Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 8 (15.2.1927)
- Date
- 1927-02-15
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-s D^WaMahme von Blärterrr sonst hervorragende Uebung be« werL Mrgehindert zum Judenmorde auf. Vor uns liegt eine Reihe derartiger Veröffentlichungen, in denen die Juden des Ritualmordes beschuldigt, als Todfeinds des rumänischen Volkes bezeichnet werden unb in denen derr Juden angedroht wird, „daß sie noch ihr eigenes Blut ixmleu. werden". Einige Zitate: Das offizielle Organ der Christinen Liga für nationale Verteidigung, Ortsgruppe Ealatz, vom 10. Januar schreibt: „Verfluchtes VE Volk der Diebe und Betrüger, Volk ohne Leben und ohne Vaterland — seine letzte Zuflucht sollte die ungeheure EvrfaMksrt einer Wüste sein, in der man es schweigend be- Stafzm f&nnte/ Das gleiche Organ warnt vor Geschäften mit o&m. Das Bukarester .Komitee der gleichen Liga veröffentlicht einen Aufruf, in dem zu lesen ist, daß „der Jude, der Menschenschtächter und die Ursache bc~ Zwiespaltes irnwrhalb der Christenheit, mit feiner bekannten Bestialität das heilige Kreuz vernichtet, an das er, immer nur er, Jesus Christus geschürgen, weil dieser Glauben. Recht intb Wahrheit gefordert hat"'. Diese Zeilen sind der begleitende Tcrt einer Illustration, die hier wiedergegeben sei (Abbildung 1) und die beweist, mit welHen Mitteln diese Liga kämpft. Ein anderes Blatt, „CarpaüT# das Organ der Christlichen Liga für nationale Verteidigung, Ptoesti, vom 24. Januar, veröffentlicht unter dem Titel „Tore!" eine klare Aufforderung zum Judenmord Es heißt darin: „Töte! Unsere nationale Würde gebietet uns, mit tödlichen Schlügen sofort jeden zu vernichten, der unser VE umeren Staat untergraben will. Niemand hat' das Recht, uns in den Arm zu fallen, wenn die Eristenz des rumänischen Volkes auf dein Spiele steht." Ein weiterer Aufruf der christlichen Liga stellt einen Juden in der Form einer Spinne dar, wie er einem rumänischen Bauer das Blut aussaugt (WLibdung 2). Der Text ist dementsprechend. Genug der Zitate'und Illustrationen, es könnte mehr als eins Nummer dieses Blattes damit gefüllt werden. Man firazd£ über diese Art von Propaganda zur Tagesordnung übergehen. wenn die rumänische Regierung ihr entgcgenämfet würde, wenn sie die Bestimmungen des rumänischen LrraMesetzduches beachten und die Urheber und Verbreiter *_I_ derartiger Pamphlete der! ' verdienten Strafe Zufuhren würde. Nichts dergleichen jedoch geschieht! Im Gegenteil Tie Regierung denkt nicht nur nicht daran, diesen „Verteidigern* des rumänischen Volles in den Arm zu fallen, sie unterstützt sie sogar durch die erwähnte, von ihren eigenen Presseorganen betriebene Propaganda, die nach der Mechode der geeichten Antisemiten für alles, was schlecht in Rumänien ist, die Juden und immer wieder nur die Juden verantwortlich macht. Die Negierung, insbesondere ihr JnnenmmifLer. Herr Octavian Goga, dessen Aufgabe eigentlich dis Unterdrückung einer derartigen Propaganda wäre, dev sich auch dem Auslände gegenüber als Philosemit aufspielt, der in der Tat jedoch einer der geistigen Führer der rumänische» Antisemiten ist, darf sich also nicht wundern, wenn diese Propaganda ihre Früchte trägt, wenn Juden aus kchrenden Zügen geschleudert, wenn die Schaufenster jüdischer Lüden zertrümmert, wenn Juden auf offener Straße überfallen Jinb blutiggeschlagen, wenn an den rumänischen Nniverfitäten jüdische Studenten und Studentinnen blutig mi^andelt und aus den Hörfalen und Laboratorien hinausgeworfen werden (das Wort ist hier wörtlich zu verstehen), *Z DA. „C. D.-Zeitung" Nr. 7, wemr mit einem Worte in Rumänien Pogromstimmung herrscht. — D r e s e S t i m m u n g b e st e h t, davon kann jedermann, der nach Rumänien kommt und hören tuib sehen will, sich überzeugen. Wenn also die rumänische Regierung empört tut und sich gegen den Vorwurf sträubt, sie hätte Pogrome zugelassen., so ist sie nur insoweit im Recht — mau verzeihe die Anwendung des Wortes Recht in diesem Zusannnenhange —, als Pogrome n 0 ch nicht (der Ton liegt aus noch) stattgesunden haben. Don den Ausschreitungen, die bisher stattgefundeu haben, bis zum Pogrom, d. bis zur organisierten Massenabschlachtung von Juden, ist jedoch nur ein kleiner Schritt. Wir wollen dringend hoffen, daß es zu diesem Schritt nicht kommen wird.t Dies seht jedoch voraus, daß die Negierung, anstatt gegen die Proteste des Auslandes ihrerseits Protest zu erheben und anstatt von den Juden deeigenen Landes mit allen Mntetn der Drohung Gegenerklärungen zu erpressen (Die bisher nicht abgegeben wurden und wohl auch niemals werden abgegeben werden), sich dazu entschließt, vor ihrer eigenen Tür zu kehren.