Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 9 (4.3.1927)
- Date
- 1927-03-04
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Sanatorium für Nerven~ und innere Kranke Leitende Aerzte: Dr. Fleisdimann, Dn Poensgen Dr. Poensgen von der Reise zurückt nismus eine Verengung jener geistigen Inhalte bedeutet, für welche diese Vereinigung von Gemeinden vor cüein cintritt. Im empfinde den Politischen Zionismus als unvereinbar mit jenem Universalismus, der gerade die Seele unserer Reformbcwegung ist. Aber diese feste Ileberzeugung vernichtet nicht meine Sympathie für die Bemühungen, die Hilfsquellen Palästinas zu erschließen. Palästina kann bestenfalls das Heimatland einiger Juden werden, gerade so, wie Amerika unser Heimatland und England und andere Lander die Heimat anderer Juden sind/ H. SeZbstrvüröe unö Takt. Jüdische Schüler bei christlichen Schulfeiern. Wenn wir auch darauf dringen müssen, alle Rechte, die uns zuftehen, zu erreichen, so gibt es doch auch hier Grenzen, die wir uns selbst zu setzen haben. Selbstwürde und Takt fordern gebieterisch, daß wir manche Stelle, die offen zu stehen scheint, manche Einrichtung, an der teilzunehmen unvermehrt ist, andern» überlassen, die berechtigteren Anspruch haben. Als. Würdelosigkeit werden seriös denkende Juden es empfinden, wenn Juden hier nicht Selbstdescheidung üben, und als Taktlosigkeit must solches Verhalten auch den ernster denkenden n i ch t j ü d i s ch e n Mitbürgern erscheinen. Uns liegen Klagen über Teilnahme jüdischer Kinder christlichen Weihnachtsseiern vor; und nicht nur um passive Beteiligung handelt es sich, sondern um aktives Austreten. Juden und Nichtzuden fühlen^ sich dadurch verletzt. Wenn wir nun auch vorausbemerken müssen, daß wir an Schulen, an denen eine Ueberzahl jüdischer Kinder ist, es für wenig taktvoll von seiten der Leiter und Lehrer halten, einseitige christlich-religiöse Schulfeiern zu veranstalten und es für selbstverständlich anzusehen, daß die jüdischen Schüler daran teilnehmen, so entschuldigt das noch lange nicht ein würdeloses und taktloses Verhalten der jüdischen Eltern und Kinder. Es ist für uns ganz selbstverständlich, daß sie in Kenntnis der Einseitigkeit des Programms der Schulfeier jede Mitwirkung und Beteiligung ablehuen. Sollte dieses entschiedene Verhakten dazu führen, das Programm der Feier rücksichtsvoller zu gestalten, so Ware damit schon viel erreicht. Es ist nicht notic^ und auch nicht angebracht, rigoros zu fordern, daß jede Berücksichtigung des christlichen Festgedankens unterbleibt. Aber der Charakter der Feier als Schulfeier für alle Kinder must gewahrt werden, und ich kenne aus eigner Erfahrung solche Falle echt religiöser Toleranz. ..Wird aber die Feier mit vollem Bewußtsein zu einer christlichreligiösen gestempelt, und ich kenne genug derartige Fälle, so haben jüdische Eltern und Kruder dort nichts zu suchen. Das verbietet die eigene Würde, und das verbietet auch der Takt. Religiöse Einrichtungen anderer Gemeinschaften müssen von uns respektiert werden. .Dieser Respekt verlangt gerade eine gewisie Distanz. Das gilt aber auch für die Weihnachtsfeier im jüdischen Hause. Wer jemals solcher Feier im christlichen Hause beigewohnt hat, der weiß, daß die christliche Legende und die Weih- Nachtshymne dieser Feier erst ihren eigenartigen und wertvollen Charakter geben. Im jüdischen Haus kann daraus nur eine Parodie werden. Die Kernstücke dieser Feier in irgendeiner Form, und sei es auch nur mit Hilfe des Grammophons, im jüdischen Hause bei- Aubchalten, ist eine Blasphemie. Sie aber ganz weg lasten, nimmt oer Feier jegliche Weihe. Und dieser Weihe gerade bedarf das Kindesgemüt! Aber haben wir es denn wirklich nötig, bei den reichen Schutzen im eignen Hause an fremden Türen zu betteln?! Gerade entschieden liberale Juden müßten ihren Stolz darein setzen, zu zeigen, daß das Judentum vom liberalen Standpunkt aus schöpferisch genug ist, um bei seinen Feiern neue, eigne Wege zu gehen, die seinem Geiste entsprechen und Würde und Takt nicht gefährden. Ter moderne Chcmukagottesdienst und die immer mehr zur Einführung gekommene Chanukakinder- und Jugendfeicr sind so glänzend gelungen. Laß auch die häusliche Chanukaseier, die jüdisch-religiöse Woihefeier unseres jüdischen Weihesestes mit ihrer frommen Legende, mit' ihrer froh erklingenden Hymne, mit ihrem herrlichen Lichtstzmbs! über eine völlig deplacierte Weihnachtsfeier im jüdischen Hause bald überall gesiegt haben wird. Gerade religiös-resormatorische Kreise haben auch hier schon längst den Weg geebnet. Dr. Joseph Lehman«» Geora Hermann fährt im folgenden in der Widerlegung des Vorwurfes fort, der deutsche Jude erstrebe die „Führerschaft im deutschen Volke. Die vchristleitung. XII. Und noch weiter bin ich schuldig. Ich habe durch vierundcinhalb Jahr in der übelsten Zeit für Deutschland, als im Ausland int Ruhrkrieg und nachher kein Hund einen Brocken von ihm nehmen trollte, in einem großen ausländischen Blatt neben einem Engländer und einem Franzosen, die über ihre Literatur schrieben, Woche .