Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 9 (4.3.1927)
- Date
- 1927-03-04
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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l | 1 t ^Ö> ® A afl a D ~; :-TN & ■ ’y. © Dor einigen Wochen erschien in einer Berliner jüdischen Zeitschrift eine Anzeige der Ford-Illotor-Compmiy in Berlin. Diese enthielt den ^"„Herr E. Ford, der Lohn von Henry Ford, kennt keine Vorurteile gegen Menschen, gleich, welcher Nasse oder Nationalität. Er ist Inhaber und Präsident der Ford-älotor-CompanyT Dieses Inserat erregte trotz des Zusatzes den Unwillen weiter Kreise des deutschen Judentunis. Es wurde als eine Würdelosigkeit bezeichnet, daß eine jüdische Zeitung im Inseratenteil Propaganda für eine Firma mache, die unter Führung eines bekannten Antisemiten sieht. Auch der JnseraienverwalLnng der C. V.-Zeitung wurde die Anzeige der Ford-ZIotor-Cornpany angeboten. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens lehnte jedoch inr Einvcruchrncn mit der Auzeigenverwalturig die Ausnahme der Anzeige ab. Infolge dieser Weigerung, die Anzeige auszunehw.en, und im Verlauf weiterer Versuche der Berliner Ford-Vertretung, den i Cer.tralverein zur Ausnahme des Inserates zu veranlassen, erhielt der Centralverein vor wenigen Tagen das nachstehende Schreiben: Autorisierte Ford-Dertretnng, Noior-Company Neuberg, Behrens G. m. b. €>., J i *' Am Schloßplatz Berlin C2. i An den Eentralverein I deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens,! B e r l in.! Wie uns die Firma Rudolf Mosse mitteilt, weigern Sie sich, ohne genügende Aufklärung bezüglich der Einstellung des Herrn Lear/ Ford zur Jüdenfrage die Ihnen aufgegebene Anzeige auszunehmen. Unser Herr Behrens besuchte Sie und gab Ihnen eine Anzahl mündlicher "Erklärungen, aus denen Sie schon vernehmen konnten, daß die Tatsachen weit von dem abweichen, was allgemein in der Presse in dieser Angelegenheit berichtet wird. Die Ford-LIvtor-Company in Detroit nimmt ans prinzipiellen Gründur niemals zu Zeitungsartikeln dieser Art Stellung, nicht nur, weil diese Angriffe Herrn Henry Ford persönlich angehen. sondern weil die Motor-Company sich an einer Pressekampagne nicht zu beteiligen wünscht. Auch in anderen Fragen rein geschäftlicher Natur, wie z. B. die verschiedenen Verleumdungen über Umsatzrückgang, Belriebseinstcllung upv., ist seitens der Ford-Motor-Company in keine Weise Stellung genommen worden. Die Ursache, weshalb insbesondere in Deutschland in einer Anzahl Tageszeitungen und Zeitschriften Henry Ford als eingefleischter Antisemit gegeißelt wurde, ist fast ausschließlich aus das iri die deutsche Sprache übersetzte Buch „Der internationale Jude" zurückzuführen. Dieses Buch ist im „Hammers-Verlag erschienen. Herr Fritsch, der Inhaber dleses Verlages, hat jrch seinerzeit stark darum bemüht, dieses Buch heraus geben zu können*). Tie Zentralverwaltung des Sekretariats dos Herrm Henry Ford hat seinerzeit eingewilligt, ohne auch nur im e n t f e r n t e st e n davon K e n n t n r s Zu b e s i tz e n, w clche H c n fc c n 3 der „H a ni m er' - Derla g verfolgt, noch w e l ch e Persönlichkeit Herr Fritsch ist. Erst in letzter Zeit haben verschiedene Persönlichkeiten, die an kr richtigen Uebersetzung des englischen Textes dieses Buches schelten, eine Kontrolle ausgeübt und festgestellt, daß die U e b e r - Hhung absolut tendenziös gefärbt ist. d. h. der 6ünze Text des Buches ist auf den bekannten antisemitischen Ton des Herrn Fritsch ..umgestaltet" worden. Henry Ford, der nur sachuche Erwägungen in seinem Buch wiedergibt und überhaupt nur lüeng sachliche Motive in allen Dingen kennt, ist es niemals eingcfallcit, eine antisemitische Hetze zu inszenieren, wie solche in Deutschland in gewissen Kreiserl üblich ist. Die Zcntralvcrwaltung der Henry Fordfdjcn Sekre- «fnatc wird gerichtliche Schritte gegen den „Hammcr"- ^trlag unternehmen. 