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Central-Verein-Zeitung · 1927-06-03 · 22 (3.6.1927) · p. Seite 311

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
22 (3.6.1927)
Date
1927-06-03
Page
Seite 311 (sequence 3)
Language
German
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stbschieö von Danzig. £• W. Ein paar Stunden Gipselwanderung belohnen reichlich für viele Mühsal und zerreibende Kärnerarbeit unten im Tal. Die beiden Danziger Festtage löschten mit einem Schlage alles aus, was auf einem als Vereinsarbeit und -sorge des Alltags drückte. Mit keinem „Einzelfall" hatte sich der Kops abzrrquälen. Das Herz, das deutsche Herz war hier vonnöten, und laut und warm schlug es für Deutschtum und Judentum, schlug bei unseren lieben Danzigern, schlug bei den vielen aus dem Reiche, die die hehren Tage miterleben wollten. Tie Letzten, die höchsten Vereinssragen, die Grundlagen unseres E. V., Grundfragen des deutschen Judentums, wurden hier nicht mit Wort oder Feder zur Diskussion gestellt. Sie wurden erlebt und gelebt, schlicht und selbstverständlich und ohne schwätzendes Etikett nach außen. Wer durch Joppen¬ oder Frauengasse, von Freundeshand geführt, wanderte, in den feierlichen Artushof blickte, die unerschütterlich feste Backsteingotik der Marienkirche bewunderte, der wußte, was deutsche Kultur ist. Und wer unsere Danziger reden hörte, wer ihre ausrichtige Freude mit uns Reichsdeutschen ver-- spürte, der wußte es auch. Die wundervolle Gewolbeführung der großen Synagoge mit dem eindrucksvollen Altarumgang kündete ihm deutsches Judentum. Der blumengeschmückte Hügel des religiösen Führers der Gemeinde, draußen am Lergabhang unter alten Bäumen, erzählte die schlichte Geschichte vom wahren E. V.er, dem Deutschtum eingeboren, dem Judentum religiöse Verpflichtung, steter Feuerdrang zu Helsen und Not zu lindern ist. herzensdank euch Danzigern, daß wir diese Tage erlebt haben, daß wir die unverrückbaren Pfeiler unserer C. V.- Arbeit, frei von allem Kleinlichen und Ueberftüssigen, in klassischer, erhebender Reinheit und Schönheit durch euch sehen durften. Schenkt uns wieder, solche Stunden der Unvergänglichkeit! Die Verwüstungen auf dem Rölzheimer Friedhof. Nach der C. v.-Tagung. Die Tagung der Landesverbände Ostdeutschlands im C. D., lange von der Ortsgruppe Danzig erwünscht und vorbereitet, hat nun hier stattgefunden. Die Danziger Juden haben am 25. und 2 6. Mai 1 927 eindrucksvolle und erhebende Stunden im Kreise der deutschen Glaubensgenossen verlebt und haben gemeinsam mit ihnen das Bekenntnis zur d e u t s ch e n Kult Urgemeinschaft abgegeben. Zwar werden derartige Kundgebungen, das wissen wir Danziger Juden sehr wohl, auf das äußere Schicksal unserer Heimatstadt keinen entscheidenden Einfluß ausüben, und doch sind sie von hoher Bedeutung. In D a n z i g berührt sich O st - u n d W e st e u r o p a. Wir Danziger — und nicht zuletzt die Danziger Juden — sind die Mittler zwischen östlicher und westlicher Kultur und stehen als Pioniere auf vorgeschobenem Posten. Unsere Aufgabe ist nicht leicht. Ständig stehen wir in Gefahr, vom Osten her, mit dem wir politisch und wirtschaftlich eng verbunden sind, auch kulturell beeinflußt zu werden. Ist doch schon zahlenmäßig das Bild unserer jüdischen Gemeinde durch den besonders unmittelbar nach dem Kriege erfolgten Zustrom ausländischer Glaubensgenossen wesentlich verändert. Ties um so mehr, als ein entsprechender Zuzug von Juden, die Träger deutscher Kultur sind, nicht vorhanden ist. Ter regelmäßige durch Wegzug verursachte Abgang deutscher Glaubensgenossen aus Danzig ist insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen verstärkt. Aus dem Reiche ziehen kaum Juden hierher in das abgetrennte Gebiet, und unser Hinterland mit seinen zahlreichen kleinen deutschen Städten, die früher durch Abwanderung in die Provinzialhauptstadt unfern Bestand vermehrten, ist uns verloren. Wollen wir unser Deutschtum erhalten und nicht zwischen den Völkern aufgerieben werden, so können wir dies nur durch eine starke innerliche Einstellung zum Deutschtum, zur deutschen Kultur. Das tragische Schicksal der vielen im Mittelalter nach den Ostländern ausgewanderten deutschen Juden war es, daß sie die Fühlung und den Zusammenhang mit der deutschen Kulturgemeinschaft verloren haben. Hierin besteht auch für uns die größte Gefahr. Für die Danziger Juden gibt es nur eine Parole: Inniges Zusammenhalten mit den deutschen Glaubensgenossen! Und dieses Zusammengehörigkeitsgefühl hat die glänzend gelungene Delegierteuversammlung in hohem Maße gefördert. Dr. H. Brodnrh (Danzig). Die Kundgebung am 26. Mai. K. 8. Der Vorsitzende des Danziger Centralvereins, Rechtsanwalt Dr. Brodnitz, eröffnete die überfüllte Versammlung. Der Kundgebung komme eine besondere Bedeutung in der Geschichte, des Centralvereins in Danzig zu. Zum ersten Male finde hier eine Delegiertenversammlung der Landesverbände Ostpreußen, Pommern und Oberschlesien statt. Diese Tatsache beweise, daß die reichs- Deutschen Juden noch an Danzig denken und sich mit den Danziger Freunden verbunden fühlen. Sodann ergriff das Berliner Hauptvorstandsmitglied, Rechtsanwalt Dr Bruno Weil das Wort und überbrachte zunächst den Danziger Freunden die besten Grüße und Wünsche des (muptvorstandes. Es sei von besonderer Bedeutung, daß die Kundgebung in dem Gedanken an Glaube und Heimat stattfindet. Im Zeitalter der Aufklärung sollte man meines, daß eigentlich ein Kampf für Gla.ul>e und Heimat nicht nötig sei. Wir alte aber wüßten, daß unser Kampf ein dauernder sein muß, da er uns von unfern Gegnern aufgezwurrgen ist. Unsere deutschvölkischon Gegner wollen an die Stelle der monotheistischen Religion zu einem großen Teil den Wotanskult und die gernmnische Holdenverehrung setzen. Vielfach sind diese Kreise nicht nur Gegner des Judentums, sondern auch Gegner des Katholizismus, und darüber, hinaus Gegner des Protest an tlsn ms. Eine weitere Gefahr bestehe für das Judentum als Religion durch die Einstellung des NationaljüdentumS, für das das Religwse im Judentum Das Sekundäre sei und das Völkische das Primäre. .

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