Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 13 (1.4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1öS „ . . . Ein nicht geringer Anteil an der Wiederkehr des inneren Friedens ist der unermüdlichen Aufklärungs- und Abwehrarbeit des Zentralvereins zrizufchreiben . . ." (Oberschlesischer Anzeiger", Jahrg. 126. Nr. 65.) Alle diese Zeitungen (zu denen u. a. noch die „Ostdeutsche Morgen post" kommt) brachten neben Besprechungen der Vorträge eine ausführliche Würdigung des Vortrages von Dr. E i n - siern über das Verhältnis der Juden zur Wirtschaft Deutschlands und der übrigen Welt. Eine Reinigung der Atmosphäre ist erfolgt. Ein gegenseitiges Sichkenncnlernen wird eine weitere leidenschaftslose Diskussion unserer Arbeit in der Öffentlichkeit, zu der man uns aufgefordert hat, ermöglichen. Noch sind wir nicht am Ziel, aber ein tüchtiger Schritt vorwärts ist getan. Ten Mitarbeitern, die diesen Erfolg erstritten haben, sagen wir unseren Dank * Aber nicht nur jetzt in Oberschlesien, sondern während der ganzen letzten Wochen sind in allen Teilen des Reiches Aufklärungsversammlungen abgehalten worden, die besonders den Zweck hatten, wohlmeinende Nichtjuden von der Staats- und Menschenfeindlichkeit des Judenhasses 31t überzeugen. Wie diese Arbeit für jeden Landesteil und für jede Stadt in der gerade ihrem Charakter entsprechenden Form geleistet werden muß, zeigt der nachstehende Bericht unserer Ortsgruppe Hannover: W<s. Hannover, 28. März 1927. Hannover, die Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Hannover, jetzige Provinzialhauptstadt, weist eine dem Außenstehenden fast gänzlich unbekannte Bevölkerungszusammensetzung auf. Aus der alten Residenzstadt mit ihren antipreußischen Bestrebungen ist durch die Derwaltungskunst Preußens innerhalb kurzer Zeit eine Judustriegroßstadt, dank ihrer zentralen Lage und durch die Geschicklichkeit der btadtväter eine moderne' Konferenzstadt geworden. Trotzdem kann man Hannover in Bezug auf die Einwohnerschaft kaum als Weltstadt bezeichnen. Tenn die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat gerade in Hannover die deutsche Eigenbrödelei nicht verwischen können. Welsen- und Preußentum, Beamtentum, Industrie- und Landwirtschaft, Hannover und das eingemeindete Linden stehen einander gegenüber. Daß die Revolution und die Folgezeit eine Verschärfung der Gegensätze bringen mußte, ist selbstverständlich. Ter Antisemitismus konnte wuchern, da er in all den kleinen Gruppen und Grüppchen der politischen und wirtschaftlichen Zerrissenheit leicht eingeschleppt werden konnte. Außerdem war ja Hannover, sowohl Hochschule wie Beamtenschaft, schon lange vor dem Kriege bekannt als Hochburg des Antisemitismus. Nm eine Entgiftung herbeizuführen, vielleicht sogar eine Plattform zu schassen, auf der man im Kreise Zugänglicher aufklärend wirken konnte, wurde während des Winters Aufklärungsarbeit in größtem Maßstabe seitens des C. V. geleistet. Im vollbesetzten Saale des Volksheimes mit 2590 Plätzen sprach, wie in der „C. V.-Zeitung" bereits berichtet wurde, Dr. Bruno Weil (Berlin) in öffentlicher, mit großen Plakaten bekanntgemachter Versammlung über „Tie jüdisäze Internationale". Ausführliche Berichte in der Tagespresse sorgten für weitere Verbreitung. Große Mengen Druckschriften wurden den Besuchern der Versammlung unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Zur Vertiefung des Eindruckes wurde eine Vortragsreihe für die gesamteLehrerschaft undGerstlichkeit Hannovers veranstaltet. 