Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 14 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■-L Vi'< H' ■ . ■ i> jf v-*> C-i> [) to HA y 4 >// v Ems flnfwott an die fiejtfdjäft „££yff häufet“ von De. (Bdmunö W een et jf'Betlm}. Der „K ysfhäuse r*, das .Organ de- Deutschen Reichskriegerbundes Kysfhäuftr, eine der rnächttgsten und angesehensten Zusammenfassungen der alten Taldaten, hatte vor einiger Zeit einen Aufsatz „Khsshäuserbund und Antisemitismus* veröffentlicht.' ' Dieser Au''atz war Lmrch einen Artikel des Polizei- Sräsidenten Dr. Menzel (Magdeburg) in der „C. V.-Zeimg* veranlaßt. Die Schriftleitung des Kyfshäuseröundes hatte den Aufsatz Dr. Menzels dahin ausgelegt, daß der Verfasser und mit ihm, wie die Schristleitung des ,Lysshäuser* Irrig schloß, der Centralverein der Meinung sei, der Kyss- Häuserbund zähle zu den judengegnerischen Verbänden. Wir haben in Nr. 8 der „C. V.-Zeitung* nach Erscheinen dieses Aussatzes im „Kyffhauser* festgestellt, daß diese Auffassung auf einem Irrtum der Schristleitung des Kysfhäuserbundes beruhe, und daß vom Eentralverein aus keinerlei Veranlassung vorliege, den Kyffhauser judenfeindlicher Gesinnung zu zeihen, lieber die Arbeit des Kyfshäuser ist auch dem Centralverein Segensreiches bekannt. Der erwähnte Artikel des ,Lyffhäuser", der in erster Linie die völkische und konfessionelle Neutralität des Bundes Nachweisen sollte, enthielt Bemerkungen über das Judentum, die leicht zu Mißdeutungen Anlaß geben konnten. Unser Hauptvorstandsmitglied Dr. Edmund Werner, der seit Jahrzehnten Mitglied und seit Jahren Ehrenmitglied im Kysfhäuserbund ist, nahm darauf Veranlassung, dem Kyfshäuserbund einen Aufsatz über die angeschnittenen Fragen zu übermitteln. Wir verstehen, daß die Schristleitung des ,Lysfhärffer" nicht alle Zuschriften, die von völkischer wie von anderer Seite zu ihrem ersten Artikel eingegangen sein dürsten, veröffentlichen konnte. Infolgedessen ist auch Dr. Werners Zuschrift nicht zum Abdruck gekormnen. Wir haben uns nun entschlossen, hier die Entgegnung von Dr. Werner wiederzugeben, weil uns scheint, daß sie wesentlich zu einer beide Teile «befriedigenden Beendigung der Angelegenheit beiträgt, und weil sie manches Material enthält, das den jüdischen und auch den zahlreichen nichtjüdischen Lesern unserer Zeitung wertvolle Belehrung geben dürste. Die Schriftleitung. Dr. Cdmund Werner schreibt: Erlauben Sie einem Manne, der seit 25 Jahren dem Kyff- Häuserbunde treu und anhänglich zugehört, dem sein Deutschtum ein stolzer und heiliger Begriff ist, und der auch seine jüdische Religion und Tlbstammung nie verleugnet, einige ernste Worte zu dem Kapitel „Kysfhäuserbund und Antisemitismus*. Die Betrachtung in Nr. 1 unseres „Kyffhauser* ging von einem Aufsatz des Magdeburger Polizeipräsidenten Dr. Menzel, „Die Nachkriegsverbände*, aus. Dieser war in der „C. V.-Zeitzu n g*, dem Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, veröffentlicht. Der Eentralverein ist die mächtigste, aus vaterländischem Boden stehende Organisationszusammensassung des deutschen Judentums; etwa &> bis 90 Prozent von den 600 000 deutschen Juden werden dem Eedankengange des E. B. nahestehen. Er betont die unlösliche Verbundenheit des deutschen Juden mit deutscher Heimat und deutschem Volke. Im § 1 seiner Satzungen gibt er an, daß er unter anderem „die deutschen Juden in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung bestärken wolle*. Es wäre verwunderlich, wenn bei dieser Grundcinstellung der Eentralverein in irgendeinem Gegensatz zum Kysfhäuser-Derbande stehen würde. Das ist auch nie der Fall gewesen, und wenn der Aufsatz des Herrn Polizeipräsidenten Dr. Menzel in der „E. V.- Zeitung*, für den letzten Endes nicht der Eentralverein, sondern der^ Verfasser des Aussatzes — wie üblich — verantwortlich ift, den Kyfshäuser-Derband zu den antisemitischen Verbanden zu zählen scheint, so liegt ein unliebsamer Irrtum vor, an den: allerdings die nach meinem Empfinden unklare Darstellung des Verfassers schuld trügt. Daß der Kyfshäuser-Verbaud weder von der „E. V.-Zeitung* noch gar vom Eentralverein zu den antisemitischen Verbänden gerechnet wird, hat inzwischen auch die „E. V.