Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 17 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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243 Silage mit einem Riemen oder dergleichen entstandene Zeichen festaeitellt. In den Därmen und im Magen wurde der normale Inhalt voraeiünden. Das Platzen der Leber und eine innere Blutung war schon 'bei der ersten Sektion sestgestellt worden. Wenn wir die obenerwähnten Feststellungen der gerichtsärztlichen Sezierung in Betracht sieh-en und sie mit den Argumenten des Geistlichen Prasnajtis. des bekannten Sachverständigen im Beilisprozeß, vergleichen, so finden wir kein einziges Merkmal, welches auf den angeblichen Nitualmord schließen ließe. Durch die Untersuchung ist sestgestellt, daß das Kind die Wunden auf dem Arme schon vor dem Tode gehabt hat, was andere mit der kleinen Lucia spielende Kinder bestätigt haben. Tie alten Zeichen am Rumps konnten keinen Einfluß gehabt haben. Ter Tod war also lediglich infolge Platzens der Leber und einer inneren Blutung eingctreten. Ter Verdacht gegen den Vater der verstorbenen Lucia, daß er sie stark verprügelt hätte, hat sich als irrtümlich herausgestellt. Tenn nach genauer Besichtigung des Zaunes und des Ortes, wo Lucia vorgefunden wurde, und nach Vernehmung der siebenjährigen Pestkowna in Anwesenheit ihrer Mutter wurde festgestellt, daß die kleine Lucia nach Herausklettern auf den Zaun, der den jüdischen Friedhof umgibt, von diesem so unglücklich heruntergefallen sein muß, daß die Leber geplatzt ist. An dieser Stelle nämlich sind außen an dem Mauerpfeiler der Umzäunung Ziegel heraus» geschlagen, auf der Innenseite ist die Umzäunung bedeutend höher und erreicht eine Höhe von 2,70 Meter. Demnach hat der unglückliche Sturz von dieser Höhe nach der Innenseite des Friedhofs leicht das Platzen der Leber des Kindes verursacht. Ob das Kind auf die Umzäunung des Friedhofes von außen hat hinaufklettern können, wurde durch einen Versuch mit einem vierjährigen Kinde ansprobiert. Tie Probe hatte ein positives Ergebnis. Flusberg also, der auf den Friedhof gekommen war, hak das Kind dort liegen sehen, und, da er gehört hatte, daß die Zigeuner ein Kind suchten, die Zigeunerbande persönlich davon verständigt. Hier traf ihn sofort der Vorwurf der Ermordung, und da er von einem Zigeuner einige Schlage erhielt, floh er in der Richtung der Stadt. Das war der Anlaß, die Juden des Kindermordes zu beschuldigen. Der unwissende und sensationslüsterne Pöbel machte daraus einen Mualmord, was einige Pommereller Blätter so unbedacht ausgenommen und glorifiziert haben. Im Hinblick aus die unwiderlegbaren Beweise, wie die Untersuchung sie ergeben hat, verdient die Angelegenheit, die so viel Verwirrung verursacht hat, nur ausgelöscht zu werden. Es ist hervorzuheben, daß die Zigeuner verhaftet worden sind wegen Anschuldigung. Unruhe unter der Bevölkerung von Dobrzyn und Golub hervorgerufen zu haben. Herr Unterstaatsanwalt Syfki hat die bei der Lektion anwesenden Redakteure der Pommereller Blätter auf die Folgen des Artikels 263 des Strafgesetzbuches aufmerksam gemacht. I. Gratkowski. IV. Im September 1926 tauchte inDanzig das Gerücht von einem A'üualmord auf. Im Hause eines dortigen jüdischen Schlächters wurde Haussuchung veranstaltet. Sie hat die Unhaltbarkeit der unsinnigen Beschuldigung ergeben. Die Pressestelle des Danzjger Senats gab am 22. September 1926 über den Vorgang folgenden Bericht: , „Ain 23. September 1926 ging bei der Kriminalpolizei eine Anzeige ein, daß in dem Keller des Hauses Ölivaer Straße 15/16 ein Knabe festgehalten werde. Es wurde an diese Behauptung in der Anzeige die Vermutung geknüpft, daß an dem Kinde ein Verbrechen verübt werden solle oder bereits verübt worden sei. Die Anzeige erschien zwar reichlich abenteuerlich. Da jedoch die Nachprüfung eingehender Anzeigen nicht dem freien Ermessen der Polizei überlassen bleibt, sondern ihre Pflicht ist, wurde eine sofortige Nachprüfung der Angaben des Anzeigenden angeordnet. Im vorliegenden Falle erschien eine schnelle amtliche Aufklärung um so mehr angebracht. als das fragliche Haus von einem Schächter der hiesigen jüdischen Gemeinde. Samolski, bewohnt und mit Sicherheit anzunehmen war, daß sich Gerüchte über einen Ritualmord bilden würden, die bei mangelnder amtlicher Aufklärung zu der in solchen Fällen üblichen Massenpsychose hätten führen mügen . . . . An Wasserausgüssen im Keller wurden bei der Durchsuchung snsche Blutspuren vorgefunden, die einwandfrei als von Gellügel stammend sestgestellt worden