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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-06 · 18 (6.5.1927) · p. Seite 256

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
18 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
Seite 256 (sequence 4)
Language
German
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LSö .Dazu komme eins. wovon man in der OeffenAichkeit nicht gern spreche,, das.sei die Iu den s r a ge. . Diese sei jetzt akut, so sehr man sich gegen deren Lösung sträube. Man wolle die Frage dadurch lächerlich machen, daß man oft sage, es gäbe auch weiße Juden, und der Jude sei auch ein Mensch. Es frage sich nur, was sür einer. Ter Jude sei geborener Händler, er betrachte alles als Ware. Auch das Volk sei sür ihn Ware, er hetze Teile des Volkes immer gegeneinander, damit es möglichst bald tot sei. denn dann könne er es verschachern. Wie man bei einem kranken Körper das Gift ausscheitv, so müsse der Staat den Juden ausscheiden oder der Jude fresse den Staat. Unckristlich sei das nicht, der qottlicf>e Messter habe uns nicht gelehrt, Daß wir uns von dem asiatischen Gesindel die Haut über die Ohren ziehen lassen sollten. Ter Jude stehe zwischen Unternehmer und Proletarier, er verspritze sein Gift, trotzdem er weder Unternehmer noch Proletarier sei, er wäre eben nur Jude und bleibe es. Er hetze immer bald in den Bureaus, bald auf dem Fabrikhose. er allein marschiere/ Mag Hitler, menschlich betrachtet, für diese Zeiten eine bemerkenswerte Erscheinung sein — eine Zeitung vom Range des „Berliner Lokal-Anzeigers" sollte die politische Persönlichkeit Hitlers nicht würdigen, ohne das entsetzliche Unheil, das Hitlers zügellose und vor nichts zurückschreckende Judcnfeindschast anrichtet, gebührend zu kennzeichnen. „Der spriagenSe Punkt." Bon. Ernst Liffauer. Ernst v. Wolzogen schreibt im „Teutschen Tageblatt" vom 5. Februar — ich zitiere nach dein Abdruck im „Teutschen Schrift-- tum", Herausgeber Professor Adolf Bartels, Weimar, März 1927: „Und nun will ich einmal den springenden Punkt in möglichst helle Beleuchtung zu rücken versuchen: wenn einem Judcn^ in New Dort aufs Hühnerauge getreten wird, so schreit sein Rapengenösse in Konstantinopel Wehe. Ter sittlich einwandfreieste Kulturjude des Westens duldet es nicht, daß man zelbst den größten Lumpen und Schwerverbrecher aus dem Osten, der mit unserer Polizei in Konflikt gerät, öffentlich als Jude brandmarkt, soviel ich weiß, befindet sich in Ludwig Fuldas sämtlichen Werken kein Satz, den man als boshaft widerdeutsch bezeichnen könnte . . . Wenn ich aber sage: ,T-em Lumpen Hugo Be'.tauer ist ganz recht geschehen, und ich bin dem Teufel herzlich dankbar, daß er nun auch den Siegfried Jacobsohn geholt hat, und ich wünschte nur, daß dessen geistvolle Mitarbeiter an der Weltbühnc?, dieser gefährlichsten Gistmischerzentrale, diesem zischenden Vipernnest, möglichst bald auf demselben Wege verschwänden', so würde die ganze Judenpreffe ausheulen: .Schlagt ihn tot, den Antisemiten'? — und der hochgeschätzte Tr. Ludwig Fulda würde vermutlich mir schrei ent Diese rassische Solidarität jenseits von Gut und Böse will nun absolut nicht in unfern deutschen- Schädel hinein. Für uns bleibt ein Lump ein Lump, sei er ein Deutscher oder ein Botokude. Wir geben sogar unsere Größten Preis, wenn wir sie auf verdächtigen Wegen ertappen, oder wenn sie selber ihre Blößen nicht geschickt