^ Daß es zu diesem Entschlüsse kommt, ist allerdings unwahrscheinlich, denn wie die Verhältnisse in Rumänien nun einmal sind, bedeutet für eine rumänische Regierung, vor der eigenen Tür zu lehren, Selbstmord begehen. Man kann demnach auf weiter nichts hoffen, als auf bte (Sutmüti^fcit des rumänischen Volkes selbst, das im Gegensatz zu ferner Regierung in des Wortes bestem Sinne tolerant ist und aus das die wüste Hetzpropaganda der antisemitischen Apostel, der Regierung mit einbegriffen, bisher so gut wie gar keinen Eindruck gemacht hat. Sollte es nichtsdestoweniger zu weiteren Judenausschreitungen oder zu Ausschreitungen in verstärktem Maße kommen -- was der ganzen Lachtage nach nur in den Städten möglich ist —, so steht die Mitschuld der rumänischen Regierung heute schon einwandfrei fest. // JJ ♦ ♦ ♦ Wir haben in der letzten Nummer über die große Verbreitung des „Eisenhammer" in der Pfalz berichtet. Heute geben wir eine Probe von der Arbeitsweise dieses Blattes. Tie Beilage des „Enenhanuner", die „Feuersckmicde", bringt in großer Ausmachung in eitlem Aus''ab' .Die Einheitsfront" die schwersten Verdächtigungen gegen einen jüdischen Richter. Wir sind der Notwendigkeit enthoben, im einzelnen die Verdrehungen zu widerlegen, die dieser Artikel enthalt. Die Vorgesetzte Behörde des Richters hat gegen den Herausgeber rc^ „Eisenhammer" Strafantrag gestellt, und der „Landauer Anzeiger sowie eine Reihe anderer pfälzischer Blätter veröffentlichen eine Zuschrift ans Richterkreisen, die' wir hier neben den Artikel des „Eisenhammer" sehen, damit jeder Leser selbst erkennen möge, rmt welchen Mitteln hier gearbeitet wird. Ter ..Eisenhammer" schreibt: Alle Juden sind Zengcnl Alle Christen und Angeklagte und der Richter hcitzt Kahn. In Landau (Pfalz) spielte sich dieser Tage ein großer Tprrtschicberprozest ab. Tie bandeluden Personen wurden dabei in zwei äußerlich erkennbare Eruppcn^ geschieden! Aus der einen Seite standen die Juden, die Mauser und Geschäftemacher, die Fuggcrer. Das waren die Zeugen! Aus der anderen standen die Dumnlcn. die Geprellten. Das waren die Angeklagten! Urteil: Alle 3u$cn wurden frei« gesprochen. Alle Christen (die Dummen) wurden verurteilt. Der Richter heiht Kahn . . . er soll sogar vereidigt worden sein . . . und im Talmud, Baba kanrrna 113 b. heisst es: „Wenn ein Jude mit einem Nichtjuden einen Prozeß bat, so mache er cs so: Wenn du deinen Bruder (Stammesgenosten) nach jüdischem Recht gewinnen lasten kannst, so las; ihn danach ^gewinnen.'. . . Wenn aber nicht, so komme mit Rcchtsknifscn über ihn." .,Aus Richtcrkreisen wird berichtigt: 1. Landgerichtsrat Kvhn iwtr in diesem Strafverfahren Unters u ch u n g s r i ch t e r. Er hatte allo nicht darüber zu entscheiden. gegen u?cn die Anklage ZU erheben war. weil dies nach der Prozeßordnung ausschließlich Sache des Staatsanwalts ist. 2. Als Untersuchungsrichter konnte er dei dev Hanvtoerhandlung und bei der Entscheidung nicht als erkennender Richter Mitwirken. also ans) keinen Einfluß auf Verurteilung oder Freisprechung ausüben. 3. Auch stand ihm nicht die Entscheidung darüber zu, wer als Zeuge zur Oanptverhandlung >u laden war. 4. Von den etwa 50 geladenen Zeugen mögen etwa fünf oder sechs jüdischen Glaubens gewesen sein. 5. Von den zekm Angeklagten, darunter ein Jude, wurden fünf verurteilt: gegen einen wurde das Verfahren aus prozessualen Gründen ansgesttst: vier wurden freigesprochen. unter diesen der jüdische Angeklggb'. . 6. Landgcrichtsrnt Kalnr ist in der Hauptverhandlnng nur buz ald vernommen worden über eine Frage, die mit der fon des jüdischen Angeklagten gar nichts zu tun Hatto. ...