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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-25 · 21 (25.5.1927) · p. Seite 298

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
21 (25.5.1927)
Date
1927-05-25
Page
Seite 298 (sequence 2)
Language
German
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2-S Dr. Wiener, Frau Studienrat Klausner und andere hervorragende Redner bei uns hören. Wir begrüßen in unserem Centralverein in Danzig unsere Brüder aus dem Reich, insbesondere unsere Freunde aus den Nachbargebieten, von ganzem Herzen. Möge ihr Aufenthalt in Danzig uns in unserem Streben und in unserem Kampf für Judentum und Deutschtum stärken, möge er auch ihnen das Bewußtsein geben, in Danzig treue Freunde und Mitstreiter zu wissen. Lehrer Samuel Echt (Danzig). E. V.-Z« A SavZig. Von Dr. Erwin Lichtenstein (Danzig). Wenn der Ecntralverem am 25. und *20. Mai eine Tagung der östlichen Lundesverbände in T-anzig veranstaltet, so darf diese Tatsache besondere Beachtung beanspruchen. Tagungen im Rheinland und in Bayern sind vorangegangen, jetzt wendet sich, wie in der großen Politik, so auch bei uns das Interesse den Ostproblemen zu, die von so ganz anderer Art, aber. von gewiß nicht geringerer Bedeutung sind als die Fragen des Westens. Und gerade Danzig erscheint als der gegebene Ort. um die Ostfragen in ihrer Bedeutung für Deutschtum und Judentum keunenzuleruen. Es ist hier nicht der Ort, sich im einzelnen über die Frage der deutschen Ostgrenzen, wie sie der Versailler Vertrag statuiert hat, zu verbreiten. Gleichviel wie inan über die Zukunft der Deutschland entrissenen Gebiete denken mag, Danzig wird immer eine besondere Ausgabe i m deutschen Sprachgebiet z u - fallen, dieselbe Aufgabe, die es seit den Zeiten des Ordens und des großpolnischen Reiches unter wechselnden staatlichen Formen hatte: Mittler zu sein zwischen deutscher und slawischer Welt, selbst dem Deutschtum tiesinnerlich verbunden und doch mit zahllosen Fäden wirtschaftlicher Natur mit Polen, jenem Bezirk des großen slawischen Bereiches, verknüpft, der, im Gegensatz zu Rußland, seine Hinneigung zum Westen stets stärker betont hat als die Verwandtschaft mit Asien. Durch die Jahrhunderte läßt sich dieser Charakter! Danzigs verfolgen. I m m e r herrschte deutsche Sprache! und deutsches Recht in dieser Hasen- und Handelsstadt, und immer kam Getreide und Holz die Weichsel herab aus dem pvl. nischen Hinterland und knüpfte das Band des Interesses, nicht der Kulturgemeinschast zwischen Polen und Deutschen. Seit Danzig Provinzialhanptstadt im Königreich Preußen geworden war, hatte die Stadt ihren Charakter als Hasen ein wenig, zugunsten einer Garnison- und Behördeuniederlassnng verändert. Die Loslösung von Preußen, die Erhebung zum eigenen Slaatswesen schu.s unzählige neue Aeutter und Verwaltungsstellen, die mit ihrer Last die Wirtschaft erdrückten und damit gleichzeitig Danzig aus die'wahre Duelle seines Wohlstandes. Handel und Schiffahrt, zuruckverwiescn. Diese Zusammenhänge muß man sich kurz ins Gedächtnis rufen, um die Rolle des Judentums in Danzig und seine Lage in der Freien Stadt würdigen zu können. Seit den Zeiten des Ordens wohnen Juden in Danzig und seit diesen Zeiten sind sie dir gegebenen Mittler zwischen Danzig und seinem polnischen Hinterland gewesen. Wie man sich den Köuigsberger Handel mit Rußland nicht vorstellen kann ohne die unentbehrliche Mitarbeit jüdischer Kaufleute in Königsberg, so sind die Danzigcr Juden insbesondere aus dem Getreide- und Holzhandel Danzigs nicht wegzudenken. Danzigs Börse, der A r t u s h o f, hat seit jeher auch jüdische Handelsherren in seinen Mauern gesehen, die zum W a ch s t u m u n d Blühender Hansestadt n a cf) Kräften beigetragen h a b e n. Naturgemäß