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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-10 · 23 (10.6.1927) · p. Seite 328

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
23 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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32$! ' rt! i r>':! i : . die Gzeaaflieger. Amerika—Europa in 3V Stunden» Berlin, Deutschland, Europa, die ganze Welt durchtobt das Iubelgeschrei über die großartigen Leistllngen der Lindbergh und Chambertin. Hut ab vor diesem Wagemut, vor dieser Ausdauer! Die weite Fahrt von Europa nach Amerika, die die Schnelldampfer in einer Woche kaum bezwingen, schrumpft in den Lüsten auf wenig mehr als eine Tag- und Nachtreise zusammen. Eine neue „Brücke im Aether" ist zwischen den Völkern geschlagen. In allem Jubel aber ein trauriger Gedanke! Die Dölker rücken sich durch den Himmelsraum näher und näher. Wo ist der Held, der das eigene Volk, unser deutsches Volk, mit Brücken von Herz zu Herz, von Vernunft zu Vernunft aneinanderbringt? Einmütig feiert das deutsche Volk die Helden der Lüfte, die die Dölker draußen dicht an unsere Heimat ziehen. Nicht Feier, aber Verständnis sollte den Arbeitern drinnen beschert sein, die sich mühen, der deutschen Zwietracht ins Herz zu^ stoßen und gegenseitiger vorurteilsfreier Achtung von Volksgenossen zu Volksgenoffen die Straße zu ebnen. Wie o z e a n w e i t sind wir davon entfernt! Nach Lindbergh, nach Chambertin — einen Brückenbauer für unser deutsches Vaterland! ...unö Freimaurer. Wichtige Feststellungen. Kürzlich hat W. S t r o j e w, von Beruf Profeffor der Geschichte und ehemals Archivar an der Zarenkauzlei in Petersburg, wichtige Forschungen angestellt. Diese haben den Zweck, die weitverbreiteten Unwahrheiten über den Zusammenhang der Freimaurerei mit dem Judentum auszudecken und zu entkräften. Nach seinen Ausführungen liegen die Wurzeln dieser Ansicht in der französischen Revolution von 1789. Damals waren es gewiffe geistliche Kreise und mit ihnen im Bunde französische vertriebene Auswanderer, die für das große „Unglück" einen Urheber suchten. Zuerst beschuldigte man Friedrich den Großen, den berühmten Aufklärer und Freimaurer auf dem Throne, obwohl dieser schon 1786, also vor der Revolution, gestorben war und gerade in den letzten Jahren seines Lebens als Freimaurer wenig tätig war. Das lag daran, daß der Orden damals der Tummelplatz verschiedener Abenteurer und Betrüger war. Man beschuldigte auch England, vielfach als das Mutterland der modernen Freimaurerei angesehen und von jeher der Erbfeind Frankreichs. Endlich lenkte der Jesuitenpater Barruel in seiner Schrift: „Animadversationes de secta illuminatorum" den Haß der Franzosen aus die Illu - M i n a t e n, d. h. auf den bekannten f r e i m a u r e r ä h n l i ch e n Orden, der vom Profeffor Weißhaupt an der Universität Ingolstadt 1776 gegründet worden war. Dabei passierte dem Barruel aber eine schlimme Verwechslung mit den sogenannten „Hluinines", jener rein politischen französischen Revolutionspartei, die mit dem deutschen Illuminatenorden gar nichts zu tun hatte. Bisher war von dem Einfluß der Juden auf die Freimaurer noch keine Rede. Den ersten Anlaß dazu boten Napoleons L Absichten, das sogenannte Synhedriuur der Juden zusammenzurufen. Am 17. September 1806 erschien solche Anordnung. Aus diesem Anlaß behauptete zum erste n Male ein einflußreicher Feind Napoleons, I o s e f d e M a i st r c, den I u d e n - einfluß auf die Freimaurerei, zumal Napoleon Freimaurer war. De Maistre war damals ein berühmter Schriftsteller und der Gesandte Sardiniens am Hose in Petersburg. D e Dt a i st r e und ein sardiuischer Offizier Michot sind als die Urheber der Legende von dem Zusammenhänge der Freimaurerei mit dem Judentum anzusprecheu. Denn am' 15. 