-Zeitung* in ihrer Nr. 3 deutlich erklärt. Es besteht sonnt erfreulicherweise Klarheit darüber, das; der Eentralverein den Kyfshäuser als einen politisch neutralen Verband ansieht, und daß ihm sicherlich nichts fernerliegt, als den Kysfhäuser-Verband irgendwie anzuschwärzen. Klarheit besteht ebenfalls über die parteipolitische und konfessionelle Neutralität unseres „Kyffhauser* besonders dem jüdischen Deutschen wie allen andern gegenüber. Es war für mich selbstverständlich, daß die Schriftleitung des „Kyffhauser* erklärt: . . . „Wir rücken ab von jedem verallgemeinernden Antisemitismus, der nur dazu beiträgt, die innere Zerrissenheit unseres Volke? zu vergrößern*, und ferner ausspricht: . . . „Wir denken nicht daran, uns in irgendeiner Weise antisemitisch zu betätigen, einmal, weil dieses unseren Satzungen völlig widerspricht, und zweitens, weil uns jeder in dem Kampfe um die Wiedererstarkung des Volkes willkommen ist, mag er nun Jude oder Christ sein — sofern er es nur ehrlich meint und aus nationalem Geiste handelt.* Diese unzweideutige Erklärung wird allerdings — ich glau(>e. ich muß, um der Wahrheit zu dienen, offen sprechen — dadurch etwas abgeschwächt, daß der „Kyfshäuser* bestimmte Arten von Juden glaubt bloßstellen zu müssen. Es wäre töricht, zu behaupten, daß alle Juden etwa Engel wären; genau so wie es unter den Nichtjuden gute und schlechte Menschen gibt, gibt es unter den Juden Anständige und Unanständige. Es entspricht aber nicht der Gerechtigkeit, wenn im „Kyffhauser* betont wird, eine große Reihe von Leuten jüdischer Abstammung hätten sich in der Kriegs-, Revolutions- und Jnslationszeit am deutschen Volke schwer versündigt, wenn vom „volksverhetzenden Einfluß der jüdischen Presse* gesprochen wird, wenn auf Inden hingewiesen wird, die „an einflußreichen Stellen stehen, und denen mau jedes Ehrgefühl absprechen muß*. Gewiß mögen unter den Leuten, die sich zu irgendeiner Zeit, aus irgendeinem Posten und in irgendeiner Zeitung gegen Deutschland vergangen haben, auch Juden gervesen sein, sicherlich aber nicht mehr als Nichtjuden. Was würde jeder Vernünftige dazu sagen, wenn jemand dazu überginge, die Sünder am deutschen Volke nach Evangelischen, Katholischen, Atheisten und dergleichen mehr einzuteilen und dafür die betreffenden Konfessionen verantwortlich zu machen? Man würde solches ungerechte Verfahren streng, ablehnen, und so sollte man auch mit den Juden verfahren. Man bekänrpfe mit aller Macht — und jeder anständige jüdische Deutsche, wie überhaupt jeder anständige Teutschd, wird da gern mittun — jeden, der ein Schädling am deutschen Volke ist. Aber man teile diese Schädlinge nie nach Abstammung oder Religionsgemeinschaften auf. Da der Aufsatz in unserem „Kyffhauser* den falschen Eindruck erregen konnte, als seien gerade die Juden diejenigen, welche am Unglück unseres deutschen Volkes ein gerüttelt Maß Schuld auf sich geladen hätten, so wird es vielleicht nützlich sein, wenn gerade in unserem „Kyffhauser* einige fast unbekannte Tatsachen mitgeteilt werden, die zeigen, daß der deutsche Jude gleich dem deutschen Nichtjuden in des Vaterlandes Not stets zur Stelle war und Leib und Leben für das deutsche Vaterland eingesetzt hat: 1. Im Weltkriege kämpften unter v. Lettow-Vorbecks deutschostafrikanischen Fahnen 16 jüdische Kriegsteilnehmer, f ü n f davon starben den Heldentod, sechs wurden verwundet. 2. Bei dem Kampf um unser Posen wurden der Stadtverordnetenvorsteher von Posen, Justizrat Placzek, und der Stadtverordnete Justizrat Kirschner. beides deutsche Juden, wochenlang in polnischen Konzentrationslagern mit all ihrer Pein sestgehalteu. 3. Der dem Kampf um Oberschlesien wurde der jüdische Primaner Haase aus Rybnik als deutscher Botengänger von Polen erschoss en. 4. Bei der Befreiung Münchens vond-er Rateregierung sielen auf seiten der entsetzenden Truppen zwei jüdische S t u - deuten. Der jüdische Kunstmaler, Professor Berger, der ein Plakat der Näterogierung angeblich abreißen wollte, wurde gleich den anderen Münchener Geiseln schändlich umgebracht. 5. Soeben ist, herausgegeben vom Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. B., Landesausschuß Württemberg, ein N a m e n s v e r z e i ch n i s der jüdischen Frontsoldaten aus Württemberg und H o h e n z o 11 c r n mit allen Auszeichnungen und Beförderungen erschienen. Das Hauptergebnis ist dieses: Auf insgesamt 10 824 reichsdcutsche jüdische Einwohner Württembergs und Hohenzollerns entfallen 1674 Frontsoldaten. Bon diesen sind 2 70 gefallen und wurden 533 verwundet. 581 wurden befördert, 1071 haben Frontauszeichnunzen, darunter 581 mehrfache, erhalten. Dieses Verzeichnis der dem ganzen deutschen Volke zugehörigen Helden beweist, daß der deutsche Jude genau wie jeder andere im Kriege für sein deutsches Vaterland in stolzer Pflichterfüllung eingetreten ist.