Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 17 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2277729-2277746--03653-2284188- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
245 Die Verwüstungen auf dem Friedhof in Moers. Wenn die jüdischnationale Landespolikik eine so vernichtende Niederlage erlitten hat. so ist dies ein sprechender Beweis dafür, daß nationale Minderheitspolitik der Mentalität der österreichischen Inden wesensfremd ist. Daher hatten prominente ^uöcn und Christen den für die Wiener Inden richtigen Weg gesucht und, wie dies seit Erringung der Gleichberechtigung der Inden der Falt war, die Dernofrctie auf den Plan gerufen. Wohl hat die aufreibende Arbeit dieser Männer, welche leider viel zu spät eingesetzt hat, und angesichts unseres empörenden Wahlsystems uub des Verrates der vorgeblich liberalen Preise mit ungenügenden Mitteln dnrchgesührt wurde, hingereicht, die Juden an einem politischen Selbstmord, wie es die Aufgabe der Gleichberechtigung gewesen wäre, zu hindern, doch sie war zn schwach, um die dem Fortschritt und der Freiheit wiedergewonnencn Glaubensbrüder in jenem Ausmaße im Lager der Tcnwlratie festznhatten, wie es erwartet wurde. Als einziger Mandatar zieht der auch in Kreisen der deutschen Demokraten rühmlich bekannte Politiker Dr. Koloman Freud er in die Bezirtsvertretung der inneren Stadt ein. „Völkischer Beobachter", Volksbühne und die... Bon Julius Bad. Die Herrschaft einer fixen Idee ist im ganzen immer etwas Schauerliches. Aber in einzelnen Manifestationen zmveilcn doch von einer sehr grotesken Komik. Da haben wir also den „Völkischen Beobachter", das Organ des Herrn Adolf Hitler, der alles, was auch in der Welt geschehen mag. auf bic Formel bringt, daß es eine Offenbarung des verderblichen Einstiches sei, den die verfluchten Juden in der Welt besitzen. Man kann sich vorstellen, daß es nicht ganz leicht ist, gewisse Vorgänge ans ganz unpolitischen Sphären, Vorgänge, an denen überhaupt kein Jude beteiligt ist, ans diese Formel zn bringen. Aber die Energie, mit der völkische Beobachtung diese Schwierigkeiten überwindet, hat eben zuweilen eine durchaus groteske Wirkung. — Bekanntlich hat es in den letzten Wonnen an der Berliner V 0 l k s b ü h ne einen Konflikt gegeben, der in der Oeffentlichkeit ziemlich lebhaft diskutiert wurde: Der Regisseur Piscator hatte der Inszenierung eines modernen Dramas sehr starke Spitzen im Sinne von kommunistischer Tendenz gegeben, und der Vorstand der Volk-bühne war mit einer öffentlichen Erklärung gegen diesen Einbruch der Politik in sein Theater aufgetreten. Dies hatte wieder zn sehr heftigen Angriffen auf den Vorstand in der Oeffentlichkeit geführt, während sich die verschiedenen Vertreferschaften des großen Vereins auf Seite des Vorstandes stellten. — Die Frage nach VZesen und Ausgabe d-er Volksbühne steht an dieser Stelle nicht zur Diskussion, ebensowenig wie Recht und Unrecht in den: besonderen Streitfall. Fest steht jedenfalls, daß weit und breit nichts 3n sehe n i st . w a s diese Angelegenheit in Bc - Ziehung zur I u d e n s r a g c bringt. Wie aber „beobachtet" der Völkische folcfjc Vorgänge? Er schreibt einen Artikel „Indische Kulturpolitik", und darin steht zu lesen, daß die Juden vermittels des Theaters die deutsche Volksseele vergiften -- aber aus zweierlei verschiedene Art. Eine Art, das ist die vorsichtige. Als deren Vertreter werden angeführt: Max Reinhardt und Julius D a b. (Welch unerwartete und ehrenvolle Gesellschaft für meine bescheidne Person') Auf der anderen Seite aber sind die radikalen Theaterjuden, die dein deutschen Volk gleich „ganze Ballone mit