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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · p. Seite 357

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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357 Am Präsidiumstisch der Juristentagung. Landtagsabgeordneter Jastizrat Falk (Köln). Reichs tagsa bgeord neter Dr. Haas (Karlsruhe). so geschändet zu sehen, und dazu von Kinderhand! Er st kommunikanten, die vor der Deichte „am weißen Sonntags" standen und nur unter bem Drucke der bevorstehenden Deichte sich zu einem Geständnisse entschlossen, Mädchen im Alter von 10 bis 12 Jahren verüben bei der Suche nach Immergrün für die Ausschmückung ihrer Kirche ein grauenhaftes Werk furchtbarster Zerstörung. An sich schon ein Zerrbild der Moral und ein Jammerbild der Verirrung und Verwirrung jugendlicher Geister, die zum Zwecke einer kirchlichen Feier Heiligtümer eines anderen Glaubens verwüsten! Was geht in einer solchen Kinderseele eigentlich vor? Zum min-- besten lebt Ln ihr eine leichtfertige Auffassung von der Heiligkeit Mischer Grabstätten, wenn nicht eine weitgehende Geringschätzung der jüdischen Konfession überhaupt, der gegenüber alles erlaubt erscheint. Wie erklärt man sich nun ein solch moralisches Versagen gerade der Kinderseele, die doch noch rein sein sollte und durch den Religionsunterricht der Schule in den Moratbegriffen und Pflichten der Pietät und Ehrfurcht genügend belehrt und unterwiesen wird? Gewiß vergiften die gegenwärtige Atmosphäre, der angekränkelte Zeitgeist, die tagtäglichen Ausgeburten völkischer Verleumdung, die Hitler-Fanfaren und ähnliches. Aber doch auch noch etwas, was allerdings zum ältesten Arsenal des Antisemitismus gehört. Es ist wohl oft die ganze Einstellung gerade des christlichen Religionsunterrichtes dem Judentum gegenüber! Erst neulich wurde mir erzählt, ein jüdisches Kind, das unabsichtlich einmal der Religionsstunde seiner evangelischen Mitschüler beiwohnte, sei ganz erregt und niedergeschlagen nach Hause gekommen und habe die Eltern gefragt: ,Lst es denn wahr, daß die Juden den Heiland gekreuzigt und deshalb ewigen Fluch auf sich geladen haben?" Hier liegt wohl manchmal der Schlüsiel zu dem eigenartigen Phänomen der kindlichen Seelenverstimmung und S-eelenreizung! Es wäre wohl eine verdienstliche Aufgabe der dazu berufenen Instanzen, die Schulvorstände auf die gewiß nicht beabsichtigte Gefahr hinzuweisen, die bei liebloser Darstellung der Geschichte sür die Kinderseelen entstellen muß! Leicht wird es allerdings nicht sein, da reinste Objektivität bei einmal festgewordenen und gern festgehaltenen Vorstellungen nur schwer zu erreichen ist! Der Versuch sollte aber doch eimnal gemacht werden, fchon deshalb, weil wir schon gerade genug unter dem S ch u l a n t r s e m i t i s m u s zu leiden haben. Selbstverständlich wird niemand von einem christlichen Religionslehrer verlangen, das was ihm teuer und für die Ausbildung der Jugendlichen bedeutungsvoll ist, zu unterdrücken oder auch nur einzuengen. Aber Einigkeit wird darüber herrschen, daß der Geist der Liebe und der Achtung des Nächsten jeden Religionsunterricht maßgebend zu beeinflußen hat. Es ist eine betrübende Tatsache, daß ein jüdischer Schüler an einer württembergischcn Anstalt, der einzige Jude in seiner Klasie, unter den antisemitisch gefärbten Bemerkungen seines Klassenlehrers so zu leiden hatte, daß er die Schule und das Elternhaus aufgeben mußte, um unter großen Kosten in einer anderen Stadt seine Fortbildung zu suchen. Zahlt etwa dafür der jüdische Bürger seine Staats- und Ortssteucrn? Es sollte unbedingt von den Kirchen- und Schulbehörden verlangt werden, daß sie darauf sehen, solche seelische Torturen den der Schule und ihrer Hut anvertrauten Kindern zu ersparen. Es genügt wahrlich die Vergiftung der Erwachsenen, die Schule sollte unbedingt davon freigemacht werden. Es Nimmt nicht Wunder, wenn die von solchen Lehrern unterrichtete Jugend ihre Mißstimmung, ihren völkischen Groll, ein ganzes Heer von Vorurteilen gegen das Judentum mit ins späteres eben nimmt. Ist es doch — ein merkwürdiger Zufall — in der gleichen Stadt neulich vorgekonunen, daß aus einer demokratischen Frauentagung die Hauptredneriu bei voller Würdigung der hohen Verdien st e Ra t h e n a u 8 und