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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-25 · 21 (25.5.1927) · p. Seite 297

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
21 (25.5.1927)
Date
1927-05-25
Page
Seite 297 (sequence 1)
Language
German
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r^h I 1" i i Serttn, 25. Mai 1927 VL Jahrgang » flc.^21 BierteljahrsLbonnement 1,20 RM. (Luzügl. Bestellgeld). t^lnzelnummer 10 Gfeunig Verlag u. CchrikLlelLung: Berlin SW 68, Lrndensir. 13. Fernsprecher: Amt DSrrhosf 3334,5595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechsel« flube 0, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Eoldschrnidr-Rothschild & Co., Berlin W 8. _ __ Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Lxpedition Rudolf Masse, Berlin SW 19. und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90*‘R& füt die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Stormalzeilenmesser Nr. 4, F^milienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 J2Ji, die 90 mm breite Rellamezeile JIJL r f! i I; i 11 i v 3 i r Am Mittwoch und Donnerstag, den 25, und 26, Mai, kommen zahlreidie Vertreter der Landesverbände Osfpreussen, Pommern, Grenzmark und Schlesien und eine Anzahl Vertreter des Haupt- Vorstandes unseres Ceniralvereins in Danzig zusammen, um gemeinsam mit den Hunderten unserer Danziger Getreuen ihre unlösbare Zugehörigkeit zu Deutschtum und Judentum in ernster Beratung, in grosser Versammlung, in froher Geselligkeit zu bekunden. Unsere Freunde aus dem Reiche freuen sich herzlich, im Kreise des Danziger Centralvereins erhebende Stunden verbringen zu dürfen. Unsere Danziger Freunde haben alles eifrig gerüstet, um den Gästen, den Brüdern aus dem Reiche ein herzliches Willkommen zu bereiten. Alle, die nach Danzig reisen, aber auch alle, die die schönen Stunden . mitzuerleben verhindert sind, wünschen dieser bedeutsamen Tagung würdigsten Verlauf. Danzig, die Königin der Weichsel, das nordische Venedig, einst Mitglied, der,deutschen Hanse, heute der große internationale Transithafen für den Güteraustausch von Ost- und Westeuropa, war und ist eine deutsche Stadt. Deutsch ist ihre Kultur, deutsch sind ihre Bewohner, deutsch ihre Bauten und Denkmäler, ihre Tore und Türme, die von der so überaus wechselvollen politischen Vergangenheit der Stadt sprechen. Vor rund 700 Jahren von deutschen (Lübecker) Kaufleuten gegründet, hat die Stadt durch die Jahrhunderte hindurch in zähem Kampf den deutschen Charakter sich zu erhalten gewußt, auch während der Jahrhunderte, die sie als Freie Stadt unter Polnischer Oberhoheit gestanden hat. Deutsch ist auch Danzigs jüdische Bevölkerung, und zu allen Zeiten, in Freud und Leid, haben Danzigs Juden ihre kulturelle Verbundenheit mit dein deutschen Volkstum bewußt gepflegt und betont und auf allen Gebieten des geistigen wie des kommerziellen Lebens in edlem Wetteifer Schulter an Schulter mit ihren christlichen Volksgenossen gestanden. Namen wie die des Stadtverordneten Münsterberg, des Begründers und Förderers des Werkunterrichts in den Danziger Schulen, des Professors Paul S i m s o u, des weit über ' Danzig hinaus bekannten und geschätzten Verfassers der -Geschichte der Stadt Danzig, des Geheimen Archivrats Warschauer, der etwa zehn Jahre hiudllrch Leiter des Danziger Archivs gewesen ist, mögen dies bekunden. ' ^uch alle jene großen Männer, die an der Spitze und in. ~Cr Verwaltung der jüdischen Gemeinde gewirkt haben, ihre Vorsteher und Rabbiner, haben alle Zeit als echte ostmärkische Juden, auf dem Boden des Centratvereins stehend, für Deutschtum und Judentum gekämpft und gewirkt und in die Seelen ihrer Gemeindemitglieder mit der Treue zum. Judentum die Liebe zu Heimat und Vaterland gesät, wie anch der Centralverein gleich nach seinem Entstehen hier, eine Ortsgruppe begründet hat.' Ter hier mehr als drei Jahrzehnte wirrende, weit über Danzigs Grenzen hinaus durch, sein 7^bekannte Rabbiner Dr. C. Werner in Danzig als rreuer Kämpfer für Deutschtum und Judentum ist einer der Mitbegründer des Ceniralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gewesen, und unser allseitig verehrter, geliebter Rabbiner Dr. Kaelter, den wir vor jetzt einem Jahre zu Grabe getragen haben, hat bis zuletzt nicht nur als Mitglied unseres Vorstandes, sondern auch als Mitglied des Hauptvorstandes für die Ideale des Centralvereins gelebt und gearbeitet, was ihn, wie unseren unvergeßlichen Paul Nathan, nicht gehindert hat, mit der ganzen Kraft seines warmen Herzens auch für die aus dem Osten nach und durch Danzig strömenden recht- und heimatlos gewordenen Glaubensgenossen einzutreten. Die nach dem Kriege einsctzende ostjüdische Einwanderung in Danzig hat die deutschkulturelle Beschaffenheit unserer jüdischen Gemeinde aber so wenig beeinflußt wie die zugewanderte polnisch-katholische Bevölkerung die ortsansässige deutsch-katholische Bevölkerung. Bei allem liebevollen Verständnis für das Wesen der zugewanderten Ostjuden, für die auch wir stets eintreten, wenn sie als unsere Glaubensgenossen angegriffen werden, erstreben die mit ihrer Danziger Heimat verwurzelten Juden die Erhaltung deutscher Art und Sitte. Nach wie vor umfaßt der Eentralverein Danziger Staatsbürger jüdischen Glaubens, der die zum deutschen Volkstum sich bekennenden Danziger Juden zusammenschließt, die überwiegende Mehrheit der Gemeiudemitglieder. Wohl haben wir das deutsche Staatsbürgertum unfreiwillig aufgeben und den Namen unseres Vereins ändern müssen, aber wir wißen es heute mehr denn je, daß Staatsbürgertum nicht Volkstum bedeutet, u n d wir bekennen uns auch in Danzig init aller Entschiedenheit und Liebe z u nt deutschen Volkstum, z u r d e u t s ch e n Kulturgemeinschaf t. Dieses Bekenntnis ist kein Bekenntnis der Lippen, sondern des Herzens, lvir wissen uns hierbei weit entfernt von jedem marktschreierischen Nationalismus und Chauvinismus. Unsere Reihen haben sich in den letzten Jahren nach dem Kriege mehr als verdoppelt; den Vorsitz in der Ortsgruppe führt Dr. H. Brodnitz; im Hauptvorstand sind wir durch Justrzrat Fabian vertreten. Wir freuen uns und erkennen es dankbar an, daß auch unsere Brüder im Reich uns in unserem Streben tatkräftig unterstützt haben; so konnten wir in diesem Winter die Herren Julius B a b, Rabbiner Dr. B a e ck, Staatsrat a. D. Dr. Cohn (Dessau). v ' .1 i .? f ■ i -; ' i! I Pt - '

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