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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-10 · 23 (10.6.1927) · p. Seite 329

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
23 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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m bcm die ÄLa äst über Vermögen, Freilrcit und Ehre seiner Mitbürger kn die Hand gegeben ift, mutz feines Amtes entkleidet werden, wenn er diese Macht mitzbraucht. Mer der Einsender richtet diese Schlußfolgerungen in. erster Linie gegen die Amtsrichter in F i n ste r w a ld e. Der gegen sie wegen einer Teilnahme an einem Umzug erhobene Verdacht der Rechtsbeugung ist gänzlich unbegründet. Ter Einsender hat seine Kenntnis offensichtlich nur aus unzuverlässigen Zeitungsberichten geschöpft. Ich darf als Untersuchungsrichter des Landgerichts, der die Voruntersuchung gffuhrt hat, ausreichende Sachkenntnis in Anspruch nebmen. Las ^lrawerfayren wegen Landfriedensbruchs richtete sich nicht gegen das Reichsbanner, sondern, wenn die Angeklagten nun einmal in eine politische Kategorie eingereibt werden sollen, gegen eine Reihe von Mitgliedern des Noten Fronikämpstrbundes. Einige Mi:g lieber des Reichsbanners waren, entgegen dem Verbot ihrer Qrganisa:ion, auf die Straße gegangen, um sich den Nmzug anzusehen, und waren in den Tumult hineingeraten. Es handelte sich auch gar nicht um einen Amzug >dcs Stahlhelms, sondern aller bürgerlichen Vereine von Finsterwalde — int Gegensatz zu den sozialistischen und kommunistischen Vereinen — anläßlich des Hindenburg-Eeburtstages. Tie allgemein-politisllx' Tendenz des Umzuges geht uns als Juden nichts an. Eine antijüdische Tendenz hatte der Umzug bestimmt nicht. Es wurden auch nicht, wie der Einsender meint, die Lieder vom Hakenkreuz am Stahlhelm" und von der „Judenrevublil" gestmgen. Bon keinem der sehr vielen Zeugen habe ich gehört, daß eine judenstindliche Qtcujjeruna gefallen wäre. Zn mesem Umzüge gingen die zwei Richter, nicht drei, wie der Einsender miiieut, vom Amtsgericht Finsterwalde mit. . 3ft das ii n 3 n t ä f f i q? Märe zum Beispiel ein judi'che^ Richter, der an einem Umzüge de? Reichsbanners teilnimmt, unfähig,. fein Richteramt weiter zu vergehen? Haben die Richter, die sich an einem Umzüge aller „Bürger'' ihrer '^tadt zu Ehren Hindenburgs beteiligten, und zwar als Privatverwnen, nicht etwa als Vertreter der Justiz, sich „offenkundig und herausfordernd in völkisthem ^inne betätigt"? Ich kenne die beiden Finsterwalder Amtsgerichtsräte ans ihrer dienstlichen Tätigkeit seit Jahren. Es ist bei ihrer Sachlichkeit und Unparteilichkeit ausgeschlossen, daß sie — auch nur int sogenannten Unterbewusstsein — einen Znden anders als einen Christen behandeln würden. Ter Bor- Wurf des Einsenders, daß die beiden Richter durch ihre Teilnahme an dem Fackelzuge „offenkundig und agitatorisch für die völkischen Parteien Stellung genommen haben, um uns als Juden bürgerlich, staatlich und religiös zu entrechten", n'.uß av.U schärfste zurückgewiesen werden. Ter Landfriedensbruch von Finsterwalde gibt für uns als Juden g 6 t t e inen G r u n d z u r B e s ch w e r b e. Solche haltlosen Aiu griffe führen nur dazu, Mißstimmung zu schaffen. In der heutigen Zeit der sogenannten Vcrtrauenstrise wer Justiz sollte cs sich jeder überlegen und genau nachprüfen, che er einen Richter der Rechtsbeugung verdächtigt- Besonders aber „ein indischer Beamter". Mtagt $xmi gegen / $ine Untecceöung mit fievman 75etnftein. Kürzlich Werlte der bekannte amerikanische Journalist und jüdische Politiker £>?Tman Bernstein ans New Kork in Berlin. Bernstein hat viele Jahre führende amerikanische Zeitungen und Zeitschriften als auswärtiger Korrespondent vertreten. Lange Zeit war er Äkkretär des „American Jewish Commitee“. Er gibt heute das führende amerikanische Wochenblatt „Ille Jcwish Tribune“ heraus. Naturgemäß ift er in allen jüdisch-amerikanischen Fragen ganz besonders bewandert. Hermau Bernstein hat bei seinem Aufenthalt in Berlin die Arbeitsstätte unseres Centralvereins eingehend besichtigt und hatte die Liebenswürdigkeit, uns einige Fragen zu beantworten, die wir an ihn über den Antisemitismus in Amerika, insbesondere über Henry Ford, richteten. Unsere Leser werden sich erinnern, daß die Berliner Ford-Motor- Company in einem Brief an die „E. V.-Zeitung" (vgl. „E. V.