Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 14 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1S2 Kami unser lieber Khfjhäuferbuttd eine schönere Auf. gäbe erfüllen, als diesen Geist der gemeinsamen Hingabe aller Konscjstonen für Las große Ganze wachzuhalten? Er sieht, wie ich weiß, diese Ausgabe als eine der ersten und größten an, die er sich auferlegt hat, und in diesem Gerste dient er dem Vaterlande, wenn er Ln seiner bewährten konfessionellen und parteipolitischen Neutralität alle Glieder umschließt, die in Erinnerung an Deutschlands große Vergangenheit freudig und stolz für Deutschlands große Zukunft arbeiten wollen. Mahraun zur 3udsnfra§s. Die Bruderschaft Berlin-West des JungdeuLschen Ordens veranstaltete kürzlich einen Bruderkonvent. Ter Hochmeister des Ordens, Arthur Mahraun, legte in grundsätzlichen Ausführungen den Standpunkt des Ordens zu den bewegenden Fragen der Gegenwart dar. Einige nationalsozialistische Zwischenrufe veranlaßterr den Hochmeister, eine Erklärung zur Judenfrage und zum Antisemitismus abzugcben, die „Der Jungdeutsche^ (Nummer 2ll) mit ausfallend fettem Truck wiedergibt. Mahraun führte aus: „Ter Antisemitismus von heute ist der, den die Juden züchten müssen zu ihrem eigenen Schutze! Ter Efeu, der um eine Mauer rankt, ist nicht mehr da, wenn die Mauer nicht mehr steht. Tie Mauer ist der Haß. Wir wollen nichr hasten und verneinen, wir wollen die völkische Erneuerung aus der Kraftquelle des eigenen Volkes! Ist unser ganzes Deutschturn nichts anderes mehr als bloß antisemitisch, ist es nicht irr sich selbst stark genug, darin soll es abtretcu! Wie lächerlich ist diese Ar: Antisemitismus, die nur verneint, ohne aus der Kraftquelle des Volkstums zu schöpsen. Unsere Erneuerung quirlt nicht aus dem Hast, sondern aus dem Maste der Liebe und des Opfers, das wir siir die eigene Sache ausbringcrr." Wenn man die mehr Lyrische als diplomatische Erklärung recht versteht, so lautet sie dahin: Nur mit Antisemitismus kann man Deutschland nicht aufbauen, aber so ein bißchen Antisemitismus gehört schon zur richtigen nationalen Politik! Luigi Lxizzaüs. Gestorben am 2b. Marz 1927. Mit dem italienischen Staatsmann Lui^i Luzzatti, der kürzlich, 86 Jahre alt, dahingegangen ist, hat die Welt einen der edelsten Menschen verloren.. Wirklich die Welt, nicht nur sein Vaterland. Diesem hat er als leitender Staatsmann, als Minister, Autorität aus dem Gebiet der Volkswirtschaft und Staatsrechtslehre sehr erhebliche Dienste geleistet; der Welt als ein leuchtendes Vorbild von Seelen, große, als ein Mensch von unendlichem Mitgefühl für die Armen und Bedrückten, als ein stets tätiger, antreibender Faktor des sozialen Fortschritts ein Mann, besten Wirken in den Wirrnisten der letzten Jahrzehnte sich im Bewußtsein der Zeitgenossen leider derwistht hat, so daß die heutige Generation kaum das richtige Verständnis für seine Größe aufbringen kann. Luzzatti war Iud e. War fünfmal Finanzminister, war sogar Premierminister- Als Jude. Tisraeli war gleichfalls Premier, aber als gelauster Jude. Luzzaiti ist Jude geblieben. Betonter, gläubiger Ende. In Italien ist ein Jude auch Kriegsminister gewesen — üolenghi. Wir wollen heut von naheliegenden Vergleichen abschen. Die publizistische Tätigkeit, die Luzzatti neben seinen mühe- und verantwortungsvollen amtlichen Obliegenheiten entfaltete, ist unübersehbar. Sein Hauptwerk find die sechs Bände „Gott in der Freiheit. Im fünften Bande schildert er ausführlich die Verfolgungen, denen die Juden in Rumänien und Polen ausgesetzt waren, und seine Bemühungen, diesen Armen zu helfen. Er hat auch sonst die Lage der Juden in verschiedenen Ländern studiert und Hilssgesellschaften organisiert. Erahnt geholfen, wo und wie er nur konnte. Er hat von seinen Zeitgenoyen den Beinamen „der Friedensstifter" erkalten. Tenn sein Tanken und Fühlen war ganz dem sozialen, politischen und religiösen Frieden geweiht. Frühere deutsche Geschlechter haben ihn geehrt, weil sie wußten, in welch hohem Ansehen er deutsches Wissen und deutschen sozialen Fortschritt hielt. Er war ein Anhänger ^chulhe-Telitzsch', ein Schüler, der das Wirken des deutschen Lehrers auf sein eigenes Vaterland übertrug. Er hat das Gerwsstuschastswcsen auf italienischem