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Central-Verein-Zeitung · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · p. Seite 126

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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irö Arbeiter". Im Vorwort heißt es. dieser vorliegende Auszug aus den Protokollen .,fei gefertigte um die Tatsachen, für billiges Geld arrch dem. Ärbcrter zugänglich zw machen". .. . Mit welchen Einflürsterungeir man die deutsche Arb er: erschaut zu ^elvinnen. sucht, beweist ain besten folgende eteile aus dem Vorwort: „Gerwffeu! Wir ereifern uns um Klaffenkampf und Achtstundentag. und sehen dabei nicht, daß hinter den Kulissen noch ein ganz anderes Spick geftüelt wird. Während wir uns mit unseren Rebenuwmschen ramou, spmnt eine verborgene Macht insgeheim ihre Netze, um die gesamte ehrliche; Menschheit darin einzufangen." ,, Immer wieder werden von völmcher Zcire ptan nni h;Versuche mit beträchtlichen Mitteln unternommen. die Arteiter'ch.z'r für judenfeindliche Gedankengänge einznfangen. Alle diese Bum ringen sind bisher an den gesunden 3 innen undder politischen Hellhörigkeit des deutschen Arbeiters gescheitert. Tretzdenr dürfen die Versuche nicht übersehen werden. .Dem „Eisenhammer" ins Stammbuch! Eine Front der Anständigen. Wir haben an dieser Stelle schon häufig aus Die allen Regeln des Anstandes widersprechende .Kampfesweise nattonaf* ssziali st i scher Presseorgane wie „Stürmers „Eisenhammer^ U. tt. m. hingewiesen. Jetzt lesen wir in dem in Neustadt a. d. Haardt erscheinenden „Pfälzischen Kurier", einem Blatte, das infolge seiner rechts gerichteten politischen Einstellung sicherlich auch denen als unparteiischer Z e u g e gelten wird, denen U.nfer Urteil parteiisch erscheinen mag. die nachstehende Kritik über Len Pirmaseirser „Eisenhammer": „Ter Prozeß, den Bürgermeister Tr. Fonhuber gegen Verlag und Schristlcktung des Blattes „Eisenhammer" und gegen dessen Hintermänner angestrengt hatte, ist nach viertägiger^ Verhandlung glücklich beendet. In der Tat bedeutet cs ein Glück, daß die Gerichtsverhandlung rascher zum Abschluß gebracht werden konnte, als man nach Dem Verlauf der ersten Tage vermutet hatte; jede stunde,^ um Die sie gekürzt werden konnte, war ein Gewinn', denn cs bereitete Ekek, hören und fchen zu muffen, mit welchem Aufgebot von Heuchelei und Niedertracht Die Ehre eines Mannes in den Kot LU zerren versucht wurde, der der Vertreter unserer Ttadt ist und somit auch deren Würde und Ansehen nach außen hin zu wahren hat. Mittelbar galt der Prozeß also auch der Ehre von Neustadt a. d. Haardt. So großen Abscheu aber das Treiben feiger Trahrzieher erweckt hat. Las eine Gute hatte die Gerichtsverhandlung doch, daß sie hinein» buchtete in Las Dunkel zweifelhafter Ehrenmänner, die vor» Raben, der Wahrheit und dem Deutfchtrrnr zu dienen. Deren Streben aber nur dahin geht, Skandal zu machen um jeden Breis, vnd ans dem Skandal Gewinn zu ziehen. Tie anständigen, ihrer hichen Wicht der Verantwortlichkeit bewußten Vertreter der Presse lehnen es mit Entrüstung ab, daß sich Die Angetlagten Heß «nD Förster als Verleger und Schriftleiter bezeichnen, auf welche Titel allein Männer Anspruch haben, die nicht nur eine ausreichende VorfctSnrag, Schulung und Erfahrung besitzen, sondern auch ein hohes Maß von Selbstzucht und- Gcwincnhaftigkeit, die sich in jeder Stunde ihres schweren und ernsten, aber gerade, darum. so hehren Berufs setvst Rechenschaft oblegen für ihr Tun und Lauen. Wer solche Eigenschaften ttfc&t besitzt,, taugt nicht zu dem Amte eines Vertreters und Leiters der ösfentticherr Meinung, dem bleibe das Heiligtum einer Redaktiousftrche verschaffen. Leider aber gibt es Leute-, Die da nreinen, wenn sie einigermaßen schreiben können, so härten, sie schon das Zeug zu einem „Zeitungsschreiber". Es ist dem als Zeugen vor den Frankenthaler Gerichtshof geladenen Leiter Des Verbandes