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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-10 · 23 (10.6.1927) · p. Seite 330

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
23 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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3SS DOLDER GRAND HOTEL-ZÜRICH Ideal im EIGENER GOLF Herrliche Aussicht FrtLhjalu: u« Sommer 6 Tennis Garage Der jüngste Saprro-Ford-Prozeß") bewies überzeugend, zu welchen Mitteln Henry Ford greifen wird, um den Lauf der Justiz lahmzulegen. Und in meinem eigenen Beleidigungsprozeß gegen Henry Ford, welcher hoffentlich binnen kurzem zur Verhandlung kommen wird, weiß ich, daß er den ganzen ihm zu Gebote stehenden Reichtum benutzt, um mit allen Arten von Tricks und Ausflüchten die Sache zu verschleppen. Aber ich glaube schließlich doch, daß es uns gelingen wird, ihn dazu zu bringen, sich zu seinen grausamen und verleumderischen Anklagen gegen mich persönlich und gegen die Juden im allgemeinen zu bekennen. Die Gefahr von dem antisemitischen Gist, das Henry Ford verbreitet, liegt hauptsächlich darin, daß, wo immer er dieses Gift verbreitet — in Amerika und außerhalb —, die Juden nicht genug getan haben, um diesen Fälschungen durch eine systematische Verbreitung wahrheitsgemäßer Informationen entgegcnzuarbeiten, und überall die Lügen sestzunageln, wo sie auch immer erscheinen mögen." Zum Schluß äußerte sich H e r m a n B e r n st e i n, der als langjähriger Sekretär des American Jewish Committee mit der politischen Arbeit außerordentlich vertraut ist, auch über den Eindruck, den er bei seinem Besuche in unserer Zentrale von der Arbeit des Eentralvereins gewonnen hat: ,Zch habe einen tiefen Eindruck von Ihrer Organisation empfangen und von dem Werk, das Sie vollbringen. Neben der „Tritten Internationale'des Kommunismus" gibt es eine andere Internationale, die „Internationale des Antisemitismus". Die Veröfsentlichrmg der gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion" in den verschiedenen europäischen Ländern, in China und Japan und auch in den arabischen Landern zeigt den Umfang der Tätigkeit dieser Internationale. Und die Juden, denen der Vorwurf gemacht wird, international organisiert zu sein, haben nur wenig getan, um diese antisemitische Internationale des Hasses zu bekämpfen. Ihre Organisation, die systematisch das Material, das sich aus die antisemitische Tätigkeit bezieht, sammelt und die Tatsachen darlegt, indem sie den Fälschungen die Wahrheit gegenüberstellt, erweist nicht nur den Juden, sondern auch der übrigen Menschheit einen großen Dienst; denn wenn auch der Antisemitismus am meisten den Juden schadet, da er ihnen ungezählte Leiden und Drangsale zusügt, sät er doch gleichzeitig Haß, Zwietracht und Unruhe, die den Wiederaufbau der Welt und die Wiederherstellung des wahren Friedens hindern." * Die Ford Motor Company, Neuberg - Behrens G. m. b. H. in Berlin, die uns seinerzeit mitgeteilt hatte, daß Ford gegen Fritsch Klagen werde, schreibt uns: Ihre Ausgabe Nr. 18 enthält in dem Artikel „^apiro gegen Ford" eine unsere Gesellschaft angehende Mitteilung, zu der wir folgendes zu sagen haben: „Wir sind Vertreter der Ford Motor Company, nicht etwa des Herrn Henry Ford, haben demzufolge auf den Beginn oder die Entwicklung eines solchen Prozesses keinerlei Einfluß. Daß ein solcher Prozeß demnächst kommt, ist uns nach Kenntnis der Sachlage ohne