-für Woche einen langen Aufsatz über neue deutsche Bücher geschrieben. Eine ost unerfreulich, mühselige und wenig rentable Arbeit, und ich habe es nur getan aus Liebe zum T-eutschtum und seiner Kultur.. Ein ausländischer Diplomat schrieb mir: Nehmen Sie die Sache nicht auf die leichte Achsel, es ist die wichtigste Arbeit, die im Augenblick ein Deutscher überhaupt leisten kann zum Wiederanknüpsen der^zerrisieneu Beziehungen. Ich sch heute etn, cs kam mir nicht zu. So etwas schürt nur den Antisemitismus'. Das hätte ein echter Deutsche machnmüsien und lein deutscher Jude. Es war sicher eine Verkennung von den Leuten draußen, daß sie sich an einen deutschen Juden wanckcken, ob er sich nicht der Mühe unterziehen welle. Sie meinten, ob ich es nicht machen wollte, da ich sehr bekannt -und beliebt bei ihnen wäre. Und frech und vordrängend, ehrgeizig und nach Führerschaft strebend, habe ich damals Ja gesagt. Ich habe das getan, trotzdetn ich fest davon überzeugt war, daß die deutsche Literatur heute, äußer wenigen Spitzenleistungen, ein. sehr niedriges Niveau hat. . . international betrachtet. Und daß das Volk der Dichter und Denker im großen keinen literarischen Nerv hat, wie der Franzose, der Däne, der Nuste, vielleicht auch der schweizer ihn besitzt. Der Du rchsckmitts deutsche ist amusisch. Ter Kolonial deutsch in noch stärkerem Maße als der südlich der Mainlinie. Was der Tmrchschnittsjude nicht ist. Im Gegenteil, der Jude bekommt literarische und künstlerische Bedürfnisse in dem Augenblick, da sich seine Lebenshaltung hebt. Ach. und meine Familie hat überhaupt so ein- Pech! Da habe ich einen Bruder — wir machen nicht viel Gebrauch voneinander — aber der cht seit seiner Schulzeit nichts anderes reckst getan, als Püppchen gemalt und Hieroglyphen gelesen. In der Schule hat er's unterm Tisch getan und nachher auf dem Tisch, wie einer seiner eckten Lehrer später zu ihm sagte. Und so gilt er heute nach 50 Jahren als einer der ersten deutschen Aegyptologen, durchaus nicht deutsch-jüdischen Aegyptologen. Er strebt sogar Führerschaft unter den europäischen Aegyptologen an. Aber wenn er jemals wieder einen Amouophes oder eine Königin These ausgräbt, soll er nach WoUgang Schumann sie wohl schnell wieder eingraben, damit er nicht den wahrhaft arischen Gelehrtenspürsinn etwa überflügle. Ach, wenn ich nur schon bloß den Quatsch mit eurer Führerschaft nicht mehr zu hören brauchte. Führerschaft ist ein Herdenwort. Führerschaft ist ein Wort aus dem Lexikon eines Sklaven Volkes, das sich ein Land nicht anders als beherrscht denken kann, bestehend aus Müsien von Untertanen, die im Krieg zum Menschemnaterial werden. Bei Menschen von tvahrhaft demokratischer Gesinnung gibt es nicht mehr als Primus inter pares: und den Primus inter pares bestimmen seine Leistungen, und er bestinunt sich nicht selbst; und man nimmt einen andern, wenn er versagt. Wie kommt denn ein Mensch zu öffentlichem Einfluß, ob in der Politik, der Kunst, der Musik, den Wisienschasten, der Technik, also zu eurer sogenannten „Führerschaft"?! Doch nicht dadurch, daß er morgen sagt: „Ich bin euer großer Dichter, euer Minister, euer UniversitäLsprofesjor, euer erster Komponist», sondern er wird es dank seiner Leistungen und dadurch, daß ihn andere dazu machen, weil er der'Erste ist oder zum mindesten im Augenblick noch war, also jeines Verdienstes wegen. Der Jude will nicht herrschen, führen, befehlen; er will, wenn er sich dazu geeignet erweist, leiten, überzeugen; und er will nicht dienen, sondern ciitem Ganzen, an das. er glauben kann, als tlützlich und mitschaffend sich einsügen. Ohne Vorgesetzte und ohne Untergebene will er an der Stelle stehen, wo er seinen Leistungen nach hingehört. Und in einem nach diesen Grundsätzen aufgebauten Deutschland wird der Jude ein durchaus nützlicher Teil sein. Und wenn Tietz/WerLheim, U l l st e i n, M endelsoh n, B l e i ch r ö d e r, S p e i e r - E l l i s s e n, B eh r - S o n dh e im er, E i n st e i n, LilienLhal, Reiß, H o s m a n n s t h n I . . . tvenn Kennen Sie von Tee-Mefsmer den vom.üglicken, tut Verbrauch io sparsamer! »Ceylon-Jndran* (enaliiclleMi'chunch.das50»x:-Paket 05Pf., die aroman'che .M.nw^in-Mnck'>una* lrufsiscye Muchuna), das 50--£* Pabt 130 Pf. und een unubertreffucken, rcksiten .Hockck.tnd-T'e*, das 50-x-Paket 1150 P'. Verlanmn Sie gratis Proben von der Zentrale Eo.Messruer.G m.b H.» Frankfurt a. Main, unter W gäbe der Niederlagen Ihres Wohnsitzes. ■"VÄ" .*** / / Vv*