mußte die starke Entfaltung des Danziger Behördenapparates und die Zurückschraubung des Hansecharakters, wie sie sich in der preußischen und noch mehr in der jüngsten Zeit entwickelte, auch auf den Anteil der Danziger Juden am Leben der Stadt henunend wirken. Tie Danziger Verwaltung, die auch heute noch in ständigem Austausch mit Preußen steht, ist fast judenrein, wenn nicht anti-, so doch asemitisch. Aus der Kauft mannsstadt, der Hochburg des Liberalismus, schuf die Nachkriegszeit ein überorganisiertes Staatswesen bureaukratischen Charakters, und die Vorposteustellung am Rande des deutschen Sprachgebietes war besonders geeignet, die konservativen Neigungen der Beamtenschatt zu steigern und einen auf diesem heißen Grenzboden verständlichen Nationalismus zu züchten. Als weitere Stätte völkischer Gesinnung ist die Technische Hochschule zu nennen, deren ablehnende Haltung gegenüber jüdischen Dozenten und Studenten hier nur erwähnt sei. Diese Entwicklung laßt es verständlich erscheinen, daß in Danzig der Antisemitismus in seiner stillen, g e? e I i ] d) a f t £ i d} c n For m eine nicht zu unterschätzende Bedeutung gewonnen hat, während der Nadaujudenhaß in seiner deutschvölkischen und nationalsozialistischen Spielart zurzeit mangels geeigneter Führer sich in bedeutungslosen Grüppchen zersplittert. Aber es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die im Herbst bevorstehenden Wahlen zum Danziger Parlament mit ihrer allgemeinen Steigerung der politischen Leidenschaften auch die Danziger Juden nicht unberührt lasten werden. Dabei ist cs verhältnismäßig unwichtig, wie viele Mandate die sich völkisch nennenden Gruppen davontragen, da die ernstere Gefahr in dem starken völkischen Flügel der in Danzig an erster S t e l l e m a r s ch i e r e u d e n D e u t s ch n a t i o n a l e n zu sehen ist. Gegenüber dieser ablehnenden Haltung breiter und führender Schichten ist es für die Danziger Juden von ganz besonderer Wichtigkeit, sich nicht in ihrer Mitarbeit am Danziger Kulturleben beeinträchtigen zu lassen. Die Sache des Deutschtums ist nicht zuletzt in Danzig in die Hände der deutschen Inden gelegt. Denn ihnen fällt die Aufgabe zu, bei ihrer Vermittlung zwischen Deutschen und Polen s ü r das D e u t s ch t u m zu werben. Aus der einen Seite die in Danzig eingesessenen Juden, auf polnischer Seite diejenigen Juden, die im Mittelalter vor den Verfolgungen der staatlichen Mächte in das damals gastfreie Polen flüchteten und dort treu ihr mittelalterliches Deutschtum bewahrten. Sie bilden die Brücke von Ost nach West, sie bilden gleichzeitig das ergänzende Clement in der jüdischen Gemeinde Danzigs, deren Ausgabe darin besteht, mit den alten Danziger Juden und mit den zahlreich nach Danzig abgewaudcrten deutschen Juden aus Posen und Bromberg jene neuen Zuwandcrer aus Polen zu verschmelzen, die in der Nachkriegszeit nach Danzig mit dein Wunsche famcit, hier eine neue Heimat zu finden. Tie Erfahrne lehrt, daß die deutschen Juden die Kraft besitzen, diese neuen Gcmeindemitglieder der deutschen Kultur zu gewinnen und sie im Laust weniger Generationen zu Mitarbeitern am deutschen Kulturleben zu machen. Mit dieser Arbeit der Assimilation, der Heranziehung von außen hinzukommender Juden zur deutschen Kultur, erfüllen die Danziger Juden eine außerordentlich bedcntscmie Aufgabe'im Inter» este des deutschen Judentums wie des Deutschtums überhaupt. Hier ist eine wichtige Pforte zur deutschen Welt, und von der Standhaftigkeit der Männer und Freuten, die an dieser Pforte wachen, hängt cs ab, ob wertvoller Zustrom oder schädliche Einflüsse ihren Einzug halten. Solange die Danziger Juden sich ihren Zusammenhang mit Danzig: Rathaus und Artushof.

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