Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 8 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Auch öer Skisport. Der? internationale Verband lehnt Den Arierparagraphen ab. Ter fanatische Judenhaß gewisser österreichischer Kreise hätte in diesen Tagen beinahe wieder zu einer schaueren Schädigung des Deutschtunis 'im Auslände geführt. In dem kleinen Dolomitenstüdtchen Cortina d’Ampozzo wurden in diesem Jahre zum zweiten Male die internationalen Skitonkurrenzen der Federation International de Ski (FIS) durch den italienischen ^kiveroand veranstaltet. Auch Deutschland hatte eine stattliche Mannschaft für die einzelnen Konkurrenzen gemeldet. Unter ihnen befanden sich auch einige vom deutschen Skiverband benannte Skiläufer österreichischer Staatsangehörigkeit. Die Oesterreichcr können nämlich in die FIS nicht eintreten, da die Satzungen aller der FIS angeschlossenen Landesverbände so beschaffen sein müssen, das; jedem Angehörigen des betreffende;! Landes der Eintritt in seinen Skiverband möglich ist. Tie Schaffung eines allgemeinen österreichischen Landesverbandes war jedoch nicht möglich, weil die Mehrzahl der österreichischen Skivcrbände den Aricrparagraphcn in ihren Satzungen enthält und selbst um der allgemeinen Sportinteressen willen -nicht davon abzugehen gewillt ist. Da den O e st e r r e i ch e r n hierdurch die Teilnahme an der internationalen Konkurrenz unmöglich war, schloß sich ein Teil der österreichischen Verbände zu einem Zwcigveröaud zusammen, der als Nrrtcrverband dcm als Mitglicdc der FIS angcschlossenen Det?ischen Stivcrbaud vertrat. Von diesem wurden nun auch einige Österreicher zu den Konkurrenzen in Cortina d’Ainpezzo gemeldet. Aus den Kreisen der FIS wurde jedoch diesen Teilrrehmern die Startberechtigung abgestritten, da die nach den Satzungen der FIS erforderliche nationale Einheit des deutschen S k i v e r b a n d e s nicht gewahrt worden sei, weil nach der Aussapnng der FIS der Begriff „national" identisch mit st a a ts b ü r a c r l ich sei. Da der Deutsche Skiverband bereits die Möglichkeit erwog, feine Teilnehmer im Falle einer Startverweigerung für die Sesterreicher zurückzuzielren. schien ein Konflikt unvermeidlich. Erfreulicherweise wurde dies noch einmal vermieden. Der Kongreß der FIS stellte zwar fest, daß die Meldung der Lesterreicher unvereinbar sei mit den Satzungen der FIS, es wurde jedoch mit Rücksicht aus die reibungslose Durchführung"der sportlichen Konkurrenzen beschlossen, die Oesterreicher a u s n a h m s - weise starten zu kaffen. Es wäre zu wünschen, daß der Deutsche Skiverband seinen ganzen Einfluß chür eine Beendigung der unhaltbaren Zustände im österreichischen Skisport einsetzte, um im nächsten Jahre schwere, internationale Konflikte, die dem Ansehen des deutschen Skisports in der Welt schweren Schaden zufügen und die Zeitnahme der Oesterrcicher an den Olympischen spielen 1928 in St. Moritz gefährden, zu vermeiden. „...verträgt sich nicht mit öer Ehre öer Studenten." Aus Der Rede VeS Münchener Unwersitätsrettors. In der Sammlung „Münchener Universitätsreden", herausgegeben von Rektor und Senat, Heft 8, hat Karl Boßler der Oeffentlichkeit vier seiner Ansprachen übergeben, unter denen sich auch die viel beachtete Festrede „Politik und Geist" befindet. — Als die im Korporationsausschuß vereinigten studentischen Verbindungen Dezember 1926 den jüdischen Korporationen die Teilnahme an der Jahrhundertfeier verweigerten*), hielt Boßler vor dem Korporalronsausschub eine Rede, aus der die folgenden Sätze sich mit der st u d e n t r s ch e n Ehre und d e m R a s s e n p r i n z i v beschäftigen: „Ich komme zum Kern der Sache: Nämlich, ob cs sich mit der Ehre eines Studenten verträgt, die jüdischen Kounnilitonen auf die Seite zu drängen, und zwar von den jüdischen Kommilitonen gerade diejenigen, die sich als deutsche Juden fühlen, den Lebensstil des deutschen Studenten anstrcbeu, mitmachen und bei unseren Festen mit Fahne, Schläger und Wichs dabei sein möchten. In den Satzungen der von Ihnen ausgeschlossenen freischlagenden Verbindung Thnringia heißt § 1: „Die Verbindung hat den Zweck, studentische Sitten und wissenschaftlichen Geist, deutsche Gesinnung und konfessionelle Toleranz unter ihren Mitgliedern zu pflegen." . . . Mir falten dabei jene tapferen Juden von 1914 ein, die mit uns hirrarrszogcrr und für Deutschland gefallen sind. Eine der von Ihnen ausgeschlosseneu Verbindungen hat 22 Tote Zn verzeichnen. Wir haben uns diese Opfer und diese Hilfe gefallen lassen, wie wir cs uns im Frieden gefallen lassen, daß z. B. unser psychiatrisches Forschungsinstitut zu einem sehr großen Teil von einem Juden finanziert wird, daß hervorragende Forscher und Denker, um nur unseren Richard Millstätter zu nennen, eine führende Rolle in der deutschen Wissenschaft übernehmen. Ja, wir haben es uns gefallen kaffen müssen, denn diese und ähnliche Dienste werden dem deutschen Volke zuteil, ungebeten, wie Sonne und Regen. Die *) Vgl. „C. V.Htg." Nr. 19, Jahrgang 1920. ganze deutsche Kultur östlich unserer Reichsgrenzcu wäre vielleicht längst zusammengesunkerr und vom Slawentum überschwemmt worden, wenn nicht das Judentum für deutsche Sprache und deutsche Geistcsart dort cinstände. Sie werden nun einwendcn, meine Herren, daß trotz alldem ] I. der Jude ein Fremder sei für den Deutschen: fremde Raffe, j j fremdes Volk. Von der Raffe lassen Sie mich schweigen/ denn |! dies ist ein zoologisches, kein humanes Argument, und wer sich » \ im menschlichen Tierreich zu bewegen wünscht, der mag immerj! hin sich vor den Juden verschließen, als vor einer Tierhaltung, die seiner Tiergattung schädlich ist. Aber eine Universität ist keine * Menagerie." G i ] Gegen öie Magdeburger Geschlüsse. Erneute scharfe Kampfansage Der Deutschen StnDentenfchast. lieber den Verlaus des Magdeburger Studententages wurde in i der „E. B.-Zeitung" bereits kurz berichtet und die dort angenomi mene Entschließung wurde fast in der ganzen Tagespreise veröftent-; licht. Konnte und mußte man damals nock) über die endgültige! Beantwortung des bekannten Ministerbriefes im Zweifel sein, -so ■ schien nach den persönlichen Verhandlungen im Ministerium arn 15. Februar tlargeworden, daß die Studentenschaften den Forderungen des Ministeriums ans der ganzen Linie nochgegeben haben. Diese Tatsache wurde von der Tages presse als ein Zeichen der Ge-; sundung der heutigen Studentengeneration begrüßt. Kaum ist aber die Erklärung des Preußischen Pressedienstes über den Ausfall bei* Verhandlungen verösfeullicht worden, so hat der Vorstand der f Deutschen Studentenschaft in einet' in der Geschichte der Stu- \; dentcuschast nicht ganz unbekannten Weise die studentischen i : Vertreter irr Der Verhandlung mit dcrn Minister völlig! * desavouiert. Man hat den amtlichen Bericht als eine Irreführung bezeichnet, den „kampflosen" Verzicht auf die großen deutschen Ziele der Studentenschaft aufs schärfste mißbilligt und sich alle weiteren Schritte Vorbehalten. Der Kampf, der also beendet schien, ist jetzt erst in voller Schürfe entbrannt. Es ist also nötig, nach wie vor die Studentenschaft sorgfältig im Auge zu behalten. Bei dieser Sachlage seien einige Aeußerungcn mitgeteilt, die Magdeburg gefallen sind und die aus i)cm Mundo von Führern der Temschen''Studentenschaft in Wien — die bes annt lieh nur aus ariichen Mitgliedern besteht — stammen. Man hat nämlich solt j gcndcs Ammenmärchen in einer Versammlung von Akademikern -- j also fced) wohl gebildeten Leuten — erzählt: In der Inflationszeit sind die bösen Ost in den in Hellen Hanken nach Wien gekommen, haben sich dort einbüraern lasten, und mit dom vielen Golde, was sie hatten, die Presse angokauft. Und in dieser Presse haben sie Aufsätze erscheinen lassen, die vom Studium, abrieten und allen jungen! Leuten empfahlen, ein Handwerk zu lernen. Warum? Nur um j die Arier von den akademischen Bernien fernzuhalten und diese mit ihrer großen Macht den Juden freizumachen. Man weiß nicht, ob es trauriger ist. daß so etwas erzählt, als daß cs anscheinend geglaubt worden ist: wenigstens hat sich seitens der Mehrheit niemand derartiges Geschwätz verbeten. Rieht unerwähnt mag ferner bleiben, daß man den a u s l a n d s d c u t s ch e n I u d e n verwarf, sie wollten nur um der finanziellen Vorteile willen in die deutschen Studentenschaften. Es hals nichts, daß man die deutschen Juden Prags anführte. die um iches Bekenntnisses zum Deutschtum willen schweren Benachteiligungen unterliegen — eine leicht hingcworfcne Bemerkung: von Rachteilen könne durch das Bekenntnis zum Deutschtum keine Rede sein, bei den Inden handele es sich nun einmal nur um das Erstreben von Vorteilen. -- und die Sache war erledigt. Ob man in den deutsck^n Kreisen Prag? genau so denken wird, muß füglich bezweifelt werden. Das K u l t u r a nt t'der Deutschen Studentenschaft in Wie;, führt in seinem Wappen das Hakenkreuz. Wie ein Herr mi? Wien zus gestand, bewußt als Zeichen antisemitischer Gesinnung. Aber, - meinte er, das Knlturamt müsse doch der wahre Vor-! 11 c t c t deut s ch e n G e i st e s und deutsche r Kt u l t u r i n [ Wien sein, denn sonst hätte sich doch außer Vertretern der öfterc reich'.'chen Regierung nicht auch die deutsche Gesandtschaft an der Ncichogründungsfc'rcr dieses Amtes beteiligt. Ob die deutsche Gesandtschaft in Wien sich klar gewesen ist, was sie damit getan hat? Und ob ihr der preußische Kultusminister dafür sehr dankbar war? Fragen, deren Beantwortung immerhin reckst interessant erscheint. Die endgültige Entscheidung über die Verfassungsfrage wird der T Allgemeine deutsche Studenten tag, der spätestens im i Sommerseinester stattfindet, zu fällen haben. Sein Ergebnis ist von ) ungeheurer Wichtigkeit. Für die studierende Jugend'muß mit bc« sonderer Schärfe gelten: „Hinein in die studentische Selbstverrrxrltnng!" Und Altakademiker und „Philister" müssen der Jugend Helfen, den Abwehrkamps in der Studenten selbst dnrchzuführen!