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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-06 · 18 (6.5.1927) · p. Seite 255

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
18 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
Seite 255 (sequence 3)
Language
German
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zum $♦ Nal. . I v) I; j . j I i i i i > V\ \ ■ i! i l '•/ ) j V W1 v> Hamburg, 25. März 1927. Lieber, sehr verehrter Herr Doktor! fiiKc kleine Gc schichte möchte ich.Ihnen berichten, die anschließt an unser Gespräch aber Ra schuf ragen. Wir hatten im Herbst 1917 in meiner Kompagnie Ersah aus der Heimat bekommen. In diesem Ersah befand sich auch ein Jude, dem Aenhern nach ein richtiger Witzblatt-Jude, besser läßt er sich nicht beschreiben. Er war erst etwa 20 Jahre alt, aber er ging gebeugt und schlacksig. Ihm fehlte nur Kaftan und Ningellöckchen und er hätte ohne weiteres auf den Marktplatz von Zamosz oder Golm gepaßt. Tein Gesicht war denkbar unsympathisch. Nichts von dem in fast jedem israelitischen Gesicht vorhandenen Gutmütigen, nur Mißtraue!;, Unzufriedenheit, Mißmut, lauernde Wachsamkeit, Abwehr; er war eigentlich nur geprügelter Hund. Er klagte nie, heischte kein Mitleid und ging bei aller Nachlässigkeit diesen seinen Weg, wie das Schicksal seinen Weg geht. Stets trottete er auf Märschen fünf bis zehn Meter hinter seiner Gruppe her — er hatte die Täuschung, daß es dadurch langsamer ging, wohl nötig. Ebenso bei Exerzitien — fünf Schritte hinter der Front, unerbittlich! Er war in allem der Schlemihl. Wer nächtlicherweile beim Ablösen aus der Kampslinie mit vollem Gepäck in den tiefsten Graben oder in eine schlammgesüllte Tanksalle fiel und mit quäkendem Geschrei den Feind aufmerksam machte, das konnte nur der allgemein verachtete Eohn sein! Usw. ad infinitum! Ich habe ungeheuer viel Komisches und Tolles mit dem Manne erlebt, und wenn ich ihn auch niemals hochgenom.men habe, so habe ich ihn doch mit den: ganzen Regiment zu- [ammcn verachtet. Huk doch, wie haben nur uns korrigieren müssen! Mir kommt Dt nachträglich die ganze Geschichte vor, als hätten wir Schach mit chm gespielt, mit einem Stümper, einem Idioten, mit dem man alles machen konnte, der uns aber, als er uns in die unglaublichste Ileberlegenheit hatte Hineinspielen lassen, unvermittelt und absolut unerbittlich mit einem einzigen Zuge matt setzte. Ich habe ja, wie wohl alle Menschen im Kriege, viele Fehler begangen, aber kein Fehler schmerzt mich so tief heute noch, als der, dessen ich mich diesem wirklichen Edelmanne gegenüber schuldig gemacht habe. Nur von einem Vorwurf weiß ich mich frei: ich habe Eohn nicht verachtet, luctf er Jude war. Die ganze lange Geschichte meiner Vorfahren weist auf ein gutes Zusammenarbeiten meines alten Geschlechts mit Juden hin, meine Erziehung war dementsprechend, und die Erfahrung, die ich später selbst machte, bestätigte die Berechtigung meiner Erziehung. Also hören Sie: die große März-Ossensivc rrnd Dr. Goebbels in Potsdam. Am letzten Sonntag sprach Adolf Hitler zum ersten Male in Berlin \n einer geschloffenen Versammlung, weil ihm bekanntlich d:e preußische Regierung das Auftreten in öffentlichen Versammlungen Mltcr''aK hat. Nach den vorliegenden Berichten hat Hitler äußerst zuruckchllleud und gemäßigt über das schwere und ernste Thema „V o l k ohne Raum" gesprochen. Der „Jungdeutsche", das Organ des Jungdeutschen Ordens, benierkt dazu (Nr. 102 vom 3. Mai): „...Seine Anhänger scheinen vor allem darüber enttäuscht zu sein, doß rada ua n ti s e rni ti sche Sätze in seiner Rede döllig fehlten, und sie ktannnerten sich mit ihren Beisallsmrßerungen an die wenigen Stellen, in denen er von „Andersrassigen" und ein- oder zweimal auch von Juden sprach. . . /' Unter den verschiedenen Zeitungsberichten über sein Auftreten ist bcronders der des „Berliner Lokal-Anzeigers" (Nr. 17 k'ou; 2. Mai) bemerkenswert. Er schreibt folgendermaßen: „Er ist einer, der es mit seiner Sache, mit Deutschland, ehrlich meuit. der nicht nur eine Idee — die Synthese aus nationalem und sozialem Denke:; — hat, sondern der auch eine ll e b e r z e u g u n g hat, der ein Zweifellos ernstes Wollen hat und der für sich und sein Denken gerade steht — etwas nicht gerade Alltägliches. Das soll inan en ihm achten, es sei den::, daß diese Gefühlsregung nicht schon durch ch'V Gasfentou unserer politischen Arenen unmodern geworden ist. Daß der Deutsche Hitler vorläufig noch in die Irre geht, daß er in jeineu Berechnungen unbequeme Faktoren einfach negiert, daß er sich auch noch in Form und Ton vergreist, ist menschlich. Wer