zu verdecken wissen. Offenbar beruht in dieser Solidarität quand meine die Hauptstärke des Judentums. Ans wird es gottlob in alle Ewigkeit versagt bleiben, aus solcher Quelle unsere Kraft zu saugen. Aber die streng rassisch-nationale Absonderung müssen wir dem Juden nachmachen, wenn wir nicht völlig hilflos seinem Einfluß unterliegen wollen." Diese Sähe stehen in einem Aussatz, der die Gründung einer im Gegensatz zur Preußischen Tichterakademie arisch raffereinen „deutschen Dichtergesellschaft" verficht. Ter Punkt springt, wirklich, die Linie der Logik wird unterbrochen. Ter sittlich einmandsreieste Jude duldet es nicht, daß man den größten Lumpen als „Juden" brandmarkt, weil eben bannt nicht gesagt wird, dies Individuum jüdischen Glaubens oder jüdischen Stammes sei ein Verbrecher aus eigener Anlage, wie es eben Lumpen und Verbrecher in Masse unter allen Völkern gibt, sondern seine Lumpenhaftigleit wird stillschweigend oder mit ausdrücklichen Worten irgendwie auf sein Judentum zurückgesuhrt. Man sagt nicht: der Jude Baruch Lob hat betrogen oder gefälscht, sondern Baruch Lob. als Jude — „natürlich ein Jude" — hat betrogen oder gefälscht. Es ist vollkommen unwahr, daß eine „rassische Solidarität jenseits von Cut und Böse" besteht, und es ist ebenso unwahr, daß rassische Solidarität den Teutschen mangelt. Sie, und mit ihnen die Teutschen jüdischen Glaubens, haben zum Beispiel aus das strikteste dagegen Einspruch erhoben, daß man irgendwelche Greuel und Grausamkeiten, die int Kriege immer Vorkommen werden und die einer der wichtigsten Gründe gegen den Krieg sind, den Boches, den Teutschen als solchen, zur Last gelegt wurden. Kein gebildeter Mensch wird sagen: der Deutsche A., der Franzose B.. der Italiener C., der Amerikaner D., der Chinese E. hat gestohlen, verleumdet, gemordet, weil er ein Deutscher, Franzose usw. ist. Tie sogenannte und scheinbar rassische Solidarität der Juden besteht ausschließlich darin, daß sie cs ablehnen, für die Untaten einzelner Juden solidarisch haftbar gemacht zu werden. Wie das Boche-Unwesen, der Antigermanismus, der in Frankreich nach dem Kriege herrschte, wie die Abneigung des Türken gegen die Armenier, des kalifornischen Farmers gegen den Mongolen, so verallgemeinert der Antisemitismus. Dies ist „der springende Punkt". Es ist eine vollkommen wahnwitzige Vorstellung, daß etwa wir gebildeten deutschen Juden uns mit Schiebern und Mädchenhändlern solidarisch erklären, wir behaupten lediglich, daß Schiebungen und Mädchenhandel nicht zu den rassischen Bräuchen der Juden gehören. So sieht der springende Punkt aus, wenn man ihn einsängt und mit Ruhe und Logik betrachtet. Ernst v. Wolzogen findet es mit Humanitas und Christentum vereinbar, den Tod ihm unliebsamer Menschen zu bejubeln und zu wünschen. Auch mir erscheint der Geist der „Weltbühne", obwohl sie viel sachlich Wertvolles mitgeteilt hat, in vielem Betracht bösartig und „widermenschlich", aber die Tenkweise Wolzogcns kennzeichnet ihn nicht als Antisemiten, sondern als einen Antihumanen. Er rechnet es Fulda hoch an, daß sich in seinen Schriften lein bewußt widerdeutscher Satz fände, und weiß gar nicht, wie kurios sich diese Ehrenerklärung ausnimmt, wie irrtümlich und — wider Willen — verfälschend sie wirkt. Tenn sie enveckt den Anschein, als ob Fulda eine Ausnahme wäre. In den Schriften von Gundolf, Simmel. Emil Ludwig, Wassermann, Moritz Heimann, Bab, Schnitzler, Salten