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Central-Verein-Zeitung · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · p. Seite 125

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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12S! Die Ausbreitung der nationalsozialistischen Agitation. > ein Nastätten ist Blut geflossen. Ein junger Nationalsozialist nt von einem Landjäger in der Notwehr erschossen worden Zwei Beamte haben beim Versuch, die öffentliche Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, schwere Wunden erhalten. Das ist das ^-ite Ergebnis einer seit Monaten betriebenen Hetze, die von seiten der N. S. A. P. D. mit umchtvollen Mitteln ins Werk gesetzt wor- ^Mit dem „Deutschen Tag" in Nassau fing es an. ' Dr Leh, der Gauführer der Nationalsozialisten, hat seine Arbeit aut verstanden. Tenn von Nassau aus strahlte der Wille zur Beunruhigung der Bevölkerung und zur Zerstörung der Ordnung aus. Auch Nastätten wurde von der nationalsozialistischen Arbeit aufgewühlt, und um der Bevölkerung die Beruhigung zu schassen, auf die sie in ihrer übergroßen Mehrzahl Anspruch erhob, verabredeten sich die Geistlichen der verschiedenen l Konfessionen, in öffentlicher Versammlung zu der Bevölkerung zu sprechen und sich zu bemühen, das eingeträufelte Gift unschädlich zu machen. Das konnten sich die Nationalsozialisten, I das konnte sich vor allem ihr Führer, Dr. Leh, nicht bieten lassen! Aus dem ganzen Gan rief er seine Anhänger zusammen, und in Mi Lastautos, die von ihm und einem Dr. Hans geführt wurden, fuhren sie in Nastätten ein. Dr. Leh hielt auf dem Markte eine aufreizende Ansprache. Tann zogen die erregten Masten vor das Versammlungslokal. Die Polizei' griff ein, es entsteht ein Handtzemenge; Schüsse knallen, und drei Menschen sinken tot oder schwer verwundet zu Boden. Zwei brave Beamte haben sicks ihrer Pflicht geopfert. Ein Menschenleben, um das und um seine Angehörige * /eder anständige Mensch nur tiefes Mitleid empfinden kann, ist ausj/ gelöscht; Inzwischen waren die Polizeikrafte der ganzen Gegend alar- 1 miert worden und bei Oberlahnstein gelang es, die Lastwagen abzu fangen. Tie beiden Führer mit ihren Anhängern wurden festgenommen und einem Verhör unterzogeneine Anklage wegen Landfriedensbruch ist ihnen sicher. Der preußische Innenminister > hat Bericht eingefordert, aber werden diese Schritte hinreichen, um? für künftig derartige anarchischen Zustände unmöglich zu machen? / Nicht durch Gerichtsurteile, so sehr auch ein scharfer Spruch i abschreckend wirken mag, sondern nur durch bewußtes, entschlossenes Z u f a m m e n st e h e n aller positiv zum Staate j eingestellten Volks kreise kann erreicht werden, daß an seinem festj gefügten Bau die Störungsversuche einer verantwortungslosen Gruppe zum Scheitern kommen. » \ , Die traurigen Ereignisse in Nastätten haben bestätigt, was wir i in den letzten Nummern dieser Zeitung wiederholt berichtet haben: Das Anwachsen der nationalsozialistischen Bef roegung im Rheinland und in der Pfalz. Allmählich > entwickeln sich in diesen Gegenden die sattsam bekannten Zustände, - wie sie Bat)ern im Jahre 1923 aufwies. Mit aller Macht und anscheinend beträchtlichen finanziellen Mitteln entölten die Nationalsozialisten am Rhein eine Agitation, die nicht mehr mit einer Handbewegung abgetan werden! kann und der noch Mer wie bisher mit überlegten, geeigneten im£> ruhigen Mitteln enlgegmgetreten werden muß. Bon unserem S ch r. - Mi t a r b e i t e r, der