für Volksbildung, Hartmann, der der Vorsitzende des Pfälzischen Preffevereins ist, zu Hanken, daß er die Cel-cgenheit feiner Aussage ergrifft um das Unverantwortliche Treiben der Angeklagten zu geißeln und eiuen dicken Strich zu ziehe» zwischen ihnen und den Angehörigen der anständigen Presse. Wir wollen keine auch nur äußerliche Gemeinschaft haben mit Ehrabschneidern und verbitten cs uns, datz^ Leute solcher Art sich unsere Bcrufstitel anmatzen. Die- Freude am -Skandal beseelt aber nicht nur die Erreger und th$e&er, sondern auch einen großen Teil der Leser. Skandalblätter vom Schlag deS „Eisenhammer" könnten nicht bestehen, wenn sie nicht Käufer fänden. So mancher aber, Der es mit höchster sittlicher Entrüstung weit von sich weifen würde, als Gesinnmrgsgcnosie einessolchen Organs zu gelten, bat doch insgeheim seine Freude au dessen Inhalt, kann kaum das Erscheinen einer neuen Nummer erwarten, für die er bereitwilligst einen hohen Preis zahlt, und nimmt «Z mit Schadenfreude auf. wenn der liebe Nächste verunglimpft wird.. Solange solche Leute rnit ihrem Gelde derartige Preffcrepiile nähren, werden diese in der Lage sein, ihr vergiftendes Wesen sortzusetzen. Wer darum als anständiger Mensch Genugtuung Darüber empfindeft daß in Der Frankenthaler Gerichtsverhandlung die Wahrheit über dir Lüge nnd Verleumdung gesiegt hat. Der trage an feinem Teile dazu dei, daß Das widerliche Otterngezücht ausgerottet wird, indem es seine Daseins Möglichkeit verliert. Wir wollen doch Reinlichkeit im öffentlichen Leben, damit aber verträgt sich am wenigsten Die Freude am Skandal? tottl Mouate Gefängnis wegen Bcleidignns Des Außenministers Strescmauu. Von denr großen Schöffengericht Erfurt Wurde kürzlich Der bekannte antiscmittsche Gutsbesitzer Hugo Gräfe aus Walschlebeu zu drei Monaten. Ec^anguis verurteilt, weil er in einer Volksversammlung gesagt hatte, daß deutsche Minister, insbesondere der Außenminister Tr. 311 e f c m a n n , das deutsche' Volk an va8 internationale Judentum verraten baden . . / Sr nie lyattc bei Der Verhandlung Den dÄrtfchvölkr scheu Redakteur Sch mal ix als feinen Rechtsberater für sich reden taffen wollen; das G e ri ch t l e h lt t c aber das Auftreten des Herrn S 6) m a (i r ab. wachsenöe ttnruhe in Rumänien. Der Freispruch Des TtuDenterr Tot«. Tie juDeuseindlicho Stimmung in Rumäuieu, aus die die „E. V.. Zeitung" seit Vlonateu mit immer größerer Dringlichkeit hinweisi, alarmriert die Pveffe und die Negierungen der ganzen Welt. Washington bedauerte Rabbiner Stephen S. Wisc tu seiner Eröffnungsansprache vor dem Kongreß der amerikanischen Juden, daß die Vereinigten Staaten, da^sie dem Völkerbund nicht augehören, ohnmächtig seicu und ihre stimme nicht zum Protest gegen die Drangsalierung der Juden in Rumänien erheben kömlten. Ta- „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" teilt mit, daß die .4!liance Israelit« Universelle, das Eomitö der jüdisckM TNegationen in Paris, das ^oint horeigw Comite in London und d<r mneritanisch-jüdifche Ingreß zur Intervention übergegangen sind. Alle Diese Aktionen haben einen mächtigen Antrieb erhalten durch den ungeheuerlichen Freispruch des Studenten Totir, der im Czerlrowitzer Eerichtsgebäude den jüdischen Studenten Fallik hinterrücks niedergeschofsen hatte. Die Geschworenen von Kimpolung. wo der Prozeß stattfaud, waren vor dem Urteil aufs schwerste terrorisiert worden. Tie Verteidiger, unter ihnen Euza selbst, feierte Totu als Märtvrer und Nationalhelden, dem Rumänien Dank und Nachahmung schuldig sei. 3‘u gleicher Zeit wurden in Piatra Neamtze Juden, welche die ^yiragoge gegen jugendliche Stemwerser geschützt und diesen dabei Prügel verabreicht hatten, zu langjährigem Zmhthaus und Entschädigung verurteilt. Wieder wirdinitgeteilü daß Arerescu, der rumänische Ministerpräsident, sich für alle die ft Tinge interessiere. Jetzt soll er sich die Akten über den Freispruch des