Zrveifel. Tie Einleitung hierzu ist schon deshalb Zeitraubend, da sich eine Partei in Amerika befindet und das deutsche Gesetz in diesem Falle komplizierte Vollmachten vorschreibt." — Wir sind nun etwas neugierig, was geschehen wird. Wird Ford Fritsch verklagen, oder, wenn das nicht geschieht, wird Fritsch, wie er ankündigte, Ford wegen Verleumdung verklagen. — Wir stehen, Eewchr bei Fuß, nur an der Seite. Weisl-Bersammlung. In der „Jüdischen Rundsch a rr" Nr.43 vom 31. Mai d. I. wird aus Seite 312 mitgeteilt: Kurt Vlu menfeld, der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, habe nicht, wie wir in der Nr. 21 der „C. V.-Zeitmig" berichten, in der W e i s l schon Versammlung im Berliner Logenhaus gesagt: „In unserem Kampfe gibt es nur eine Front, nur einen Gegner, den Kampf gegcrl die Nichtzionisten", sondern er habe dabei von Antizionisten gesprochen. Ein durchgreifender Unterschied von unserer Mitteilung scheint uns diese Darstellung nicht zu bedeuten. Außerdem: Unser Berichterstatter hat sofort, nachdem Kurt Blumenfeld die angegebene Wendung gebraucht hat, sie niedergeschricben. Er hält daher einen Irrtum für völlig ausgeschlossen. Wenn die „Jüdische Rundschau" feststellen zu müsten glaubt/ daß sich ein antizionistischer Berichterstatter in eine interne Mitgliederversammlung der Berliner Zionistischen Vereinigung begeben habe, so möchten wir demgegenüber entscheidend betonen, daß diese Versammlung ohne jeden Vorbehalt in der „Jüdischen Rundschau" angezeigt, und daß dafür Eintrittsgeld erhoben worden ist'. Nach juristischen und politisä)en Gewohnheiten pflegt eine solche Versammlung niemals als interne Mitgliederversammlung angesehen zu werden. *) Siehe „C. B..Zcitur.g" Nr. 18 vom 6. Mal. Die „Novos-Chrisiaos" in Portugal. Von Dr. Hans Wesemann (Lissabon). In einigen abgelegenen Provinznestern Portugals finden sich heute noch Religionsgemeinschaften, die im Volksmunde Novos- LlrriLtaos — Neuchristen heißen, sich selber aber „gente da nagao" — Leute, die der Nation angehören, nennen. Sie halten die äußeren Formen und Gebräuche der katholischen Kirche, feiern aber daneben das Pasiahfest, Jom-Kippur und andere hohe jüdische Feste, allerdings nicht nach strengjüdischein Ritus! Und ihre Hymnen und Gebete, die der katholischen Liturgie entnommen sind, haben typisch jüdische Wendungen, die in diesem Zusammenhänge durchaus unerklärlich wirken. So singen z. B. die Frauen aus dem Volke in Vilarinho dos Galegos: 0 alto deus d'Israel, lumpri vosses profecias (oh, großer Gott Israels, erfülle deine Prophezeiungen), oder man hört folgendes Gebet: „Adonay em quem tento confiamja . . . Ros, pelos nossos pecados, todos andamos errados em terre alheia . . . sem paster (Adonay, auf dich setze ich mein Vertrauen . . . Wegen unserer Sünden irren wir alle im fremden Lande ohne Hirten . . In diesem einen Worte „führerlos" liegt die Erklärung für diese seltsamen Gebete. Die sogenannten „Neuchristen" sind direkte Nachkommen jener portugiesischen Juden, die im Jahre 1496 zwangsweise getauft wurden. Jahrhunderte sind seitdem vergangen, die Neuchristen selber haben fast alle ihre Abstammung trotz dieser Anklünge an die alte Religion vergessen, und auch den meisten Portugiesen sind die besonderen Zusammenhänge dieser Wandlung heute völlig unbekannt. Und doch liegt hier ein Phänomen vor, das weit über den engen lokalen Nahmen hinaus seiner grundsätzlichen Bedeutung wegen größte