und so weiter und so weiter findet sich kein widcrdeutscher Satz, im Gegenteil oftmals eine leidenschaftlichste Liebe zum Deutschtum und seinen innersten Wesenskräften. Und was dem Ernst v. Wolzogen in den Schriften anderer Juden als widerdcutsch erscheint, ist nichts anders als eine Kritik von wirklicher oder scheinbarer Entartung des deutschen Geistes, wie sie auch von arischen Deutschen geübt wird, wie sie der Engländer oder Franzose an seinem Bolle übt. Was aber Sieg'ried Jacobsohn betrifft, so hat er, in der Maßlosigkeit seines polemischen Naturells, auch und gerade auf Juden losgeschlagen und sie sogar in ihrem Judentum verunglimpft, dermaßen, daß es vom Hamburger „Israelitischen Familienblatt" zur Sprache gebracht wurde. Und was die Kritik an den großen Menschen bctrifft: offenbar ist es Wolzogen unbekannt, daß gerade Juden an den unverkennbaren Mängeln der Heineschen Persönlichkeit ernsteste Kritik geübt haben. Mag Ernst v. Wolzogen die deutschen Dichter und Schriftsteller jüdischen Glaubens als „dentschschreibende Juden" bezeichnen, eia Teil, nämlich die schöpferischen unter diesen deutschschreibenden Juden, werden, über das Jrrsal niederer Meinungen, durstiger Hypothesen und kleiner Zeitkämpse hinaus, vor dem währenden Geiste des Teutschtums sicherlich noch nach Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten, bestehen, wenn die deutschschreibenden Mittelmäßigkeiten, ob arisch oder jüdisch, längst in jenes Bergeffen hinabgestiegen sind, aus dessen Bezirk keinerlei Mittelmäßigkeit wiederkehrt. Der Pferdefuß. Aus Zinnowitz, Dem „Deirtschbewutztcn" Bave. Zinnowitz ist ein Ostseebad nur für „Arier". Es steht seit langem auf unserer Liste judenserndlicher Erholungsorte. Mit begrüßenswerter Teutlichkeit schreibt die Badcverwaltung in dem Prospekt dieses Jahres: ..Zur Vermeidung diesbezüglicher Rückfragen muß erwähnt werden, daß von jeher Bestrebungen unter den unseren schönen Badeort immer wieder aufsnchenden Gästen bestehen, das Bad von semitischen Kurgästen f r e i z u h a l t e n.- Darüber hinaus blüht in Zimwwitzens Mauern noch ein Verein, der in wunderlichem Deutsch den stolzen Namen trägt: „Zweckverband zur Freihaltung des Ostseebades Zinnowitz für d e u tsch b l ü t i g e Kurgäste." Er beendet seinen Aufruf, den der Besitzer des „Lindenhofs", v. Nathusius, und des Hotels „Zur Ostsee", G. Jahnke, unterzeichnen, mit „Heil!", in das auch wir einstimmen. So wäre also für die „D e u tschblütig kei t" . Zinno- Witze ns reichlich gesorgt, und alle edlen arischen Eigenschaften müßten dort in Maienblüte stehen. Aber leider! Für den Besitz der wahrhaft echten Zinnowitzer „Teutschblütigkeit" scheint am Orte die Prüfung durch ein besonderes Thermometer unerläßlich zu sein. Und da haperts ersichtlich! Der Verband mit dem wunderlick^en Namen erklärt in aller Oeffentlichkeit mit fettem Truck: „Verschafft euch bei euren Anfragen und Abmachungen die Gewißheit, daß ihr in deutschbewußten Hausern Aufnahme findet! Tie meisten hier siud's!" Also doch nicht alle! Besitzen die wahre unanfechtbare „Deutsch' blütigkeit" nur die Besitzer des ,Lindenhoss" und des „Ostsee- Hotels"? Aber es wäre nicht „deutschbewußt" gehandelt, anzuno'hmen, daß irgendwelche Geldfragen den Zweckverband und seine Leiter etwa bestimmen konnten usw. — Es gibt auch einen „deutschblütigen" Pferdefuß!

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