Schweseltränken" einflößen wollen. Der Konflikt an der Volksbühne aber ist nichts als eine Auseinandersetzung dieser beiden jüdischen Gruppen! Da staunt wirklich der Laie, und sogar der Fachmann wundert sich. I n\ V 0 lksb ü h nendo r st a n d nämlich, der ja wohl die eine Partei gültig vertritt, sitzt überhaupt kein Jude, .wirklich nicht ein. einziger! Der Schreiber dieser Zeilen, der wiederholt die Ehre hatte, in dieser Artgelegenheit lebhaft beschimpf: zu werden, gehört dem Vorstand durchausn"ich t an. Er ist narr Mitglied des künstlerischen Ausschusses, zn denen mehr als zwanzig Mitgliedern vier oder fünf Juden gehören dürften. In den anderen Vereinsinstanzen, die in dieser Streitsache hinter den Vorstand traten, gibt es Juden, wenn überhaupt, nur in einer ganz verschwindenden Minderzahl. — Aus der anderen Seite sind unter den Kritikern und Angreifern des Vorstandes allerdings einige Inden, aber in mindestens gleich^ großer Zahl Richtjuden. Und was den eigentlichen Entsesseler dieses breites, Herrn Erwin Piscator. betrifft, so mcchie ich wohl wchen, woher eigentlich der Völkische die Beobachtung hat. daß er ein Jude ist? Ich selbst weiß es durchaus nicht, obwohl oder gerade weil ich mich um diese Angelegenheit sehr ernslhasl gekümmert habe, denn mit dem in Rede stehenden Problem hat eben das Judentum oder Nichljudentnm der Beteiligten nicht das mindeste zu tun, und es hat auch innerhalb des ganzen Streitfalles nie jemand danach gefragt. Name und Aussehen des Herrn Piscator macht cs jedenfalls viel wahrscheinlicher, daß er R i ch t jude ist. Wir haben also einen Streit um eine sehr wichtige deutsche Kultnrfrage, die auf beiden Seiten ganz wesentlich von Richtjuden ansgefochten wird. Der Völkische aber kann unter dem Zwange seiner fixen Idee ans gar keiner Seite irgend etwas anderen beobachten als jüdische Bosheit. Und das ist ein Schaw'piel. das im speziellen Falle sehr komisch wirken müßte. wenn es nicht in seiner symptomatischen Bedeutung für unser ganzes Volksleben so außerordentlich traurig wäre. „Gotteshäuser in öer Großstaöt." Die Münchener Synagoge in Der Qsternacht besudelt. Die Münchener rechtsstehenden „Neuesten Nachrichten" schreiben in ihrer Nummer vorn As. April: Wer aufmerksam die Pläne rnittelalterlicher Städte betrachtet, wird dort als Regel.finden, daß unsere Väter ihre Gotteshäuser nur in seltenen Ansnahmosällen, die jeweils besonders begründet waren, an den lauten Marktplatz stellten. Abseits vom Lärm der Straße sollten diese Stätten der Andacht umgeben sein von einem Mantel der Stille, der cs den Gläubigen erlaubte, ihre Gedanken zu der erhabensten Zwiesprache zu sammeln, die der Mensch kennt/ So sind auch iit Münäsen die beiden Pfarrkirchen des Mittelalters, die Frauenkirche und ^t. Peter, nicht an den lauten Marienplatz gestellt. Die moderne Großstadt ist zu solcher Rücksichtnahme nicht mehr imstande. Sie muß den Schutz des Gottesfriedens der Einsicht und Das Spezialbad für Galle, Leber, Magen, Darm, Zucker, Fettsucht, chronische Verstopfung. a Eröffnung der'KuransiaS? „Haus Ferdinand“ am 1. Mai d. J.e j.m gelegen, 5 .Minuten von den Quellen entfernt. Dieses Haus vereinigt alle Neuerungen auf dem Gebiet der Technik und Hygiene, um . A Bequemlichkeit und Luxus gewöhnten Gast den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Eigene Badeabtcilan*. Genaue Terra^UC^C ^ä*c*DS*c^UD£* Beitender Arzt: Dr. G. Graul. — Die Gescllsc' □Stellung. sc aus hat man einen herrlichen Ausblick Gescllscbaftsräumc sind sehr elegant und stilroll eingerichtet. Von der grossen auf Stadt und Taabertal. — Verlangen Sie Prospekt 1927 von der Kurverwaltung