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Central-Verein-Zeitung · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · p. Seite 121

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
Seite 121 (sequence 1)
Language
German
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MMk UMLBMMÄM» <J cyc^zziWaa^?s^/ Einzelnummer 10 Bsennig. L-r'6-i u. Schrifiteitung: Berlin 8W 6S, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. stube G, Berlin SW 68. Lindenstr. uns von Goldfchrnidt-Rvthschild L Co., Berlin W 8. _:_c.nr._.«■'_.».A.iicm./. c»..r:„onf ia __v s__n nn rry u (iw \ 7 i y* ' fi - t * >ei - ^Hr In unseren eigenen Reihen begegnet man verschiedenen Erundauffasjungen darüber, wie am wirksamsten -dem Antisemitismus entgegengetreten werden solle. Manche meinen, daß es sich nicht verlohne, die Einzelerscheinungen des Judenhaffes su bekürupfen, da -es sich dabei nur um eine rein .symptomatische Behandlung drehen könne, und sie sehen das hefte Mittel in der sittlichen und seelischen Stärkung des jüdischen Menschen, dopen Widerstandskraft und Bewußtsein von eigenem Werte gekrästigt werden müpe- Diese Ansicht W. das Problem subjektiv auf. Sie rechnet mit dem Anti- Sitism-us als einem Feststehenden und Unabänderlichen und t lediglich dem Menschen die vorteilhafteste Einstellung zu ihm zu geben. Andere aber sind der Ansicht, daß der Judenhaß auch objektiv durch Abwehrarbeit überwunden lverden ftmn. Sie predigen die Bekämpfung jeder einzelnen antisemitischen Gesinnung und Tat und hoffen, daß aus der Zusammenfügung vieler kleiner Erfolge der eine große Erfolg entstehen ruerde. . - Jede dieser Meinungen ist zu verwerfen, lvenn sie den Anspruch auf a u s s chbi e ß la ch e Gelt ii n g erhebt.' Beide zusammen geben erst die Möglichkeit durchgreifender Hilfe. Wer dem Judenhaß kraftvoll und erfolgreich entgegen treten will, darf weder die innerliche Stärkung der Angegriffenen nock) auch den Kamps gegen seine Erscheinungen vergessen. Und es ist ein großes Unrecht, wenn -man häufig unter dem Emftuß der nationaljüdischen Ideologie auch in unseren Kreisen den positiven Kampf gegen antisemitischen Geist und antisemitische Tat als etwas von vornherein Erfolgloses und öarum Minderwertiges, wenn nicht gar Minderwürdiges an» gesehen hat. Für die nationaljüdische Theorie, die auf Schaffung eines einheitlichen, in sich festen Volkskörpers ausgeht, die Trennung und feste Abgrenzung will, tritt naturgemäß jene Bekämpfung des Antisemitismus, die seine kleinsten Aenßerungen aufspürte und ernstlich zu unterdrücken suchte, mehr in den Hintergrund. Und da bas eine ihrer Argumente scheinbar zutrifst, daß man einen klaren Erfolg dieser Arbeit nicht verspüre, haben sich für diese Eedankengänge auch viele gewinnen lassen, die an sich der uationaljüdischeu Theorie gänzlich fernstehen. Fraglos ist es richtig, daß beim Kamps gegen den Antisemitismus oft genug der Erfolg die Mühen nicht zu belohnen scheint. _Das rührt aber von einem Fehler in der.Taktik her. Man sucht wohl die Erscheinung einzndämmen und 3l?r vernichten, aber man geht an ihren Herd Mll)t heran. Auch. auf diesem Gebiete ist. prophy- . A rbeit ganz unerläßlich. Auch der - schönste Eifer im Vorgehen gegen die antisemitische Einzeltat ' 'st s wirkungslos, wenn nicht systematische, vorbeugende Arbeit chn begleitet. Und das wichtigste, was in dieser Hinsicht ae- ^Ilet werden kann, ist Aufklärung! Es gehört heute riech selbst in Kreisen unserer Anhänger vernähe zum guten Ton, die'Aufklärungsarbeck geringschätzig anzusehen. Man argumentiert, daß antisemitische Gesinnung ein Gefühl und kein Berstandesprodukt sei, und daß sie sich demnach nicht durch logische Darlegungen widerlegen lasse. Man spottet, daß man noch niemals einen durch Aufklärung bekehrten Judenfeind gesehen habe. Man klagt, daß auf die Arrsklärung ungeheure Kräfte nutzlos verschwendet werden, die besser anderen Wegen der Ueberwindung des Judenhasses zugute kommen sollten. Und dennoch sind Logik und Spott und Klage töricht. Tenn sie entspringe!: alle einer sehr kleinlichen Denkweise, die über den engen Kreis der nächsten Umgebung — räumlick) und zeitlich — nicht hinaus zu schauen vermag. Wer den Wert der Aufklärung richtig erfassen will, muß einen ganz anderen Maßstab anlegeu. Er muß in Jahrzehnten und Jahrhunderten denken, er muß die Kraft jener Entsagung besitzen, die Arbeit auch für kommende Generationen, nicht nur für die Lebenszeit des Schaffenden leistet. , Es ist das Schicksal jeder fortschreitenden Wahrheit gewesen, daß sie die dem Irrtum verfallenen Geister nur sehr^ langsam hat gewinnen können. Neue Erkenntnisse müssen oft jahrhundertelang wiederholt und wiederholt werden, bis sie in den Köpfen haften. Und vom historischen Standpunkt aus ist die Herzenseinfalt vieler Juden unbegreiflich, die Aufklärungsarbeit darum verwerfen, weil sie einige tausend Flugblätter verteilt haben und trotzdem den bösen Antisemitismus immer noch verspüren'. Wenn aber unsere Vorfahren so gehandelt hacken wie die Superklugen unserer Tage, wenn sie die Welt nicht darüber aufgeklärt hätten, daß die Juden keine Brunnen vergiften, keine Ehristenkinder schlachten, keine Hostien schänden, keine Meineide von Religio nswegen ~ leisten, -und zwar deshalb nicht aufgeklärt hätten, weil mau ja doch keinen Erfolg sehen könne, wären wir - heute bestimmt noch viel weiter zurück, als es der Fall ist. Und wenn einer den Einwand macht, daß das Verschwinden vieler dieser Anschuldigungen keineswegs auf die jüdische Arbeit, sondern auf den allgemeinen« Fortschritt humanitärer Ideen zurückzusühreu sei, so vergißt er, daß solcher Fortschritt nicht von allein kommt, und daß das jüdische Mühen eben ein zwar kleines, aber immerhin sehr wirksames Glied der vorwärts und aufwärts weisenden Kultnrbestrebungen war. Die Aufklärungsarbeit u n s e r e r Tage muß gleiche Selbstlosigkeit beweisen. Das Antlitz der Zeit ist ein anderes geworden. Es sind heute nicht mehr die religiösen Fragen allein, die rm Mittelpunkt der Interessen stehen, und so ist auch der Antisemitismus mehr ein Politischer und ein wirtschaftlicher geworden. Und jetzt gilt es, Ausklärung zu verbreiten über die Nolle der Juden in der Politik und in der W i rt scha ft. Und wie es einst sich wehren galt gegen den Vorwurf der Hostienschändung, muß man sich heute dagegen wenden, daß die Juden ein destruktives Element im politischen Leben seien, daß sie internationale

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