1600 geistig arbeitende Menschen wurden zu den Vorträgen der Herren Pastor Dr. Chappuzeau (Hannover), „Das Alte Testament innerhalb der Religionsgeschichte^ beurteilt vom protestantisch - wissenschaftlichen Standpunkte". Prof. Dr. Mache it s (Hildesheim), „Die katholische Kirche und das Alte Testament", Rabbiner Dr. Baeck (Berlin), „Grundgedanken des Judentums" eingeladen. Diesen 1600 Personen wird die Monatsausgabe der „C. V.- Zeitung" unentgeltlich geliefert. Nur eine, leider ungehörige. Absage erhielten wir, während eine Anzahl Prosessoren der Hochschulen, Vertreter der Kirchenbehörde und die gesamte Presse die Arbeit anerkannten. Besonders der Lehrerverein begrüßte unser Bestreben; denn als der Pestalozzi-Feier wegen der Besuch unseres zweiten Vortrages gefährdet erschien, regte der Verein von sich aus und durch Mitglieder eine Verlegung an. Die drei Vorträge fanden in dem schönsten Saale Hannovers, dem Festsaale des alten Rathauses, statt. Wir konnten von Dortrag au Vortrag eine größere Beteiligung feststellen. Bei dem ersten Vortrage reichte der Saal gerade aus, ber dem zweiten mußten einige Verspätete auf den Besuch verzichten, bei dem letzten wurde der Saal bereits vor Beginn des Vortrages wegen Ueberfüllung polizeilich geschlossen, so daß viele den interessanten Ausführungen fernbleiden mußten. Die tiesschöpfenden Ausführungen der drei bekannten Dertreter der versäsiedenen Konfessionen hinterließen einen großen Eindruck. Manchem Gegner wird das UeberragenDe der jüdischen Religion Grund zum Nachdenken geben, manch Abseitsftehender wird uns nähergerückt werden, gefühlZ- und verstandesgemäß, mancher Freund wird Kenntnisse davontragen. die er zur Entgiftung und Versöhnung weiter verbreiten wird. Don seiten der C. D. - Mitglieder wurde die Leistung allgemein anerkannt. Manches Mitglied wurde neu geworben. Doch allzu viele hörten wohl gern die Vorträge, freuten sich auch des Erfolges, aber versagen uns noch die Mitarbeit. Nur wenn alle, die unsere Weltanschauung teilen, tätige Mitarbeit leisten, kann der Erfolg der werden, den wir alle vor Augen haben und erhoffen. * Von besonderem Erfolg waren zivei Aufklärungsversammlungen gekrönt, die unsere Ortsgruppen Glatz unö Halle a. d. S. veranstaltet haben. In Glatz sprach vor etwa 400 Juden und Nichtjuden Negierungsrat Dr. Alfons Steiger, der Pressechef im Reichsministerium der besetzten Gebiete. über „Katholizismus und Judentum". Die Glatzer Presse aller Parteirichtungen anb über diesen eindrucksvollen Vortrag ausführliche Berichte. Die „Glatzer Zeitung", ein Organ der Tcutschnationalen Volkspartei, gibt ihn in zwei langen Feuilletons wieder, und wenn sie auch die Stellung des Themas etwas bemängelt, so schließt sie doch ihren objektiven Bericht mit der Bemerkung, daß das Ziel der Veranstaltung, „an ihrem Teile ehrliche, sachliche Aufklärungsarbeit zu leisten, sicherlich in nicht geringem Maße erreicht worden ist". Nach dem Vortrage Tr. Steigers, der, wie die „Glatzer Zeitung" sagt, „eine eminent geistige Leistung darstellt" und der nach Behandlung der Gefahren des Antisemitismus besonders aus. dessen Kirchenfeindlichkeit einging, fand eine Aussprache statt, in der u. a. Rechtsanwalt Foerder (Breslau) auf das Verhältnis der Juden zum heutigen Staate einging. Auch ihm dankte ungeheuerer Beifall. In Halle a. d. S. sprach Professor Julius Goldstern (Darmstadt) vor etwa zweihundert Nichtjuden und hundertfünfzig Juden über „Das deutsche Geistesleben und die Juden". S-eine Ausführungen bildeten, wie die rechtsstehende „Allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland" hervorhebt, „auch für den, der mit allen christlichen und politisch-kritischen