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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · p. Seite 356

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
Seite 356 (sequence 4)
Language
German
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356 Verboten sein? Bei ihm werden solche Zusammenhänge, falls sie vorhanden sind, Plötzlich unuation-al! Das Judentum wird immer zu einem gewissen Univerfalismus hmdrüngen müssen, ein Weg, aus dem wohl überhaupt die notwendige weitere Entwicklung der Menschheit liegt. Man braucht nur auf die beginnende Unionswirtschaft sowie auf die vielen zwischenstaatlichen Bildungen, wie sie im Völkerbund, wenn auch nicht in reinster Gestalt, kulminieren, hinzuweisen. Man braucht nur an die gemeinsamen geistigen Beziehungen, die das Leben sämtlicher Völker Europas verbinden, 51t erinnern. Dieser Universalismus steht aber in keinem Gegensatz weder zu eel)tem Baterlandsgesühl, noch zu echtem Nationalgefühl. E. M. Arndt hat das Vaterlandsgefühl einmal sehr schön mit folgenden Worten umschrieben: JD Mensch, du hast ein Vaterland, ein heiliges Land, ein geliebtes Land, eine Erde, wonach deine Seele ewig dichtet und trachtet. Wo dir Gottes Sonne zuerst erschien, wo Dir die Sterne des Himmels zuerst leuchteten, wo seine Blitze dir zuerst seine Allmacht ossenbarten und ferne Sturmwinde dir mit heiligem Schrecken durch die Seele brausten, da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland. Und seien es kahle Felsen und öde Inseln und wohnete Arbeit und Mühe dort mit dir, du mußt das Land ewig lieb haben, denn du bist ein Mensch und sollst nicht vergessen, sondern behalten in deinem Herzen." Dieses reinste Erlebnis der Vaterlandsliebe hat mit Nasse — obwohl dieses Problem an sich nicht geleugnet werden soll nichts zu tun und ist dem kleinen jüdischen Kinde, das im Spessart geboren wird oder an der Nordsee ebenso zugänglich wie jedem anderen Kinde des Landes. Und ebenso ist es mit dem Iäationalgefühl. „Nationalität ist ein ideales Gut. Sie bedeutet die Menschheitskultur in einer besonderen, höchst eigentümlichen und nur einmal vorkommenden individuellen Ausstrahlung. Sie bedeutet eine Bereicherung der Menschheit durch eine besondere Form ihrer Erscheinung". Je feiner und entwickelter das Gefühl ist für die Eigenart des Volkes, in das man hineingeboren wurde, desto stärker und tiefer wird das Nationalgesühl im/einzelnen wurzeln. In diesem ganzen Streite sollte aber nie vergehen werden, daß über allen Gegensätzen individualistischer und universeller Art auf dem Gebiete des Nationalen die Seele des Menschen steht und die Reife und Güte der Persönlichkeit. Und in alle Ewigkeit wird L e s s i n g s „Nathan" recht behalten in der Ucbcrzeugung, daß die Kraft des echten Ringes sich nur an der Humanität seines Trägers beweist. Sie unseligen ZnedhoMndungen. r. Wenn der Schriftsteller Wilhelm Michel im letzten Heft des „Morgen" (Nr. 2, 3. Jahrgang) mit Beziehung aus die zahllosen Friedhosschändungen der jüngsten Zeit schrieb: „Mögen also andere, die zum Reden berufen sind, schweigen, ich für meinen Teil will aussprechen, daß ich mich als Deutscher jener Bestien bis ins Herz schäme usw. . . so war der erste Teil dieses Satzes zweifellos nicht für uns Juden oder gar für den E. D. bestimmt. Denn der Verfasser jenes Aufsatzes, dieser mannhafte Verfechter des Rechtes und der Wahrheit, weiß, daß wir uns eins mit ihm fühlen in seinem unentwegten Kampfe gegen alles, was Verrohung heißt. Von wem wären denn auch alle bisher bekannt gewordenen