Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · p. Seite 128

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2277379-2277729-2277739--03529-2284053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

12S Klugheit. So wie im Leben derjenige leichter vorwärts kommt, besten Vorfahren ihm einen guten Namen hinterlasstn haben, für den eine alte Tradition mitarbeitet, werden auch wir hier leichter aufbauen können, wo wir alte Meriten aufzuweisen haben. Die Tradition ist geschaffen, man rechnet mit unserem Erscheinen. Es wird die Gründung einer jüdischen Segelflug- (chule notwendig sein, in der aus einer Reihe junger Leute beonders qualifizierte ausgesucht werden sollen. Tie Leitung — Chefpilot, technischer und wissenschaftlicher Statur — ist vorhanden. Sie bringt einen Schatz von Kenntnissen und wertvollen Erfahrungen aus einer Reihe von Expeditionen (Rhön, Nositten, Grunau, Rhinow, Ransdorf) mit. Das Horoskop steht äußer st günstig, nun heißt es zugreifen. Ter Erfolg, der in der Rhön seinen Anfang genommen hat, wird sich auswirken nach dem universellen Gesetz von Ursache und Wirkung. Schon jetzt sehe ich am Horizont einen hellen Streifen, dessen Licht in. naher Zukunft das Dunkel des Himmels siegreich überstrahlen wird. * Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Loge werden sich Männer und Frauen finden, die die Bedeutung der von Tr. Rabau geschilderten Aufgabe -erkennen und für sie finanzielle Opfer zu bringen bereit sein werden. Wir bittön solche, sich mit Spenden zu beteiligen, und diese auf dos Segelftngkonio Jacob Lcdermanrr, Reichsbund jüdischer FrontsoDateN (Berlin Nr. 708 85), 31t überweisen. Der Dogenschühe Tiberius Julius Ab des Paniera jaus 6!don). Ein Grabstein im Krerrzrracher Heimatmuseum. Zu den wertvollsten Altertümern des Heimatmuseums in Kreuznach gehören eine Anzahl römischer Jnschrifisteine von Bingerbrück. Als kurz nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts in Bingerbrück der Bahnhof gebaut wurde, stieß man beim Abtragen der Böschung auf zahlreiche Grabstätten, die der Schutt der Jahrhunderte glücklicherweise Zugedeckt hatte. Es handelte sich bei diesem Begräbnisplatz um den römischen Soldatenfriedhof v 0 n B i n g i u m. Durch mehrere Jahrhunderte hindurch hat man ihn belegt, das bezeugen die mancherlei Funde, die dort gemacht wurden, und die heute größtenteils im Heimatmuseum Kreuznach zu-sehen sind. In diesem Soldatensriedhof von Bingium sind nun auch damals eine Reihe von Grabsteinen römischer Kohortensoldaten gefunden worden. Da liegt neben dem Illyrer Anaius der Dalmatiner Bato begraben, neben dem Pannonrer Seenus ruht der aus der Stadt Lappa von der Insel Kreta gebürtige Hyperanor aus der Kohorte I der^ syrischen^Bogenschützeu. In derselben Kohorte stand auch der Soldat, Degen Grabstein um seiner Inschrift willen uns besonders interessiert. Wir.lesen TIB. IUL. ABBES. PANTERA. SIDONIA. ANN. LXII. STIPEN. XXXX. MILES. EXS. COH. I. SAGITTARIORUM. H. 8. E. Das heißt ergänzt: Tiberius Julius Abdes Paniera Sidonia annorum sexaginia duoruni stipendiorum quadraginta miies ex cohorte prima sagiltariorum liic situs est. Und heißt übersetzt: Tiberius Julius Abdes Pantern aus Sidonia im Alter von 62 Jahren, mit 40 Dienstjahren, Soldat aus der 1. Kohorte der Bogenschützen, liegt hier begraben. Oder etwas modernisiert: Hier liegt Tiberius Julius Abdes Paniera auf der Gegend von Sidon begraben. Er war 62 Jahre alt und hatte 40 Dienstjahre. Er diente als Soldat in der I.Kohorte der syrischen Bogenfchützem Der Anfang wird auch so gelesen: - Hier liegt Tiberius Julius Paniera, des Abda Sohn (uff.) begraben. Im ersten Falle würde der Name des Soldaten als Doppelname zu lesen sein etwa wie Judas Makkabäus oder Jesus Christus, im zweiten Fall würde Paniera der Eigenname des Sohnes und Abda seines Vaters Name sein. — Was sagt uns nun diese Inschrift? Daß der Soldat ein ^>hes Alter und eine außerordentlich lange Dienstzeit hatte, interessiert uns hier nur neben¬ Yi:\; bei. Daß er aus dem