Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 13 (1.4.1927)
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Der Geschäftsbericht zeigte, mit welcher Unermüdlichkeit bisher gearbeitet wurde. Natürlich konnten in der BerichtsM nicht alle Blütenträume reifen. Man täte der Verwaltung unrecht, wollte man nicht zugeben, daß alles getan worden ist, was billigerweise erwartet werden tonnte. Direktor Kareski erstattete den Etatbericht. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildete der vorliegende „Entwurf eines Gesetzes betressend die jüdische Religionsgemeinschaft in Preußen", über den Justizrat Makower referierte. Besonders heftig tobte der Kampf um die §§ 10, 11 und 12. § 10 lautet: „Jeder Jude darf wegen religiöser Bedenken aus der Shnagogengemeinde, der er durch seinen Wohnsitz augehört. austreten. Ter Aus» tritt erfolgt durch Erklärung bei dem Amtsgericht. ... Tie Erklärung muß die Versicl-erung enthalten, daß der Austritt lediglich aus religiösen Bedenken beruht. Sie muß zu Protokoll des Gerichtsschreifers abgegeben werden.' Vor allem die Jüdische Volkspartei glaubte, daß diese Bestimmung nicht scharf genug sei. um einen Austritt lediglich aus Steuergründen verhindern zu können. Diese grundsätzlichen Bedenken wurden nicht als berechtigt anerkannt, so daß die Mehrheit des Hauses die vorgeschlaaene Fassung in den wesentlichen Punkten zum Gesetz erhob. Ein Antrag, die aus der Gemeinde Ausgetretenen noch ihrem Austritt zu Beitragsleistungen an den Landesverband heranzuziehen, wurde nach eingehender Debatte abgelehnt. Biel umstritten war die Frage des Frauenwahlrechts und des Wahlrechts der Ausländer. Im großen ganzen wurde der Entwurf des Ausschusses angenommen. der den Gemeinden in beiden Fällen Autonomie gewährt, jedoch Berfauunasbestimmungen, ..die das Wahlrecht oder die Wählbarkeit der Gemeindevertretung oder die Zugehörigkeit zur Gemeindeversammlung von einer längeren als zweijährigen Mitgliedschaft in der Gemeinde von einer steuerlichen Mindestleistung oder von einer bestimmten Staatsangehörigkeit abhängig machen", für ungültig erklärt. Vor der Schlußabstimmunq gab der Vertreter der Jüdischen Volkspartei eine dahingehende Erklärung ab. daß seine Partei das Gesetz ablehnen müsse, da die Ausländer nicht voll gleichberechtigt, da die Steuerflucht nicht verhindert und Personalgemeinden zu- Selassen seien. Für die Liberalen erklärte Dr. Breslauer, daß ferne ^raktionskollegen das Gesetz annehmen würden, obwohl gerade im Hinblick aus die Möglichkeit der Einschränkung des Frauenwahlrechts, das sie in seiner ganzen Freiheit erstrebt hätten, seine Partei große Bedenken hegte. Ein Teil seiner Fraktion hätte diese Bedenken zuvückgestellt. um auch den religiös Konservativen eine Annahme zu ermöglichen. Trotzdem ließ die konservative Fraktion erklären, nur ein Teil der Fraktion könne dem Entwurf Anstimmen. Das Gesetz wird mit 61 gegen 33, bei zwei Stimmenthaltungen an genommen. Zum Schluß wurde der Etat in Höhe von 1023 000 Mark in den wesentlichen Punkten genehmigt. Allein die Tatsache der Verabschiedung de? Gesetzentwurfes nack) hingebungsvoller Arbeit im Ausschuß und heftigen Kämpfen aus der Tagung bedeutet eine gewaltige Arbeitsleistung. Wenn auch der Landesverband hieraufstolz sein kann, so darf doch nicht vergeffen