der entschiedensten Verdammung des an ihm verübten Mordes, doch den Satz sich leistete: „An Rathenau war das Beste der Christ, wenn auch ein ungetaufter." Also Ratheuau wird erst wahrhaft groß, wenn ec kein Jude wehr ist. Da haben wir die geistige und moralische Jnfiltrierung mit einem gegebenen fertigen Dogma von der Inferiorität des Judentums! Die anwesenden jüdischen Damen waren bestürzt, doch hielt sie der sonst hochstehende Idealismus des Vortrages und der ganzen Persönlichkeit von einer öffentlichen Einsprache ab. Man fragte aber doch die Rednerin im engeren Kreise, wie sie denn dieses Urteil eigentlich verstehe? Sie erwiderte mit aller Liebenswürdigkeit, sie bedauere, wenn ihre Worte einen unangenehmen Eindruck gemocht hätten, sie hätte durchaus nicht die Absicht gehabt, irgend jemandem zu nahe zu treten, es sei aber nun einmal dies ihre feste Ueberzeugung, die sie als Tochter eines Pfarrers auch ernstlich vertrete." Dazu bedarf es wohl keines weiteren Kommentares! Dr. Kroner (Oberdorf-Bopfingen). ' vr 44 Nach Henning ist jeder Jude 450 mal reicher als der Nichtjnde. — Aber die Beweise fehlen. — Der reichste Mann Der Welt ist Der Antisemit ForD. — Von Krupp, Stinnes, Daimler-Benz und Der Ufa. Es ist unmöglich, alle völkischen Torheiten zu beantworten. Ab und zu muß man aber dock auf die a l l e r s ch l i m m st e n Entgleisungen eingehen. Der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Henning behandelt in der „Mecklenburger Warte^ die ökonomischen Probleme des Antisemitismus und bemüht sich, den nichtjüdischen Kapitalismus zu verteidigen und den jüdischen zu verdammen. Aber er wagt sich außerdem auf das schwierige Gebiet der WirtschafLsstatistik und schreibt: „Die Juden bilden rund zwei Prozent der Bevölkerung der Erde, haben aber 90 Prozent des mobilen Kapitals in Händen. Die 98 Prozent Nichtjuden müssen sich zusammen mit 10 Prozent des Kapitals begnügen. Jeder Jude hat also i m Durchschnitt 450 mal s o viel Kapital als ein N i ch t j u d e." Wo hat Herr Henning seine Statistik her? Das ist für uns von dem allergrößten Interesse. Bei den geringen Nachrickten über die Vermögensentwicklung der Welt, bei unseren ernsthaften Studien über den wirtschaftlichen Einfluß der Juden in der Welt — von dessen Rückgang wir durchaus überzeugt sind — ergibt sich hier die Gelegenheit zu einer vollkommenen Klärung der Tatbestände. Henning behauptet, daß nur 10 Prozent des mobilen Kapitals in nichtjüdischen Händen ist. Hat er dafür nur einen Schatten des Beweises? Hat er Verzeichnisse über die Einlagen der großen Banken der ganzen Welt — nach Kongfftonen geordnet —, weiß er, wer in Amerika und England die ouds der nach Milliarden zählenden Emissionen gekauft hat, weiß er, wer die Aktien der großen Unternehmungen der Welt besitzt? Heraus mit den konfessionellen Bondslisten und Aktienverzeicknissen und Schlußscheinen! Heraus mit den — nach Konfessionen geordneten ~ Depositen Verzeichnissen der Guaranty Trust und National City Bank in Amerika und den Big Five Ln London, der großen schwedischen, französischen, holländischen, schweizerischen und beutfcfjen Banken. Und warum so bescheiden? Warum nicht auch eine Schätzung des immobilen Kapitals? Hier sind die Unterlagen doch leichter Zu erreichen. Wer besitzt die Häuser, die Fabriken, die Grundstücke der ganzen Welt? Heraus mit der konfessionellen Statt st i k der Grundbücher! Wenn es Henning schon möglich ist, die so unendlich sich wandelnden Verhältnisse in den vielverzweigten Kanälen des mobilen Kapitals einzufangen, warum nicht auch schnell eine Schatzung des immobilen Kapitals? Vielleicht könnte man mit einer Statistik des Mecklenburger Grundbesitzes beginnen. Das wäre doch eine Ergänzung und würde den erstaunten Lesern der „Mecklenburger Warte" zeigen, wo Einfluß. Herrschaft und Reichtum sitzt, und er würde seinem Blatt gleichzeitig zu hohem Ruhm verhelfen als einer Zeitung, die das, was tausend berufliche Statistiker und hundert wisieuschaftliche Institute nicht erreicht haben, gesunden hat: Klare und u n - widerlegliche Zahlen über den jüdischen Einfluß in der Welt. Am Präsidiumstisch der Juristentagung. Ministerialrat Dr. Hirsch (Stuttgart). Professor Dr. Wassermann (Hamburg).

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