die Entwicklung der mbeiter- und Gcworkschaftsbowegung unter dem Gesichtspunkt j „Arbeiterschaft und Antisemitismus" genauestens verfolgt, k - wnd uns . geschrieben: Wer die Vorgänge in Berlin und im j ^che aus eigener Anschauung kennt, muß sich darüber wundern,! ^.sich die „Zersetzungserschünungen" innerhalb der rechtsradikalen [ völkischen Parteigruppen in den Köpfen unserer Freunde etwa so .' I u^len: Die Völkischen zerfleischen sich gegenseitig, ein Beweis dafür, V - c! mit dem Judenhaß zu- Ende geht. Also laßt uns einen langen - Z schlaf tun! / J 3u Wirklichkeit halben die Auseinandersetzungen zwischen Gräefe ' j Hitler, d. h. Awifck-en Den t sck)vö! kl scher Freiheitspartei und 1 Natwnalsozialisten, kerne äußere Veranlassung (Führereitelkeiten), i sondern eine innere U r fach e. Ein völkischer Führer hat eS Mgst m einer Berliner V e r s a m m l u n g offen ausgesprochen: "prr v. Graese glaubt immer noch daran, daß er die konservativen *3 Ä^rkreisc und den landwirtsa>aftlichen und gewerblichen _ L^telstand sowie das Heer der oberen und mittleren Beamten f vottpch in der Weise beemslussen kann, daß sie unseren Idolen zui : E ^luhrt werden. Es ist ein vergebliches Bemühen gewesen und wird - 5 . J5? blcil>en. H.itler allein hat be w i e s e u , daß es m ög - > i ^1 Ht # die Massen der Arbeiterschaft zu uns h er- ' berzuziehen, wenn wir in ihnen die Begeisterung für den - -u 2* ' EmciJ sozialen Staat erwecken, den wir an die Stelle der Äarmat- ' r. S . ^publik setzen wollen/ , } sii fein Zufall, daß die n a tö o n a l s o z i a l i st i s ch e A g r - (! neuerdings ül>ccall dort anslobt, wo man glaubt, eine wem- Ln durchgeschulte Arbeiterschaft vor sich zu l>rben, d. h. in 't; 1 ^Mc.jtädten. Der soeben l^erljaftete Herr Dr. Ley, beamtet in einem großen Farbwerkkonzern des Rheinlandes, sagt es jedem, der es Horen will, daß man sich zu den neuen Hitler-Methoden bekehren muß, um das deutsche Volk von dem „internationalen Marxismus und dem internationalen Vörsenkapitalismus" zu befreien. Welches find diese neuen Methoden? Man gebärdet sich antikapitalistisch-kommunistisch, zieht dadurch das Heer der Arbeitslosen an sich, findet in Versammlungen Anklang selbst bei kommunistischen Führern, erreicht, wie das im Rheinland geschehen ist, daß ganze konrmunistische Ortsgruppen zu den Nationalsozialisten übergehen, bildet Zellen in den Reihen der Kurzarbeiter und Schlechtverdiener — kurzum man zeigt sich im Glorienschein eines Revolutionärs und beschimpft alle diejenigen, die in der Politik die Kunst des Erreichbaren sehen, als die „freiwilligen oder unfreiwilligen'Knechte des jüdischen BörsenkaPiLalsR Die neuzeitlichen Hitler-Methoden hat man am besten wahrend des W a h l k a m p s s in Thüringen st u - dö e r e n k ö n n e n. In Jena hat Hitler vor überfülltem Bolkshaussaal zweieinhalb Stunden gesprochen, ohne das Wort „Jude" überhaupt in den Mund zu nehmen. Aber gegen das internationale Kapital hat er gewettert, und so machen es die kleinen Götter im Lande, wie auf Geheiß einer unterirdischen Macht, nach. In Berlin erzählt Stadtverordneter Könnet in Vertretung des Herrn Kunze am 8. Februar in den Kammersälen: „Das g e s a m t e Gold der Erde beträgt 180000 Zentner, davon befinden sich allein 120 000 Zentner in der Bank in New Jork, also cm Besitz des internationalen Judentums. Alles Hebci fontmt v o m Gold, und so äst es erklärlich, daß die Juden schuld an allem 1! e b e l s i n d." Man kann also die neuzeitliche