werden, daß er keine gesetzgebende Körperschaft ist. Er kann zwar Anregungen geben, aber die eigentliche Arbeit wird erst jetzt beginnen, wenn es gilt, die preußische Regierung für den Entwurf zu interessieren und ihn ini Parlament zur Annahme zu bringen. Immerhin werden die preußische Regierung und der preußische Landtag, die verfassungsmäßigen Organe, die dem Entwurf Gesetzeskraft geben müssen, auf den Landesverband hören. Man wird hoffen können, daß der Entwurf in tunlichster Bälde die langgewünschte Regelung des öffentlichen Rechtes der jüdischen Gemeinden in Preußen bringen wird. Ueber e'ne Reihe von sehr unerfreulichen Vorkommnissen im Verlaufe der Tagung wird gelegentlich noch ein Wort zu sagen sein. Geheimnis äse grafe lasse Kaffee heißt: Ähef'sC&£l§' '! Eine davon entlockt der Kaffeebohne eine Fülle von Dtift ttnd Wkklgefchmack und verleibt dem Ge» tränk den vielgerühmieit goldbraunen Schimmer des Carlshader Kaffees, nee bp -uw «Weber’« Carlsbader“ wird hergestellt unter Aufsicht des Rabbinats der Israel. Synagogengemeinde Adass Jisroel zu Berlin. Za beziehen durch: > Anton Alexander. Berlin N24, Oranienburger Strasse 2/3 Ad. Goldschmidt. Berlin C2. Neue Friedrichstrasse 45, Samuel H&aaa, Berlin C 54. Qipssirasst* 12a, . David Bauer. Frankfurt a. Böruedtrasao 29, A. Metzger, Frankfurt &. M., Börnestrasse 39. GeDrntlkchr verfturunlungsn öes v. kn Gösrsch'.rsien, Siatz. Halle ß. ö. S Wir haben in der vorigen Nummer der „E. V.-Zeitung" ausführlich über den glänzenden Verlauf der oberschlesischen E. V.-Woche berichtet. Jetzt wird uns noch aus Aeuthen der Eindruck geschildert, den die Veranstaltung bei nichtjüdischer und jüdischer Bevölkerung dort hinterlassen hat: J. J. Veuthen (Oberschlesien), den 28. März 1927. Der Gedanke, mitzuhelfen an dem Werk, Brücken zu schlagen von Mensch zu Mensch, von Bruder zu Bruder, löste in den Mitarbeitern und Rednern der oberschlesischen E. V.-Woche ein inneres Gehobenfein, eine seelische Freudigkeit aus, die auf die Zuhörer übersprang und die Versammlungen in einer selten erlebten Harmonie verlaufen ließ. Mit Staunen mag inanch einer der vielen, vielen hundert Teilnehmer unserer Veranstaltung entdeckt haben, wie auch er mit allen Fasern seines Wesens zu uns gehört; wie er nicht etwa nur Mitglied eines Vereins, wie es deren nur, ach, zu viele gibt, sondern feoen einer großen lebendigen Bewegung ist, deren Ideale: Liebe zum Vaterland und Treue zum angestammten Glauben, auch die Leitsterne seines Lebens sind. Als in Leobschütz Rabbiner Dr. Me l ch i o r aus Beuthen nach einem lehrreichen Vortrag über den Schulchan Aruch und nach Widerlegung der gegen dieses Gesetzeswerk von den Judenfeinden erhobenen Angriffe der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Gemeinde trotz aller Widerstände recht bald in der Lage sein möge, einen geregelten SabbatgoLtesdienst abzuhalten, da fand er in txrr von fast allen ortsanwesenden Eemeindemitgliedern besuchten Versammlung freudige Zustimmung, und man 'bat ihn, recht bald wiederzukehren und über Gottes Wort und Gottes Gebot zu sprechen, über die Heiligung des Sabbats und die Weihe des Gottesdieuftes. Einen Abend vorher hatte Lehrer Nosenthal nach einem Vortrag über ..Jüdische Erziehungsfragen" in der kleinen jüdischen Gemeinschaft in dem Jndustriedors