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Central-Verein-Zeitung · 1927-03-18 · 11 (18.3.1927) · p. Seite 140

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
11 (18.3.1927)
Date
1927-03-18
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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I? ‘ 140 V - 1 vom Kompf gegen üas Schächten. Ein Schachtfilm. — Dr. Klein alS Schächter. — Die Tierquälereien der Jagd und der ländlichen Schlachtung. — Was mutig und ehrenvoll wäre! Die Halbmonatsschrift „Deutsche Schlachthof-Zeitung" hat sich in letzter Zeit wiederholt mit der Schächtsrage befaßt. Von gegnerischer Seite hat sie insbesondere dem Schlachthosdirektor Dr. Klein (Lennep) und dem Professor Dr. Mar 31t ü l l e r (München) zu ausführlichen Artikeln das Wort gegeben. T-en Ausführungen des letzteren, der Artikel gleicher Tendenz auch in den „Münchener bleuesten Nachrichten" veröffentlicht hat, ist Rabbiner Dr. Eschelbach er (Düsseldorf) in einem kürzlich in oer gleichen Zeitung veröffentlichten Aufsatz wirkungsvoll entgegengetrctem Dr. Eschelbacher weist nach, daß der eigentümliche Versuch Müllers, den Juden zu beweisen, sie verständen ihre Religion grundfalsch, wenn sie das Schächtverfahren für geboten halten, völlig haltlos und unbegründet ist. Den Aufsätzen von Dr. Klein tritt u. et. Gemeindetierarzt Tr. Platschet (Berlin) in der „Deutschen Schlachthof - Zeitung" 1927, Nr. 2, entgegen; er nimmt in einem Aussatz: „Zum Widerstreit Dr. Klein—Dr. Jrmack" Bezug auf eine Polemik, die sich an die Verhandlungen über das Schächten bei der Versammlung der deutschen Gemeindetierärzte in Düsieldorf Zwischen Dr. Klein und dem Berliner Obertierarzt Dr. I u n a cf angeschlosien hat. Die folgenden Ausführungen daraus dürften auch für unsere Leser von Jnteresie sein: „Dr- Klein hak in Düsseldorf Bezug genommen auf den. von ihm aufgenommenen Schachtfilm ... Es stellte sich aber bei einem ' von mir ausgehenden Zwischenruf heraus, nicht ein Schächter, sondern Dr. Klein selbst hat geschachtet . . . Man wiiä> einem Experimentator, der ohne Ausbildung den S ch ä ch t s ch n i t i sclbst ausführt und der Gegenseite verwehrt, seinen j}üm einer Nachprüfung zu unterstehn, den Vorwurf einer gewhlen Subjektivität nicht ersparen können/ Und gegen Junack sich wendend, schreibt Dr. P l a t s ch e k: „Gegen Vorkourmnisie, die sich leider zu Hunderten und Tausenden auf Jagden, Treibjagden und beim Töten der Schlachttiere auf dem Lande zeigen, vorzugehcn, wäre die vornehmste ethische Aufgabe jedes Tierschützlrrs. Die Mitwirkung der Ticr- . ärzte an diesem wahrhaft Humanitären Bestreben würde das Ansehen unseres Standes nicht weniger heben, als ein leidenschaftlicher rücksichtsloser Kampf gegen ein ordnungsgemäß ausgesührteS rituelles Schächten. Ehrenvoller, weil mutiger, würde dieser Kamps sein, weil er gegen eine weitgestreckte mächtige - Phalanx einflußreicher Mitbürger zu sühretr wäre, im Gegensatz zu einem Kampfe, der weniger Tapferkeit erfordert, weil er nur gegen eine kleine konfessionelle Minderheit geführt zu werden braucht." M. Die bösen jüdischen Erfinder. Auch die Rassentheorie jüdisch. Wer hat die Rassentheorie erfunden? Wer hat die Rasse zum ersten Male verwendet zur Erklärung aller entscheidenden Tatsachen der Geschichte? Bisher galt es als ausgemacht, daß dem Grafen Gobineau der Preis hierfür gebühre. Diese Meinung wird sich nach der Arbeit des Profepor K o e h n e nicht mehr aufrechterhalten lassen. Koehne hat im „Archiv für Raffen- und