat Fiehler: Dann braucht nran bloß zu 1 Prozent, aber nicht fl 10 Prozent Mische Firmen berücksichtigen, wenn man aus diesem Landpunkt steht.) Das kommt ganz darauf an, wie die Zuschläge Ach kalkulieren. Wenn wir schon auf dem Standpunkt stehen, daß «der Gewerbetreibende, der seine Steuern zahlt, einen gewissen Anspruch daraus hat, daß er nach Recht und Gerechtigkeit berücksichtigt wird, dann möchte ich das bei den jüdischen Firmen nicht missen. Ich meine nur so: Es kann sich schließlich der eine oder andere verletzt fühlen, wenn immer wieder darauf hingewicsen wird. Das wollen wir doch nicht übersehen. (Stadtrat Würz: Man merkt es schon wieder, wenn man über unsere Grenze hinauskommt.) Wir schaden damit unserer ctadt. Wir haben eine ganze Menge Juden — das möchte ich immer wieder betonen —, die insbesondere auf dem Gebiete der Wohltätigkeit schon recht viel getan haben. (Stadtrat Lutz: Sehr richtig!) . . . Stadtrat Dr. Jodlbauer (Bayerische Bolkspartei) schloß sich Dr. Küfner folgendermaßen an: „Ich möchte die Ausführungen des Herrn Bürgermeisters Dr. Küfner mit Nachdruck unterstreichen. Ich halte es schon rm Interesse der Stadt für im höchsten Grade bedenklich, daß, wenn bei einer Submission ein jüdisch anklinge nder Name au staucht, dies sofort eine Antisemitendebatte auslöst, oder daß zum wenigsten unschöne Anspielungen und hämische Bemerkungen gemacht werden. Das geht aber meines Erachtens nicht an. Der Jude ift ebensogut unser Mitbürger wie der Christ. (Stadtrat Fiehler: Leider!) Das mag 'Ihre private Ansicht sein, das ändert aber nichts an der in der Religionsfreiheit begründeten Tatsache. Ich sehe auch gar keinen Grund rin, tm israelitisches Mitbürger niedriger zu werten als den christlichen. Ich kenne viele Israeliten, die ich in sittlicher Beziehung und hinsichtlich ihrer Geschäftsmoral höher einschätze als manchen Christen. Es geht meines Erachtens nicht an, bei Vergebung eines städtischen Auftrages eine derartige Unterscheidung zu machen, zumal der israelitische Kausmauu ebensogut feine Steuern und Umlagen zu zahlen hat wie der christliche und schon aus diesem Grunde die gleiche Berücksichtigung beanspruchen kann... Für die Entscheidung darf nur nmßgebend sein Preis und Qualität der angebotenen Ware. Nur das günstigste Angebot in bezug auf Preis und Qualität sollte Berücksichtigung finden, vorausgesetzt, daß die betreffende Firma durch ihren geschäftlichen Nus die Gewähr für tadellose Lieferung bietet." Stadtrat Fiehler versuchte, seinen Standpunkt noch einmal zur Geltung zu bringen. Dies gab dem zweiten Bürgermeister Dr. Küfner Anlaß zu einer Bemerkung grundsätzlicher Art. Er sagte: „solche Debatten haben nach meiner Auffassung gar keinen Sinn, sondern schaden uns wirtschaftlich. Darüber rnüssen wir uns vollkommen im klaren sein, und ick) weiß nicht, ob inan nun die Sache immer so unwidersprochen in dre Welt gehen lassen soll. Ich meine, es ist ganz gut, wenn hier einmal zum Ausdruck gebracht wird, daß diese Stellungnahme gegenüber den Juden die Auffassung einer b e st i m m t e n einzelnen Gruppe hier ist, mit der die übrigen Fraktionen des Stadtrates nicht einverstanden sind . . . Wenn man die deutschen Staatsbürger nach dem Charakter aufnehmen und nicht ausuehuum wollte, wäre ich begierig, was dabei herauskäme." Früher TugenöbunZ, jetzt „deutsche Freiheit" Wutles Arbeit in Südamerika. Ter völkische Landtagsabgeordnete Nemhold Wulle ist soeben aus Südamerika heimgelehrt. Er bringt jetzt die Mitteilung von einer Neugrüuduug, für die er jenseits des Weltmeeres eifrig warb, der Gesellschaft „Deutsche Freiheit". Wie nach dem unglücklichen Krieg 1806 sich in Preußen der „Tugendbund" bildete, jene Gesellschaft, von der Heinrich v. Treitschke mit Recht sagt, die gewaltige Erhebung Preußens 1813 sei das Werk dieses Tugendbundes gewesen, so sei die Gesellschaft „Deutsche Freiheit" berufen, dagegen kraftvoll zu arbeiten, daß der vorhandene Freiheitswillen der Nation, „infolge jener internationalen pazifistischen Gegenkräfte, die heute, wenigstens im Jrmern Deutschlands, die Macht in der Hand haben", versande. Wulle entwickelt dann ein Programm der Gesellschaft: Wiederherstellung der vollen Unabhängigkeit Deutschlands, Selbstbestimmungsrecht aller Deutschen in der Welt, Ivampf gegen Schuld- und Greuellüge, Unterstützung der schiver ringenden deutschen Geistes- und Künstlerwelt . . . kurz, wäre Wulle ersichtlich nicht der oder einer der Gründer dieser Gesellschaft, so ließe sich über das Programm reden. So aber fürchten wir, wird irgendwo der völkische Pferdefuß herausschauen, obwohl die so beliebten Worte „völkisch" oder irisch" m dem Programm nicht enthalten sind. Da Wulle von zahlreichen, durch ihn begründete Ortsgruppen in Südamerika spricht, sieht diese harmlose Austnachung fast so aus, als sollte die Gesellschaft dazu dienen, die völkischen Ausländsdeutschen in nicht anstößiger Form zu sammeln oder mindestens ihre Gelder den deutschen völkischen Bestrebungen zuzuwenden. Es wird gut sein, diese neueste völkische Gründung sorgfältig zu beobachten. Das Schlösschen in Freienwalde. Am 24» Juni 1927 ist der fünfte Jahrestag der Ermordung Walther Rathenaus» Die Erben begehen ihn im Geist des Toten, indem sie sein vor dem Kriege gekauftes Schlösschen der Volkswohlfahrt übergeben,

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