Studenten Totu Hecken vorlegen lassen, um — wohl unter dem Truck der öffentlichen Meinung — das Verfahren, nachzuprüfen. Aber ernstlich erwartet niemand mehr etwas von dieftm Ministerpräsidenten, unter dem es in Rumänien schon zu so schlimmen Ausschreitungen gegen die Juden gekommen ist. ^lMülek. / Zum Labdat des Gcvcnkcns. Das Purimsest, durch Ln Sabbat des Gedenkens alljährlich emgcleitet, jft so reckst ein Festtag des E. V. Ist doch Amalek im jüdischeu Sprachgebrauch, der AntisEit haman. der Agagit. der Ueberlieserung nach ein Sproß dieses in Israel besonders verhaßleu Volkes. Woher ko muck diese Abneigung, die selbst in der fciilußn Schrift eine stütze findet, von ihr noch besonders betont^wckLI Warum ist Amalek der Feind Israels, des Andenken zu vermLttu mmi nicht vergeben solle? Tie Antwort gibt uns die Heilige Tchrm in dem Abschnitt, der am „Sabbat des Gedenkens" vorgelesen wird. 1. Amalek tritt Israel entgegen ans dem Wege von Aegypten nach dem ^incn, d. h. nachdem sie äußerlich, sozial uud politisch, ihre Freiheit errungen hatten und mm zur geistigen Freiheit des Sinai fortschreiten wollten. Israel hat im Sinne seiner Lehre den Weg vorgezeigt, den die Menschheit gehen soll von äußerer zu innerer Frecheift die Sklaverei der Menschen abzuschüttebr, um Sklave Gottes zu sein. Das will Amalek verhmderu. Tarum ist Amalek- Volk das Prinzip des Ungeistigen, des Unethischcn. Tarum dürfea wir in unserem Kcunpf vonr sittlichen Standpunkt aus Amalek nie vergessen, weil wir sonst unserem letzten Ideal untreu iverdem dein messianischen Gedanken. * 2. Woher tarn Amalek? Warum kam er? Ter Feind, so anp Worten unsere alten Bibelerklärer, war Plötzlich da. kam, niemand weiß warum und woher. Er überfiel Israel feige und hinterlistig So ist es mit denr Antisemitismus. Er kommt, er ist da, ohne Grund, keiner weiß, rvoher er kommt. Er ist an sich ungerechtfertigt. Er sucht die Schnürchen und Schwächen in unserer Min? und lauert auf den Augenblick, wo wir ernnädet sind, um ruckzr vernichten. Ja, der Vernichtung gilt sein Ziel. Er will uuseir Schwächen nicht beheben, er richtet sich gegen ims nicht, weil wir so und so denken und handeln, sondern weit wir sind, gegen unsere Existenz, und er wartet auf den Augenblick, wo Israel müde und matt ist: denn „er siärchtet nicht Gott". Ter einfache Wortsinn liest in obiger Ausführung schon begründet. Amalek ist olwe Gottes furcht, das Prinzip des Ungöttlichen, des Unethischen, des Geistes wider die Religion, der Sünde wider die Moral. Mer die Worrsolge in diesem biblischen Gesetze läßt noch eine andere Uebersetzung zu. Man kann auch sagen: „Tu voarst müde und ermattet uud du fürchtetest nicht Gott." Tas will befagem Amalek. unser Feind, lieg! auf der Lauer, um unsere Schwächen zu überfallen. Hüten wir uns darum vor Schwächeil, daß der Feind keine Angriffspunkte findet Tafkrr gibt es kein besseres Mittel als die Gottesfurcht. Je mehr wir uns in unsere Religion versenken, je stolzer wir uns zu unserem Judenttnn bekennen, desto mehr verhindern wir. daß Amalek lonnnk. und desto leichter besiegen wir ihrl, wenn er kommt. 3. Tie wichtigste Lehre enthält darum der Schluß des Berichtes. „UnD es soll geschehen, wenn der Ewige, dein Gott, dir Ruhe schasst von allen deinen Feinden, dann sollst du das Andenken Amüll'ft unter dem Himmel auslöschen. Vergiß cs nickst." Wenn unsere Feinde uns cimnal nicht augreisen, wenn an stelle des Nadau^ autifemitismus der gesellschaftliche getreten ist. dann liegt Amalc^ auf der Lauer, dann sollen wir an seinen Haß und seine Feindsihan deicken und uns wapvnen, daß lvir rn dem ätampf bestehen, dru wir nach dem Ausspruch eines großen deutschen Kaisers, des edlen Dlenschen, gegen die „Schmach des Jahrhunderts", nach jüdiststr Ausfasftmg gegen die „Schniach der Jahrhunderte" führen. Rabbiner Dr. Kahtberg (H allen, d. S ).

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