sind. Damit war die Angelegenheit für die Polizei erledigt. V. In Herten a. d. Ruhr wurde ein Kind ermordet. Dieser traurige Vorfall wurde zwar nicht in Deutschland, wohl aber in Oesterreich zu einer Nikualmordhetze benutzt. D-er in Salzburg erscheinende völkische „G r o b i a n" vom 22. Oktober 1926 berichtete darüber.. D-er „Grobian" schreibt: . .Mitualmord? Nach der Meldung einiger Blätter wurde vm Nuhrgebiet der Sohn eines Bergmannes aus Herten im Walde ermordet aufgefundcn. und zwar mit durchschnittener Kehle brs zur Wirbelsäule (SchächLschnitt). blutleer. Der Knabe ist ll.fc.il« Utk . Herten und Buer. Die Erklärung des Polizeipräsidenten: „Es besteht kein Verdacht ficr einen sogenannten Ritual mord” am 1. Oktober mittags in Begleitung eines älteren Fremdlings im Hertener Busch gesehen worden. Wird der Mörder auch ertappt — ist er Jude, so verläuft die Sache im ScnD wie der ähnliche Knabcnnwrd bei Tivoli (Wien), die Nitualmorde zu Tisza-Eszlar, Fanten, Polna, Damaskus und viele geschichtlich erwiesene andere, wobei man stets andere Täter oder Motive vorschiebt, ohne die Untersuchung peinlich genau und restlos zu Ende zu führen, damit die Spur sich verlaufe." Der Polizeipräsident in Recklinghausen hat unserem Vertrauensmann in Buer die Erklärung abgegeben, daß „ein Verdacht für einen sogenannten Ritualmord" nicht bestehe. Betrachtungen eines Augenzeugen. staiffw (V o n unserem S o n d e r b e r i ch t e r ft a t t e r.) ah. Essen, 25. April. . tJ Esten stand am 23. und 24. April unter dem Zeichen des Hatenkreuzes, das schon vor dem Hauptbahnhof eine mit Lannenreisern geschmückte Aule krönte. Zum drittenmal war diese Stadt der Arbeit Mittelpunkt nationalsozialistischer Kundgebungen. Mit allen Mitteln will man im Industriegebiet an Rhein und Ruhr die Nationalsozialistische Bewegung verankern, um von hier aus den Vormarsch n ach de m O st e n Deutschlands cntrctcn zu können. „Von Epen geht der Weg nach Berlin über Hauoverch schreibt der Reorganisator der N. S. A. P. D., Dr. Goebbels, in der Festschrift für den Parteitag, „Freiheit der Arbeit" betitelt, um dann mit höchst unpolitischer QffenAit den Feldzugsplan der Partei für die nächste Zeit auseinanderzusetzen: ,Mun gilt es, in richtigem Zusammenspiel die nächsten politisä^n Aktionen vorzubereiten. Sie mit Ihren Kameraden an der Ruhr (der Artikel hat die Form eines Briests an einen Führer an der Ruhr) haben die Aufgabe, das Errungene zu' hatten. . . Sammeln Sie die Aktivität. Sie können's retzt. und drängen Sie weiter vor! Ihre ersten Burgen müssen vor den Toren Hannovers stehen! Von Hannover aus wird dann weiter vorgestoßen, durch Niedersachsenland bis an die See und tveiter über Braunschweig bis ins Herz der Mark hinein. ^Unterdessen taffen Sie uns unsere entscheidenden politischen schlage führen. Berlin ist die erste Etappe. Da nehmen mir Vorstadt aus Vorstadt. Mit den rötesten Burgen fcnrgen wir an. . . und wenn wir Hannover vom Osten, dann müssen Sie Hannover vom Westen die Hand reichen." Essen, Hannover, Berlin: in diesen Etappen soll sich also die Eroberung Norddeutschlands abspielen. Gewisse Bilder vom Faschistenmarsch auf Nom schweben Goebbels und fernen Freunden vor, und man wird betrachten müpen, inwieweit die Partei auf ihrer Effener Tagung als politischer Faktor in die Erscheinung treten konnte und welche ftaaLspolitischen Kräfte in ihren Führern wirksam sind. In drei Etappen vollzieht sich auch die innere Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung, wenn man von dem Seitensprimg des bayerischenNovemberputsches absieht: Im ersten Stadium Pflanzt man die Idee in die Köpfe, und daß man den Boden dort am leichtesten lockerte, wo die Kruste selbständigen Denkens, am dünnsten lag, in der Jndensrage, kann nicht wundernehmen. In diesem ersten, rohesten Zustande befindet sich die Partei noch fast allerorts, besonders in neugewonnenen Gebieten. Das nächste Stadium bringt die organisatorische Festigung der Masten, ihre Bindung an die Führer- Persönlichkeiten. Die Partei in dieser Beziehung ..sertig"- zumachen. ihr aktivisrische Schlagkraft zu verleihen, ist vor allem die Aufgabe Dr. Goebbels, der nach der Durchorgarüsierung des Ruhrgaues nach Berlin berufen wurde. Ein Satz aus dem hier schon zitierten Aufsatze Goebbels bezeichnet die Methode des Mannes. Er spricht von der Form, in der eine Stadt wie Esten für die Bewegung erobert wurde, und fügt hinzu: „dann kam die immer notwendige blutige Auseinandersetzung mit Stuhlbeinen *m> Revolvern!" Die Ereignisse, auch jüngst wieder