Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1927-05-13 · 19 (13.5.1927) · p. Seite 273

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
19 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
Seite 273 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2277379-2277729-2277748--03683-2284224
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

273 Johann Peter Hebel über üie Iuöen. Wer hätte sich als Kind nicht an den herrlichen Geschichten des rheinischen Hausfreunds gefreut, an dessen hundertsten Todestag kürzlich die Tageszeitungen erinnerten. Wohl wurde dabei seine einzigartige volkstümliche Kunst des Erzählens gefeiert, der lebendige, heitere Stil, der sichere Aufbau zu einem kleinen Meisterwerk, eine Kunst, die uns in Deutschland ver-lorengegangen zu sein scheint. Daß aber dieser wahrhafte Volks- und Kalendermann, der uns gleichsam wie ein süddeutscher Matthias Claudius cmmutet, auch G v m n a s i a l p r o^f e s s o r und Oberkircheurat war imb als solcher höchst unpasiende Sachen drucken ließ, das wurde selten erwähnt. Oder hätte es heute wohl ein Konsistorialrat je gewagt, Diebesgeschichten wie vom Pfiffigen Zundelfrieder zu veröffentlichen, oder die Kriege des „Großen Kaisers Napoleon", wie er bewundernd von Hebe! genannt wird, in kleine Geschichten auszulösen, die von menschlich schönen Zügen berichten; cnMtcf) wurden ganz verschwiegen seine bewundernden Worte über das Judentum. Gewiß müssen in seinen Anekdoten die Inden oft herhalten als witzige Köpfe für einen einträglichen Nätselhandel, oder als betrogene Betrüger, er schildert sie so, wie er sie als uncherreisende kleine Händler und Trödler sah. Aber auch dabei sticht er lehrhafte Säße der Versöhnung ein, die zu jener Zeit, und zumal bei den Klassikern, keineswegs immer selbstverständlich waren. „Man muß," schreibt er, „um des Bartes willen den Kopf nicht verachten, an dem er wächst"; oder „der Jude . . . mußte viel leiden, wie mau* manchmal diesen Leuten macht, und versündigt sich daran". Ausführlich in etwas jüdelnder Art berichtet er über das „große Sanhedrin", das Napoleon berief; er hielt aber doch offenbar für seinen Kalender, der auf dein Lande damals noch die Stellung der heutigen Zeitung hatte, eine genaue Wiedergabe der Antworten für wichtig: daß das jüdische Gesetz keinerlei Ausnahmen gegen die christlichen Mitbürger kennt, eine Tatsache, die vielen Menschen noch nicht einmal heute bekannt sein soll. Es braucht uns nicht zu stören, daß -Hebel immer von dem jüdischen Volk spricht, begann doch eben erst die Gleichberechtigung, für die er sich cinsetzt, mit den Worten: „Mau sollte arbeitssame und nützliche Menschen aus ihnen machen und sie behalten." Am reinsten aber spricht sich dieser innige deutsche Mensch in seiner Epistel an die Theologische Gesellschaft in Lörrach ans, worin er vom cmserwählteu Volk, jür dessen Fehler er keineswegs blind ist, sagt: „Achtung für eine anderweitige Heiligkeit dieses Volkes decke darüber den Mantel der Schonung. Lieber will ich sein Sachwalter fein und jetzt eine beneidenswerte Seite herausheben." Und dann schreibt er über das Alte Testament: „Die ganze Idee des Weltalls mit allen seilten Teilen und Entwicklungen war in Gott, ehe sie realisiert wurde, ein großes harmonisches Gedicht, herausgegeben am>D mundi L Und bis jetzt noch nicht nachgedruckt; nicht einmal in Reutlingen. W as aber bcn Iesajas betrifft, so behaupte ich nur so viel, daß, wer ihn vom vierzig st en K a P i t e l a u lesen kann und nie die A n w a nd l n ng des Wunsches fühlte, ein Ih e zu sein, sei es auch mit der Eiuquartiernng alles europäischen Ungeziefers, ein Betteljude, der versteht ihn nicht, und solange der Mond noch an einen Israeliten scheint, der diese Kapitel liest, so lange stirbt auch der Glaube an den Messias nicht ans." Diese Menschlich Leit des kindlichen und zugleich männlichen Herzens macht es begreiflich, daß Goethe, der Hebels alemannische Gedichte besonders schätzte, ihn „stammverwandt und unschätzbar" nannte. Item: Was lernen wir daraus? Der geneigte Leser möge sich fein Schatzkästlein geschwind wieder hervorhokeu und es sich wohl dabei sein lassen. Richard Detlev Loewenberg (Harnburg). Constautin Brunner und fein Werk. Im Verlag Gustav Kiepen heuer hat die „Constantin-Vruuner-GemeinschastE ein Buch „Emistantin Brunner und sein Werl* erscheinen lauen. Das Buch enthält neben einem Geleitwort von Dr. Fritz Llankenfeld u. a. „Briese Walther Nathenau? an Gonftantin Brunner* und einen „Brief Corrstantin Brunners über den Aberglauben in der Betrachtung von Geisteskranken". 