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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-13 · 19 (13.5.1927) · p. Seite 272

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
19 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
Seite 272 (sequence 4)
Language
German
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272 Zeitgeschichte versöhnlicher betrachtet werden kann... Elender wurde noch keine Gedankenarbeit a-ufgeba-ut. Ter Beifall, der dieser Arbeit gezollt wurde, wird eines Tages jäh innehalten, und die Beifallsklatscher werden sich beschämt ins Freie stehlen." (S. 53.) Vielleicht ist es wirklich esne Art Mission. die dieser Rassenlehre zukanr. Vielleicht wird wirklich die Verhetzung, die hier nicht allein zwischen Völkern, sondern zwischen» Bestandteilen desselben Volkes getrieben wurde, einmal allen denen die Augen offnen, die die Fähigkeit zum scheuklappenlosen Sehen noch nicht ganz eingebüßt haben. Wenn Merkeirschlager seststellen zu. dürfen glaubt, daß „das Günther-Buch am Ende in jedem Punkte das Gegenteil erreicht von dem, was es will", und daß sich überall in deutschen Landen die Abwehr regt, so mußte schon die Reuausrichtung der Geister wider Sinn und Vernunft erfolgen, wenn sich aus den neuen Bahnen nicht auch das als unverändert clM Gut deutscher Wissenschaft vorfinden sollte, was endlich wieder die Trennungswände niederlegt, die eine unhaltbare Pseudowiffenschast zwischen uns deutschen Juden und unseren deutschen Volksgenossen errichtet hat. „völlig unbegründete Angriffe." Der preußische Zustizministcr gegen die Slblehrnurg jüdischer Richter. Im „Hammer", der Zeitschrift, von der aus manche Verleumdung schon ihren Ausgang gesunden hat. veröffentlicht ein gewisser Herr A. Zimmer mann in Nr. 584 einen Aussatz „Jüdische Richter". In diesem war im Anschluß an einen Artikel der „C. V.-Zeitung", in dem gegen die Ablehnung jüdischer Richter durch völkische Angeklagte protestiert wurde, in schärfster Weise die Objektivität der jüdischen Richter in Zweisel gezogen worden. So heißt es u. a.: „Ich habe viele Richter kennengelernt. Nicht alle lvaren angenehm. Manche waren einseitig, andere waren — und das ist greulich — übermäßig nervös. Aber ich entsinne mich keines deutschen Richters, bei dem ich das Gesühl der bewußten Rechtsbeugung hatte. •— Bei jüdischen Richtern und bei jüdischen Staatsanwälten habe ich dieses Gesühl des öfteren gehabt." Der Aussatz hatte durch eine Reihe völkischer Zeitungen die Runde gemacht und war im „Deutschen Tageblatt", der „Mecklenburger Warte", der „Reichssturmfahne" und in der „Schlesischen Bolkspimme" erschienen. Der Breslauer Juristenbund hatte öffentlich gegen diesen Angriff Protestiert und versucht, seine strafrechtliche Ahndung herbeizusühren. Auch wir sind in einer Eingabe bei der zuständigen Stelle deshalb vorstellig geworden. Anläßlich der Etatsdebatte im Preußischen Landtag, die am 6. und 7. Mai d. I. staitsand. hatte der Abgeordnete Knttner die Angelegenheit zur Sprache gebracht. Der Preußische Justizminister Dr. Schmidt gab daraus im Preußischen Landtag solgende Erklärung ab: * „Herr Kollege Kuttner hat gestern die Angriffe völkischer ' Blätter Segen die Eignung jüdischer Volksgenossen firm R ich der amt erwähnt. Zu diesem Punkte möchte ich olgendes erklären: Ich halte es nicht nur für bedauerlich, fottderrr im Interesse der ganzen Justiz für höchst gcfähr- ‘ lich, Wenn derartige Anschauungen, wie sie in den völkischen Blättern vertreten sind, etwa weitere Verbreitung - fänden. (Bravo! links.) Bekanntlich bestimmt die Reichsversaffung ausdrücklich an zwei Stellen, daß die Zulasiung der Volksgenogen zu öffentlichen Aemtern unter schiedslos und unabhängig vom religiösen Bekenntnis erfolgen muß. An diese Bestimmungen werde ich mich selbstverständlich bei meiner Personalpolitik jederzeit ehrlich halten. (Bravo! links.) Ich möchte die völlig unbegründeten Angriffe allgemeiner Art gegen die jüdischen Richter meines Ressorts hier unbedingt zurütkweisen. Ich würde meine Pflicht vernachlässigen, wenn ich das nicht täte. Ich glaube aber auch, ich würde die aanze Situation sehr komplizieren und gefährden; denn mit demselben Recht, mit dem die Ablehnung jüdischer Richter von völki- . schen Angeklagten zu begründen versucht wird, meine Damen und Herren, mit demselben Recht könnten auch gegenüber den evangelischen oder katholischen oder freidenkerischen Richtern Angeklagte. die anders denken, ebenso Vorgehen, und würde die ungeheuerlichsten Konsequenzen haven. Ich habe mich darüber gefreut, daß der Breslauer Juristenbund, der meines Wissens ganz neutral ist. gleich sein tiefes Bedauern über den vom Kollegen Kuttner erwähnten Artikel ausgesprochen hat." iÄiiii TUT< -Im£i JL ■ ■ ..