Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 10 (11.3.1927)
- Date
- 1927-03-11
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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f f { / E»f (Sine Woche der Trauer um Hugo Sonnenfeld liegt hinter «ns Von den» Augenblick an. in dem untz die Trauerbotschaft tiefste erschütterte, bis zum dumvfen Aufschlagen der "d Erdschollen im Grabe, gingen wir alle wie unter einer schweren Last. Langsam heben sich von unserer Seele die Schleier des nahen Schmerzes. Und wie tm Leben in schwankenden Situationen Hugo Sonnenfeld s Wort Klarheit und Gewißheit schuf, so mildert das Bild seines irdischen Wallens, das immer schärfer und vertrauter vor unserem geistigen Auge auftaucht, den Schmerz um ihn, weil es zur Tat aufrust im Sinne sernes Lebens .. . Der engste Kreis der Freunde und Verwandten Hugo Sonncnselds hatte sich, wie wir bereits kurz berichtet?mben. am 2. Mürz zur Ueoerührung im Trauerhause eingefunden. Bei dieser Gelegenheit richtete Justizrat Dr. Brodnltz, der Vorsitzende des Gentralvereins. etwa die folgenden Worte an die Trauernden: „Wir im Centralverein haben Jahrzehnte Seite an Seite mit unserem lieben Hugo Svnnenseld gekämpft. In schweren Tagen stand er mit Feuereifer in erster Reihe, wenn cs galt, mit uns für die Bedrückten und Entrechteten einzutretrn. Wir erinnern uns mit Stolz seiner Arbeit in den Tagen von Könitz. Ein Mann wie Hugo Sonneuseld mußte mit Selbstverständlichkeit Rechtsanwalt werden, mußte ebenso selbstverständlich mit uns im Eentralverein für die Gleichberechtigung der deutschen Juden eintrcten. Sonnenfeld war ein Mann, dessen Leben beherrscht war von dem Imperativ absoluter Wchterfüllung. Ich kann ohne Uebertreibung sagen, daß mir in Hugo Sonnenfeld meinem ganzen Leben kein Mitarbeiter begegnet ist, der so ungeheure Anforderungen an sich selbst stellte und diesen mit so viel Arbertsfreudigkeit und Energie gerecht wurde .wie Hugo Sonnenfeld. Wann ich an ihn herantrat, so früh oder so spät es war, ich habe niemals den Fall erlebt, daß er nicht bereit war, ohne Rücksicht auf sich, seinen Berus und seine Familie, Aufgaben, die ihm der Centralverein stellte, §u erledigen. Zwei Drnge waren besonders charakteristisch an diesem hervorragenden Manne: Die absolute Logik eines seltenen, klaren Verstandes, die sich einte mit emer inneren Warme der Seele, die gerade in schwierigen Situationen glänzend hsrvortrat. Dann war ein Händedruck von Hugo Sonnenseld mehr wert als tausend schone Reden. Wer Hugo Sonnenfeld richtig kannte, kannte auch das warme Herz, das in ihm schlug. Und das zweite Charakteristikum: Sonnen selb hat die Arbeit für das deutsche Judentum als Trutz ju de begonnen. Es ist der Segen aller jüdischen Arbeit, daß aud) dort, wo zunächst allein Logik und Nechtsgefühl vorherrschen, sich religiöse Kräfte geltend machen.. Und auch Sonnenfeld hat an sich erfahren, daß überall,wo jüdische Arbeit verrichtet wird, diese nicht anders als mit tiefstem jüdischen, religiösen Empfinden geübt werden kann. Auch nach dieser Richtung hin war er ein vorbildlicher Mann. Noch in seiner letzten Rede im Demokratischen Klub im Januar hat er gezeigt, daß er nie etwas gesagt hat, was nicht in seinem tiefsten Innern von reinem religiösen Empfinden beherrscht war. Hugo Sonnenfeld gehörte zu den Männern, deren Leben ein Programm bedeutet. Er war ein schöner Typ des deutschen Juden, in dem Deutschtum und Judentum lebensvolle Wurzeln seiner Kraft sind. Solche Männer können nicht vergeblich gelebt haben. Mitten aus der Arbeit ist er abberufen worden. Sollen wir klagen? Das Schicksal hat es gut. mit ihm gemeint. Es hat den Mann der Pflichterfüllung mitten aus der Pflichterfüllung von uns genommen. Wir geloben an seiner Bahre, daß der Name Hugo Sonnenfeld aus unseren Reihen nicht schwinden wird; daß allen Mißverständnissen zum Trotz, die einem so eisenharten Mann, der nicht nach dem Beifall der Menge fragte, nicht erspart bleiben konnten, der Name Hugo Sonnenfeld in reinstem, schönstem Lichte fortleben wird in den Reihen des deutschen Judentums. Wir danken dir, lieber Freund, kür deine vorbildliche Arbeit, für deine Liebe und Freundschaft, die du uns erwiesen hast. Du, der Aufrechtesten einer, der du in schwersten Stunden deinen Glaubensbrüdern Trost und Stütze gewesen bist, du unbeugsamer Kämpfer für Los des einzelnen zurücktreten, wenn es gilt, der Gesamtheit zu nutzen . . . Schon in den Propheten heißt es: Fordert das Wohl des Landes, in das ich euch geführt habe, denn bei seinem Wohl ist auch euch wohl. 26«. November 1914. Das Eiserne Kreuz macht mich stolzer und seMbewußter, speziell da ich der einzigste Jude in der Kompagnie bin . . . Alles Persönliche muß ausscheiden, und beim Wunsch nach Frieden glaube ich trotzdem, daß wir in dem jetzigen Stadium des Krieges noch keinen Frieden schließen dürfen. Wir sind es den toten und verwundeten Kameraden schuldig, weiterzukämpfen. Ich liebe mein Deutschland viel zu sehr, als daß ich, um mein eigenes Leben zu erhalten, den Frieden herbeifehne. Die Strapazen sind gewiß an manchen Tagen übermenschlich, doch wissen wir, daß die Heimat es uns dankt. 