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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-03 · 22 (3.6.1927) · p. Seite 313

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
22 (3.6.1927)
Date
1927-06-03
Page
Seite 313 (sequence 5)
Language
German
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313 Wahlergebnis in Mecklenburg. Die Wahlschlacht m Mecklenburg ist beendet und die Ergebnisse haben unserer Voraussage in der vorletzten Nunnner der „C.V.- Zeitung" recht gegeben. Um das Wichtigste vorwegzunehmen: die Deutsch völkischen haben von ihren 5 Sitzen 2 verloren und die Nationalsozialisten haben trotz einiger Zunahme ihrer Stimmen auch in diesen: Wahlkamps keinen Sitz in der Negierung erringen können. Die D e u t s ch n a t i o n a l e n haben zwar einen Sitz verloren, verfügen aber immer noch über 11 '^itze und sind damit die st ä r k st e bürgerliche Partei geblieben. Tie Wahlbeteiligung war auch bei dieser Wahl nicht über 80 Prozent der Wahlberechtigten. Rund 100 000 sind an der Wahlurne nicht erschienen. Abgegeben wurden insgesamt (bis auf einige noch ansstehende ländlich-e 'Bezirke) rund 307 700 Stiminen. Die S t i m m e n v e r 1 e i - ln ng der einzelnen Parteien bei dieser Wahl ist die folgende: Stimmen Sitze Deutschnationale 66 3 8 0 ( 63 237) - 11 (12) Sozialdemokraten 125 6 2 8 (111 404) — 21 (20) Tentschvölkische 17 447 ( 26 160) - 3 ( 5) Kommunisten 15 6 7 8 ( 18 463) — 3 ( 3) Deutsche Volkspartei 25 018 ( 23 430) — 4 ( 4) Demokraten 8 715 ( 8 475- 2 ( 2) Mietervereinigung 9 858 ( 7 387) — 2 ( 1) Wirtschaftspaket 33 496 ( 16 146) - 6 ( 3) Nationalsozialisten 5 473 ( 4 607) — 0 ( 0) Die eingetlammertcn Zahlen bedeuten Stimmen und Sitze der lebten Wahl. Hiernach hat die Sozialdemokratie trotz Zunahme an Stiinmenzahl nur den bisherigen Lcfch behauptet, während die lediglich auf wirtschaftlichem Boden stehende Vereinigung, die Wirtschaft s p a r t e i, drei Sitze, und die M i e t e r v e r e i n i g u n g , jetzt Bolkswohlfahrtsgrnppe, einen Ditz gewonnen haben. ' Trotzdem sich unsere Voraussage von einem Abflauen der deutschvölkischen Bewegung bewahrheitet hat, darf doch nicht übersehen werden, daß an verschiedenen Plätzen sowohl die Teutschvölkischen als auch die Nationalsozialisten verhältnismäßig ft a r k e Gruppen bilden. So wurden in Schwerin für die^ Deutschvölkischen 993 Stimmen, für die N a L i o n a l s o z i a l i st e n 320 Stimmen abgegeben. In Wismar haben die D e u t s ch v ö l k i - scheu noch 1140 Anhänger, in Güstro w 765, in P a r ch i m 264 und in Ribnitz 364. Dagegen dominieren in Gnoien die Nationalsozialisten mit 349 Anhängern und in P a r ch i m mit 447. Wir dürfen es auch unserer Ausklärung gutschreiben, daß bei dieser Wahl die völkischen Stimmen so zurückgegangen sind. Aber die Deu tschnatiou alen, die teilweise stark völkisch eingestellt sind, stehen im Wesenskern fest da. Dieses Ergebnis soll uns anspornen, auch weiter mit allen erlaubten und geeigneten Mitteln für Aufklärung ^orge zu tragen. Wir haben gerade in den letzten Tagen von n i ch t j ü d i s ch e n Empfängern der M o n a t s a u s g a b e der „C. B.-Zeitung" interessante Mitteilungen auch aus Mecklenburg erhalten, in welchen man die sachliche Form unserer Aufklärung anerkennt und zngesteht, daß man in Kreisen der Empfänger unseren Kampf zu würdigen weiß. Alfred Behrens (Hamburg). der „Schmied des Uibelungenrmges" verurteilt! „Rottet Inda aus'." Der Berliner völkische Agitator F. Majewski, der sich gern Lauterer nennt und den selbstgewählten Nang eines „Schmiedes des N i b e l u n g e n r i n g e s" bekleidet, hatte sich vor dem erweiterten Charlottenburger Schöffengericht in diesen Tagen zu verantworten. Wie unsere Leser sich wohl noch erinnern, hatte Majewski um die Zeit der hohen Feiertage des vergangenen Jahres ein Flugblatt verbreiten laffen, auf dem ein von ihm verfaßtes Gedicht im Rhythmus der Arbeiterinternationale, „Die Nationale" betitelt, zum Abdruck gebracht war. In ihm kamen, abgesehen davon, daß vom „Judengott" als „Satan" die Rede war, folgende Zeilen vor: „Völker, höret die Signale, t Aus zum letzten Strauß, Seht am Himmel die Fanale (!), / Rottet Juda aus!" Außerdem richtete er die liebevolle Aufforderung an das deutsche Volk, d i e I u d e n ins W e l t m e c t h r n e i n z u j a g e n. Auf die Strafanzeige des Centralvereins hin hatte die Staatsanwaltschaft wegen Gotteslästerung (§ 166 StGB.) und Ausreizn n g zürn Klassenhaß (8 130 StGB.) Anklage erhoben. In der Hanptverhandlung versuchte Majewski zunächst, eine jüdische Schöffin abzulehnen — erfolglos. Seine