Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 11 (18.3.1927)
- Date
- 1927-03-18
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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■o 6 O o f I I I i t J ZNG MEMVNNS- ZZZV VZMrssZM- LNZr KttEsMWgt Tie Sorgen der Juden in Oberschlesien haben ein k'-eneZ Zeucht. Schärfer sind an des Reiches Grenzen die Gegensätze ausgeprägt, auch im jüdischen Lager. Härter als in den übrigen Gauen T-eutschlands hatten die Juden hier in den Rachkriegsjahren unter der Geißel des Judenhasses Zu leiden. Tie Polenputsche, der mit allen Mitteln der Verhetzung geführte Absiimirumgskampf wühlten die Bevölkerung seelisch tief auf. Tie Erbitterung über die ungerechte Grenzziehung, die Zerreißung des Wirtsäxfflskörpers der oöerschlesischen Industrie und die damit verbundenen schweren wirtschaftlichen Schäden, die durch den deutsch-polnischen Handelskrieg noch vergrößert wurden, die wie in allen Jndustrierevieren außerordentlich große Arbeitslosigkeit im Verein mit einer durch die vielen Flüchtlinge aus dem abgetretenen Gebiet übersteigerten Wohnungsnot bereiteten der Zuerst von den Freikorps des Grenzschutzes eingeschleppten judenseindliä-en Verhetzung ein sruchtbares Feld. Zwei außer den allgemeinen Reichstagswählen notwendig gewordenen ReiclMagssoriderwaksten machten Oberschlesien zum Tummelplatz der berüchtigsten völkischen Agitatoren. Pogromwitterude Horden durchzogen die Straßen, den friedlichen Bürger und insbesondere den Juden mit Gewalttat bedrohend. Aber Deutschsoziale, Deutsch völkische und zuletzt Rationalsozial i st e n mußten nacheinander erkennen, daß die arbeitsame oberschlesische Bevölkerung auf die Tauer mit judenseindlichen Phrasen nicht zu benebeln ist. Die vor wenigen Wochen stattgesundenen Konrmunalwahlen brachten den völligen Zusammenbruch der völkischen Parteien. Vielfach gingen sie leer aus, und in kein Stadt- oder Kreistagsparlament zieht mehr als einer ihrer Vertreter wieder ein. Ein nicht geringer Anteil an der Wiederkehr des inneren Friedens ist der unermüdlichen Aufllarungs- und Abwehrarbeit des Eentralvereins zuzuschreiben. Aber immer mehr stellte sich bei dieser heraus, daß die jahrelange Verhetzung selbst bei dem gerechtdenkenden Teil der christlichen Bevölkerung vielfach ein Zerr- W von den Juden hervorgebracht hat, daß durch die ständige Wiederhcümg gewisse Phrasen von der jüdischen Weltherrschaft, der Vormacht des jüdischen Bankkapitals, der Beherrschung der Presse durch die Juden mid viele andere selbst in vorurteilsfreien Köpfen zu Axiomen zu werden drohten. Hierüber in den führenden nichtjüdifchen Kreisen Klarheit zu sä)assen, sollen die in der nächsten Woche stattsindenden Aufklärungsversammlungen dienen. Ties die eine Seite der C. D.-Woche. Niä)t minder wichtig die a n d e r e Aufgabe. In zahlreichen jüdischen Gemeindeversammlungen sollen vor unseren Mitgliedern und Freunden die verschiedenartigsten Themen behandelt werden, die, wenn sie auch nur einen kleinen Ausschnitt aus dorn Arbeitsbereich des C. V. aufzeigcn können, doch von dem Reichtum der Probleme und Jntereflengebiete unserer Bewegung Zeugnis ablegen sollen. Neue Freunde und vor allem Mitstreiter sollen für unseren Kampf gewonnen. die alten über den Stand unserer Arbeit und neue Methoden unterrichtet, die Mitglieder des Hauptvorstandes und der Zentrale über die Wünsche und Strömungen draußen im Laude informiert werden. Wenn unsere Freunde aus dem Reich sich in diesen Tagen zur Fahrt nach Oberschlesitn rüsten, so wissen sie, daß ihnen unsere Heimat nicht den Luxus der Großstädte, nicht den Reiz einer dczaul^rnden Natur zu bieten vermag. Tage ernster Arbeit harren ihrer hier. Daß sie eine gesegnete sein möge, wünschen wir ihnen und rufen ihnen in diesem Sinne zu ein herzliches „Glückauf!" D r. I a k o b o w i tz, Syndikus des Landesverbandes Oberschlesien des C. D, Veranstaltungen der 6. V.-Woche. Sönntag,den 2 0. M ii r z. BEUTHEX: Vormittags 11 TJlir Vorträge: M. A. Loeb (Berlin) und Dr. AITrcvl Wiener, Syndikus des Ccntralverelns (Berlin): Geistige Strömungen in Deutschtum und Judentum. Dr. Norbert Einstein: Deutsches Wirtschaftsleben und Deutsches Judentum. — Nachmittags: Ausserordentliche La ndesverbandstagung: 1. Dr. Wiener: Bericht über die Arbeit der Zentrale. 