- Zeitung* Nr. 9 vom 4. März 1927) die Ansicht vertreten hatte, Henry Fords Buch „T er internationale Jude" sei im Original nicht so antisemitisch, die scharfe judcnfeindliche Note sei erst in die deutsche Nebersetzung, entgegen Henry Fords Willen, hineingetragen worden. Die Berliner Ford-Vertretung teilte weiter mit, Ford werde nunmehr den deutschen Uebersetzer Theodor Fritsch in Leipzig wegen Fälschung verklagen. Diese Nachricht hat überall großes Aussehen erregt. Fritsch selbst hat scharf erwidert. Unsere erste Frage an Herman Bernstein lautete daher: „Glauben Sie, -atz Henry Ford den Prozeß gegen Theodor Fritsch, den Herausgeber des „Hammer", wirklich führen wird?" Herman Bernstein antwortet darauf: „Ich habe den Brief von Henry Fords bevollmächtigten Vertreter an Sie gelesen, in dem er seine Entrüstung darüber ausdrückt, daß Henry Fords Buch „Der internationale Jude" von Fritsch nicht wörtlich für die Ausgabe des „Hammer" überseht worden ist, und daß Henry Ford wegen Fälschung des Textes des „Internationalen Juden" einen Prozeß gegen Fritsch anstrengen will. Henry Fords Vertreter hat ferner in jenem Briefe behauptet, daß Joseph Liebold, Henry Fords Sekretär. Jude sei. Ich habe die deutsche Nebersetzung nicht mit dem Original verglichen und kann daher nicht sagen, ob das Buch, das Henry Ford unter dem Titel „Ter internationale Jude" herausgegeben -»IS «(bei Flame) gelegen am Meer (S üdfttand). © | Rituelle KliÄt — Eigener Mlsnas. § % Moderutt cumcviditct - Lvvartcmcirts - Ziinnrer mit Bad - fließendes 5 G kalies und warmes Vaffer. Alle Mcdizinaldäder intt. Meerdäkcr. alle q § Zimmer utit Loggicn oder Terrasse aals Mecr. Diätküche nach ärztlicher? Vorschrift. Pensionspreise urkl. Zimmer von Lire 40,— bis 70,—. A Ausführliche Prospclle aui Verlangen. G Bei Anfragen bitte sich ans das Blatt zu berufen! | ^t, geändert lvorden ift oder nicht. Aber ich weiß, daß das Original, das von Henry Ford veröffentlicht und von dem „Dearborn Independent“ wiedergegeben worden ist, aus einer Reihe der schlimmsten Verdrehungen von Tatsachen über die Juden besteht, die jemals von eurem Antisemiten veröffentlicht wurden: diese.Artikel beruhen aus Fälschungen, au* schon längst entlarvten sndenseindlichen Legenden und auf den „Protokollen der Weisen von Zion", welche bewußte Fälschungen und. wie ich in meinem Buch „Tie Geschichte einer Lüge" dargelegt habe. Ich glaube kaum, das; Henry Ford einen Prozeß gegen Fritsch anstrengcn wird, weil dieser sein Buch antisemitischer gemacht habe. Wenn jemand Fords „Jntcrnatioualcn Juden" in einer Nebersetzung herausbringt, die das Buch weniger antisemitisch gestaltet, daun wird Ford vielleicht einen Prozeß anhängig machen. Ich würde natürlich gern das Schauspiel eines Prozeffes sehen, in dem die Antisemiten Ford und Fritsch verwickelt sind, in dem einer gegen den anderen kämpft, um festzustellen, wer der größere Antisemit ist. Dabei könnte eine Anzahl interessanter Einzelheiten offenbar werden. Der erstaunlichste Teil des Brieses, den Henry Fords bevollmächtigter Vertreter in Deutschland an Sie geschrieben hat, ist der. in welchen! er sich auf Lieboldats einen Inden bezieht, um damit auzudeuten, daß Henry Ford kein Antisemit sei, weit er einen Juden als seinen Hauptsekretär beschäftigt. Ich weiß nicht, ob Liebold Jude ift oder nicht; aber alle, die mit der Ford-Organisation in Detroit vertrant sind, sind der Meinung. daß Lrcbold hauptsächlich für Henry Fords autisemitischeu Feldzug verantwortlich, daß er in der Tat der böse Geist ist, der Henry Ford bei dieser Propaganda des Hasses und der Fälschung beeinflußt." Auf unsere zweite Frage: „Besitzt Henry Ford in Amerika Anhängerschaft für seine judengegnerischen Gedankcngänge und welche Kreise sind in dieser vertreten?" führte Herman Bernstein aus: „Henry Ford hat als Antisemit nicht seinesgleichen in Amerika. Tie Presse des Landes nimmt ihn als einen antisemitischen Ideologen nicht ernst; er ift ein verblendeter Idealist, eigensinnig und eingebildet, und glaubt, daß sein großer Reichtum und seilt unvergleichlicher Erfolg als Vtotorsabrikant ihm das Recht und die Weisheit geben, alle menschlichen Probleme zu lösen. Ford ift so gefährlich, weil er eine so ungeheuere publizistische Maschinerie zur Verbreitung seiner sogenannten Ideen und Theorien geschaffen hat; er hat riesige Sulnmen ausgcgeben. um seinen Dearborn Independent“, der die Artikel über den internationalen Juden enthielt, durch seine Motoragentur in den verschiedensten Teilen Amerikas und des Auslandes zu verbreiten. Henry Fords Unwissenheit wurde vor einigen Jahren demonstriert, als er als Zeuge in dem Prozeß gegen „The Chicago Tribüne" sich selbst unter Eid zum Narrenmachte. Seitdem fürchtet er die Gerichte.

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