1. um das Wcitererscheincn des Buches zu verhindern, 2. den verantwortlichen weiter des,^Hammer^-BerlagcS, Herrn Fritsch, wegen Tertfälschung schadenersatzpslichtig tu wachen. Der Pressefeldzug gegen Henry Ford, in welchem unter anderen Verleumdungen immer wieder zum Ausdruck gebracht wird, Henry dürd sei eingefleischter Antisemit, gebt r n einem Konkurrenz- 1?1} Zern ans: dadurch charakterisiert sich der Wert dieser Nachrrcht von selbst. Wie ^Einstellung des Herrn Henry Ford zeigt sich am besten 'olgende Tatsachen: Das eigentliche Oberhaupt der Fordäwj.nny, der kaufmännische und sinanztechnische Chef dieses *) b^crrer.Zen und Fettdruck su-.d vsn uns vorüensrnmen. Die Echristlkg. Riesenkonzerns, Herr Joseph Lieb old, ist Jude (heute noch). Die Ford -Motor-Company beschäftigt 2400 jüdische Mitarbeiter (ohne die nach Tausenden zählenden jüdischen autorisierten Vertreter). Ein erheblicher Teil dieser Mitarbeiter befindet sich in leitenden Stellungen. Sie haben in Ihrem Organ schon des öfteren Gelegenheit genommen. die Glaubwürdigkeit des „Hammers-Verlags und seines Herausgebers, Herrn Fritsch, zu kritisieren. Wir glauben nicht, ^daß die den Verleumdungen eines Konkurrenzunternehmens von Ford dadurch Vorspann leisten, indem Sie diesen Irrerührungen Glauben schenken. Ihre Zeitschrift, die der Wahrheit und Aufklärung dient, würde, wenn Sie unsere Einwendungen nicht berücksichtigen, fraglos Ihr Prinzip verlaßen. Wir stehen zu weiteren Aufklärungen gern zur Verfügung und begrüßen Sie Hochachtungsvoll Motor Company Neuberg, Behrens G. m. b. H. gez. Behrens, gez. Neuberg. Wir veröffentlichen diesen Brief aus Gründen der Lonalimt. Unsere endgültige Stellungnahme zu dem Problem Ford müssen wir uns aber Vorbehalten, bis wir den Ausgang des Pro- Zesses Ford gegen Fritsch kennen. Dieser Prozeß ward ja hoffentlich die erforderliche Aufklärung auch nach der Richtung schassen, weshalb die Herausgabe und Uebersetzung des Buches von Henry Ford gerade Herrn Fritsch übertragen worden ist. Sollten desien Ansichten und die Tendenz des „Hmnmer"-Vertages wirklich der Forä-Berwakrung unbekannt gewesen sein? Für unsere Entschlüße ist natürlich jede geschäftliche Rück sicht nah me ganz belanglos. Wir können nicht beurteilen, ob es nch. falls der Prozeß die übrigen Behauptungen des Schreibens bestätigt, um Machenschaften geschäftlicher Konkurrenten handelt oder nicht. Wir müssen aber von vornherein jede Erklärung ablehnen, dietwa nur aus dem Grunde abgegeben werden sollte — wir wollen das von diesem Schreiben keineswegs an nehmen —, um den deutschen Markt sür Ford zu erobern. Für die Ford-Molor-Company wird es nach den hier wiedergegebenen Erklärungen wahrscheinlich eine unangenehme Ueberraschrmg sein, daß der „Hammer" gerade in seiner letzten Nummer die judenfeindliche Aufklärungsarbeit der in Detroit erscheinenden Fordfdjen Wochenschrift „Dcarborn Independani" begeistert lobt. Dr. SrunAmanns Reüe im preußischen Lanötag. Bei dem Kampf im preußischen Landtag um die Aufhebung der Zwangswirtschaft für gewerbliche Manie hat der Redneder Deutschen Bolksparlei, Abgeordneter Tr. Grund m a n n , seine Stellungnahme gegen die Freigabe mit judenfeindlichen Aeußeruüaeu begründet. Er führte etwa aus: „Wenn sich Leute mit Gesicht-- Zügen. d:e als germanisch nichr zu bezeichnen sind, unter den Mietern vordrangen, mit decken Ringen und Nerzpclzeu, so kann das bei ben Parteien keinen Eindruck machen/ Diese Aeußerungen ballen nicht nur im Landtag selbst, sondern naturgemäß auch in der breiten Oenentlrchkcrr große Unruhe hervorgcrusen. Wir haben Gelegenheit genommen, mit Tr. Grundmann wegen dieser Aeußerungen zu sprechen. Dr. Grundmann erklärte, daß er kern Antisemit sei. Er sei ein Schüler von Professor Wo h lauer in Breslau und könne schon in Erinnerung au diesen Mann und seinen Unterricht nicht Antisemit sein. Bor der Landtagssitzung vom 15. Februar seien mindestens hundert Besucher zu ihm gekommen, um gegen die Aushebung der Zwangswirtschaft zu protestieren. Es seien Inden gewesen, die den Eindruck am ihn gemach: Härten, alob sie noch nicht lange in Deutschland bz v. in Berlin ansässig seien, und die nach Kleidung und Schmuck durchaus wohlhabend ansge-cheu hätten. Er habe diesen Besuchern auch gesagt, daß sie — noch ihrem Aeußcren zu urteilen — durch die Aufhebung der Zwangswirtschaft doch wohl kaum in Not geraten würden. Bei seinen Ausführungen habe er noch unter dem Eindruck dieser Besuche gestanden, und er hätte kichert ich diese Redewendungen nicht gebraucht, wenn er seine Rede vorher aus gearbeitet hätte. Wenn bei .dieser Erklärung auch an sich erfreulich ist, daß Dr. Grundmann sich g r u n dsätzlich a l s G cg nc r de s Ä u t i f e m i 11 § ni u § bekenn t. so müssen doch derartige Entgleisungen bei einem Anhänger einer liberalen Partei mehr als verstimmen. k