Gesellschastsdiologie", Band XVM, Heft 4, (I. F. Lehmanns Verlag, München, 1926) „11 n t c r {u d) u n q e n ü b e r Vorläufer und Quellen der Rassenth eorie des Grafen Gobineau" angestellt, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erweisen, daß nicht Gobineau. sondern D'Israeli der Erfinder der Raffentheorie ist. Die Gründe, die Koehne für die Priorität D' Israelis ansührt, find kurz folgende: D'Israeli hat — ähnlich wie Voltaire — seine philosophischen und politischen Gedanken in feinen Romanen nieder-- gelegt; in ihnen wird die Bedeutung der Raffe für die Weltgeschichte ähnlich wie bei Gobineau verfechten, nur daß D'Israeli den Juden und Arabern die Rolle zuerkenut, die bei Gobineau die „Arier" spielen. D'Jsraelis Romane „Eonin^b^", „Sybel“ und „Tancred“ wurden 1844 bis 1847 veröffentlicht. Dagegen erschien der erste Band des Go« bineauschen „Essai sur rinegal it6 des races humaines“ erst 1853. Versaßt ist der 1. Band dieser Raffendichtung im Jahre 1851. Wichtiger ist noch für die Prioritätsfrage, daß Gobineau bis 1850 Auffassungen gehuldiat hat, die denjenigen des Essais widersprechen. Koehne aibt dafür sechs aufschlußreiche Belege von entscheidender Beweiskrafr. Koehne weist aber auch nach, daß Gobineau von D'Israeli mittelbar und unmittelbar beeinflußt worden ist. Zum Beweise setzt er Textstellen aus den Romanen D'Jsraelis neben solche aus dem Esiai: Die Uebereinstimmung ist verblüffend, wobei iuuncr zu bedenken ist, daß Gobineaus Essai mehrere Jahre später als die Schriften D'Jsraelis erschienen sind. Dazu kommt, daß Gobineau sich Nachweisbar mit englischer Literatur beschäftigt hat, und daß die .chlevuo des Deus Mondes“, zu deren Mitarbeitern Gobineau gehörte, mehrere wertvolle Aufsätze über D'Jsraelis Woniane veröffentlichte. Auch persönliche und gesellschaftliche Beziehungen bestanden zwischen dem englischen Staatsmann und dem Franzosen, und zwar zu einer Zeit, wo Gobineau noch nichts von Bedeutung veröffentlicht hatte. Nach alledem muß man daher dem zusammmwsienden Schlußwort Koehnes bepflichten: .daß D'Jsraeli 8 Ansichten auch st a r k e n Einsluß auf die einschlägigen Lehren Gobineaus geübt Ijaten." Dieses Resultat hat aber noch einen pikanten Beigeschmack. Ist eS nicht tragisch, .daß die Aüerweltserklärung der Antisemiten: „Odereber le Juif“ nun einmal wirklich zutrifst, und zwar bei einer Theorie, mit der diese Herren jahrzehntelang den Geist — besser: Ungeist — ihrer Arbeiten bestritten haben? Sollte dein Witzwort des SimPlizissimus, cs gehe mit dem Antisemitismus erst dann recht vorwärts, wenn ein Jude die Sache in die Hand nehme — sollte dieses Witzwort doch mehr sein als ein Wort des Witzes? In diesen Blättern ist schon immer die materialistische Theorie bekämpft worden, die den Geist zum Produkt des Blutes macht. Nun entscheidet aber für die Raffegläubigen die jüdische .Herkunft einer Theorie über Unwert und Unwahrheit ihres Inhalts. Die Raffcntheorie stammt nicht von einem adeligen Gascogner, sondern von einem Juden, das ist — ohne Ironie! — in einer Publikation des rühmlich bekannten Verlages von Lehmann München) nachgewiesen worden. Also: Man ziehe die Konsequenz, die man sonst zu ziehen so leicht geneigt ist, und sage: Die Rassentheorie ist em jüdischer Schwindel! Wir stehen in diesem Falle nicht an, unsere Meinung, sie sei ein „arischer" Schwindel, endgültig aufzugeben. I« G Ein schamloses Dilö. Hitlers „Illustrierter Beobachter". Mit dem gesprochenen Wort kam man nicht mehr recht vorwärts. Auch das gedruckte Wort