aber unter uns ohne Fehl ist, der werfe den ersten Stein auf ihn." J?t dem „Lokal-Anzeiger" unbekannt, daß Hitler in 99 von siüner Reden d e in I n d e n t n m unterschiedslos Krieg w: t Feuer u it ö Schwert ansagt? Ist dem „Lokal-Anzeiger" luwekanut, daß die nationalsozialistischen Organe, um hier nur den -Aunchener „Völkischen Beobachter" und den „I l l u ft r i e rten Beobachter" zu erwähnen, täglich die jüdische Religiou, die / Juch ein Bsttrag 1918 hatte eingesetzt und wir waren schon mehrere Tage in der Schlacht. Nach einem in jeder Beziehung heißen Kampftage lagen wir in einem eroberten englischen Graben. Die Nacht brach Heren:, es wurde unangenehm kühl. Das ganze, stark zusammengeschrumpfte Regiment samt den Stäben lag zusammengequeischt in diestm Graben. Unmittelbar Lei mir der Regimentskommandeur. _ Der Engländer belegte i'.usern Abschnitt mit schwerstem Artillerieseucr, wir saßen zusanunengcduckt da und warteten, gleichgültig und stumpf. Besonders das Zwischengelände war eine richtige Hölle, zerfetz: .von Artillerie und Maschinengewehr. In diesem Gelänge lag nun eine Unmenge Verwundeter. Shir bei den Russen habe ich einmal ein ähnliches Seufzen der gepeinigten Kreatur gehört, wie es uns aus diesem „Niemandsland" entgegenquoll. Aber es war nichts zu machen, hineingehen wäre Wahnsinn gewesen. Ta, inmitten des Hexensabbats, rappelt sich jemand aus geduckter Stellung auf: nur Cohn konnte solchen Lärm beim Ausstehen vollbringen. Mit seinem in der Dämmerung gerade noch zu erkennenden, ewig mißmutigen Gesicht sieht er sich unter uns um und erklettert die Grabenwand, schweigend. Wir schlvlegen auch. Stieg eine Ahnung in uns aus? Ich weiß es nicht. Es mag sein, daß wir ein unbestimmtes Gefühl hatten, als geschähe jetzt etwas, das alles bisher Erlebte in den Schatten stellen würde. Eohn rutschte nech einmal wieder ab in seiner Ungeschicklichkeit, schließlich gelangte er aber hinauf und verschwand im Dunkel des Borgelündes. Wir waren versteinert vor Scham. Alles, was Eohn bis jetzt verdorben hatte, war ausgelöscht. Das ganze Regiment sah, wie er korrigierte. Nach einer Weile hörten roir^eine mißgelaunte, quarrende Stiunue: Hat denn noch jernand Wasser und Verbandzeug? Schweigend wurde ihm gereicht, was wir nur noch besaßen. So verschwand er wieder in der Hölle, kam noch acht- oder neunmal wieder und blieb schließlich weg! Wir waren schachmatt und der Sieger war tot. Wir haben nichts wieder von ihm gesehen und gehört, noch in der gleichen Nacht gingen wir wieder vorwärts. Aber wir wußten, daß Eohn der größte unter uns gewesen war, keiner konnte ihm das Wasserreichen; wir alte, die wir ihn verachtet hatten, waren von ihm selbst durch die Tat tief in den <:taub gebeugt worden. Hätte ich die Besten auszuwahten, die ich im Weltkriege gesehen habe, so würde Eohn unbedingt der Erste sein. Verzeihen Sie, wenn ich Ihre Zeit gestohlen habe. Vielleicht begreifen Sie, daß mich heute noch das Erinnern an einen ganz Großen ausrührt und erschüttert. Ihr sehr ergebener Carl Puvogel. jüdische Geschichte, des Inden Kriegstätigkeit, des Juden Stellung zum deutschen Vaterland i n d e n K o t z i e h e n? Ist dem „Lokal- Anzeiger" unbekannt, daß Anhänger Hitlers, z. B. in Nürnberg und in Franken, 192 3 schwerste Gewalttätigkeiten ohne jeden Grund gegen Juden verübt haben? Und drei Tage vorher, am 28. April, hielt der Berliner Vertreter der nationalsozialistischen Bewegung. Tr. Goebbels, der auch die Berliner Versammlung, in der Hinter Erat, leitete/eine Rede in Potsdam, aus der wir die folgende Stelle wiedergeben: (Fortsetzung auf Seite 256.) Aussprache mit dem amerikanischen Dotschasker über die „SebrSer"-Ivrschrist. Am Dienstag, den 3. Mai 1927, nahmen im Verfolg der Angelegenheit: A n o r d n it n 3 der amerikanischen E i n w aude r n n g s b e h v rd e, daß na ch A m cr i! a reisende jüdische D e u t s ch e bei „Rasse oder Volk" als Hebräer und nicht als Deutsche sich einzutragen h abc n, Tr. Alfred Wiener als Syndikus des Central-Bereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. H o ch st e t t e r namens des Norddeukscheu Lloyd, v. Meibom namens der Hanrburg-?tmen5anischen Paketfahrt A.-G. Gelegenheit, in der amerikanischen Botschaft vorzusprechen. Ein alter Freund des Vereins, Rechtsanwalt Tr. Mar I. L o e w e n t h a l, nahm als Dolmetscher an der Unterredung teil. Die Herren wurden von dem amerikanischen Botschafter. Dr. Shur m an in Anwesenheit des amerikanischen Generalkonsuls empfangen, und erhielten ausreichende Go legenheit, ihre Wünsche vorzutragen.

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