Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 21 (25.5.1927)
- Date
- 1927-05-25
- Page
- Seite 299 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ihrer deutschen Heimat lebendig erhalten, werden sie für diese Aufgabe, der Angleichung des Neuen an das eigene Kulturgut, mit Erfolg walten können. Deshalb ist es so wichtig und unerläßlich, daß immer wieder Freunde aus dem Reich nach Danzig kommen u nD das 33 et it ö mit den i n Danzig in schwerer Außenarbeit ft ehe nd en Menschen inniger knüpfen. Das ist die Bedeutung der Danziger C. V.-Tagung für die Danziger Juden, deren sich die Gäste erinnern, mögen, wenn sie durch die alten Gassen Danzigs. in seinen Wäldern und am Strande der Danziger Küste wandern. Dann wird ihnen aus der Berührung mit diesem politisch von Deutschland getrennten und ihm innerlich verbundenen Boden, tüte dem Niesen des alten Mythos, neue Kraft und Stärke erwachsen. Don Dr. HanS Behrendt (Danzig). Wenn in diesem Aufsatz vom jüdischen kulturellen Leben in Danzig gesprochen werden soll, so sei ein kurzer Rückblick in die Zeit vor etwa 50 Jahren gestattet.' Noch zu Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bestand in Danzig nicht wie heute eine Einheitsgemeinde, sondern es gab an deren Stelle fünf getrennte Verbände, in denen sich die Danziger Inden vereinten. Diese fünf Verbände bestanden in der Stadt Danzig selbst, ferner in den Vorstädten Altschottland, Weinberg, Mattenbuden und Langsuhr. Eine jede dieser Gemeinden — eigentlich konnten sie nicht als solche bezeichnet werden — hatte ihre eigene Synagoge, Kultusbeamte. Verwaltung usw. Trotzdem von den verschiedensten Seiten des öfteren Versuche gemacht wurden. diese Zwerggemeinden zu einem Ganzen zu vereinen, und trotzdem die einzelnen Gemeinden an Zahl der Mitglieder durchaus nicht bedeutend waren, gelang dies Unternehmen eine Zeitlang nicht. Daß diese Zersplitterung für das Kulturleben in Danzig nicht günstig war, ist selbstverständlich. Endlich, im Jahre 1881, gelang es dem idealen Streben und der Initiative energischer Männer, ans Anregung des verewigten Rabbiners Tr. Eosman ferner, nach langen und schwierigen Verhandlungen, an die stelle der kleinen Verbände eine einheitliche Groß gemein de zu setzen. Tie Krone tvurde diesen Schöpfungen aufgesetzt durch den Dan der großen sogenannten Neuen Synagoge, die heute zu den schönsten Bauwerken der Stadt zählt. Den Gründern dieser Einheitsgemeinde, Tr. Werner und Gustav D a v i d s o h n, werden die Danziger Juden ewig zu großem Tank verpflichtet sein. Die Neue Synagoge bilde! seit dieser Zeit den Mittelpunkt des religiösen Lebens der Danziger Juden. In ihr wird nach einem I Danzig; Frauengasse. 2-y aus Traditionellem und Modernem gemischten Ritus mit Orgel und Eher gebetet. An dieser Stätte walteten hervorragende Männer ihres. Amtes als Rabbiner, so der bereits erwähnte verstorbene Rabbiner Tr. Eosman Werner, später Oberrabbiner in München, ferner die Rabbiner Dr. Blumenthal und Tr. Freuden-- thal sowie der nach fast zwanzigjähriger Amtszeit zu früh dahingeschiedene Rabbiner Tr. 5t a e l t e r. Eine große Anzahl von wertvollen Kunftgegenständen beherbergt die Reue Synagoge: am hervorragendsten ist eine Sammlung alter jüdischer Kultnsgegenstnnde, die der Kaufmann Lesier Gieldzinski anläßlich seines 75. Geburtstages am 10. Januar 190-4 der Synagogen gemeinde als Geschenk überwies. Äußer der Neuen Synagoge gibt es noch die alte, sogenannte Mattenbudener Synagoge, in der die orthodoxen Glaubensgenossen ihre Andacht verrichten, ferner die Ehassidim-Schule für die Ostjuden. Zurzeit wird in der Dorstadt Langfuhr ein neues Gotteshaus erbaut. Stolz kann auch die Danziger Gemeinde auf ihre zahlreichen Wohlsahrtseinricht ungen