Verteidigung zeichnete sich nur dadurch ans, daß er die altbekannten Ausreden, die Inden seien eine Rasse und keine Klasie, der Gott der Juden sei der Gegensatz zum christlichen Gott der Liebe, könne also als Satan bezeichnet werden, besonders wirr und angelesen zum Vortrag brachte und damit am Richtertisch und im Zuhörerraum ein einigendes Lächeln hervorrief. Der Sachbearbeiter des C. D., der als Zeuge vernommen wurde, machte öuj Zahlreiche Fälle von Gewalttätigkeiten aufmerksam, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Aufforderungen, die die Schärfe der vom Angeklagten geäußerten nicht einmal erreichten, sich sowohl in Berlin wre auch an anderen Orten ereignet hätten. Die Bezeichnung „Satan" verletze sein religiöses Empfinden aufs tiefste. Der Staatsanwalt beantragte, da eine vor Jahresfrist aus ähnlichem Anlaß verhängte Geldstrafe anscheinend ihren Zweck verfehlt hatte, eine Gefängnis st rafevon drei Monaten. Das Gericht erkannte antragsgemäß. Hg-. Für TausLnöjahrfnsr öer Staöt Noröhausen. Eine Ver älteste» jüSischen Gcmeinven in TcutschlarrS. Dom 27. bis 29. Mai feierte, unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung und der Behörden von Staat und Stadt, Nordhausen die Feier seines tausendjährigen Bestehens. Auch die jüdische Gemeinde hat aus diesem Anlaß einen besonderen Festgottesdienst mit einer Predigt von Rabbiner Tr. David Schönberger (Aachen) veranstaltet. Rechtsanwalt Heinrich Stern, der Vorsitzende unserer Ortsgruppe Nordhaufcn, hat nn Selbstverläge eine mit Bildern reich ausgestattete, 75 Seiten starke Schrift „Geschichte der Juden in Nordhausen" herausgegeben. Tie Schriftleitung. Ein Stück deutscher Hennatsgeschichte geht an uns vorüber. Wir erleben sie mit in den Schicksalen der Nordhäuser Juden, denen zur Tausendjahrfeier der alten Reichsstadt in einem reich illustrierten Bändchen „Geschichte der Juden in Nordhansen" von Heinrich Stern (im Selbstverlag des Verfassers) ein dankbar begrüßtes Tenknral gesetzt worden ist. Typisch im Ablauf der zwischen Duldung und Verfolgung wechselnden Zeiträume, untypisch wiederum durch die sich aus dem anonymen Durchschnitt heraushebenden Einrelpersönlichkeiten, die richtunggebend in das Zeitgeschehen eingriffen — so rollt die Geschichte der jüdischen Bürger der Reichsstadt Rordhausen und damit ein Stück deutscher Kulturgeschichte vor uns ab. Weit in graue Vorzeit zurück reichen die Anfänge dieser Geschichte. Es ist nicht verbürgt, wann sich die ersten Juden in Nordhausen ansiedelten. Tie erste Urkunde, die sie erwähnt, eine Verordnung Kaiser Rudolfs aus dem Jahre 1200, spricht von ihnen als von einem längst vorhandenen Bevölkern n g s k e i l. Wir haben also ein Recht, anzunehmen, daß lange vor dieser Zeit Inden sich zu festem Wohnsitz in Nordhausen niedergelayen haben. Und eine wehmütige Vermutung spricht daiür, daß gerade die Zeiten, aus denen keinerlei urkundliche Ueber- Ueferung uns ihre Existenz beglaubigt, die glücklichsten für sie gewesen sind. Tenn selten beschäftigt sich ein uns aus der Folgezeit überkommenes Schriftstück mit ihnen in günstiger Weise. Erwerbsbeschränkungeu und Ausweisungen, ia selbst die grausige Judenverbrennung aus dem Jahre 1349 sind die Marksteine der Entwicklung. Und immer wieder finden sich Menschen, die zäh und unbedenklich dei^ alten Heimatbvden aufsuchen, wenn günstigere Lebensverhältniye ihnen dauerndes Verweilen zu verheißen scheinen. Ein seltsames Lied der Treue klingt uns aus dem Büchlein entgegen'. Eine Treue, deren Wurzeln dort Lies verborgen liegen, wo das Leben am einfachsten ist und am rätselvollste!! zugleich. Könnten sie anserstehen und zu uns sprechen, die alten Inden Nordhausens, die Unbill und Verfolgung vergaßen und nach jahrzehntelanger Verbannung es unternahmen, auf altem Boden ein neues Leben^wieder zu beginnen, — dann würden wir erschüttert die tiefe Äelbstvcrständlichkert deutsch-jüdischen Heimatgefühls erleben. Glicht als ein trotziges und bewußtes „Und doch!", sondern im Sinne eines Miteinander- und Jneinandergew a ch s e n s e i n s , das die Triebkraft seiner organischen Zusammengehörigkeit allen gewaltsamen Störungsversuchen entgegensetzt. „Der ^uöenkubus zerquetscht öen ganzen Stahlhelm" schmierten Bubenhände aus den M ü n ch e n e r Psalzgebe n k st e i n, nachdem einen Abend vorher Frau Dr. Ludendorff als Wahrzeichen der Juden den Kubus bezeichnet hatte. Die dunklere Stelle auf dem Stein zeigt die (sofort entfernte) „Inschrift" an. Zwischen dem oberen und unteren Stein des Denknmls ruhen vier Stahlhelme aus Stein.

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