28. Dezember 1914. Soldat sein, heißt eben lustig sein und mcht gemurrt, wenn auch der Körper das Letzte hergeben muß. Ich drn ja freiwillig Soldat geworden und sogar herzlich froh darüber, ^läufig gelte ich noch als Ossiziersafpirant, doch würde ich meine Mcht genau so weiter erfüllen, wenn man mich von der Liste streicht. i?anz untüchtig scheine ich aber nicht zu sein, da außer mir nur noch ern Freiwilliger in der Kompagnie das Eiserne Kreuz hat und ich meine Beförderung zum Unteroffizier gleichzeitig mit drei anderen Kameraden als erste im ganzen Regiment erhalten habe. Januar 1915. DaS Eiserne Kreuz trage ich nur bei Anmym, wo es direkt vorgeschrieben ist. Ein Feldsoldat hat an andere ^nge zu denken. Heute wurde mir übrigens folgendes eröffnet: Vom «tefluncitt sollen einige Freiwillige nach Döberitz zur Ausbildung als ^lzeseldwebel gesandt werden, um in kurzer Zeit zu Offizieren besoroert zu werden. Unser Bataillonskommandeur, ein durchaus libefiu ^aim' bei dem ich in einer anderen Angelegenheit vorzusprechen yaue, brachte das Gespräch hieraus und erklärte mir, daß ich als ^ude kerne Aussicht auf Beförderung zum Ojsizicr hätte. Er selbst m ^ÜQr fc'n Möglichstes tun, doch sei er machtlos, da hierbei eglmentskommandeur mitzusprechen habe, dessen Ansichten ihm genau bekannt seien. Außerdem spricht das Dezirkskomm .. o r bas uradelig sei, mit. Er gab mir den guten l' lassen Sie sich taufen, dann gehen Sie allem aus dem Wege. Ich teile Euch das nur beiläufig mit, nehme vorläufig am Ofsiziersunterricht teil und tue sonst meine Pflicht treu weiter. Es ist wahrhaftig jetzt keine Zeit, Parteihader zu schüren, sondern erst muß für einen glorreichen Frieden gearbeitet werden. Es gibt noch genug Arbeit zu leisten, also weswegen Kräfte zersplittern. An meiner Stimmung kann der heutige Tag nichts andern. Euch, liebe Eltern, bitte ich aber nur eines: Redet nicht so viel davon. Ihr wißt, ich schätze es nicht, im vordersten Jnteressenkreise zu stehen, womöglich noch mit einer Märtyrermiene. Das steht mir wahrhaftig schlecht. 19. Januar 1915. Euch in der Heimat muß es doch weit mehr wie uns im Felde zum Bewußtsein kommen, wie unendlich schön und gut es ist, Deutscher zu sein. Bedenket, wie Großes die deutsche Armee gegen sieben Gegner bisher geleistet hat, wie wir bisher den Feind vom Mutterlande ferngeljalten haben und wie verhältnismäßig wenig das Leben in der Heimat durch den Völkerbrand beeinträchtigt wird. 3. März 1915. Das Unangenehmste an meiner Verwundung ist, daß ich hierdurch an meiner Beförderung auf Wochen gehindert bin. Also so schnell wie möglich zurück an die Front. Ich habe dem Arzt auch schon erklärt, daß ich in vierzehn Tagen gesund sein muß. 3. August 1915. Ueber die mir als Juden gewordene Zurücksetzung möchte ich nicht mehr reden. An meiner Stimmung und Hoffnungsfrcudigkeit prallen solche persönlichen Dinge ab. Es ist ja schließlich gleich, in welcher Rangstufe man ein Rädchen am Uhrwerk sein darf. Mir scheint cs weit beper, durch ruhige Zurückgezogenheit alles zu übersehen. Ich glaube an Deutschland, an unsere Kraft, und das hält mich aufrecht. Ein Haß, der sich jahrzehntelang durch falsche Vorurteile behauptet hat, ist natürlich auch nicht durch ein Machtwort des Kaisers zu beseitigen. Wir Juden sind unter den eigenen Mitbürgern gleiche Prügelknaben wie Deutschland ohne Grund unter den Völkern. 17. August 1915. Ihr wißt, ich bin mit voller Begeisterung Soldat und kann mir daher gar nicht zum Bewußtsein kommen lassen, daß ich meiner Religion wegen zurückgesetzt bin. Ich sage es nur täglich mehrere Male, Lohn für erfüllte Pflichten findet man nur in sich selbst. . Deine Lehren, guter Vater, man soll sich in Kreise nicht hereindräugm, in denen man höchstens geduldet, nicht anerkannt ist, scheint mir sehr beherzigenswert.