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Central-Verein-Zeitung · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · p. Seite 122

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 Verschwörungen gegen ihre Heimatstaaten Anzetteln-, daß sie das Kapital beherrschen, und ihre Macht zum Schaden der AuderZKäubigen mißbrauchen, daß sie die Presse in ihrer Hand haben und was der Vorwürfe mehr sind. Gewiß wird mancher bei solcher Wwehr ein unbehagüches Gefühl verspüren. Die Anschuldigungen find teilweise so töricht, daß man seiner Würde etwas zu vergeben meint, wenn man oft niedrig und albern denkende Gegner bekämpft. Feiner organisierte Seelen fühlen auch ein deutliches Mißbehagen, wenn sie im Eifer des Wwehrkampfes jüdische Verdienste etwas zu deutlich betonen müssen. Und dieses unangenehme Empfinden steigert sich noch, wenn, man sich beispielsweise der Zahl der im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten rühmt und dadurch reines Heldentum zu einem politischen Kampfmittel macht. Es hilft aber nichts! Wer siegenwill, nnch dem Feinde folgen, er muß ihn auch in übel duftenden Sümpfen bekämpfen. Und er wird — so sehr er es bedauert — oft den Gegner mit denselben Waffen angreifen müsien, die er selber benutzt. Aufklärung muß ganz systematisch verbreitet werden! Wirkliche Arbeit muß geleistet werden, und sie bedingt, daß ein möglichst umfassender Kreis von Menschen möglichst oft und möglichst regelmäßig bedacht wird. Diese Arbeit können die wenigen Männer, die im Landesverband und in der Ortsgruppe an führendem Platze stehen, nicht allein leisten, sondern dabei muß jedes einzelne Mitglied, jeder Mann, jede Frau und jeder Ingendli che n-a ch se i n en Krast en und i n sei n ent Kreise nritwirke n. Die unbedingt erforderliche Konsequenz der Bemühungen bringt es übrigens mit sich, daß in der Auftlärungstätigkeit das gedruckte Wort, das jeden erreicht, eine weit größere Rolle spielt als das gesprochene, das nur von eurem kleinen Kreise in Versammlungen vernommen werden kann. Wie hier vorgegangen werden muß, soll man vom Gegner lernen. Es dürste keinen deutschen Beamten und Richter, keinen Lehrer gegeben haben, der nicht während der Glanzzeit der völkischen -Bewegung allwöchentlich antisemitische Aufklärungsschriften erhalten hätte. Tie Judenfeinde spekulierten ganz richtig, wenn sie nach dem Grundsätze, daß steter Tropfen den Stein höhlt, damit rechneten, daß die stete Wiederholung auch der mrfinnigsten Anschauungen eine gefühlsmäßige Wirkung ausübt. Es ist das Geheimnis der Reklame, daß von solchen immer wieder verkündeten Sätzen eine faszinierende, fast hypnotische Wirkung ausgeht, die schließlich geistige Zustimmung erzwingt. Wenn es jo gelungen ist, einer großen, großen Schar unserer nichtjüdischen Mitbürger Anschauungen zu suggerieren, die vor dem Urteil der Geschichte, der Gerechtigkeit und des klaren Menschenverstandes in nichts zerrinnen, um wieviel mehr müßte es uns glücken, d i e Wahrheit über das Wesen des Judentums und seiner Bekenner zu verbreiten, die jeder noch so peinlichen Nachprüfung standh ält. Daß uns das aber nicht möglich ist, liegt daran, daß bei uns der Wert und die Notwendigkeit einer systematischen Aufklärungsarbeit noch vielfach verkannt werden. Die Monatsausgabe unserer Zeitung wird zu Austlarungszwecken in etwa 40000 Exemplaren versandt, während man erst bei einer Zahl von vier Millionen sich wirklichen Erfolg versprechendarf. Völkische Broschüren erscheinen in Auflagen, die häufig in dis Hunderttausende gehen, und wir sind kaum imstande. Tausende von Abwehrbroschüren zu verbreiten. Wohl haben wir den einen Schritt getan und den Philo-Verlag ins Leben gerufen! Aber das Bewußtsein, daß gute Abwehrlrteratur vorhanden ist und daß sie zur Verfügung steht, bedeutet keine Hilfe im Kampfe. Verbreiten muß man sie, und das eben so syst e m at i sch wieandauernd! Es ist ein schwerer Fehler in der Ideologie des Abwehrkampfes, wenn wir die Aufklärung als zu den ganz am äußersten Rande unseres Wirkungskreises liegenden Aufgaben gehörig betrachten. Sobald eine direkte Bekämpfung des Judenhasses für notwendig erachtet wird, darf sie nicht kehlen, weil nur fie der Arbeit das Prinzipielle und Systematische, das Dauernde und den eigentliche!: Wert gibt. In den leitenden Kreisen des Centralvereins hat sich diese Erkenntnis irr den letzten Jahren bereits durchgesetzt. Es ließe sich hierzu noch vieles sagen; Einzelwünsche müssen sich aus der praktischen Arbeit ergeben. Die