Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 20 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- Seite 284 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Der vergiftete Erzbischof un- -er semitische Goethe. -kmes öeutsches Volk! l Der gemeuchelte Kirchenfürst. >4» 8*« Vrohaska in rrMtLSrÜ» Ämbenfarfl Das Organ der Nürnberger Nationalsozialisten, Julius Streichers „Stürmer", das Woche für Woche mit den zügellosesten Beschimpfungen und ungeheuerlichsten Verleumdungen über Juden und Judentum seine Spalten füllt und das sich nicht anders darstellt als eine einzig dastehende Aufreizung zu Gewalttätigkeiten gegen Juden, veröffentlicht in seiner letzten Nummer (Nr. 19) nach einer übergroßen Titelzeile: „Prohaska, der gemeud] e 1t e Kirchenfürst" Verleumdungen, die über den schon sonst kaum zu überbietenden Inhalt des Blattes noch hinausgehen. Wir würden es als unser nicht würdig erachten, auf derlei Dinge einzugehen, wüßten wir nicht, - daß dieses Blatt Tausende von Lesern hat und daß gerade Streicher, Nürnberger Stadtrat. in Nürnberg selbst über eine sehr große Zahl von Anhängern verfügt. Unsere Leser mögen aus dieser Veröffentlichung erkennen, was der Nationalsozialismus seinen Getreuen bieten kann und was sie (welche erschreckende Feststellung!) auch — glauben. Wir geben aus dem Aufsatz ohne jede Erläuterung den Schluß wieder: „Nun ist (der ungarische Erzbischof) Ottokar Prohaska begraben und Alljuda kann seine hämische Freude über den Tod des Gehaßten nicht verbergen. Aber noch etwas anderes kann aus den Todesnachrichten herausgelesen werden. Etwas, vor dem cs dem Erkennenden erschauern mutz. In den Artikeln der jüdisch- ' orthodoxen Zeitungen konnte man entdecken, wie der Jude 31t feinem Rafsegenossen sprach: „Wieder ist es uns gelungen, einen der großen Warner der nichtjüdischen Menschheit zu beseitigen." (Wo hat dies den Gedanken oder dem Wortlaut nach gestanden? Schristl. der „C. V.-Ztg.".) Jawohl, der Jude kennt die Ursache des schnellen Todes O t t 0 - kar Prohaskas besser als jeder andere. Der große Antisemit ist vergiftet worden. Vergiftet von feinen Todfeinden, den , Juden. Das ist der geheime, mühsam verhaltene Triumph, der aus den Judenblattern spricht und der nur von Eingeweihten verstanden wird. Doch möge Mjuda heute triumphieren. Die Weltgeschichte ist noch nicht zu Ende. Aus den Gebeinen der Ermordeten, die dieses Voll auf dem Gewisien hat, wird die Rache noch emporwachsen. Sie Jmsb um so entsetzlicher sein, je länger sie ausbleibt. „A l l - juda wagte ungeheures Verbrechen, es wird auf ' dem Wege zum Weltherrschaftsthron sterben müssen." Diese Weissagung aus dem Kloster Lehnin wird sich ° noch einmal schauerlich erfüllen." n. Der semitische Goethe. In verschiedenen Aufsätzen der letzten Jahre, die sich mit der sogenannten Rassenfrage und ihren Verstiegenheiten befaßten, Hielte ein Zitat eines Judengegners Hans Hermann (wohl ein Pseudonym) eine gewisse Rolle, das Goethes — semitische Herkunft nachzuweisen sich kühn unterfing. Wir sind seit langem dabei, das entlegene Buch, dem es entstammt, ausfindig zu machen. Endlich ist es in unsere Hände gelangt. Im „Sanatorium der freien Liebe" von Hans Hermann (Berlin-Steglitz 1904. Verlag Hans Priebe und Eo., 2. Auflage), das von Angriffen auf das Judentum nur so wimmelt, liest man — zur Erheiterung in unserer Arbeit und ohne jede Erläuterung verständlich — wörtlich auf den Seiten 139/41 folgende völkische Würdigung unseres großen deutschen Wolfgang Goethe: „Sieht man nun Goethe an: diese vorquellenden, dunkelbraunen - Augen, diese an der Spitze gekrümmte Nase, diesen langen Ober- VilSmgen, Waldhoftel u. tCurhaus Das billige Haus ersten Ranges. 752..m ü.d.M.— 200 Betten. — Flugstation. — Bonnig tm Tannenhochwald gelegen. — Meilenweit© ebene Spazierwege. — Zimmer mit Privatbad und Telephon. — Sole- und Fichtennadelbader. — Gedeckte Terrassen und Wandelgänge. — Tennis. — F.orellenfischerel. — Garagen. — Hauakapelle. Pensionspreis von 6,50 Mark an. leib mit den kurzen Beinen, welchen selbst ein leicht „wehmütiger" Zug nicht fehlt, dann haben wir ganz das Urbild eines Nachkommen Abrahams vor uns. Goethe war Mischling durch das Blut seiner Mutter, und nicht nur in seinem Aeußeren prägt sich seine Abstammung von den alttestamentarischen Helden ab, sondern auch in seinem gesamten Wesen, -^eine glühende Sinnlichkeit und ewige Verliebtheit, seine unsittliche Lebensweise und fragwürdige Ehe, der er erst ganz heimlich die Weihe geben ließ, als Napoleon, der gewiß kein Abstinenzler und Tugendbold war, sich eine etwas ironische, bezügliche Frage gestattet hatte; sein Servilismus