Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 24 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- Seite 343 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Ergebnisse der Volkszählung vom 16. Juni 1925. O 00 etung, 3;c*el Jahre fast nach der Volkszählung vorn 16. Juni 1925 wird nunmehr das endgültige Ergebnis für den gesamten preußischen Staat nach der Neligionsglirderung seiner Bevölkerung veröffentlicht. Wie bisher gehört der Hauptteil der Bevölkerung Preußens den beiden großen christlichen Reliaionsgesellschasten an. Bon den 38120 173 Einwohnern Preußens waren 24 741364 oder 64,93 v. H. Angehörige der evangelischen Kirchen und Religionsgemeinschaften unb 11910 978 oder 31,32 v. H. Katholiken. Beide Gruppen zeigen ihrer absoluten Zahl noch zwar eine Erhöhung gegenüber dem Jahre 1910, indem damals nur 23 354 327 Evangelische oder 66,73 v. H. und 11 099 626 ^Katholiken oder 31,71 v. H. gezählt wurden. Der verhältnismäßige Anteil dieser Religionsgemeinschaften an der Gesamtbevölkerung ist dagegen von 98,44 v. H. auf 96,25 v. H. gesunken. Besonders groß war der Rückgang bei den Angehörigen der evangelischen Kirchen, deren Anteil sich um 1,80 Punkte verringert hat gegenüber 0,39 Punkten bei den Katholiken. Im Gegensatz hierzu und zu den Ergebuisien der meisten anderen Freistaaten Deutschlands sind die Anteile der jüdischen Bevölkerung Preußens im Vergleich zu 1910 sowohl absolut als auch relativ, weuu auch in sehr'geringem Ausmaße gestiegen. Bor dem Kriege belief sich die Einwohnerzahl der Juden in dem nach dem Kriege verkleinerten Preußen au? 366 876 Seelen, i m Jahre 1925 sind sie auf 403 969 g e st i e g e u, und ihr prozentualer Anteil i st von 1,05 a u s 1,06 v. H. herau f geg a n g en , aber hierbei muß, w i l l m ci n eine n Vergleich m i t der letzter: Volkszählung a n - st etter:, beachtet w erden, daß die Volkszählungsergebnisse vorn 1. Dezember 1910 auf den gegenwärtiger: G e b i e t s st a n d u n: g e r e ch n e L worden sind. In den abgetreter:en Provinzen Preußens, die bei den vorhergehender: Vergleich szahlen nicht berücksichtigt sind, roohnten aber rund 46 000 Iu d en. Da sich aber bekanntlich die meisten Juden aus den abgetretenen Provinzen im alten Heimatsland seßhaft machten, so ergibt sich schon aus diesen Abwanderungszahleu der Grund für das Anwachsen der jüdischen Bevölkerung Preußens. Absolrrt haben die Juden in dem jetzigen Gebiete Preußens gegen 1910 um rund 37 000 zugenommen, stellt -man dem gegenüber, daß in den abgetretenen Preußens 46000 Juden gewohnt haben, die ihre alten Wohnsitze zum größten Teile aufgegeben und nach den verbliebenen Provinzen Preußens verlegt haben, so kam: mar: tatsächlich nicht von einem Wachstum, sondern eher von einer Abnahme der jüdischen Bevölkerung Preußens sprechen, und man kam: aus den scheinbar günstigen Zahlenergebnissen nicht voreilig den Schluß ziehen, als ob bei der jüdischen Bevölkerung Preußens eine Wendung zun: Aufstieg, im Gegensatz zu früheren Dolkszahtuugsresultaten, die den Anteil der Juden an der Gesamtbevölkernng Preußens infolge ihrer außerordentlich niedrigen Geburtsziffer fortdauernd verminderten, eingetreten sei. Wenn dieser Rückgang zwischen 1910 und 1925 sich nicht weiter fortgesetzt hat, so erklärt sich dieser Umstand allein aus der Rückwanderung de s j ü d isch e n Preußen nach de n bei Preußen verbliebenen P r o v i n z e n; die Behauptung, baß die Zunahme der Einwanderung zahlreicher Juden aus Polen und Rußland Zuzuschreiben sei, ist bisher zahlenmäßig gar nicht bewiesen. Die Abnahme der Juden -irr Preußen entspricht den der in den anderen deutschen Ländern gemachten Beobachtungen. Die nachstehende Tabelle zeigt die Verteilung der jüdischen Einwohner auf die einzelnen preußischen Provinzen: Von 1000 Ein- Provinz Einwohnerzahl darunter Inden r wohnerir entfielen auf Juden: 1925 1925 1910 1. Ostpreußen . . 2 256349 11 337 5,02 5,93 2. Brandenburg . 2 592 419 8 442 3,26 3,02 3. Stadt Berlin . 4 024 165 172 872 42,91 " 38,56 4. Pommern . . . 