Beachtung verdient. In Portugal mehren sich in letzter Zeit die Fälle, daß gute Katholiken aus alten Geschlechtern plötzlich entdecken, daß sie ursprünglich jüdischer Abstammung sind. Es sind sehr oft Adlige, Großkaufleute, Gelehrte oder Offiziere, wie der bekannte Hauptmann Arthur de Barros Basto, der zum Judentum zurückkehrte, nachdem seine Familie jahrhundertelang katholisch gewesen war. Doch das sind nur vereinzelte Fälle; die große Mehrzahl der Neuchristen hat ihre Abstammung längst vergessen und verloren und ist heute völlig im portugiesischen Bolkstume aufgegangen. Aber man kann ohne Uebertreibung sagen, daß das jüdische Blut in den besten Familien des Landes fühlbar ist, und daß die Mehrzahl aller bedeutenden Männer des alten und neuen Portugals dieser jüdischer Abstammung ist. Wie ist dieser Assimilation»- und Auflösungsprozeß vor sich gegangen? Die Geschichte des jüdischen Volkes in Portugal ist alten Datums. Sie reicht in die Zeit der römischen Herrschaft zurück. Schon vor der Invasion der Goten und Sueven findet man die „Sephardim" in Lissabon, Oporto, Coimbra, Algarve und Bragan^a. Sie erlebten eine Blütezeit unter der Maurenherrschast, wo Toledo und später Granada Mittelpunkte jüdischer Gelehrsamkeit und Kunst waren, wo Jos6 Levy Großwesir von Granada war, wo ein Jehuda Halevi seine unsterblichen Verse dichtete und ein Salomon ibn Gabirol seinen „Kether Malchuth" verfaßte. Auch in Portugal herrschte ein goldenes Zeitalter für das jüdische Volk. Wer mit dem Falle Granadas brach das Unheil herein. Die „katholischen Majestäten" ordneten 1492 die Austreibung sämtlicher Juden ans Spanien an. Vorher schon hatte die 1481 gegründete Inquisition über 2060 Juden dem Scheiterhaufen überliefert. Man schätzt die Gesamtzahl der Emigrierten auf 250 060. Davon ging ein Teil nach der Türkei, die Mehrzahl aber, über 100 000, ging nach Portugal. Aber auch hier war ihnen keine Ruhestätte beschieden. 1496 wurden sie von dem König Don Joao II. vor die unerbittliche Frage gestellt: Aus treib ung oder Zwangstaufe? Und die Inquisition rüstete schon ihre Scheiterhaufen. Angesichts dieser Zwangslage wanderte ein kleiner Teil weiter nach Marokko, die anderen blieben und wurden zwangsweise getauft. Um sie aber auch weiterhin von den anderen Christen zu unterscheiden, mußten sie den Namen Neuchristen annehmen, während tiefe sich „Vethos Christaos Altchristen nannten. Aber auch so wurden sie nicht frei. Die Inquisition blieb ihnen auf den Fersen. Von 1500 bis 1732 wurden 1400 Neuchristen verbrannt. Und in der berüchtigten Mordnacht, der „rnatan^a do largo de Sao Domingos", wurden vom aufgehetzten Pöbel über 2000 Neuchristen ermordet. Das letzte Autodafe (Ketzerverbrennung) fand 1768 statt, das erste 1540. Daneben gingen Verbannungen und Gütereinziehungen. Von 1600 bis 1650 wurden über 18 000 Neuchristen wegen „Ketzerei" hingcrichtct. Vor diesem unerträglichen Druck flüchtete ein kleiner Teil der Neuchristen nach Holland. Uriel da Costa und Samuel da Silva, Verfasser des „Traktats über die Unsterblichkeit der Seele", sind zwei der bekanntesten Mitglieder dieser neuen Sephardinckolonie in Amsterdam. Nibeiro Sanches wurde als Leibarzt der Königin Christine von Schweden berühmt. Hunderte von bedeutenden Namen rm KsJi höchste englische Qualität za ZnlandSpreK. Stangen neuer Ernte unübertrefflich. In allen einschlägigen Geschäften.

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