Boden heimisch gemacht, hat die erste zwangsweise Alters- und Unfallversicherung erngeführt, hat das Auswanderungswesen reformiert, bessere Wohnungsvcrhältnifse für die ärmeren Klassen geschaffen, Lollsuuiversitäten ins Leben gerufen, die Lage der Arbeiter in den Industriebetrieben untersuchen lasten, der Landwirtschaft unschätzbare Dienste geleistet, indem er sich um bkgere Bedingungen im Forst-, Drainage-, Wässerungs- und ländlichen Schulwesen kümmert« und bemüht war, die Rechte des kleinen Grundbesitzers vor Ueborgriffen durch Ausbeuter zu wahren. Er hat dein Dolksschulunterricht. der Besserung der Volkshygiene, einer Erweiterung des Wahlrechts auf alle Bürger, mit Ausnahme der Analphabeten, seine Sorge gewidmet. Daneben Banken saniert, die Finanzen vieler Gemeinden in Ordnung gebracht, Staatsschulden konvertiert — seine Konversion der italienischen Obligationen 1906 hat das Land vor dem Bankerott gerettet , hat 24 noch heute bestehende Handelsverträge abgeschlossen, internationale Arbeiterabkommen vereinbart. Dan. - ist die Liste seiner politischen, wirtschastlichen, jozialen und ethischen Taten noch lange nicht erschöpft. Es war ein beneidenswert reiches, fruchtbares Leben. Man hat ihn zmveiten den Sozialisten zugerechnet. Er pflegte sanft abwehrend zu sagen: „Ich bin ein Freund eines jeden lebenden Wesens/ Und einer amerikanischen Glaul^ensgenossin schrieb Anfang 7926 der Fünstmdachtzigjährige: „Ter Glaube an die menschliche Güte vereint uns; er ist ein Bindeglied, das nicht nur hier aus Erden vereint!" Möge ihm in der Welt, an die er glaubte, der Lohn werden, den er überreichlich für sein Wirken auf dieser Welt verdient hat. C. A. Bratler. „Eine Hruüertat." Hugo Tonnenfeld in Könitz 1900. .Mit der Begnadigung von Moritz Lewy war der Schlußstein auf die beinahe übermenschliche Arbeit gefügt, die Hugo Sonuenseld bei dem mit dem Koni her Blutbeschuldigungsprozeß zirfammenhängenden Verfahren geleistet hat. Ein Brief, den Dr. Hirsch Hildesheimer, der bekannte gesetzestreue Führer und treue Freund des C. V., bei der Nachricht von der Freisprechung an Hugo Sonncnfeld richtete, möge jetzt, da Briesschreiber und Briefempfänger nicht mehr unter den Lebenden weilen, als kulturhistorisches Dokument zur Veröffentlichung gelangen: Sehr verehrter Herr Rechtsanwalt! Empfangen Sie meinen allerwärmsten Tank für Ihre gütige Benachrichtigung. Tie hocherfreuliche Tatsache war mir bereits gestern abend durch die überglücklichen Eltern mitgeteilt worden. Mit dem Märtyrer und seinen Angehörigen danken wir alle drefen Erfolg Ihnen, sehr verehrter Freund, der Sie damit die reiche Summe von Verdiensten gekrönt, welche Lie sich um di« Familie Lewy, um die Sache der Wahrheit und Gerechtigkeit, um die Sache des Judentums erworben haben. Trotz all* der Widerwärtigkeiten und Enttäuschungen dürfen Sie mit voller Befriedigung aus dasjenige zurückblicken, was Sie in immer verdienstvollerer Steigerung während der nunmehr zum Abschluß gelangten Konitz-Kampagne geleistet haben. Der dauernden Tautbarkeit aller derer, welche bewundernde Zeugen dieser Ihrer hingebungsvollen, unermüdlichen Tätigkeit gewesen, können Sie sicher sein. Ich werde mir in den allernächsten Tagen die Freude machen. Ihnen unmittelbar die Empfindungen herzlicher Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Schon heute ist es mir Herzensbedürfnis, Ihnen auszusprechen, daß der Edelsinn, mit dem Sie den Befreiten aus Graudenz abholten und den reinigen zugcführt haben, mich tief ergriffen und meine Bewunderung gesteigert hat. Das ist die jüdische Brndertat eines echt jüdisch Empfindenden! Ter Allgütige lohne es Ihnen. Mit frenndschastlichen Grüßen Ihr in aufrichtiger Verehrung getreuer Hirsch Hildesheimer« % e verlangt die Zutat von Zur stärkeren Entfaltung ihres Reichtums an Duft und Würze! verlangt die Zutat . nea “?r nw „Weber’s Carlsbader“ wird hergesteilt unter Aufsicht des Rabbinats der Israei. Synagogengemeinde Adass Jisroel zu Berlin. Za beziehen durch: J. Anton Alexander, Berlin N'24, Oranienburger Strasse 2fl Ad. Goldschmidt. Berlin C 2,!seuö Friedrichstrasse 45, Samuel Haass Berlin 054, Gipsstxasse 12a. David Bauer, Frankfurt a. 1L, Körnest lasse 29. A. Metzger, Frankfurt a. M., BOmestrasse 39.