Vergehen an Gräbern mit größerer Gewissenhaftigkeit in Schrift und Bild ausgezeichnet worden als gerade von unserer Seite? Wo wäre mit größerer Deutlichkeit auf die überaus unheilvollen Folgen ruchloser Vorgänge hingewiesen worden, wo wären im Hinblick auf verwilderte Zustände eindringlichere Ermahnungen an die weitesten Kreise unseres Volkes gerichtet worden als gerade in diesen Blättern? Deshalb hat der Centralverein auch den erwähnten Aufsatz als Sonderdruck einer außerordentlich großen Zahl hervorragender und einflußreicher Persönlichkeiten, jetzt über 14 OM, zugehen lagen und glerchzeitig entsprechende Eingaben an die verschiedenen Miniperien gerichtet, damit endlich einmal jenen durch Worte kaum wiederzugebenden Schandtaten Einhalt geboten werde. Uneingeschränkte Anerkennung verdient diese Maßnahme ganz besonders im gegenwärtigen Augenblicke, da zu uns die Kunde dringt, daß jene Frevler, die es bisher auf die Beschädigung jüdischer Friedhöfe abgesehen hatten, nunmehr auch dazu übergegangen sind, sich an christlichen Gräbern in unerhörter Weise zu vergehen. Abgesehen von dem allgemein-menschlichen Mitgefühle, muß uns Juden schon aus rein religiösen Gründen eine derartige Nachricht mit Abscheu erfüllen. Gebietet doch gerade das jüdische Neligionsgesetz an den verschiedensten Stellen höchste Ehrerbietung vor jedem Toten, gleichgültig, ob er unseres Glaubens oder Anhänger eines anderen religiösen Bekenntnisses war*), ganz im Einklang mit der Ethik des Judentums, die in ihren Vorschriften keinerlei Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden kennt'). So vernehmen wir denn mit Wehmut den Schmerzensschrei einer wegen der Schändung des Grabes ihrer Mutter aufs höchste empörten Katholikin. Der Wortlaut der Klage ist so bezeichnend, daß wir es uns nicht versagen können, ihn hier wiederzugeben. Unter der Ueberschrift „Grabschänder!" lesen wir in Nr. 219 vom 8. Juni 1927, S. 6 des „W ürzburger Generalanzeiger", einer in Nordbayern weitverbreiteten Zeitung: „Trotz aller Ueberwachung des Friedhofes scheint es nicht zu gelingen, dieser erbärmlichen Sorte von Menschen das Handwerk zu legen. So wurden in den letzten Tagen wieder von einem sorgfältig gepflegten Grab sämtliche Sterne eines reichblühenden Edelweißstockes gestohlen und außerdem das Kreuz des Weihwasserkessels abgebrochen. Es muß traurig aussehen in der Gefühlskammer solch schmutziger Persönlichkeit . . Diesem traurigen Bericht auch nur eine <mlbe hinzuzufügen, hieße besten Eindruck abschwächen. Wir erachten es lediglich als unsere Pflicht, unsere schon so oft ausgesprochene Mahnung in letzter Stunde nochmal zu wiederholen: Deutsche, schüttelt endlich diese Schmach von euch ab! Es geht um die Ehre und den guten Rus unseres Vaterlandes. Studienprofessor Arnold Kurzmann (Gunzenhausen, Bayern). II. Es ist ein wirkliches Jammerbild, den am schönsten gelegenen Friedhof Württembergs, vielleicht ganz Deutschlands, den W a l d - sriedhos zu Aushausen-, ein geradezu ideales Plätzchen für die Totenruhe, ein Lieblingsgegenstand für den Pinsel des Malers, *) Unsere hohe Achtung vor den Verstorbenen geht rr. «. schon aus dem Gebote hervor, beim Anblick eines Leichenzuges jedem, auch dem nichtjüdischen Toten, mindestens vier Ellen das Geleite zu geben. (I. Lieb ermann, ,Lur jüdischen Moral", Berlin 0. I. (Philo-Verlag.) S. 113. 2) Lehren des Judentums",Berlin 1922, S. 114. Die Friedhofschändungen und unser Kampf dagegen. Ein Teil der Ausstellung auf der Juristentagung,

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