Orient gebürtig war und in der berühmten Bvgenschützenkohorte diente, schon-weit" mehr. Weitaus die stärkste Beachtung verdient jedoch der lange Name. Gleich die beiden einleitenden Namen Tiberius Julius sagen dem Kundigen! daß der Soldat unter dem Kaiser Tiberius aus dern Hause der Julier das römische Bürgerrecht erhalten hat. Damit erhalten wir einen guten Anhalts, - Punkt für die Datierung des Steines. Tiberius regierte von 14 bis! 37 n. Chr. In dieser Zeit ist'unser Soldat Abdes im Sol»! datenfriedhof von Bingerbrück begraben worden, der Nichtrörner! mit den beiden römischen Namen. Aber dann spricht irn folgenden auf einmal die Heimat des Soldaten zu uns, spricht zu uns. gleich. ' gültig, ob wir den Namen als Doppelnamen lesen oder nicht. Abdez - (Abda, Abdas) ist h e b r ä i s ch - s e in i t i s ch und Paniera griechisch. Zwei Kulturströmungen, die damals schon im Orient wirtschaftlich; und kulturell miteinander rangen, sind in dem Namen verbunden. ' Und hier am Rhein steht ein Angehöriger dieser hebräisch-hellem-! stischen Mischkultur im Dienste der römischen Weltherrschaft; hat! sich ihr völlig verschrieben und die sonnige südliche Heimat nie wieder gesehen. Karl Geist, Gymnasiallehrer (Kreuznach). <V\ VO. TT.. «0 Georg Hermann zieht in diesem Schlußaussatz das Fazit aus seinen Betrachtungen über die Aussätze von Schumanrr. Schmitz n. a. m. im Sonderhefte des „Juden". (Tie Schriftleitung.) „Es ist nicht richtig, daß der Judenhaß der Deutschen Instinkt ist." Richtig ist, daß — wie Schumann sagt — das deutsche Volk im Gewohnten dahin lebt und von einer Judensrage eigentlich nichts hören und miffen will, und daß der Judenhaß stets wieder künstlich als politisches Ablenkungsmanöver aufgepcitscht wird. „Es ist nicht richtig, daß das deutiche Volk das Wirtsvolk dcs deutschen Juden ist." Richtig ist, daß der Deutsche Jude ein voll heimatsberechtigter Bestandteil des deutschen Volkes ist. Ein B i s m a r ck wollte die Juden in Deutschland so wenig missen, wie das Glas Champagner beim Essen. „Es ist nicht richtig, daß das Judentum und seine Zugehörigkeit zum jüdischen Blut ein Minderwertigkeitsgefühl dem Arier gegenüber gibt." Aber es ist richtig, daß es heute für alle deutschen Inden entweder eine Glaubensüberlieferung oder eine stamrnesmäßige Tradition bedeutet, die er in Ehren hält und die seinem Lebensgefühl Sicherheit gibt und es stärkt und hebt. „Es ist also nicht richtig, daß es ein deprimierendes Gefühl ist. Jude zu sein." Es ist aber richtig, daß es für den Inden in einer nur noch aus Mord eingestellten Welt ein deprimierendes Gefühl ist, Mensch zu sein, j „Es ist nicht richtig, daß der Jude sich aus Ehrgeiz ins politische Leben, ins Rechtsleben, ins Kunstleben, in die Leitung des Staatesi Drängt oder sich gedrängt hat." J Richtig ist vielmehr. Daß er nach der Verfassung zur Teilnahme \ daran vollberechtigt ist, wenn er sich hierzu als geeignet erweist.! Richtig ist, daß, wenn der deutsche Jude hier zu Ansehen kam, er j Das meist mit anständigen Mitteln erreichte, was von der Gegenseite j nicht ausnahmslos behauptet werden kann. j Nichtig ist endlich, daß der deutsche Jude, Da er nach seiner ganzen f Mentalität darauf eingestellt ist, Möglichkeiten zu sehen — ob in der j Industrie, dem Verkehr, der Schiffahrt oder den HandelssorMN! (Emil R at hena n: A. E. G.; Ro sen thal: Porzellan; Wertj heim: Warenhaus; B a l l i n : Hamburg-Amerika-Linie) oder ob - er, wie Walter R a t h e n a u, die Grundzüge der Rohstofsverior' j gung für die Kriegszeit entwirst. als noch kein Ministerium an einen Rohstoffmangel dachte, oder ob er, wie Preuß, für einen noch nickst bestehenden ^taat die Neichsverfassnng schasst. . richtig ist. dal die jüdische Mentalität der Möglichkeiten für das politische Leben sich als sehr geeignet erweisen kann. Eine Tatsache, aus der England, Italien, Frankreich, Amerika schon längst Nutzen gezogen haben. €IN -HOCRGtNU// ltEMiEfc-\WEfcKE,/CHV/ABZfc£ßÖDE&,lltP2iG 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.