2. M. A. Loeb: Ein positives 0. V.-Profcromm. 8. Dr. Norbert Einstein: Die wirtschaftlich«* Lage des Jüdischen Blittelstandes. 4. Ihabb, Dr. Braunschweiger: Bericht des Landesverbandsvorstandes. 5. Dr. Jakobowltz: Aus der Arbeit der Ortsgruppen und des Landesverbandes. 6. Allgemeine Aussprache. — Abends 8 Uhr: Prclskrctscham: Rechtsanwalt Foerdcr (Breslau): Oeffentliche Aufklürungsversammlung: Deutschtum und Judentum. tag, den 2 1. M fi r z. IIIlVI>EtfBUKCl (O/S.): Dr. Alfred Wiener: Gegen äussere Feinde und innere Würdelosigkeit. «L A, Loeb: .Gegenwartsfragen des deutschen Judentum#, C2 R.- STREIITZ: Oeffentl. Versammlung. Dr. Norbert Einstein: Die Leistungen der deutschen Juden für den wirtschaftlichen Wiederaufbau. Dienstag, den 2 2. März. OPPELX: Versammlung nur für geladene nichtjüdische Gäste. Dr. Norbert Einstein: Wer beherrscht die Wirtschaft in Deutschland. BATIBOK: Dr. Alfred Wiener: Gegen äussere Feinde und innere Würdelosigkeit. TOST: Fritz Leich (Beuthen): Die Juden als Rasse- und Kulturvolk. Mittwoch, den 8 3. März. HISDEXBÜBd: Aufklärungsversammlung vor geladenen Gästen. Dr. Norbert Einstein: Die volkswirtschaftliche Struktur Deutschlands und die Stellung der Juden in der deutschen Wirtschaft. 1EOBSCHUETZ: Rabb. Dr. Melchior (Beuthen): Die Angriffe auf den Schulchan Aruch. COSEL: Studienrat Dr. Theodor ((Beuthen): Aus Tharaudschen Judenromanen. 3fIK€LT- SCHULTZ: Lehrer Iiosenihal (Beuthen): Jüdische Erziehungs fragen. Donnerstag, den 2 4. Märzt KBETZBrßß: Rechtsanwalt Dr. Tarnowski (Breslau): Die Rechtsnot der deutschen Juden. IV JE I & & E : Dr. Ernst Franke) (Breslau): Der geistige Kampf für unser deutsches Judentum. NEUSTADT (O.S.): Studienassessor Dr. Ernst Fischer (Xeisse): Jud Süss, eine zeitgemässe Reminiszenz. KÄTSCHER: MiUelschullehxer Levi (Leobschütz): Jüdisch» Internationale? Sonntag, den 2T. März. L AXCE\DOBF (T3L REIS CIEIIVITZ): Oeffentl. Versammlung. Rechtsanwalt Dr. Hans Reichmann (Hiadenburg): Deutschtum und Judentum. Billige Neligionsbeschimpfung. Wir battetr in der Nt. 38 M Vorigen Jahrgangs unserer Zeitung berichtet, daß Tr. Arthur Tinter und 50 weitere Abgeordnete, Beamte, Lehrer, Rektoren, darunter bte führenden Männer der Völkischen Bewegung, einen „öffentlichen Ausruf gegen die Verurteilung des völkischen Altmeisters Theodor Fritsch" unterzeichnet hatten und die „Schlesische V o l k s ft i m m e“ vom 4. September v. I. diesen Aufruf veröffentlicht halbe. In diesem war zu einer Neuregelung der Rechtsverhältnisse der deutschen Juden aufgesordert und unter anderem gesagt worden: „Ter heutige sittliche und wirtschastliche Tiefstand unseres Vaterlandes ist teils unmittelbar, teils mittelbar die Folge der sittlichen und wirtschaftlichen Zersetzung und Ausbeutung durch die Juden . . . Tie jüdische ReligionsgemeinschafL ist nichts anderes als ein inmitten des deutschen Staates unter dem Schutze der deutschen Staatsgcsetze stehender, dem deutschen Volk und Staat feindlicher Staat . . * Tie „Schlesische Volksstimme" war seinerzeit beschlagnahmt und gegen ihren verantwortlichen Redakteur Strafverfolgung wegen Aufreizung zum Klassenhaß und wegen Rcligionsbeschimpsung eingeleitet worden. Am 2. März fand die Hauptverhandiung gegen den verantwortlichen Redakteur der^ „Schlesischen Volksstimme" statt. Er wurde gemäß dem Anträge des Staatsanwalts wegen Aufreizung zu 30 Mark und Wegen Vleligionsbeschimpiung zu 70 Mark Geldstrafe verurteilt. — Drei Tage später bekam ein Mitbürger, der einem cutderen gegenüber das br» kannte Zitat des Götz von Berlichingen zur Anwendung gebracht hatte, 60 Mark Geldstrafe. Ties zum Vergleich. MN «über den Morgenkaffee Mögt, über seinen oft harten. bitteren Gefchmack, sein dünnes oder mattes Aussehen, so vergessen Sie nicht;, daß die Zutat von alle Karte und Bitterkeil der Bohne beseitigt und. dem Getränk Fülle und Farbe gibt. Ein Päckchen zu 55 Pfg. reicht für weit über 100 Tassen. ncD bi) Tw'2 „Weber’s Carlsbader“ wird hergestellt unter Aufsicht des Rabbinats der Israel. Synagogengemeinde Adass Jisroel zu Berlin, Zu beziehen durch: J. Anton Alexander. Berlin N24, Oranienburger Strasse 2/8 Ad. Goldschmidt. Berlin C2, Neue Friedrichstrasso 45, Samuel Haass, Berlin 054, Gipsstrasse 12a, David Bauer. Frankfurt &. M., Böniestrasso 23, A. Metzger, Frankfurt ALL, Bömestrasse 89.