Vorbehalten gekommen war, einen ästhetischen Genuß. Er war meisterhaft in der Form, versöhnend und entwaffnend in seiner freimütigen Objektivität, einnehmend in seiner Tendenz". Profesior G 0 l d st ein setzte sich zunächst mit der Rassentheorie auseinander, wies dann nach, wieviel die Juden durch ihre Mitarbeit zur Weltgeltung der deutschen Wissenschaft beigetragen haben und schloß mit dem Gedanken, daß es sich für ihn in erster Linie nicht darum handle, Kampf und Ablehnung gegen die Juden um dieser selbst willen auszuheben, sondern um des gemeinsamen deutschen Vaterlandes willen, dessen sittliche Würde die Unterschiede und Gegensätze gefährdeten, und das darunter schwer leide. Die „Allgemeine Zeitung für Mitteldeutschland" leitet ihren Bericht mit einer Betrachtung über die Zweckmäßigkeit derartiger Ausklärungsvorträge ein. Sie bemerkt: An der Tatsache, daß der deutsche Volksteil jüdischer Konfession um seine Anerkennung nicht nur als Vollbürger, sondern als Volldeutsche kämpft, kann niemand vorübergehen, der es ernst meint mit unserem Staat und unserem Volk. ... Hier sei eine Bemerkung über die Erfolgsaussichtcn des jüdischen Unternehmens eingeflcchten: Dem, der die Zusammensetzung der Versammlung betrachtet hat, müsien sie gering erscheinen. Die Besucher waren zu neun Zehnteln Indem darunter eine große Zahl weiblichen Geschlechts, ein Umstand, der für das starke jüdische weibliche Derbundensein mit den kulturellen und politischen Interessen von Gatten und Vätern zeugt. Trotzdem der Centralverein zweisellos seine Einladungen auch an zahlreiche nichtjüdische Mitbürger hat ergehen lassen, war der Ersolg in dieser Hinsicht nicht groß. Da an sich die Nichtigkeit der Folgerung, mit der Professor Goldstein seine Ausführungen schloß, daß das deutsck)e Volk in feiner heutigen Lage der Zusammenfassung aller zur Verfügung stehenden Kräfte für den Wiederaufbau bedürftig sei und sich deshalb die Abstoßung des jüdischen Dolksteils nicht leisten könne, nicht bestritten Werdern kann, so muß das Fernbleiben der Kreise, mit denen der Centralverein sich auseinanderzusetzen wünscht, und um die er kämpft, beoauert werden." Wie wir schon oben bemerkten, war die Mehrzahl der Zuhörer Nichtjuden: damit fällt die Behauptung der „Allgemeinen Zeitung für Mitteldeutschland" in sich zusammen. Daß wir auf dein rechten Wege sind, beweist ja gerade, daß auch eine Zeitung, wie dieses rechtsstehende Blatt, sich jo eingehend mit dieser Versammlung besaßt und durch ihren ausführlichen Bericht weiteren Hunderten von Lesern die Gedanken, die leider nur von wenigen Hunderten gehört werden konnten, zugänglich macht. Zu der Frage, ob jüdischer Sportverein oder nicht, ist, wie uns geschrieben wird, das Beispiel „Bremen" sehr interessant. Alle silbischen Sportler Bremens sind in einem paritätischen Sportverein, und zwar fast ausschließlich im A. B. T. S. (Allgemeiner Bremer Turn- und Sportverein). Welche Erfolge jüdische Sportler in diesem neutralen Verein baden, ist aus folgendem zu erse!>en: Am 80. Äuglest 1925 war in Bremen ein Sportfest (cs batten ungefähr 40 Vereine gemeldet), an dem auch drei jüdische Mitglieder des A. B. T- S. teilnahmen. Von diesen dreien wurden allein vier erste Siege errungen, und zivar: 400 Meter für Herren : 1. <3 u t tj m a n n; 100 Meter Jugend A: 1. Ernst Meyer; 100 Meter Jugend B: 1. Ginsberg; Wcitsprung Jugend B: 1. Grn 8berg. Bezirks- und Kroismeister für 1928 über 200 Meter und 400 Meter ist Guthmann. Diese Ausführungen zeigen wohl, wie überflüssig jüdische Sportvereine für die jüdische Jugend sind. G. G.