sein, in denen Männer und Frmren in uneigennütziger Weise für das Wohl ihrer Glaubensgenouen arbeiten. Zn trennen ist die Zentralwohlsahrtsstelle mit ihren Unterabteilungen und der Volksküche, in der täglich eine große Anzahl Armer gespeist wird. Diese Zentralwohlsahrtsstelle hat im Aorjahr allein einen Etat von zirka 180000 Gulden gehabt. Ferner das Aschenheim-Stift, ein Altersheim, die Ehewra-Kadischa, zahlreiche -Krankenpflege- und Frauenvereine, die eine besondere Dahn- Hofsmission zum. Schutze alleinreisender Frauen und Mädchen eingerichtet haben. Auch die Borussia-Loge des Ordens Bnai-Berith ist in Danzig vertreten und übt ihre bekannte Wohltätigkeit. In dieser Loge ist ein besonderer Kinderhort gebildet, der im Kriegs als Kricgskinderhort auch christlichen Kindern Unterkunft bot und segensreich wirkt. Vor eine besonders große Ausgabe war die Danziger Wohlfahrtspflege gestellt, als infolge der Wirren und Konflikte der Nachkriegszeit Tausende jüdischer Flüchtlinge aus dem Osten in Danzig ankamen, um von hier den Weg nach überseeischen Ländern zu nehmen. Die Not aller dieser Scharen zu lindern, war kein kleines Werk, zumal die Danziger Institutionen auf solchen Zustrom keineswegs eingerichtet waren. So wurde ein großzügiges Hilsswerk, der Hilfsverein für jüdische Emigranten, gegründet, der den Flüchtlingen Unterknnfts- und Speiseräume bereitstellte und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stand. Besonders aufopfernd hat sich hierbei Dr. Kaelter betätigt, der auch den Vorsitz in dem ans allen Richtungen der jüdischen Gemeinde zusammengesetzten „Ernigratwnskomitee" übernahm. Auch das geistige jüdische Leben steht in Danzig in Blüte. Ter Religionsunterricht wird in einer besonderen Schute sowie an den höheren Lehranstalten durch akademisch und seminaristisch gebildete Lehrkräfte betrieben. Der Literaturverein und die Bereinigung für das liberale Judentum sorgen für das geistige Wohl ihrer Mitglieder. Jugendvcrbände, auch als besondere Abteilung des C. D., bieten der^ Heranwachsenden Jugend Anregung und Belehrung. Zum Schluß sei noch betont, daß, wenn auch Danzig politisch nicht mehr zum Deutschen Reich gehört, und wenn auch in den letzten Jahren eine große Anzahl Ostjuden hier ihren Wohnsitz genommen hat, die Danziger Juden in ihrer Mehrheit in ihrern ganzen Fühlen und Denken sich mit ihrem deutschen Vaterlande verbunden fühlen. * Tie Bilder sind dem Werk „Danzig" van Arthur Lindner („Berühmte Kunstsiättcn", Baud 19), Verlag 6. A. Seemann, Leipzig 1915, entnommen. „Die Träger öer öeutfchen Kultur nach Osten". Von Dr. Jakob Locwenbcrg (Hamburg). Obgleich a l t g e r m a n i s ch e Sitte, empfinden wir es doch heutzutage als Peinlich. Eid es Helfer herbeizuholen, zumal wenn sie nur bestätigen sollen, was ganz und gar selbstverständlich ist, was klar und offenbar ist wie der Dag. Aber in dem widerwärtigen Kampf, den unsere Gegner uns aufgezwungen, werden wir genötigt, Wege zu gehen, die unserem innersten Gefühl widerstreben. Ihr seid keine Deutsche, könnt nicht deutsch denken und fühlen! schreit man uns immer entgegen. Dazu möchte ich denn zwei vollwertige Zeugnisse aus älterer Zeit anführen. In der Sitzung der g e r m a u i f d) c u 8 c 11 i o n der Philologenversammlung, die vom 1. bis 3. Oktober 1868 in Würzburg stattfand, besprach Professor E reiz nach die Persönlichkeiten, die in näherer Beziehung zu Würzburg gestanden haben. Dabei sagte er. nachdem er aus üßkind v v n T r i mb e r g. den jüdischen Minnesänger, hingewiesen („Germania, Zeitschrift für deutsche Altertumskunde". 14. Jahrgang, Seite 127 und 128): Es scheine ihm „nicht hinlänglich beachtet worden zu sein, mit lvie lebhastem Anteil die Juden vom 13. bis zum 15. Jahrhundert sich der