Agitationsmethode der Nationalsozialisten mit dem Stichwort kennzeichnen: Alles Nebel kommt vom Gold. Mit ein'ge-n ironischen Bemerkungen', daß Hitler, der Politische Kostgänger des Großindustriellen Herrn v. Borsig, die Wahrheit dieses Wortes gerade in den letzten Tagen habe am eigenen Leibe spüren müßten, schafft man die Tatsache nicht aus der Welt, daß die N a t i o n a t s o z i a l r st e n heute am Werke sind, das große Heer der Elenden und Armen durch die Hetze gegen das vermeintlich^ internationale jüdische Kapital für sich zu gewinnen. Jedes Mittel ist recht, um diese Hetze zu betreiben, und so lauten die neuzeitlichen Themen bezeichnenderweise „Mietserhvhung e n u rr d G e w e r bc st e u e r"; „Die Mißwirtschaft in den städtischen Betrieben"; „Volk i. u N o t" usw. Selbst die Hirtsiefer-Verordnung muß dazu herhalten, die kleinen Leute gegen den Großkapitalismus, natürlich den jüdischen, in Aufruhr zu bringen. Was halben wir im Eentralverein zu tun? Wir h^ben genauestens auf die Entwicklung der Tinge zu achten, damit wir nicht eines Tages überrascht werden. Wir haben zu arbeiten, mit jener Sorgfalt zu arbeiten, wie es tvährend des Wahlkampfes in Thüringen geschehen ist, wo mustergültige Aufklärung geleistet worden ist. Das Gefühl treuer Pflichterfüllung muß uns kalt lasten, wenn der „Nationalsozialist" in Nr. 4 vom 2. März 1927 einen durch Sachkenntnis nicht getrübten Leitaufsatz beginnt: „Das Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die sogenannte ,G. B.-Zeitungh bringt in ihrer Nummer 5 vom 4. Februar einen außerordentlich wichtigen und kennzeichnenden Aussatz über die Wahl und Wahtergebnisic in Thüringen aus der Feder eines Artur Schweriner. Dieser Aufsatz ist deshalb von solcher Bedeutung, weil er klipp und klar die Zusammenhänge zwischen Judentum und Marrismus dartnt und unsere alten Behauptungen, daß die marristi'chen Parteien die bezahlten Helfershelfer Älljüdas sind, einwandfrei beweist." Aus diese im letzten Satze enthaltenen Unwahrheiten naher ein- Zugehen, verlohnt nicht. Daß die Arbeiterparteien von sich ans die neuzeitliche Gefahr der Nationalsozialisten erkannt haben/ geht daraus hervor, daß in letzter Zeit in der Mittelrheinischen Druckerei und Verlagsanstalt G. m. b. H., Köln, das Referat von Lorenz Ridmiller vor Funktionären des Bezirks Aachen mit der Ueberschrift ,.A r b e i - 1er, d i e Hände weg" als Broschüre erschienen ist. Auch die christlichen Gewerkschaften verstärken ihren Aufklärnngsappirrat, um zu verhüten, daß Politisch weniger geschulte, in Not geratene Arbeiter das Opfer der nationalsozialistischen Hetze werden. Wir bitten unsere Freunde in Stadt und Land, ihre Beobachtungen in der oben angedeutetcn Richtung kurz und wahrheitsgenräs; den S i u d r c i der L a n d e s v e r b ä n d e zu übermitteln. Wir werden uns auch durch die neuzeitlichen Methoden des Herrn Hitler ebensowenig übertölpeln lasten, lute wir uns durch die Nachrichten von der angeblichen Zersetzung der völkischen Parteien in Schlaf wiegen ließen. * In diesem Zusammenhänge ist folgende Mitteilung bezeichnend: Die ArbeiterauSgabe Der „Weisen von Zion". Soeben fft im bekannten Leipziger Hammer-Verlag in zweiter Alkfkage eine billige Broschüre erschienen^ „Was muß der Arbeiter von der Weltpolitik wissen?" Die Broschüre (21. bis 49. Tausend) enthält einen Auszug aus den berüchtigten Protokollen der „Weisen von Zion" und ist „l^röfsentUcht von einem

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