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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-06 · 18 (6.5.1927) · p. Seite 257

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
18 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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Von G.K. WtiKLsSV. Vorwort der Schristleitung: Vor mehreren Wochen (Nr. 9 h ~ a V Leitung") haben wir in diesen Blättern einen Brief der autorisierten Ford-Vertretung, Ford Motor-Company Nenberg, Behrens G. m. b. H., Berlin G 2/ veröffentlicht. In diesem Nriefe wurde mitgeteilt — eine Mitteilung, für deren Inhalt in ieder Beziehung die Briesichreiberin verantwortlich t|t —, „die ^cutralverwaltung der venry Fordschen Sekretariate wird ge- ^icktliche Schritte gegen den Hammer'- Der l a g idem Theodor Fritsch vorsteht) unternehmen. 1. um das Wertererrä^einen des Luches (gemeint ist die deutsche Uebersetznng der fordschen Schrift, betitelt „Der internationale Jude") zu verhindern; o den verautwortlick^n Leiter des Hannner'-Aerlages, Herrn Fritsch, wegen Textfälschung s ch a d e n e r s a tz P f! r cktia zu machen." In dem Schreiben wird werter behauptet, ,,e* ser öcurti Ford niemals eingefallen, eine antisemifische Hetz e z u i ns;e n ieren, wie solci)e in Deutschland in gewissen Kreisen üblich in . . bemerkten zu diesen Erklärungen, die nur aur, Grundsn der Loyalität Wiedergaben, eine endgültige Stellung zu dem Problem Ford müßten wir uns bis zu dem Ausgang des angekündigten Prozesses Vorbehalten, und wir gaben auch unserem Zweifel über manche Briefstellen deutlichen Ansdruck. Inzwischen hat nun Theodor Fritsch gegen die Behauptunnen des Briefes, die ihn angingen, scharf Stellung genommen. Fr fordert die Brieischreiber öffentlich auf (zum Beispiel „Deutsche Zeitung" vom 19. März), die angeblich gefälschten Stellen gegenübcrjiifeben, um hie Dichtigkeit ihrer Behauptungen zu bewerfen. Würde soläw Gegenüberstellung nicht innerhalb sechs Wochen erfolgen, würde er klagen. Irr der letzten Illummer seines „Hammer" (ftr. 597 vom 1. Mai) stellt er fest, daß bisher eine Antwort der Berliner F ord- Bertr et u ng nicht e i n ge t r os fe u ist. Nehme die Firma nicht binner vier Wochen „die schwere Beschuldigung" öffentlich zurück, so erhebe er Klage wegen verleumderischer Beleidigung. Bei dieser Sachlage, deren Klärung in jedem Falle begrüßensrvert ist, wird der folgende Aufsatz willkommen sein. Er beschäftigt sich durchaus nicht mit der Streitsache Ford—Fritsch, aber er gibt doch eine Fülle wichtigen Materials zu der Frage, die ja bei der deutschen Ford-Vertretung das an uns gerichtete Schreiben anslöste: Ist der Multimillionär und Automobilindustrielle Ford I u d e n g e g n e r und, was das Entscheidende ist, betätigt er öffentlich diese Gegnerschaft und mit welchen Methoden? Ein so ausgezeichneter Kenner der Vereinigten Staaten von Nordamerika wie C. A. Bratternimmt hier an der Hand eines charakteristischen Einzelsalles das Wort. Der Verleumdungsprozeß, den der Rechtsanwalt AronSapiro gegen Henry Ford angestrengt und der am 15. März d. I. in Tetroit begonnen hatte, ist vom Vorsitzenden Richter Fred M. Raymond nach sechswöchiger Dauer als ein Fehlspruch („inistrial") erklärt worden. Der Richter entließ die Geschworenen und ordnete einen neuen Prozeß an. ' Nach der Fehlprozeß-Erklärung ergriff der HanPtanwalt Sapiros, William Henri Galt naher, das Wort, um das Treiben der. Agenten Fords im Eerichtssaale und Gerichtsgebäude zu beleuchten. Er erklärte, die Fordschen Detektive hätten sich in den Vorraum des Richterzimmers eingeschlichen, dort telephonische Gespräche und telegraphische Meldungen von den Drähten abgehorcht, hätten ganz unverhohlen versucht, die Geschworenen zugunsten Fords zu beeinflussen und sich auch sonst unzulässig verhalten. Er (Gallagher) sei der festen Ueberzeugung, daß Ford mit der „ruistrur!"-Erklärung lediglich beabsichtigt habe, einen Aufschub der Prozeßführung zu erzielen, also mit anderen Worten, Zeit zu gewinnen. Das Benehmen der von Ford bezahlten Leute wurde übrigens mich von anderen Seiten beobachtet und scharf kritisiert. In einem Bericht der Londoner „Timesvom 21. April heißt es beispielsweise, Ford habe eine „kleine Armee von Detektiven engagiert, deren Aufgabe es war. Beweismatoria! zugunsten Fords herbeizu- Ichaffen, die Bewegungen der Geschworenen zu überwachen und deren Antezedenzien nachzu forschen". „Der Abbruch des Prozesses hat in Amerika, und wohl auch anderwärts, größtes Aussehen erregt. Die Anfänge des Falles Archen drei Jahre zurück, bis zur Veröffentlichung von zlvanzig Ar- Kkeln im „Vearborn Independent", einem von Ford unterstützten Blatte, in denen Sapiro persönlich und die Juden als Gesamtheit ^11 s s g r ö b st e verunglimpft wurde n. Tie beiderseitigen ^erarbeiten und die Prozeßführung waren außerordentlich mühevoll, langwierig und kostspielig; es standen