1ÄWWM - MI NlDli Mi« ©(bei Slumc) gelogen am Meer (Südfttand). I Rituelle Kiiäw — Eigener Betsaal. © g| Modernkt eingerichtet - fitparlcmeutS - Zimmer mit Dcrd - flickende8 gs* falle? und luariitcS Wasser. ALe Medizinal^ dcr in ft. Mecrdädcr. Fast alle * * G Zimmer mit Sofien oder Terrasse auf* Mccr. Diätküche nach ärmlicher 0 Vorschrift. Pensionsvreüe in». Zimmer von Lire 40,— di- 70,—. © Ausführliche ProspcNe aut Verlangen. ö 8 Bei Anfragen bitte sich auf daS Blatt zu berufen! || paläftina-oerickterftattung. Entgegnungen von Dr. Bruno Weil (Berlin) unD Staatsrat a. D. Justrzrat Eotzn (Dessau). Der Maler Hermann Struck hat an den Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt Blumenfeld, einen Brief gerichtet, der sich mit der Reife T?. Bruno Werls durch Palästina beschäftigt und in dem Herr Struck Dr. Weil vorwirft, „daß er von den für das neue Palästina wichtigen Dingen fast nichts gesehen habe", ferner, daß Struck „ganz starr über den Mangel an Willen" Dr. Weits gewesen sei. „sich informieren und etwas zeigen zu lassen". Die Gegner hätten doch eigentlich die Pflicht, „wenigstens die Hauptsachen zu. sehen, um sich ein wenig ein Urteil zu bilden". Hierauf hat Dr. Weil wie folgt geantwortet: 9. Mai 19-27. Herrn Hermann Struck, akademischer Kunstmaler- Haifa. Sehr geehrter Herr Struck! Sie haben an Herrn Kurt Blnmenfeld unterm 4. April 19*27 von Jerusalem aus einen Bries gerichtet, der sich mit meiner Reife durch Palästina und meinem Ihrer Gattin und Ihnen abgestatteten Privcrtbesuch beschäftigt. Es ist bisher nicht einmal zwischen politischen Gegnern schlimmster Art üblich gewesen, Privatunterhaltnngen zu politischen Aktionen zu benutzen. Ihnen blieb es Vorbehalten, eine von meiner Seite aus mit vollkommener Offenheit geführte Unterhaltung nicht allein in einem zur Veröffentlichung l>estimmteu Briefe an eine dritte Person weiterzugeben, sondern sogar in diesem schreiben, das vor jeder Veröffentlichung meinerseits in Tenrschland erfolgte, — denn den Vortrag im Hotel Adlon habe ick' erst am 9. April gehalten — Vorwürfe zu erheben, ehe Sie überhaupt wußten, welche Eindrücke ich aus Palästina mitgebracht und was ich darüber zu sagen genullt war. So gibt denn Ihr ans dem Zusammenhang gerissene, zmn Teil völlig unrichtige oder sogar entstellte Behauptungen wieder, die zu widerlegen schon die Lektüre meines Vortrags allein genügen wird. Ich lege aber Wert daraus (Fortsetzung des Textes auf S. 274.) des €.§. ♦ ltnjer Landesverband Ostpreußen veranstaltet gemeinsam mit dem Len trällere in San* ziger Staatsbürger jüdischen Glaubens unter Beteiligung des Hauptvorstandes und der Landesverbände Pommern und Oberschlesien am Mittwoch, 25. Mai, und am Donnerstag. 26. Mai (Himmelsfahrtstag). eine Kundgebung unter der Devise „Nnser Kampf für Glaube und Heimat in Der Ostmark". Am Mittwoch, 25. Mai, abends, findet eine große Versammlung vor der Danziger Gemeinde statt, in der Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil (Berlin) das Hauptreserat halten wird. Ferner werden Ansprachen halten: Rabbiner Dr. Braunfchweiger (Oppeln), Rechtsanwalt Dr. Grumach (Königsberg i. Pr.), Rechtsanwalt Dr. Marcufe (Stettin) und Tr. Alfred Wiener, Syndikus des Centralvereins (Berlin). Am Donnerstag. 26. Mar, vormittags 9 Nhr, findet eine große Delegiertentagung statt; es werden sprechen: Rabbiner Dr. Braunfchweiger (Oppeln): „Der C. B.-Gedanke im deutschen Judentum", Dr. Norbert Einstein (Berlin): „Die wirtschaftliche Lage des deutschen Judentums", Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil (Berlin), Dr. Alfred Wiener, Syndikus des k. V. (Berlin): „Unsere Arbeit nach außen und innen", der Syndikus unseres Landesverbandes Ostpreußen, Sabatzky (Königsberg), und der Syndikus des Landesverbandes Pommern, Tr. Gottschalk (Stettin): „Die Arbeit der Ortsgruppen", Frau Herta Klein (Königsberg): „Der E. V. und die Frauen". Alle Mitglieder im Reiche sind herzlich eingeladen? Es ist erforderlich, daß sich sowohl die Eiuzclrnitglieder wie unsere Ortsgruppen in der Ostrnark so stark wie möglich an dieser Kundgebung beteiligen. Zuschriften an den Syndikus des Landesverbandes Ostpreußen, Kurt Sabcchky. Königsberg i. Pr., Steindamm 11, erbeten. i f t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.