gegen Fürsten, der seinem steifnackigen, deutsch gesinnten Vater so zuwider war; sein völliger Mangel an Vaterlandsliebe, seine Feigheit den kriegerischen Ereignissen seiner Zeit gegenüber und ncch manche andere Züge, die selbst Lewis, der seine Vergötterung Goethes in jeder Zeile, die er schreibt, zu erkennen gibt, nicht verschweigen kann, reden eine zu deutliche Sprache, als daß ein Mensch von unbefangenem Urteil sich der Ueberzeugnng verschließen könnte, daß Goethe weit mehr Semit als Deutscher war, ja, von der germanischen Eigenart, die uns bei Schiller sofort in_ die Augen springt, ein deutsches Gemüt erwärmt und hinreißt, nur sehr wenig besaß. Goethes dichterische Erzeugnisse sind zum größten Teil durchträukt von Sinnlichkeit, orientalischer Lüsternheit; im zweiten Teil des „Faust" paaren sich talurudische Spitzfindigkeit mit phantastischer Verschwommenheit, während selbst seine bei den Deutschen beliebtesten Lieder, wie das „Heideröslein" und der „ungetreue Knabe", nicht aus seinem Innern geschöpft wurden, sondern nur Nachbildungen bereits vorhandener deutscher Lieder sind, und sich auch nur darum die Volkstümlichkeit erworben haben. Das deutsche Volk hat stets mit scharfem Instinkt herausgesühlt, daß Goethe nicht zu ihm gehörte, für deutsche Art und deutsche Gesinnung nicht das rechte Verständnis besaß, und ihn darum abgelehnt. Seine Bewunderer, obwohl sie nicht anders können, als an seiner stark ausgeprägten undeutschen Sinnlichkeit einigen Anstoß zu nehmen, bedecken diese stets mit dem Mantel der Liebe, indem sie ihn in dieser Hinsicht als „griechisch" bezeichnen. Sie vergessen jedoch, daß die Griechen gerade in ihrer Sinnlichkeit den Beweis liefern, daß sie bereits völlig semitisiert waren und ihr Untergang demzufolge auch schon besiegelt war. Nichtsdestoweniger kann es mir gar nicht in den Sinn kommen, bestreiten zu wollen, daß Goethe trotz seines Semitentums nicht nur ein Genie war — denn das Genie an sich ist keineswegs nur an eine einzige Rasse gebunden —, sondern überhaupt auch vom menschlichen Standpunkt ein Mann, dem man große und schöne Eharakterzüge nicht absprechon kann. Ist es doch auch ganz unverkennbar, daß er sich bemühte, seine orientalischen Triebe mit dem sittlichen Leben der Deutschen und ihren Anschauungen in Einklang zu bringen. Das germanische Element seines Geistes lag beständig im Kampf mit dem semitischen, das seinem Blute innewohnte." wieder einmal die „Iuöenrepublik". Das Weimarer Schöffengericht spricht frei. Vor dem Schöffengericht zu Weimar fand .als Nachspiel zum vorjährigen Nationalsozialistentag eine Verhandlung gegen den Buchhandlungsgehilfen Arthur D i e d e r i ch aus Berlin wegen Landfricdensbruchs und Beschimpfung der republikanischen Verfassung statt. Die Zeugenvernehmungen haben einwandfrei ergeben, daß Diederich einen Eisenbahnarbeiter überfallen, einen größeren Auflauf hervorgerufen und bei seiner Festnahme durch' einen Polizeiwachtmeister geäußert hatte: „Ich pfeife auf eure Judenrepublik!" Entgegen dem Anträge des Staatsanwaltschaftsrats Floel, der aus Verurteilung des Angeklagten wegen Beschimpfung der Staatsform zu zwei Wochen Gefängnis lautete, gelangte das Gericht zu einem vollen Freispruch. In der mündlichen Urteilsbegründung hat, wie aus Weimar gemeldet wird, das Gericht sich den Ausführungen des natioualsozialistifchen Schriftleiters Dr. Ziegler, der als Verteidiger des vom Erscheinen dispensierten Angeklagten auftrat, angeschlossen, daß der Angeklagte mit dem Wort „Judeurepublik" nicht die heutige S t a a t s f 0 r m habe beschimpfen wollen, sondern nur das heutige Deutschland, in dom sich nach seiner Ansicht die Juden brcitmacheu. Dieser merkwürdigen Verteidigung, die zwischen der heutigen Staatsform und dem heutigen Deutschland unterscheidet, um dadurch die Anwendung des Republikschutzgej'etzes zu verhindern, hat das Gericht nicht widersprochen, sondern im Gegenteil ausgeführt, in dem Ausspruch: „Ich Pfeife auf die Judeurepublik", sei keine Beschimpfung im Sinne des Republikschutzgcsctzcs zu erblicken. Der Beschuldigte habe nicht die Republik herabsetzcn wollen. Sein Ausdruck!ei nur als Kritik anzusehen geg e n über der deutchen Republik und richte sich dagegen, daß sich in dieser die Juden breit machten. Dies die Entscheidung des Weimarer Gerichts. Sie muß jeden gerecht empfindenden Deutschen empören; aber kann diese Entscheidung eines thüringischen Gerichts verwundern, nachdem daS Reichsgericht im vorigen Jahre in einer Entscheidung, auf deren große Gefahren wir damals hingewiesen Habens, einen bösen Präzedenzfall geschaffen hat? *) Vergl. „L. V..Zeitung" Rr. 12, Zahrg. 1925,