wichtigste Kultur- und soziale Fragen zur Diskussion; es war erhofft (oder, je nachdem, befürchtet) worden, daß die öffentliche Mein u n g A merikas cutja)tcbcu Stellung zum Antisemitismus, zur Rassenhetze, nehmen werde, damit auch za der Frage, ob unbegrenzter Reichtum sich den ^lnus einer solchen Hetze erlauben dürfe, ob der Haß eines notorisch ungebildeten und hemmungslosen, aber schwerreichen Mannes sich so auswirken dürfe, wie es bei Henry Ford der^Fall ist: Tausende von Menschen mit seinem Golde so zu beeinflussen, daß sie Handlanger und Werkzeuge dieses Hasses werden, und Millionen amerikanischer Bürger durch Ford und seine Werkzeuge zu Objekten andauernder Beschimpfung und Verdächtigung zu machen. Diese Hoffnung, diese Befürchtung ist unerfüllt geblieben und wird es vielleicht bleiben; denn heute steht es noch nicht fest, ob Sapiro in der Lage sein wird — finanziell oder psychisch — das Verfahren gegen Ford, das größte Opfer an Zeit, Mühe, Geld und Nerven erforderte, von vorn beginnen zu lassen. Er wird sich angesichts des Ausganges des^ Verfahrens vielleicht fragen, welche Gewähr vorhanden sei, daß nicht auch ein zweiter Prozeß über ein kleines, vom reichen Prozeßgogner künstlich herbeigesührtes Hindernis stolpern werde. Pause oder Ende? Tie Wahrscheinlichkeit s p r i ch t f ü r das Ende. * Ter „Dearborn Independent", Fords Organ, hatte, wie schon kurz erwähnt, in einer langen Reihe von Artikeln den Anwalt Aron Sapiro und kollektiv die ganzen Judenschaft verleumdet, und Sapiro hatte, wie es drüben der Brauch, den verantwortlichen Eigentümer des „Indcpendent“, Henry Ford, auf Schadenersatz wegen ihn Persönlich treffender Schädigungen verklagt; als Schadenersatzsumme wurde eine 'Million Dollars verlangt. Die gegen Sapiro und die Juden vorgebrachten Beleidigungen litten ihren Ansgaugspunkt in dem Umstande, daß SaPiros Spezialität als Rechtsanwalt die Vertretung g e w i s s e r F a r m e r i n t e r - essen ist Er hatte unter den Formern des mittleren Westens, der Süd- und Weststaaten eine Bewegung in Fluß gebracht, die den Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse durch kooperative Verbände bewerkstelligt. Es bestehen drüben — mit und ohne Mitwirkung SaPiros — bereits über hundert solcher kooperativen Verkanssverbände (,,co-operative marketing organisations“). die landwirtschaftliche Produkte im Werte von einer Billion Dollars (drüben: tausend Millionen) jährlich verkaufen. In deN-Auffätzen des „Independent", die den Gegenstand des Prozepes. bildeten, war unter schweren Ausfällen behauptet worden, Sapiro habe diese Verbände zu eigenem Vorteile und zum Schaden der ausgebeuteten Farmer gegründet; hinter Sapiro stünde die internationale Juden schaft — genauer: Sapirosei „ein Werkzeug einer Verschwörung der Internationalen Judenschaft" — und außerdem habe Sapiro sid) agitatorisd) im Sinne der Verbreitung kommunistischer und bolschewistischer Ideen in Amerika betätigt. (!) . Diese letztere Beschuldigung ist sehr geschickt. Denn Ford und seine Leute wissen, daß der Turchschnittsamerikaner vor allem, was mit Kommunismus oder Bolschewismus nur entfernt in Zusammenhang steht oder zu stehen scheint, eine heillose Angst hat, und daß er jedes Mittel billigt, das zur Ausrottung solcher Agitation vorgeschlagen oder angewendet wird. „Ford hat durch sein Blatt behaupten lasten," sagte Sapiros Anwalt Gallagher u. a., „daß Sapiro und die Juden hinter ihm sich verschworen hatten, in die Häuser (Familien) zu gehen, sich der Kinder zu bemächtigen (wohl nur figürlich gemeint) und ihnen den Geist des ,roten Rußland« einzuflößen". Die Artikel des „Independent" strotzten von Ausdrücken wie „Judenbande", diese „jüdische Organisation", die „jüdischen Macher des neuen amerikanischen Farmtrusts", die „jüdische Bewegung in der amerikanischen Landwirtschaft", „orientalische Finanzleute" und ähnlichen. Ter erste dieser Artikel erschien am 5. April 1924 unter dem Titel „Monopolfallen werden täuschend verkleidet in Anwendung gebracht" („Monopoly Traps operated linder Guise"). Dieser und eine Reihe anderer Artikel aus dem „Independent" wurden von G ab l a g h e r vor Gericht verlesen. Es wird in diesen auch behauptet, daß andere Juden, unter ihnen Otto Kahn und Bernard Baruch, gleichfalls zu diesen „Freunden des Farmers" gehören. Demgegenüber machte Gallagher geltend, daß Männer der Oefsentlichkeit — Christen —, hk sich 'in Amerika größten Ansehens erfreuen, den „S a p i r o - P l a n" durchaus gutgeheißen haben: so der frühere Gouverneur von Illinois. Frank O. Lo w de n. eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der Landwirtschaft, und der Ackerbauminister I a r d i n c, ein Person- Zue öen 7. unö $. Mai! Naüaulustigen gegenüber unerschütterliche öesonnenheit unö würdige Zurückhaltung! Lan-esverban- Groß-Serlin -es C« v. Tr. Bruno Gläserscld.

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