Mikultschütz die Forderung erhoben, daß man wenigstens einmal in der Woche Zu einem gemeinsamen Gottesdienst Zusammenkommen möge. So wirkt der E. V. nicht nur als Zaun, als Schutzwehr, in deren Frieden das religiöse und kulturelle Leben unserer Gemeinden aufblühen soll, sondern auch als Anreger und Mittler. Wie Bileam Israel einst fluchen wollte und es segnen mußte, so wird auch der Judenhaß, gedacht als unser Verderber, Zu unserem Erwecker. der uns Zwingt, uns auf uns selbst zu besinnen, aus unser Judentum und ackf unser Deutschtum. Wie bei den jüdischen Teilnehmern unserer Veranstaltungen die Verbundenheit mit unserer Bewegung heraussprang wie das Feuer aus dem Stein, so zeigte sich bei den christlichen Besuchern unserer Ausklärungsversammlungen das Verständnis für unsere Probleme und der Wille, mitzuhelftn ans Gründen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit und vor allem, weil man erkannte, daß auch hier ein tüchtiges Stück Wiederausbauarbeit am deutschen Vaterland geleistet wird. Die politisch und kulturell führenden Kreise nahmen an den Aufklarungsversammlungen teil. Ihre Absicht, sich über die Judenfrage weiter au unterrichten, kann man daraus erkennen, daß die ausliegenden Broschüren „Dom Heimatrecht der deutschen Juden" und viele andere dankend angenommen und die Zusendung weiteren Schrifttnaterials erbeten wurde. Die Front derer, die guten Willens sind, hat sich als größer erwiesen, als wir je gedacht. Die Veranstaltungen haben in der Oeffentlichkeit einen starken Widerhall gesunden. Fast die gesamte oberschlesische Presse hat sie wiederholt in ausführlichen, zum Teil mehrspaltigen Artikeln behandelt. So lesen wir z. B.: .Lusammenschluß deS Judentums. Eine Werbewoche in Oberschlesien. ... Zu diesen Versammlungen war auch der gerecht denkende Teil der christlichen Bevölkerung eingeladen. Ein großes Stück bochschatzensrvcrter Arbeit ist in diesen Versammlungen geleistet worden. Mandls ungerechte Vorurteil über die Juden wurde beseitigt, der wüsten H?tzürbeit> gegen das Judentum ein verständliches uny wirksames Halt zugerusett. Die oberschlesische Bevölkerung jeder politischen Anschauung, jeder Wirtschastsgruppe und jeden konfessionellen Bekenntnisses hat wahrlich in den schweren Tagen der Notzeit andere Sorgen und Ersprießlicheres zu tun als gegenseitige Anfeindungen und Beschimpfungen. Der Landesverband des E. V. hat mit seiner Werbewoche in vorstehender Hinsicht ein erfreuliches Kulturwerk begonnen, dem man nur den besten Erfolg wünschen kann." (,,D eroberschlefischeWanderer", Jahrg. 99, Nr. 71.) „ . . . In durchaus sachlicher, bcweißsühreuder Weise entkräftete er (Dr. Norbert Einstein) alle gegen das Judentum von ihm ntdjt wohlwollender Seite aufgestellten Behauptungen . . .* („Oberschlesische Dolksstimme", Jahrg. 53, Nr. 83.) r> » die Versammlung . . . , die sicherlich dazu beitragen wird, daß die Gegensätze durch Sachlichkeit übcrbrückt werden zum Heile des ganzen Volkes." (,.O berschlesische Zeitung", Jahrg. 23. Nr. &J-) . Echter Katholizismus und Antisemitismus sind unvereinbar." („Allgemeiner Lokalanzeiger". Jahrg. 4, Nr. 53.) i., " Die Ausführungen des Redners wurden von der Versammlung, dievon Rechtsanwalt Lentschütz geleitet wurde, mit starkem Beifall ausgenommen. (,,D o l l § b t a 1t", Jahrg. 6, Ta. 70.)