— liMiu1 1 Sanatorium für tlervsn-undinnere Kranke i Leitende Aerzfa: Dr.R. Ftzlsdimann, Dr, Fr. Pccnioen. tri Die würdige und Entschiedene Art, mit der der preußische Justizminister die jüdischen Beamten seines Resiorts gegen niedrige und gehässige Angriffe in Schutz genommen hat, wird ihm in allen Parteikreisen, die positive Staatsgesinnung pflegen, wärmsten Beifall einbringen. Ob sie die außerhalb dieses Kreises stehenden völkischen Gruppen belehren wird, ist eine Frage, deren Beantwortung leider nicht zweifelhaft sein kann. „Ich hatt' einen Kcmeröden/' Die 34er in Krieg und — Frieden. Zu S ch i v e l b e i n besteht ein Verein ehemaliger Kameraden des Regiments Nr. 34. Jüngst ladet er öffentlich durch die „Schivelbeiner Kreiszeitung" alle früheren Regimentskameraden, also gleichgültig, ob sie dem Verein schon angehörten oder nicht, zu einer kameradschaftlichen Feier ein. Ein Schivelbeiner jüdischer Bürger. Walter Meyer, der aktiv 1912/14 den 31ern angehörte, mit ihnen ins Feld rückte und denn Regiment bis Frühjahr 1915 verblieben war, wollte manche seiner alten, treuen Kameraden und manche Offiziere, vormi seinen alten Kommandeur von einst, Wiedersehen und erschien bei dem Feste. Der Kriegskommandeur des Regiments, Generalleutnant Krähe, war zugegen. Besonders herzlich war das Wiedersehen mit Meyer, seiner alten Gefechts ordonnanz. Meyer hatte ihn ja, als er verwundet wurde, aus der Feuerlinie gebracht. Als treuen, tapferen, vorbildlichen Soldaten stellte der General den Kameraden seine Gesechtsordonanz Meyer vor. Warum er noch nicht Mitglied des 34er Vereins sei, fragte dann der General. „Mitglied?" sagte Meyer. „Herr General, der Verein nimmt keine — Juden als Mitglieder aus." Ter alte Offizier war entrüstet. Wie dürsten solche einen tapferen Soldaten tief verletzenden Bestrebungen in einem Militärverein herrschen? Er empfahl Meyers Aufnahme auss wärmste, er schrieb nach seiner Abreise dringlich an den Verein. Aber eher wanken die Alpen als die unerschütterliche „Gcsinmmgstreue" der völkischen 34er in Schiveldein, und Meyer wurde also nicht ausgenommen, weil er deutscher Jude war. Tu glaubst, lieber Leser, ein — Märchen aus Pommern. Wir wünschten cs auch; denn welche Entrüstung verdienen Kameraden, denen der Jude gut genug war, sich totschießen zu lassen oder sein Leben einzusetzen, und die. nachdem die Friedensglocken läuteten, ihn nicht würdig ihrer Kanieradfchast ansehen. Unser Freund Meyer aber wird sich über die Beschimpfung trösten. Es ist für ihn wahrhaftig alles andere als Kränkung, von diesem 34er Verein ausgeschlossen zu sein. Münchrnepers Erzählungen. Schwach ist die Zugkraft von Münchmeyers Namen geworden. Nicht mehr vermag er, wie in seiner Glanzzeit, Abend für Abend die ^-äle mit seinen Verehrern zu füllen. Um also, denkt Münchmeycr, die Onantität auszugleichen, muß ich Qualität zulegen, und fetzt feinen gelichteten Zuhörerscharen „konzentrierte" politische Weisheit vor. In Emden hat er jüngst im Tivoli eine Versammlung abgehalten, für die das Plakat, das sie ankündigte, solgende Aussichten eröffnet: „Der Redner läßt seine Zuhörer einen grauenhaften Blick hinter die Kulissen des großen Theaters tun, in dem die heutigen Dinge zur Täuschung des Publikums ganz anders vorgeführt werden, als sie in Wirklichkeit liegen . . Münchmeyer hat, das muß man ihm taffen, seine Zuschauer nicht enttäuscht. Im Verlause seiner Ausführungen, die ihn als glänzenden Schauspieler erwiesen, enthüllt er folgendes: „Der Justizmiuister hat einen Gcheirnbefehl erlassen, der so geheim war, daß ich am nächsten Tage über den Inhalt orientiert war. Wenn ein Jude und ein Christ vor Gericht kommen und der Jude noch so großes Unrecht hat, soll er doch dem Christen gegenüber bevorzugt werden, während der Christ bestraft werden soll." Herr Müuckpneyer hat irgendwoher ctlvas läuten hören, aber wie immer nicht gewußt, woher und waru nt. Sonst hätte er über den in der Zwischenzeit allgemein bekannt gewordenen Runderlah des Preußischen Justizministers an die Staatsanwalts ch asten vont 2 3. September 1922 etwas wissen muffen. Dieser Runderlaß. deffen Wortlaut schon wiederholt abgedruckt worden ist und den noch einmal an dieser Stelle zu wiederholen wir uns aus Raummangel ersparen, behandelt allgemein die Frage, daß die Staatsanwaltschaften im Falle der Aufreizung und der Gotteslästerung und in Fällen antisemitischer Ausschreitungen mit Nachdruck Vorgehen sollen. Das preußische Jnstizministerium 'dürfte nach diesen Acußerungen wohl das Verlangen tragen, sich näher mit Herrn Münchmeyer zu beschäftigen . . . Münchmeycr entwickelt langsam eine besondere Fähigkeit, sich zu 'blamieren. Jeder nach seinen Krastels

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