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Central-Verein-Zeitung · 1927-03-25 · 12 (25.3.1927) · p. Seite 154

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
12 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
Seite 154 (sequence 6)
Language
German
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154 Feierlicher Auftakt in Beuthen. — Die Versammlung über- , füllt. —Stark besuchte außerordentliche Dclcgicrtentagung. — Kundgebungen in Hindenburg, PciSkretscham, Grotz-Strehlitz. Unter großem Andrange wurde am letzten Sonntag die C. V.« Woche in- Ober schlefien durch eine seierlicl)e Kundgebung, -im stimmungsvollen Bogensaal zu BeuLhen eröffnet. Justizrat Skalier, der Vorsitzende unserer Beuthener Ortsgruppe, begrüßte im warmen Worten die Gäste aus Berlin und aus ganz Oberschlesien. Er streifte kurz und treffend die Lage des oberschlesischen Judentums, insbesondere die Verhältnisse in Beuthen, wo schon mancher Strauß mit den völkischen Gegnern auszufechten war. Rabbiner Dr. Braunschweiger (Oppeln), -der Vorsitzende des Landesverbandes Oberschlesien, zeichnete in packender: Bildern die Einstellung unseres C. V. Gleich wie Mose im Kampfe gegen Amalek von bewahrten Freunden rechts und links gestützt wurde, so stütze die religiös rechts wie links eingestellten Kreise die Leitung unseres nichtigen Vereins in treuer Kameradschaft. Tie Vorsehung habe gerade, in diesen Tagen den Mann aus unserer Mitte genommen, der zur ober schlesischen Woche als der Trefflichsten einer herzlich hier erwartet wurde: Paul Nathan. Ihn: wie dem im Kampfe gegen Unrecht und Verkennung nimmermüden und aufopferungsvollen, uns entrissenen Hugo S o n n e n f e l d. selbst ein Oberschlesier, gebühren hohe Dankbarkeit und stilles Treugelöbnis in diesen Stunden. Moritz A. Loeb (Berlin) als Vertreter des Hauptvorstandes, überbrachte herzliche Grüße und warme Tankes- Worte des Hauptvorstandes des E. V. Gerade er als Vertreter des konservativ eingestellten Judentums müsse stets anerkennen, mit rvelcher echten Neutralität der Eentralverein es rerstanden habe, keiner religiösen Richtung nahezutreten, keine zu bevorzugen, sondern alle in seit langen Jahren segensreicher Zusammenarbeit zum Kampfe gegen den unerbittlichen völkischen Gegner zusammenzufassen. Moritz A. Loeb feierte die Oberschlesier als bewährte Mitarbeiter in den jüdischen Körperschaften der Reichshauprstadt und dankte für die aufrichtige Gastfreundschaft, die allen Gästen in Beuchen entgegengebracht werde. Tr. Norbert E i n stein (Berlin) Zeichnete -dann kurz und scharf die gegenwärtige Stellung des deutschen Judentums in der deutschen Wirtschaft. Wenn heute die Volki-schen mit großem Aufwand und geschäftiger Planmäßigkeit „Kapitalismus" gleich „Judentum", „deutsche Wirtschaft" gleich „verendete Wirtschaft" setzten, so sprechen die Tatsachen d.rs Gegenteil aus. Tie statistisch nachweisbare Entwicklung der deutschen- Wirtschaft zur Konzernbildung zeige, daß die Juden, die mehr privatwirrschaftlich eingestellt seien, eine führende Rolle dabeidurchaus nicht spielten. Dr. Alfred Wiener (Berlin), der Syndikus des C. V., legte „Geistige Strömungen im Deutschtum 'und Judentum" bloß. Indem er die nationale Idee und die Rassenidee geschichtlich entwickelte und ihre Wechselbeziehungen zur Politik ausdeckte, entwarf er ein Gemälde aus der völkischen Gegemvart' die die Rassenidee vollkomnren verzerrt, die nationale Idee zur nationalistischen Idee übersteigert und die vermeintliche „rassische", moralische und religiöse Minderivertigkeik der Juden als schwarzen Hintergrund für ihre weißleuchtende, mitleeren Worten beanspruchte Vollwertigkeit braucht. Nach der jüdischen ^eite hin zeichnete der Redner die Entwicklung der na t-ionaljüdi scheu Idee in Deutschland nach dem Kriege. Trüge nicht alles, so sei die große Aehnlichkeit der Entwicklung des deutschen Zionismus mit dem amerikanischen unverkennbar. Deutliche Worte fand der Redner gegen manche Kreise des deutschen Judentums, die aus einem bedenklichen Ruhebedürfnis heraus aus der Ne u t r a I i t ä t eine Weltanschauung machen '.wollten. So verständlich Neutralität innerhalb von Organisationen sei, so unerfreulich wäre es, -lvenn man sich -in Fragen letzter Art, in Fragen der Weltanschauung für neutral erklärte. Charaktervolle, ausgeprägte Weltanschauung zu besitzen und, überall .wo nötig, in würdigen, aber bestimmten Formen zu vertreten, sei ' das Erwünschte. Arbeite auch der Eentralverein schon immer daraus hin, daß indische Gegensätze in maßvoller. anständiger Art gewürdigt und notfalls-ausgetragen werden, so