verlor seine Eindruckssähigkeit, denn wie sehr man auch Superlative gebrauchte, in blutrünstigen Wendungen sich bewegte und beinah hörbar schrill sich zu äußern bemühte, langsam stumpften das Ohr und das Auge des Lesers ab. Doch die Herren um Hitler und seinen Kreis sind moderne Agitatoren! Wenn das gedruckte Wort nicht mehr ausreicht, nun, so zeichnet man nach bewährten, so oft als jüdisch abgetanenen Vorbildern die Dinge, die das Volk in Haß und Empörung gegen das Judentum hineintreiben sollen, zeichnet sie mit einer Phantasie, die die Vermutung s a d i st i s ch e r Gedankengange und Empfindungen beim Zeichner nahelcgt. Aus dieser Gesinnung, mit diesen Zielen und mit diesen Mitteln ist dem „Völkischen Beobachter" seit einiger Zeit der „I l l u st r i er t e Beobachter" an die Seite getreten. Jede Nummer enthält eine Seite „Der Iud e n s p i c ge 1", und eine ganze Anzahl dieser Rubriken war mit Betrachtungen über den R i tu a lm or d i n Berga n g e n h e i t und Gegenwart erfüllt. Man wartete nicht ab, bis die Osterzeit nahte, schon im Dezember fing man damit an, um sich in der Nummer 2 zu folgendem „Gipfelpunkt" zu erheben. Unter der Ueberschrist „Gibt es einen Ritualmord?" erscheint eine kurze, irreführende und unwahre Darstellung angeblicher, von Juden zu religiösen Zwecken begangener Ritualmorde, und gekrönt werden die Ausführungen durch ein Bild, das kurz beschrieben werden muß: Irr einem Kcüerranrn befindet sich eine Gruppe Anden. Diese trage» zum grössten Teil Sabbatklcrdnng und ANlinderhüte. Einer steht im Gebet versunken und mit Gebetricmcrr angetan, ein Zweiter lugt um die Kellertreppe, um sie vor Lauschern zu schuhen, (yttte Anzahl weiterer Juden halt einen Knaben über einen Eimer. Die Füsie des Knaben sind mit Stricken an einen Haken gebunden, so daß er in der Lust schwebt. Mit einem Schächtmesier ist ihm die Kehle durchschnitten und daö Blut strönrt in den Eimer, ein riesiger Knebel verhindert das Schreien. Eine Anzahl preußischer Polizeiverwaltungen hat durch die allgemeine Ermächtigung des § 10 II 17 A. L. R. das Aushängen dieser Zeichnung in Schaufenstern verhindert. Eine dauernde Beschlagnahme wäre freilich nur dann möglich, wenn die Staatsanwaltschaft in der Darstellung eine Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinschaft und eine Aufreizung der nichtjüdischcn Bevölkerung?- kreise gegen die Juden erblickt. Und es scheint, erfreulicherweise, als ob sich nach anfänglichem Zögern die Staatsanwaltschaften zum Einschreiten entschlossen haben. Das scheint auch der „Illustrierte Beobachter" selbst gespürt zu haben, wie er in der letzten Nummer vermerkt, um daran eine angeblich wissenschaftiche Betrachtung über das „Ritualmord"- Problem anzuschließen. AVer was nun folgt, ist eine Aufzählung zusammengclesener Bemerkungen zum Problem des Menschenopfers, der Verwendung von Menschenblut für medizinische und religiöse Zwecke. wobei 500 und mehr Jahre zurückliegende Legenden als historische Tatsachen, als wissenschaftlich nachgeprüfte Beweise angegeben werden. Im „Illustrierten Beobachter" wird dabei mit unverhüllter Deutlichkeit behauptet, daß das Judentum im N i tu al mo rd einen religio ns gesetzlich gebotenen Akt sehe, in die Sprache des Gesetzes vertragen, daß es sich beim Ritnalmord um Einrichtung oder Gebrauch der fubtfd^cn Lehre handelt. Wir haben die notwendigen Schritte zur Begegnung dieser Beschimpfung eingeleitet. Hg. i i [ i s I i EM Wiedereröffnung 26. März C.

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