Hauptsache ist aber, daß das Bewußtsein von der unbedingten Notwendigkeit der Aufklärung in die .Landesverbände und Ortsgruppen zu den einzelnen Mitgliedern getragen wird, und daß sieTaten vollbringen. Gewiß ist im letzten Grunde alle Aufklärung auch eine Geldfrage, und es ist ein bitterer Hohn der Weltgeschichte, wenn wir Juden, die wir als die Träger des Kapitalismus verschrieen werden, aus Mangel an Mitteln ein so wesentliches, grundlegendes Gebiet des Abwehrkampfes nicht voll erfüllen können. Diese Frage mutz gelöst, neue Mittel und Wege muffen für die Aufklärungsarbeit erschlossen werden, und das in großem Maße, damit unsere Arbeit nicht Stückwerk bleibe. Zrrrri 13. März 1927. „Ich hatt' einen Kanteraden, einen bessern findst du nit." Tiefes schlichte, erschütternde Volkslied ist die weithin leuchtende, die schönste, die ernste und die frohe Ueberfchrift für den Trauertag, den das deutsche Volk in allen seinen Gliedern am 18. März begeht. Die draußen im Felde standen. Schulter an Schulter, der Akademiker und der Kaufmann, der Industrielle und der Arbeiter, der Reiche und der Arme, der Christ und der Jude — sie singen diese Worte tränenden Auges über die Unzähligen, die sie in die kühle Erde betteten. Und hinter den Tränen sitzt oft freudiges Schimmern ob der Hingabe und der Treue, die draußen so viele Kameraden bewiesen haben, ob der edlen Menschlichkeit und Herzlichkeit auch des Einfachsten, der wie der Vornehmste und Größte im ausgleich'enden grauen Nock nur Kamerad war. Das alte Lied singen auch zahllose deutsche Männer und Frauen, die daheim geblieben waren, und die besonders in den ersten Kriegsjahren in unendlich vielen deutschen Volksgenossen mitfühlende, mitfreuende, mitleidende Menschen kennengelernt haben, mit denen sie freudig Opfer an Opfer für die Verteidigung des Heimatbodens brachten. Wir jüdischen Deutschen habet! nie die Hoffnung fahren lassen, daß diese Kameradschaft von Volksgenosse zu Volksgenosse, die erschütternde Ereignisse der Nachkriegsjahre fast fcte zum letzten untergraben hatten, sich mählich wieder knüpfen würde. Noch ist dieser Hoffnung keinerlei Erfüllung beschieden. Wer aber will verkennen, daß sich leise und doch deutliche Zeichen einer .Besserung, beachtliche Ansätze inneren Ausgleichs einfinden? Die Erinnerung an alle Gefallenen unseres deutschen Volkes, die ewige Dankbarkeit, die wir ihnen und denen, welchen sie entrissen wurden, schulden, muß uns ein Ansporn sein, mitzuarbeitcn an dem Wege zur wahren deutschen Volksgenteinschaft, in der jeder im Nächsten den Bruder, den Kameraden achtet. Das ist die erhabene Lehre des großen Volkstrauertages. * . * Der Volkstrauertag veranlaßt uns, einige Feldpostbriefe eines kr i e g sfrei w i l l i gen Infanteristen unseren Lesern zu unterbreiten. Die Stimmung der Kriegsjahre ist heute schwer herzustellen, und Kriegsbücher und -briefe finden keinen Gefallen beim großen Publikum. Trotzdem verlohnt es die Mühe, sich an diesem ernsten Tage in die Seele eines deutsch-jüdischen Soldaten und in die Stimmung der Weltlriegsjahre hineinzuversetzen. Wenn in diesen Briefen manches bittere Wort über Ungerechtigkeit und Verkennung geschrieben ist, so wollen wir gewiß nicht, indem wir diese Briefe bekanntgeben, damit unsere deutsch-jüdische Sorge an dem aügeuteinen Trauertage in den Vordergrund schieben. Wir dürfen aber der Wahrheit nicht wehe tun; denn viele, viele Feldpostbriefe unserer deutsch-jüdischen Kämpfer — wir erinnern nur an unsere „Kriegsbriefe" (Nr. 28 [1924] der „C. B.-Zeitung", hrg. von Prozessor Martin Hobohm) und cm das ausgezeichnete „Kriegsgcdenkbuch der Jüdischen Gemeinde Nürnberg", hrg. von Rabbiner Dr. Freudenihal, — vielo dieser Briefe sprechet! leider, müssen von dett dem Geiste der Kriegszeit unwürdigen Zurücksetzungen und Kranknngen sprechen. Und wie den Schreiber dieser Briese bei allen: Ungemach das eine, was er schlicht aussprtcht, aufrecht erhält: „Der Glaube an Deutschland und feine Kraft". so ist auch das unser Trost und unsere Sicherheit: „W i r glauben an unser deutsches Vaterland t r.otz allen: und an seine Kraft." Feldpostbriefe 1914/15. 19. September 1914. Die Kugel kennt kein bestimmte-- Zic>. doch wäre das Lebet: nicht lebcnswert, wenn ich nicht Mut genug hätte, für das deutsche Vaterland, das heißt für die Heimat, die Am gehörigen ut:d deren Zukunft, mein Leben einzusetzen. Ter Tod ist gewiß für die Hinterbliebene!: etwas Schmerzliches, doch muß das

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