können znm Beispiel Zionisten und Centralvercinsanhanger keinesfalls wünschen, daß die Letzten, nicht austilgbaren Gegensätze zwischen beiden Einstellungen verwischt rverden. Am Nachmittage ging die außerordentliche Landes- .Verbandstagung unter Leitung Tr. Braun sch weigers vor sich, die von annähernd 50 Delegierten aus Obersckstesien und annähernd ebensoviel Gästen aus Beutheu stattlich .besucht war. . Nach Berichten des Vorsitzenden und des Syndikus des oberschlesischen Verbandes Tr. Ja ko bo Witz (Beuthen) über die Arbeit m Oberschlesien, in denen wichtige Mitteilungen über die Arbeit bei den jüngsten Kommunalwahlen, über die Versendung der Monatsausgabe und der Aufklärungsschriften an mchtjüdifche Kreise, über die Veröffentlichungen in der Presse, über bedeutsame Prozesse und vieles andere gemacht wurden, sprach Moritz A. Loeb (Berlin) über „das positive Programm des C. V." Er wies überzeugend denoft zu vernehmenden Vorwurf von der „negative n" Abwehrarbcit Klrück. Die gesamte Arbeit auf dem Gebiet der Aufklärung, der Rechtspflege, des Boykotts usw. sei ausgesprochen positiv. - Nach der jüdischen Seite hin sei die -inunet stärker werdende Belehrung durch die Schriften des Philo-Verlages warm zu begrüßen. Hier aber gäbe es noch ein weites Feld für die Betätigung des E. V., da die Unwissenheit auf jüdischem Gebiete immer..noch sehr beklagenswert sei. Tr. Alfred Wiener gab einen umfassenden vertraulichen Bericht über die Arbeit der Zentrale, der die Leistungen, die Pläne -und die neuen Ausgaben des Centralvereins unter Würdigung der politischen Lage klarstellte. Für manche Anwesende wurde dadurch die manchmal aufgeworfene Frage: „Was tut der Eentralverein V im schönsten Sinne beantwortet. Eine Aussprache, an der die Herren ^Lehrer Rosen thal (Beuthen), Rabbiner E l l g u t h e r (Neiße), Lanitätsrat Bloch und Justizrat Skalier (Beuthen), Tr. Einstein (Berlin) sich beteiligten, schloß sich an. Nach einem Schlußwort Tr. Wieners schloß mit herzlichen Abschiedsworten Rabbiner Tr. B ra un schw e i-ge r die glänzend besuchte und glänzend gelungene Tagung. In Hindenburg fand am Montag, 2k. März, unter Vorsitz von Herrn Rechtsanwalt L e n t sch ü tz eine stark besuchte Kundgebung statt, der gegen 300 Personen beiwohnten. Moritz A. Loeb, Mitglied des -Hauptvorstandes, und Syndikus Tr. Alfred Wiener sprachen „Gegen äußere Feinde und innere Würdelosigkeit". Moritz A. Loeb bewies in überzeugenden Darlegungen die Notwendigkeit des C. V., seine hervorragenden Leistungen nnd beträchtlichen Erfolge. Tr. Wiener gab einen Ueberblick über die Ausbreitung des völkischen Gedankens. Ter Redner wandte sich dann verschiedenen Würdelosigkeiten im jüdischen Lager zu; er forderte von jedem jüdischen Deutschen ein vorbildliches Leben in Beruf und Familie, Liebe zur angestammten Religion und opferwillige Hingabe ans Vaterland. In der Anssprache forderte Rabbiner Tr. Viktor dringend die Pflanzung jüdischer Sitten in die Jugend. Ein zündendes Schlußwort M. A. Loebs beendete diese bedeutsame Kundgebung, die in Hindenburg auf lange unvergessen sein wird. In einer öffentlichen Aufltärnngsversammluug in Peiskretscham sprach Rechtsanwalt Foerder (Breslau) über „Deutschland und Judentum". An der Versammlung, die unter Vorsitz von Zahnarzt Tr. Herrnstadt vor sich ging, nahmen viele geachtete nichtjüdische Persönlichkeiten mit größten: Interesse teil. Rechtsanwalt Foerder wies die llnhaltbarkeit und die Gefahren der Nassentheoricn nach. Rechtsanwalt Lustig (Gleiwih) gedachte der sechsten Wiederkehr der oberschlesischen Abstimmung, die deutsche Nichtjuden und Juden zu einer einheitlichen Front zusammcngeschlossen hatte. An: 9.U o n t a g fand in Groß-Srrehlitz eine öffentliche Dersammlung statt, bei der etwa 70 Teilnehmer, unter ihnen Landrat, Bürgermeister, Gymnasialdirektor, Postdirektor -und viele Mitglieder der Lehrerschaft anwesend waren. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten sie den Ausführungen Tr. Norbert Einsteins über „Tie Leistungen der deutschen Juden für den wirtschaftlichen Wiederaufbau". Nach kurzer Diskussion konnte die Versammlung, die unter Vorsitz von Rechtsanwalt N a u m a n n reibungslos verlaufen war. geschlossen werden. Sie stellt ebenso wie die anderen Veranstaltungen in Oberschlesien einen vollen Erfolg in den: Kampfe des Centralvereins für Wahrheit und Recht dar. Die Overchsteissche C.V.-Woche hat auch m der oveisschlejsschen Presse lebhaften Widerhall gefunden. CX €IN -HOCflG-ENU/jT 8 EMItfc* \WE KKS./CHWABZECBÖDEII. IEIP2I&

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