'November 1806 schreibt deMaistre an den Zaren Alexander I. einen Brief, in dem cs heißt: „Wie weit erstrecken sich die verbrecherischen Plane des frechen Gendarmen von Korsika! Jetzt hat er das j ü d i s ch e Synhedrium zusammenberufen, um ein Bündnis zwischen den Feinden Christi und den verbrecherischen Banden der Jlluminatcn zu schließen, die schon längst bemüht sind, die Grundlagen der bestehenden Ordnung zu unterwühlen." Michot richtete dann 1811 an den Jesuiten Barruel einen Brief Mit der Behauptung, alle Juden sind Freimaurer und die wichtigste Waffe des Judentums ist die Freimaurerei. Diese Saat ging auf und trug hundert- und tausendfältige Frucht: von damals bis zu den „Protokollen der Weisen von Zion". Direktor De. H. Schmidt (Hainichen i. Sa.). Hugo Greßmanns Vermächtnis. „Entwicklungsstufen der jüdischen Religion." Als Hugo Greßmann in New Dort eintraf, sollte in Deutschland die erste Reihe der im Berliner Institutum Judaicum von ihm veranstalteten Vorträge jüdischer Gelehrter im Druck erscheinen. Tie Herstellung hat sich verzögert; inzwischen ist der verdiente Gelehrte der Wissenschaft und seinem Werke jäh entriffen worden. Erst jetzt sind unter dem Titel „E u t w i ck l u n g s st u s e n der jüdischen Religion" die „Vorträge des Institutum Judaicum au der Universität Berlin, 1. Jahrgang. 1925/26", bei Alfred Töpelmann in Gießen erschienen. Sie enthalten Beiträge von Leo Baeck („Ursprung und Anfänge der jüdischen Mystik", S. 91 bis 103), Juda Bergmann („Das Judentum in der hellenistisch-römischen Zeit", S. 27 bis 42). Jsmar Elbogeu („Esra und das nachexiUsche Judentum", S. 13 bis 26), Julius Euttmann („Die religiösen Motive in der Philosophie des Maimonides", S. 61 bis 90) und Michael Euttmann s„Znr Entstehung des Talmuds", S. 43 bis 60). Daß jeder von uns sein Bestes zu geben bestrebt war, braucht nicht gesagt zu werden; die Sammlung bedeutet, da sie ein abgerundetes Bild über die Entwicklung von 1500 Jahren gibt, mehr als die Summe der Eiuzeloorträge. Worauf aber hier vor allem hiugewiesen werden soll, ist H u g o G r e ß m anns „E insühr u n g", die nunmehr als sein Vermächtnis zu uns spricht. Er hat die warmherzige Ansprache, die er am Beginn der Vorträge gehalten hatte, zu einer kleinen Abhandlung über die Bedeutnng^der geschichtlichen Erforschung der jüdischen Religion erweitert (S. 1 bis 12). und auch hier seine oft betonte Anerkennung der „numderbaren Größe der israelitischen Religion" zum Ausdruck gebracht, „die, wie kaum eine andere im Lause der Zeit die erstaunlichsten Wandlungen durchgemacht und sich bis in die Gegenwart als eine lebendige Kraft erwiesen hat. In diese Geschichte sich mit Liebe versenken, heißt der Offenbarung des Allmächtigen lauschen. Diesem Zweck wollen auch die folgenden Vorträge dienen." DecZ Vermächtnis des hochgesinnten Gelehrten verdient von Juden und Christen mit derjenigen Liebe gepflegt zu werden, die der allzu früh Heimgegangene ihm widmete. Profeffor I. Elbogcn (Berlin). Heamte unö „beamte". Eine Aufklärung von Lnnvgerichtsrat Tr. Tiencmann (Kottbus). Ter in Nr. 21 der „E. D. - Zeitung" mit der llebcrschrist Beamte und „Beamte" erschienene Aufsatz darf nicht unwidersprochen bleiben. Aus mehreren Gründen: Ter Einsender nennt nicht seinen Namen. Ter Aufsatz stammt von einem „jüdischen Beamten". Tie Bedeutung des Aufsatzes kann durch solche Anonymität nicht gehoben rverden. Wenn dadurch aber die Zuverlässigkeit der tatsächlichen Angaben betont werden sollte, so ist die folgende Berichtigung um so notwendiger. Auch im Jnteresie unseres Centralvereins selbst ist die Berichtigung erforderlich. Sein tapferer Kampf um unsere Bürgerrechte muß erlahmen, seine Angriffe werden keine Beachtung finden, wenn die tatsächlichen Behauptungen einer Untersuchung nicht standhalten. Den Schl utz f o l g e r n n g e n des Einsenders muffen wir zustimmen: Ter verfasiungsfcindliche Beamte, der nicht alle Teile deS deutschen Volkes mit gleichem Maße mißt, besonders aber der Richter. Max Marburg öS Jahre. Am 5. Juni feierte Max Marburg in Hamburg seinen 60 Geburtstag. Ter Schlichtheit seiner Lebensauffassung liefe es zuwider, wenn wir ausführten, was dieser überragende Mann dem deutschen Vaterlande, dem jüdischen Deutschtum, unserm Gentralverein bedeutet. Nur das eine wollen wir bekennen: Als Deutsche. als Juden, als E.B.er sind wir stolz und glücklich, daß er einer der Unsrigeu ist. „Sollen die großen Ziele, die dem Staate, der Wirtschaft und der Kultur, gesteckt sind, erreicht werden, so wird Max Marburg noch auf lange Zeit nicht zu entbehren fein", schreibt die größte Hamburger Zeitung. Möge er diese lange Zeit frisch und gesund und in ungeminderter Schaffensfreude PboL Biebir (Hamberg) durchleben, dem deutschen Daterlande und seiner Vaterstadt weiter 511m reichen Segen, uns aber als eines dex edelsten Vorbilder deutschjüdischer Wirksamkeit. ' * 4

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