1 878 781 7761 4,13 5,16 5. Grenzmark . . 332 485 3 437 10/34 12,37 6. Niederschlesien . „ 3 132 328 29 953 9,56 8,91 7. Oberschlesien . f f 1 379 278 10069 7,30 7,66 8. Sachsen . . . . 3 277 476 8341 2,55 2,54 9. Schleswig-Holstein 1519 365 4 152 2,73 2,28 10. Hannover . . . 3 190 619 14895 4,67 5,28 11. Westfalen . . , . 4 811219 21595 4,49 5,10 12. Hessen-Nassau , . 2 396 871 52 757 22,01 23,31 13. Rheinprovinz r 7 256 978 58 223 8,02 8,29 14. Hohenzollern . 71840 335 4,66 5,70 Zusammen 1925 38 120 173 403 969 10,60 10,48 1910 35 000 830 366 876 10,60 10,48 Danach wohnt fast die Hälfte alter preußischen Juden in Berlin, ihr Anteil an der gesamten Berliner Bevölkerung ist von 1910 bis 1925, von 3,86 Prozent auf 4,29 Prozent gestiegen, bleibt aber weit gegen die im „S-tatistischen Taschenbuch der Stadt Berlin von 1926" geschätzte Zahl vor: 250 000 z u r ü ck. Tatsächlich wurden im Jahre 1925 rund 172 000 Juden gezählt, wie num aus die Zahl von 250 000 Gemeindemitgliedern für das Jahr 1924 gekommen ist, das anfzuklären, bleibt der Jüdischen. Gemeinde Berlin Vorbehalten. Zu den Provinzen, bei denen die Zahl jüdischer Einwohner angenommen hat. gehören: 1920 1925 Berlin. 144 007 172 672 Brandenburg . . . 7 349 8 442 Nicderschlesien . . 26 654 29 953 Oberschlesien . . . 9 700 10 069 Sachsen. 7 833 8 341 Schleswig-Holstein. 3 311 4152 Westfalen ... - 20939 21595 Hessen-Nassau. . . 51 781 52 757 Rheinprovinz . . . 53 889 58 223 Dagegen hat die Zahl abgcnommen in: 1920 1925 Ostpreußen .... 12 715 11337 Pommern .... 8862 7 761 Grenzmark .... 3 835 3 437 Hannover .... 15 596 14895 Hohenzollern . . » 405 335 Prozentual an: meisten Juden wohnen in erster Linie in Berlin; ül>er 1 Prozent des Bcvölkerungsauteils »reisen ferner auf die Grenzmark und Hessen-Nassau; besonders gering ist ihre Zahl in verdienen, gehörte auch das alte, von: Pharao Mizrajims geprägte ^chlagwort vorn „Landesverrat" der Juden. S-ie sollen in: Kriege sich mit den Feinden verbrüdert haben. Glaubt man, den rumänsichen Bürger und den rumänischen Bauer von: Gegenteil über- Zettgcu zu können, wenn man in aller Fora: zugunsten der rimuv chlchen Inden' das Ausland zu mobilisieren suchte Verleiht man wcht gerade dadurch den Argumenten der Judenfeinde einen gefährilchen Schein innerer Berechtigung? . Die n a t i o n a l j ü d i s ch e „W i e n e r M o r g en z e i t u n g" _nu3 den: Verlauf des Berliner Ligenkougresies die Lehre: '-.Selbst^in diese Institutionen dringt der Haß hinein, und es zeigt Üch. daß auch das Bekenntnis zum Völkerbund und seinen Grundidee!: ganz gut mit einer Verteidigung seines Gegenteils verbunden werden kann." Die „Morgenzeitung" verschließt sich auch nicht der Erkenntnis, daß diese unerwünschte Erfahrung speziell zuungunsten 7?^.>>"de!i gemacht wurde, und sie gibt selbst die Ursache an: „Die Msiche Minderheit besitzt keine mit Armee und Polizei ausgestattete Mutternation, sie besitzt keine zentrale Körperschaft, die im Namen aller die aktive Klagelegitimation handhaben könnte."' Aus diesem Manko aller konstitutive!: Merkmale des Begriffs ,/Nation" muß die unbefangene Logik zu der Erkenntnis von der Absurdität des j ü d i s ch n a t i o n a l e n Gedankens im allgemeinen und jüdischer V ö l k e r b u n d l i g e n im besonderen kommen. Trotzden: glaubt das zionistische Wiener Organ, einen Erfolg der Bestrebungen, jüdische Völkerbundligen zu bilden, buchen zu können: „Der Fluch der Vereinsamung ist doch gebrochen worden." Dieser Ileberschätzuug des Rechtes, in politischen Debattierklubs mitreden zu dürfen, sei das Wort Paul Nathans („Jüdische Liga für Völkerbund in Deutschland?", „C. D.-Zeitung" Nr. 6, 1926) entgegen* gehalten: „Große, gemeinsame Ausgaben in getrennten Körperschaften als Inden und als Christen lösen zu wollen, bedeutet für die Juden die Anweisung, sich wegen ihrer zahlenmäßigen Schwäche bei ernster: Entscheidungen einfach auszu schalten." Die überwiegende Mehrheit der Juden aller Länder wird sich mit Paul Nathan für ein solches Programm bedanken. Dr. Hugo Spiegler.